Alle Beiträge von Daniel Bartetzko

Kraftwerk Birsfelden (Bild: Thomas Riehle; Sammlung Wilfried Dechau)

Bilder von Tomas Riehle

Im Juli 2017 starb Tomas Riehle, einer der stilbildenden und treffsichersten Architekturfotografen Deutschlands. Nun widmet ihm die Stiftung Insel Hombroich die Ausstellung Thomas Riehle. Fotografie. Der Ort der Schau ist mehr als angemessen: Über zwanzig Jahre lang lichtete der Wahl-Rheinländer die begehbaren Skulpturen und die Bauten der Kulturlandschaft Hombroich in Neuss ab. Im Laufe der Zeit entstanden ikonische Bilder des von seinem einstigen Professor Erwin Heerich initiierten Museumsareals, das 1987 eröffnet wurde.

Im dortigen Siza Pavillon sind 46 Bildern mehrerer Werkreihen aus über vierzig Jahren des fotografischen Wirkens Thomas Riehles zu sehen: künstlerische Auseinandersetzungen mit dem bebauten, inszenierten und umbauten Raum. Darunter auch Aufnahmen der Rheinbrücken, die Riehle in einem lange Jahre dauernden Projekt komplett ablichtete – so auch jene am Schweizer Kraftwerk Birsfelden (1953/54). Kuratiert wurde die Retrospektive von Katsuhito Nishikawa. Am Sonntag, 6. Mai findet im Rahmen der Ausstellung ein Vortrag mit dem Titel „Wenn Architekten träumen…“ von Rolf Sachsse statt. Der Fotograf, Autor und Professor für Designgeschichte und -theorie an der HBK Saar promovierte zum Thema Fotografie als Medium der Architekturinterpretation und war bis 1994 Professor für Fotografie in Krefeld. (db, 22.4.18)

Kraftwerk Birsfelden (Bild: Thomas Riehle, Sammlung Wilfried Dechau)

Finanzamt Oldenburg (Bild: Edfyr, CC BY-SA 4.0)

Finanzamt Oldenburg kommt weg

Auch wenn so mancher davon träumt, dass die Bagger seinem zuständigen Finanzamt den Garaus machen: In diesem Fall ist es durchaus bedauerlich, und hier hilft auch nicht, dass es sich um das Gebäude namhafter Architekten handelt. Das ehemalige Finanzamt Oldenburg (1974/75) wird abgerissen. Errichtet wurde es nach Plänen des Büros von Gerkan, Marg und Partner (gmp). Vor einem Jahr hat die Behörde das sanierungsbedürftige Gebäude verlassen. Der Abriss war da bereits beschlossene Sache: Nach ausführlichen Untersuchungen der Fassadenplatten kam man zum Schluss, dass eine Sanierung, wenn überhaupt, nur bei optimalem Verlauf günstiger als ein Neubau wäre.

Im Raum steht, dass der Altbau asbestbelastet sei – der Schadstoff sei mit dem Klebstoff für die Wärmedämmung aufgetragen worden. Aktuell werden der Abriss noch planerisch vorbereitet und die Arbeiten ausgeschrieben, die Umsetzung soll Ende diesen Jahres erfolgen. Die Abrisskosten werden vom Finanzministerium mit 15,5 Millionen Euro beziffert, da mit besonderen Schutzmaßnahmen vom Einhausen bis zum Absaugen gearbeitet werden muss. Im Anschluss soll das Grundstück in Innenstadtlage zum Verkauf angeboten werden – es gebe schon Interessenten. Wo genau der Neubau des Finanzamts, das aktuell in einer Container-Zwischenlösung eingerichtet ist, stehen soll, ist noch unklar. (db, 21.4.18)

Finanzamt Oldenburg (Bild: Edfyr, CC BY-SA 4.0)

Coburg, Rosengarten (Bild: Mike Beyerwald CC BY-SA 3.0)

Coburg: Uneinigkeit übers Kongresshaus

Politische Uneinigkeit in Coburg: Die „Jungen Coburger“ im Stadtrat sprechen sich streng gegen den Abriss des Kongresshauses im Rosengarten aus und reagieren damit auf die Ideen, die SPD-Fraktionsvorsitzende Petra Schneider und CSB-Stadtrat Gerhard Amend in einem Gespräch mit der Neuen Presse vorgetragen hatten. Beide hatten für einen Neubau einer Stadthalle am Güterbahnhof-Gelände plädiert. Dagegen stellt Politiker Kurt Knoch fest, dass ein Abriss des Kongresshauses für die JC nicht in Frage komme. Das heutige Gebäude sei erst rund 30 Jahre alt, und selbstverständlich gebe es inzwischen Sanierungs- und Anpassungsbedarf – ein Abriss des einst 22 Millionen teuren Baus stelle eine Vermögensvernichtung und ein Hohn gegenüber allen Steuerzahlern dar. Würde man heute mit dem hohen Anspruch bauen, mit dem das Kongresshaus errichtet wurde, wäre dies schlicht unbezahlbar.

Der Coburger Rosengarten ist eine Grünanlage in der Ketschenvorstadt, 1929 fand auf dem im Lauf der Jahre parkähnlich erweiterten Areal die namensprägende „Deutsche Rosenschau“ statt. 1962 wurde hier das Kongresshaus errichtet, 1987 nach Plänen von Hans-Busso von Busse (1930-2009) postmodern umgebaut und erweitert. Neben polit-Veranstaltungen finden auch Konzerte und – logisch – Kongresse  statt. Franz-Josef Strauss, Günter Grass und die Krautrock-Band Birth Contol waren ebenso zu Gast wie Hans-Dietrich Genscher, Herbert Wehner und Costa Cordalis: geballte westdeutsche Geschichte. (db, 14.4.18)

Coburg, Rosengarten (Bild: Mike Beyerwald CC BY-SA 3.0)

Köhlbrandbrücke: Zukunft unklar

Sie gehört zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen Hamburgs: Seit 44 Jahren überspannt die Köhlbrandbrücke den gleichnamigen Elbseitenarm und verbindet den östlichen und den westlichen Hafenteil. Markant sind vor allem ihre beiden Pylonen, die die Fahrbahn an 88 Stahlseilen tragen. Doch auch die vollständig  freiliegenden Rampen lassen das Bauwerk so riesig wie vermeintlich schwerelos wirken. Geplant hatten es der Ingenieur Paul Boué (1920-2016) und der Architekt und Hebebrand-Schüler Egon Jux (1927-2008). Am 20. September 1974 weihte der damalige Bundespräsident Walter Scheel das riesige Bauwerk ein, die dreitägigen Feierlichkeiten lockten 600.000 Besucher an.

Doch die Tage des technisch-ästhetischen Wunderwerks sind seit 2012 gezählt, als OB Olaf Scholz den geplanten Neubau verkündete. Nun kommt eine neue Variante ins Spiel: Die Köhlbrandbrücke könnte durch einen Tunnel mit zwei Röhren ersetzt werden. Dies lässt die  Hafenbehörde HPA ebenso wie den Brücken-Neubau prüfen und will die Ergebnisse einer Konzeptstudie im Herbst bekannt geben. Die Lebenszeit der Bauwerks sei 2030 überschritten, teilte der technische Geschäftsführer der HPA, Matthias Grabe, am 10. April der Presse mit. Zudem ist die Durchfahrtshöhe von 53 Metern mittlerweile zu niedrig (!). Eine neue Brücke müsste 20 Meter höher werden, damit größere Schiffe den Weg zum Containerterminal Altenwerder passieren könnten – somit wird die Tunnelidee für die Betreiber umso interessanter (db, 12.4.18)

Hamburg, Köhlbrandbrücke (Bild: Ajepbah, CC BY-SA 3.0)

Brno, Villa Tugendhat (Bild: Daniel Fiser, CC BY-SA 3.0)

Nach Bremen – zur Villa Tugendhat

Eine großzügige Villa mit einem nach oben offenen Budget zu errichten: Dieser Architektentraum wurde 1928 für Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) wahr, als er ebendiesen Autrag von Unternehmerfamilie Tugendhat im tschechischen Brünn (heute: Brno) erhielt. Das Haus Tugendhat zählt zu den Ikonen der Klassischen Moderne, gemeinsam mit weiteren stilbildenden Wohnbauten wie der Villa Savoye von Le Corbusier, dem Haus Robie von Frank Lloyd Wright und dem Haus Schminke von Hans Scharoun. Das Haus Tugendhat hat eine wechselhafte Geschichte. Es wurde nach der Flucht der Bauherren von den Nazis genutzt, danach von der Roten Armee und der Tschechoslowakei. Es wurde privatisiert, restauriert und gehört heute zum Unesco-Weltkulturerbe und wird als Museum geführt.

Das Museum hat eine Wanderausstellung über das Haus zusammengestellt und auf eine internationale Tour geschickt. Professor Clemens Bonnen von der Hochschule Bremen hat die Ausstellung im Ausland gesehen und Kontakt zum Museum aufgenommen. Das Museum war dann gerne bereit, die Ausstellung in Bremen zu zeigen. Die Schau ist in insgesamt 14 Themen gegliedert. Sie zeigt auf großformatigen Tafeln die Geschichte der Villa, von der ersten Idee bis zum heutigen Stand. Kern der Präsentation ist ein beleuchtetes Modell des Hauses im Maßstab 1:50. (db, 5.4.18)

Brno, Villa Tugendhat (Bild: Daniel Fiser, CC BY SA 3.0)