Alle Beiträge von Daniel Bartetzko

Löhma-Munschwitz, ehem. Kneipp-Sanatorium (Bild: NoRud, CC BY-SA 4.0)

Keine Zukunft fürs Sanatorium

Seit 21 Jahren steht es leer, nun scheinen die Tage des Sanatoriums in Leutenberg-Löhma gezählt. Die Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) als Eigentümerin des 1958-60 errichteten Gebäudekomplexes hielt diesen lange, auf eine Neunutzung hoffend, in Schuss. Es gab auch Interessenten: So einen Herrn aus einem westlichen Nachbarland, der bei einer Versteigerung den Zuschlag erhielt, leider aber den Kaufpreis zu zahlen vergaß. Der Kaufvertrag wurde „rückabgewickelt“. Seit Wasser- und Stromversorgung des abgelegenen Gebäudes gekappt wurden, sind die Hürden für potenzielle Nutzer immens: Rund eine halbe Million Euro würde es kosten, das Areal wieder an die Energie- und Wasserversorgung anzuschließen. Dagegen wirkt der noch immer aufgerufene Kaufpreis von 65.000 Euro bescheiden.

Der Grund, warum jahrelang in die Instandhaltung investiert wurde: Im Abrissfall wäre das Grundstück nicht zu verwerten, nach heutiger Gesetzeslage dürfte hier nicht mehr gebaut werden. Nachdem immer wieder Interessenten abrückten, scheint die LEG aufgegeben zu haben: Mittlerweile verfällt der Bau, der noch über etliche Ausstattungsdetails der 1950er Jahre verfügt, zusehends. Nun lässt man eine Kostenschätzung für zwei Varianten erstellen: entweder Teilabriss bis auf die Grundmauern oder Total-Beräumung. Wenn nicht noch plötzlich jemand sein Portemonnaie öffnet, sind die Tage des Ostmoderne-Baus gezählt. (db, 21.4.17)

Löhma, Kneipp-Sanatorium (Bild: NoRud, CC BY SA 4.0)

Dresden, Hochhaus Schokopack 1997 (Bild: S.J., gemeinfrei)

Neue Nutzung fürs Schokopack

Beachtliche 27 Jahre Leerstand haben ihm keine irreparablen Schäden zugefügt, und nun sieht es so aus, als ziehe tatsächlich wieder Leben ein ins „Schokopack“-Hochhaus. Der 1957-63 errichtete Bau gilt als Dresdens erstes Betonskelett-Hochhaus. Interessanterweise wurde das Wahrzeichen des einstigen „VEB Verpackungsmaschinenbau Dresden“ ab 1957 konsequent im International Style erbaut (Architekt: Johannes Junghans). Seit der Auflösung des Kombinats 1990 liegt die gesamte Anlage brach und verfällt, auch wenn das Hochhaus seit 2008 unter Denkmalschutz steht. Zuletzt wurde es regelmäßig mit rechts- wie linksradikalen Parolen beschriftet. Ein Investor wollte ab 2011 in dem Bau Altenwohnungen und Arztpraxen einrichten, wegen der Nähe zum Industriegebiet willigte die Stadt letztlich nicht ein.

Nun wechselte die Immobilie ein weiteres Mal den Besitzer: Die Bielefelder Intelligence AG erwarb das ramponierte Hochhaus und ließ bereits die Außenanlagen bereinigen. Das expandierende IT-Unternehmen will im DDR-Denkmal ein Dienstleistungszentrum einrichten, hinzu kommen Kantine, Fitnessstudio und ein Park. Man hofft, hier bis zu 550 Büro-Arbeitsplätze zu schaffen; das Investitionsvolumen beträgt 20 Millionen Euro. Die Sanierung wird durch den bisherigen Investor betreut und soll im Herbst 2018 abgeschlossen sein. (db, 20.4.17)

VEB Schokopack Dresden (Bild: S. J., gemeinfrei, Detail)

Was wollt Ihr denn?!

Margret Hoppe, Couvent de SaintMarie de La Tourette I, Eveux, 2013, C-Print hinter Acrylglas (Bild: Margret Hoppe)
Couvent de SaintMarie de La Tourette I, Eveux, 2013, C-Print hinter Acrylglas (Bild: Margret Hoppe)

Wie kann man Architektur abbilden? Welche Haltungen nehmen Fotografen ein? Welche Positionen beziehen sie zum Stadtraum,  zum Gebäude, zum Innenraum, zur Ikone, zum Privaten, zur Infrastruktur, zur Kulturlandschaft? Welche neuen Ansätze werden formuliert, welche Möglichkeiten und Grenzen gibt es? Oder etwas freier mit Urs Stahel gesprochen: „Ja, was will sie denn, die Architekturfotografie?“ Das Karlsruher Architekturschaufenster (Waldstraße 8, 76133 Karlsruhe) möchte vier Wochen lang helfen, helfen, das herauszufinden: mit der Reihe „Ein Monat Architekturfotografie“.

Die Fotografen Blaffert & Wamhof (zu sehen von 25. April bis 7. Mai) begleiten seit 2007 den Abzug der britischen Streitkräfte aus Deutschland und beobachten die Veränderungen von Räumen, Gebäuden, Natur und Menschen. Der dritte Teil ihrer Langzeitdokumentation zeigt die Garnison Bergen-Hohne/Bad Fallingbostel im Sommer 2015 sowie die Gedenkstätte im ehemaligen KZ Bergen-Belsen. Margret Hoppe (von 9. bis 23. Mai) setzt sich in zwei Serien künstlerischer Fotografie intensiv mit dem Werk Le Corbusiers auseinander: „Après une Architecture“ zeigt einige seiner Bauten in Deutschland und Frankreich, „Cotton and Capital – Le Corbusier in India“ widmet sich jenen in Indien. (db, 13.4.17)

Generalsanierung für den Gasteig

München, Gasteig (Bild: Wikiolo, CC BY-SA 4.0)
München, Gasteig (Bild: Wikiolo, CC BY SA 4.0)

Der Münchner Stadtrat hat grünes Licht für die Sanierung des Kulturzentrums Gasteig gegeben. Der 1978-85 errichtete Gebäudekomplex, dessen Herzstück der Saal der Philharmonie ist, war schon seit Längerem in der Diskussion – auch weil am Ostbahnhof noch ein neuer Konzertsaal für das BR-Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks errichtet wird. So wurde es 2016 beschlossen. Nun steht also fest, dass es in einigen Jahren zwei große Konzerthäuser in Bayerns Landeshauptstadt geben wird.

Die Gasteig München GmbH leitet einen Architektenwettbewerb mit anschließender Vorplanung der Sanierung in die Wege. Gleichzeitig sollen Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner und sein Team in Verhandlungen über mögliche Interims-Spielorte während der Sanierungsarbeiten treten. Der Spaß kostet aber richtig Geld: Bis zu 450 Millionen Euro werden für das Gesamtprojekt veranschlagt. Vor allem der Philharmonie-Saal soll Veränderungen erfahren. Seit jeher wurde die Akustik des PoMo-Prunkbaus kritisiert. Die Generalsanierung hat der Stadtrat Anfang April mit nur einer Gegenstimme beschlossen. Dass künftig jede Einzelmaßnahme geprüft und finanziell bewertet werden soll, hängt nicht zuletzt mit der in aller Öffentlichkeit diskutierten Kostenexplosion bei der Hamburger Elbphilharmonie zusammen … (db, 11.4.17)

USM-Haller-Gebäude unter Schutz

Brühl, USM Produktionshallen (Bild: USM)
Unter Schutz: Die USM-Haller-Produktionshallen (Bild: USM)

Die Deutsche Tochtergesellschaft des Möbelproduzenten USM Haller befindet sich seit 1976 in Bühl. Allerdings soll die Produktion des ikonischen, 1963 präsentierten Möbel-Systems nach Leipzig verlagert werden. In Bühl verbleiben nur Geschäftsleitung, Verwaltung, Vertrieb und Marketing. Angeblich wurde auch um einen teilweisen Rückbau der Gebäude nachgedacht.

Daraus wird vorerst nichts: Das in mehreren Abschnitten zwischen 1982 und 1992 errichtete USM-Haller-Ensemble steht seit Anfang 2017 unter Denkmalschutz. Es wurde nach Plänen von Fritz Haller (1924-2012) im Stahlbausystem „Maxi“ entworfen, einer den Büromöbeln ähnlichen Modulbauweise. Bereits für die Firmenzentrale im Schweizer Münsingen hatte Haller dieses System entworfen und in Bühl weiterverfolgt. Die beiden ersten Bauabschnitte 1982 und 1987 führte er noch selbst aus, Planung und Ausführung des dritten Bauabschnitts übernahm 1992 das Architekturbüro Dieter Wurm (heute Wurm + Wurm): Zwischen Fritz Haller und USM-Chef Paul Schärer war es 1988 zum Bruch gekommen. Entscheidend für die nun erfolgte Unterschutzstellung war die Sanierung der USM-Gebäude 2009 durch Wurm + Wurm. Die Glas-Stahlfassade musste den aktuellen bauphysikalischen Anforderungen angepasst werden. Zugleich wurden spätere Veränderungen zurückgebaut, so dass die filigrane Architektur, die dem International Style näher als der Postmoderne ist, wieder zur Geltung kommt. Die Architektenkammer Baden-Württemberg zeichnete die Sanierung 2014 als „Beispielhaftes Bauen“ aus. (db, 10.4.17)

Bauakademie: Bitte nichts überstürzen!

Berlin, Bauakademie 1888 (Bild: Wikipedia,gemeinfrei)
Genau so oder doch lieber eine Interpretation? Baun’ mer mal … (Bild: Wikipedia, gemeinfrei)

Der lange geplante Wiederaufbau von Friedrich Schinkels Bauakademie in Berlins Mitte ist schon länger beschlossene Sache. Doch dass nun alles auf einmal ganz schnell gehen soll, lässt staunen. 62 Millionen Euro stellte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags 2016 zur Verfügung, jetzt soll es losgehen. Konzepte? Egal, kommen später … Die Bundesstiftung Baukultur in Potsdam wurde vom Bund beauftragt, die offenen Fragen zum  Bau und seiner Nutzung im Rahmen von drei „Werkstatt-Gesprächen“ im Hauruck-Verfahren zu klären. Ob die neue Akademie eine Rekonstruktion des Schinkel-Baus von 1832-36 oder eine zeitgemäße Interpretation sein soll, ist gleichfalls noch offen, soll aber schon im Spätsommer geklärt werden.

Wir berichteten bereits über den sich konkretisierenden Unmut über den Verlauf des Projekts. Die von Oliver Elser, Florian Heilmeyer und Ulrich Müller Anfang März formulierten „10 Thesen zu einer Neuen Bauakademie“, die eine klarere und vor allem demokratischere Planung einfordern, sind hier einzusehen. Und wer sich den Forderungen anschließen möchte, kann dies mit einer E-Mail an elser(at)architekturtexte.de mitteilen, die Liste der Unterstützer wird fortwährend erweitert. Zu ihnen zählen unter anderem Hubertus Adam, Kristin Feireiss, Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch.(db, 6.4.17)

Adieu Garagenhof …

Frankfurt a.M., Kölner Straße (Bild: Daniel Bartetzko)
Die Gentrifizierung ist am linken Bildrand gestartet und wird demnächst die Mitte erreichen. (Bild: Daniel Bartetzko)

Eine ehemalige Tankstelle aus den 1950ern, dahinter ein Garagenhof, der teils noch aus den 1930er Jahren stammt – das Ganze auch noch in pittoresk-romantischem Verfallsstadium: Schöner kann kein Hinterhof-Klischee erfüllt werden. Das Gebäudeensemble zwischen Kölner und Emser Straße im Frankfurter Stadtteil Gallus war nicht umsonst mehrfach Kulisse für Fernsehkrimis wie „Ein Fall für zwei“ und „Tatort“. Und wie dieses angeschrummelte Idyll bis 2017 nahezu unberührt überdauern konnte, gehört zu den urbanen Rätseln der Hessenmetropole. Aber nun ist es damit auch vorbei: Die Bagger sind angerückt und schaffen Platz für ein Eigentumswohnungs-Projekt mit dem klangvollen Namen „The Link“.

So unfreiwillig klischeehaft der Garagenhof irgendwann war, so klischeehaft gerät auch die aktuelle Situation: Das Areal gehört schon seit einigen Jahren nicht mehr zum Gallus, sondern heißt jetzt „Europaviertel“. Und als wolle man den Begriff Gentrifizierung besonders anschaulich erklären, mussten Kleingewerbetreibende und Moped-Bastler ihr Idyll zugunsten eines Investoren-Projekts mit modisch-überkandideltem Namen verlassen. Das, was an Stelle der raren historischen Kfz-Anlage entsteht, wäre angesichts seiner Gewöhnlichkeit eigentlich auch keinen „Link“ wert. Die entstehende Gebrauchsarchitektur macht den Verlust einer charmanten Schmuddelecke nur noch bedauerlicher … (db, 3.4.17)