Alle Beiträge von Daniel Bartetzko

Bonn, syrische Botschaft (Bild: Eckhard Henkel, CC BY-SA 3.0)

Bonn: Botschaft for Sale

Außen klotzige Spät-Postmoderne, innen ein Inferno orientalischer Formen und Farben: Mit der Architektur und der Innengestaltung seiner Botschaft setzte sich Syrien 1990 am Rand der Bonner Rheinaue ein Denkmal. Bauherr war Seine Exzellenz Suleyman Haddad, der damals bereits neun Jahre als Botschafter in Deutschland weilte. Erbaut wurde das Haus im Damazenerstil, Architekt war der (bis heute unbekannte) Kölner N. Kasri. Für die Details wurden eigens 40 syrische Künstler nach Bonn eingeladen. 2003 zog die Botschaft in die neue Hauptstadt Berlin um, seither steht der Bau leer, nur gelegentlich fanden Veranstaltungen der Deutsch-Syrischen Gesellschaft statt. Mit Ausbruch des Bürgerkriegs in dem arabischen Land endete die Nutzung vollends.

Nach langer Ruhezeit kommt der letzten neu entstandene Bonner Botschaftsbau nun auf den Immobilienmarkt: Das ortsansässige Büro Limbach Immobilien ist mit dem Verkauf beauftragt. Einbringen soll die Liegenschaft, die bei einem Bieterverfahren bis Oktober 2017 den Besitzer wechseln soll, mindestens 2,5 Millionen Euro. Trotz des Leerstands gebe es keine großen Schäden, so der Geschäftsführer des Maklerbüros. Die Botschaftsliegenschaft verfügt über ein rund 4.000 Quadratmeter großes Grundstück. Im Inneren umschmeicheln Marmorböden, „Goldornamente“ und Intarsiendecken die Seele, im Keller gibt es ein Hamam, im Innenhof kann ein Springbrunnen in Betrieb genommen werden. (db, 22.7.17)

Bonn, Syrische Botschaft (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0)

Frankfurt, Neue Bethlehemkirche (Gaki64, CC BY-SA 3.0)

Klaus Peter Heinrici gestorben

Er ist gebürtiger Frankfurter, allerdings nicht am Main, wohin er 1951 zog, sondern an der Oder. Sein Name taucht selten auf, wenn von den großen Baumeistern der Frankfurter Nachkriegsmoderne die Rede ist. Und viele seiner Entwürfe sind ebenfalls bekannter als ihr Schöpfer: Das 1956 eröffnete Büro von Klaus Peter Heinrici (ab 1978 Heinrici und Geiger) hat unter anderem das Grzimek-Haus im Zoo (1978), den Umbau des Bockenheimer Straßenbahndepots zum Theaterraum (1988) und das postmoderne Wohnhaus Saalgasse 28 realisiert. Auch die neue Kirche der Bethlehem-Gemeinde (1971) im Stadtteil Ginnheim ist ein Werk des Elsaesser-Schülers.

Neben Elsaesser prägte Heinrici in seinen Anfangsjahren ein weiterer Protagonist des „Neuen Frankfurts“: Nach seinem Diplom arbeitete er von 1951 bis 1956 im Hochschulbauamt der Frankfurter Universität unter Ferdinand Kramer. Über 50 Gebäude, die meisten bis heute in Nutzung (das will etwas heißen in Frankfurt/Main!), entwarf Heinrici, seine Gründung HGP Architekten ist noch immer aktiv. Er selbst ging 2000 Ruhestand, zog sich auch aus dem Städtebaubeirat zurück. Bereits am 25. Juni ist der Architekt, der das Bild Frankfurts nachhaltiger prägte, als vielen bewusst ist, gestorben. Klaus Peter Heinrici wurde 89 Jahre alt. (db, 21.7.17)

Frankfurt/Main, Bethlehemkirche (Bild Gaki64, CC BY-SA 3.0)

 

 

Herdecke, Koepchenwerk (Bild: Radler59, CC BY-SA 4.0)

Koepchenwerk: Schriftzug wird saniert

Am Koepchenwerk tut sich was: Nachdem die Stiftung Industriedenkmalpflege Ende 2016 das seit über 20 Jahren stillgelegte Kraftwerk vom Energieversorger RWE erwarb, starten nun erste Sanierungsarbeiten. In Bälde wird der RWE-Schriftzug, der sich in Jahrzehnten zum Wahrzeichen des Hengsteysees bei Herdecke entwickelt hat, demontiert und aufgearbeitet. Dies soll in Eigenleistung in der Zentralwerkstatt der Stiftung geschehen. Die Tragekonstruktion der sechs Meter hohen Lettern muss hingegen vor Ort entrostet und konserviert werden. Auch das Dach des Schieberhauses, auf dem das Logo angebracht ist, erhält eine Grundsanierung. Witterung und Vandalismus haben dem Bauwerk in den vergangenen Jahren stark zugesetzt. Nach Abschluss der Arbeiten soll ein Zaun vor erneuten mutwilligen Beschädigungen schützen.

Das 1927-30 errichtete Koepchenwerk, dessen Name sich von seinem Planer Arthur Koepchen ableitet, ist neben dem Pumpspeicherwerk Niederwartha der zweitälteste deutsche Bau dieser Art. Bereits 1986 wurde es unter Denkmalschutz gestellt, 1994 stillgelegt und neben dem Altbau ein neues Kraftwerk errichtet. Bis vor wenigen Jahren wurde das Koepchenwerk museal genutzt, dann scheute der RWE-Konzern die weiteren Erhaltungskosten und stellte Anfang 2015 Abrissantrag – der Dank des Verkaufs vom Tisch ist. Im Sommer 2018 sollen auch am Hauptgebäude Instandsetzungsarbeiten folgen. (db, 18.7.17)

Koepchenwerk: Schieberhaus mit RWE-Schriftzug (Bild: Radler59, CC BY SA 4.0)

Berlin, Wohnpyramide Schöneberg (Bild: Gunnar Klack CC BY-SA 4.0)

Berlins wuchtige 1970er unter Schutz

Still und leise wurden im März drei Berliner Wohnanlagen der 1970er unter Denkmalschutz gestellt: die „Schöneberger Terrassen“, 1976-79 nach Plänen von Waldemar Poreike (1927-2014) errichtet, die 1972 fertiggestellte „Pyramide“ an der Kleiststraße von Fridtjof Schliephacke (1930-1991) und der Sozialpalast (1974-1977, heute „Pallasseum“), für den Jürgen Sawade (1937-2015) verantwortlich zeichnete. Allen gemein ist, dass sie im Stadtteil Schöneberg stehen und dass sie so bekannt wie umstritten sind. Insbesondere die Plattenbauten der Schöneberger Terrassen stehen wegen Ästhetik und Asbestbelastung in Dauerdiskussion. Pallasseum und Pyramide hatten ebenfalls (sozial) schwierige Zeiten, sind als Wohnorte mittlerweile jedoch wieder beliebt.

Auch die Unterschutzstellung der wuchtigen Wohnanlagen steht nun in der Kritik: Die Entscheidung des Landesdenkmalamts sei nicht in Abstimmung mit dem Bezirksamt geschehen, bemängeln sowohl die SPD-Fraktion Tempelhof-Schöneberg als auch der stellvertretende Ortsbürgermeister Jörn Oltmann (B90/Grüne) die Entscheidung des Kultursenators Klaus Lederer (Linke). Die SPD sieht in den Bauten „bedeutende Zeugnisse ihrer Zeit“, kritisiert aber das Verfahren „von oben herab“. Die CDU hält Pyramide, Pallasseum und Terrassen „nicht gerade (für den) Ausdruck städtebaulicher Schönheit“ und will den Senator nach den Gründen für seine Entscheidung fragen. Müssen wir wirklich erläutern, dass „Schönheit“ kein Denkmal-Kriterium ist, oder empfehlen wir den Fragestellern einfach den Blick ins Denkmalschutzgesetz? (db, 17.7.17)

Berlin, „Pyramide“ in der Kleiststraße (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Marl, ehemalige Hauptschule (Bild: Thorsten Arendt/Ruhrmoderne)

100 Stunden Brutalismus in Marl

100 Stunden Brutalismus in vier Tagen? Doch, irgendwie wird das funktionieren: Von 27. bis zum 30. Juli bietet die Initiative Ruhrmoderne ein ambitioniertes Programm rund um „großartige und fatale Beispiele“ des Brutalismus im nördlichen Ruhrgebiet an. Zu den Ausgewählten zählen neu geschaffene Städte und Stadtzentren, experimentelle Wohnstrukturen und weitere geglückte wie gescheiterte Planungen. Als Unterkunft für die Teilnehmer dient das „Hotel Ruhrmoderne“ – die ehemalige Hauptschule von Günter Marschall (1967). Seit 2009 steht sie leer, auch wenn sie zwischenzeitlich zum – nie genutzten – Erstaufnahmelager umgestaltet wurde. Für vier Tage (bitte rechnen: das macht 96 Stunden) kehrt nun wieder Leben ein.

Die Exkursionen der Veranstaltung führen zu weiteren Bauten in Marl sowie durch die Neue Stadt Wulfen, in der unter anderem das grandios gescheiterte Habiflex (noch) steht. Und da die Fahrrad-Metropole Münster nahe ist, wird dort per Pedale die aktuell laufende Kunstschau „Skulpturen Projekte“ erkundet. Ergänzend gibt es Vorträge und Diskussionen sowie das Symposium „Brutiful Life“ zur Moderne der 60er und 70er Jahre mit Theo Deutinger, Inke Arns, Georg Elben, Constantin Alexander und Oliver Elser. Alle Veranstaltungen können auch einzeln wahrgenommen werden. Das „Hotel Ruhrmoderne“ ist kostenfrei, die Teilnahme insgesamt kostet 100 Euro (60 Euro für Studenten). Die Anmeldung läuft bis 23. Juli, Obacht: begrenzte Teilnehmerzahl! (db, 11.7.17)

Das „Hotel Ruhrmoderne“ (Bild: Thorsten Arendt/Veranstalter)