Alle Beiträge von Daniel Bartetzko

Handicapped Car (Copyright Beni Bischof ; Bild: Kommunale Galerie Berlin)

Abgefahren!

Fetisch oder Fluch? Das Auto bestimmt das Alltagsleben vieler Menschen, und es gibt gleichzeitig wohl kaum einen Gegenstand, der so sehr polarisiert: Designikone und Umweltkiller, Statussymbol und Notwendigkeit, Hassobjekt und Lieblingsstück. Die Ambivalenz wird von Industrie und Werbung noch befeuert – auch, wenn sich die Ära des Verbrennungsmotors womöglich dem Ende zuneigt. Die Fotoausstellung DRIVE DROVE DRIVEN präsentiert unterschiedliche Automodelle und künstlerische Ansätze in über 60 Aufnahmen. Abbilder einer Gesellschaft, in dem ein Abgesang auf unsere automobile Gegenwart genauso aufblitzt wie die Faszination für den schlichten Gegenstand.

Die erste Station war in der Automobilnation USA, nun ist DRIVE DROVE DRIVEN vom fernen Omaha in die Kommunale Galerie Berlin gekommen: kuratiert von Matthias Harder, mit Werken unter anderem von Clara Bahlsen, Beni Bischof, Larry Ferguson, James Hendrickson, Charles Johnstone, Melina Papageorgiou und Michael Witte. Bis 8. April bietet die Ausstellung Entscheidungshilfe bei der Frage, ob man der Faszination Auto erliegen möchte, oder ob man zur wachsenden Zahl der Anti-Autler gehört. Einen Mittelweg scheint es heute irgendwie nicht mehr zu geben … Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176; Di-Fr 10-17 Uhr, Mi 10-19 Uhr, So 11-17 Uhr (db, 18.2.18)

Beni Bischof, Handicapped Car (Copyright Beni Bischof/Kommunale Galerie Berlin)

Stuttgart, EnBw-Zentrale (Bild: Klaus Gablenberger)

Die Bagger rücken an in Stuttgart

Die Wellen schlugen hoch, als 2016 bekannt wurde, dass der neue Eigentümer der EnBW-Zentrale in Stuttgart das Gebäudeensemble abreißen möchte: Erst 1997 wurde der dunkel geklinkerte, hochwertig ausgestattete Bau an der Jägerstraße fertiggestellt – nach Plänen des Büros Lederer Ragnarsdottir Oei. Der vordere Bereich an der Kriegsbergstraße stammt aus dem Jahr 1975. Die Architekten Kammerer und Belz schufen das großzügig verglaste Spätmoderne-Haus. Zwei hochwertige Gebäude in bestem Nutzungszustand, erstellt von namhaften Architekten: Wie weit kann Ressourcenverschwendung gehen, fragten viele angesichts der Abrisspläne des Investors Reiß und Co. Real Estate.

Mittlerweile ist klar, dass zumindest der jüngere Teil der EnBW-Zentrale erhalten bleibt. Der Glasbau von Kammerer und Belz hingegen wird demnächst abgerissen. An seiner Stelle soll ein 400-Betten-Hotel entstehen, gegebenenfalls auch Büroräume. Als Architekten wurden hier „alte Bekannte“ gewonnen: das Büro Lederer Ragnarsdottir Oei, für dessen 1990er-Jahre-Gebäude in der Jägerstraße nun neue Mieter gesucht werden. Ein Bonbon halten die Stuttgarter Nachrichten bereit: einen Rundgang mit dem Architekten Heiko Stachel durch die Abrissgebäude. Nun mag man nur noch darüber diskutieren, ob die Vernunft gesiegt hat, oder ob nur angesichts eines drohenden Imageschadens vom Abriss der gesamten Anlage abstand genommen wurde. Auf der Homepage des Nachfolgebüros von Kammerer und Belz heißt es übrigens: „Bauwerke brauchen Dauerhaftigkeit und die Fähigkeit zu altern“ … (db, 14.2.18)

Stuttgart, EnBw-Zentrale (Bild: Klaus Rau)

Rom, Petersdom (Bild: Petar Milosevic, CC BY SA 4.0)

Der Vatikan bei der Architektur-Biennale

Es wird das erste Mal sein: Der Vatikan beteiligt sich in diesem Jahr mit dem Projekt einer Waldkapelle an der Architektur-Biennale in Venedig. Rom teilte mit, zehn internationale Architekten hätten Kapellen aus unterschiedlichen Materialien entworfen. Diese werden in Venedig gezeigt im Vatikan-Pavillon, der nicht in den Giardini, sondern in einem Wäldchen auf der Insel San Giorgio Maggiore gegenüber dem Markusplatz liegt.

Der Beitrag des Vatikans wurde inspiriert von einer Waldkapelle, die der schwedische Architekt Gunnar Asplund 1920 für den Stockholmer Friedhof Skogskyrkogården gestaltete. Die gesamte Anlage und mit ihr die programmatisch schlicht und naturverbunden gehaltene Kapelle wurde inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben. Die Biennale-Kapellen sollen nach der Ausstellung weiterverwendet werden. In Venedig dauert die 16. Architektur-Biennale vom 26. Mai bis zum 25. November 2018. Sie findet alle zwei Jahre im Wechsel mit der Kunst-Biennale statt, an der sich der Vatikan bereits 2013 und 2015 beteiligt hat. (db, 5.2.18)

Rom, Petersdom (Bild: Petar Milosevic, CC BY SA 4.0)

Solingen, Stadion am Hermann-Löns-Weg (Bild: Matthias Hermann)

Solingen: Abschied am Hermann-Löns-Weg

Einst kickte hier die Union Solingen in der 2. Fußball-Bundesliga. Doch die guten Zeiten im Stadion am Hermann-Löns-Weg sind lange vorbei. Der Fußballverein, nach einer Insolvenz 1990 als 1. FC Union Solingen neu gegründet, ist seit 2012 endgültig Geschichte. Und im 1929 errichteten Stadion werden bereits seit 2010 keine Ligaspiele mehr ausgetragen. Einst traten die Solinger hier gegen Bayern München, Schalke 04 (die 1983 mit 0:4 untergingen) und Borussia Mönchengladbach an – im DFB-Pokal 1985 wurde gegen das Team vom Niederrhein der Besucherrekord von 16.000 erreicht. Heute wird nur noch ein Nebenplatz samt Umkleidekabinen vom Verein OFC Solingen genutzt, den Rest des 1976 und 1982 sanierten Stadions hat mittlerweile die Natur erobert.

Bald dürfte mit der Idylle Schluss sein: Seit Jahren ist der Abriss der Sportanlage beschlossene Sache, nun dürfte es tatsächlich bald losgehen. Auf dem Areal im Stadtteil Ohligs sollen insgesamt 72 Häuser mit 105 Wohneinheiten entstehen, die von der Kölner BPD Immobilienentwicklung seit dem vergangenen Herbst vermarktet werden. Der Investor kündigt zumindest an, die Geschichte des Grundstücks zu berücksichtigen: Sofern möglich, wolle man Bereiche des Union-Stadions in die Bebauung mit einbeziehen. Stadt und Investor sind startbereit, derzeit wartet aber noch der Bebauungsplan auf die endgültige Genehmigung, diesen muss das Bauministerium des Landes NRW absegnen. (db, 3.2.18)

Solingen, Stadion am Hermann-Löns-Weg (Bild: Matthias Hermann)

Vicenza, Villa Rotonda (Bild: Stefan Bauer, CC BY-SA 2.5)-

Andrea Palladio für Kinder

Um die Geschichte der Architektur – nicht zuletzt auch ihren Weg zur Moderne – zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit unabdingbar. Und um etwas über Architektur zu lernen, ist es eigentlich nie zu früh: Der Frankfurter Antaeus-Verlag startet seine neue Kinderbuchreihe „Architekten Kennen Lernen“ mit einem Band über den italienischen Renaissance-Baumeister Andrea Palladio (1508-1580). „Auf der Suche nach der idealen Villa“ erzählt aus Leben und Werk des Architekten; von seinen Anfängen als Steinmetz, den Reisen nach Rom, dem Bau des Stadthauses von Vicenza – der Basilica Palladiana – bis zu ebenjener „idealen Villa“: der Villa Almerico (1569), die heute als „La Rotonda“ weltberühmt ist.

Die lebendigen, leicht verständlichen Texte von Arne Winkelmann werden kongenial ergänzt durch die Illustrationen von Hauke Kock. Und schließlich gibt es zum Buch noch eine begleitende Hörspiel-CD. Der Palladio-Band hat 36 Seiten (Hardcover) und ist für Kinder ab 10 Jahren gedacht. Erhältlich ist er für 19,80 Euro im Buchhandel oder direkt beim Antaeus-Verlag. moderneREGIONAL hofft, dass diese Reihe so erfolgreich wird, dass sie irgendwann auch in der Spätmoderne ankommt. Wir hätten da ein paar Architekten-Vorschläge … (db, 30.1.18)

Andrea Palladio: „La Rotonda“ (Bild: Stefan Bauer, CC BY SA 2.5)