Alle Beiträge von Karin Berkemann

Berlin, Haus des Rundfunks (Bild: Daniel Stark, CC BY SA 2.0)

Tipps zum TofD: 25 Jahre Denkmaltag in Berlin

Am 9. und 10. September 2017 steht in Berlin zum 25. Mal der „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) auf dem Programm – mit mehr als 330 Veranstaltungsorten. Passend zum diesjährigen Schwerpunktthema „Macht und Pracht“ beteiligen sich Schlösser und Rathäuser ebenso wie ehemalige Gefängnisse und Arbeitslager. Unter den (nachkriegs-)modernen Zielen seien nur einige herausgegriffen: Das 1929 von Hans Poelzig gestaltete Haus des Rundfunks (Masurenallee 10/14) kann am Samstag und Sonntag je um 10 und 12 Uhr mit einer Führung erkundet werden (Treffpunkt: Haupteingang, Lichthof, max. 25 Personen, Anmeldung erforderlich bis 8. September).

Wer über einen eigenen Drahtesel verfügt, kann sich auf die „Fahrradtour zu Berliner Gas-Straßenlaternen“ durch den Kiez südlich des Schlosses Charlottenburg bewegen. Am Samstag trifft man sich um 20 Uhr am U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz (Ausgang Schloßstraße) zur einstündigen Rundfahrt. Oder Sie werfen einen Blick in die letzte Heimat eines stilprägenden Architekten, in die „Atelierwohnung Hans Scharoun“ (Heilmannring 66A, 13627 Berlin). Hier sind am Samstag und am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr Wohnungsbesichtigungen möglich (Treffpunkt: 6. OG, Zugang zum 7. OG nach Einweisung). Insgesamt sind die TofD-Veranstaltungen weitgehend kostenfrei, für Führungen wird häufig um rechtzeitige Anmeldung gebeten. Die Programmhefte liegen kostenfrei im Landesdenkmalamt Berlin aus (Klosterstraße 47, Berlin-Mitte, Mo – Fr 7 – 19 Uhr), das Gesamtprogramm ist online einsehbar. (kb, 22.8.17)

Berlin, Haus des Rundfunks (Bild: Daniel Stark, CC BY SA 2.0)

Leipzig, Alte Propsteikirche (1982) (Bild: Rabanus Flavus, CC0)

Propsteikirche verkauft – und bald abgerissen?

Name und Preis sind zwar noch unbekannt, doch eines hat der Leipziger Propst Gregor Giele gegenüber „KNA/katholisch.de“ bestätigt: Die Alte (sprich nachkriegsmoderne) Propsteikirche in Leipzig ist verkauft. Der kubische Bau in der Emil-Fuchs-Straße entstand 1982 nach Plänen der DDR-Bauakademie. Zuvor war 1954 die „erste“ Propsteikirche (1847) in der Rudolphstraße nach Kriegsbeschädigungen gesprengt worden. Nach der Wiedervereinigung entschied sich die katholische Gemeinde für einen Neubau an der prominenten Kreuzung von Martin-Luther-Ring, Peterssteinweg und Nonnenmühlgasse. Ein vielbeachteter Architektenwettbewerb mündete in den 2015 geweihten Neubau durch das Leipziger Architekturbüro Schulz & Schulz.

Der nunmehr „alte“ Kirchenraum wurde 2015 sowohl profaniert als auch (als besonderes Zeugnis der DDR-Architektur) unter Denkmalschutz gestellt – und damit war ein Konflikt programmiert, wollte die Gemeinde doch das Grundstück veräußern (inklusive Abriss der bestehenden, als „baufällig“ bezeichneten Kirche). Inzwischen sollen die Arbeiten des Berliner Metallbildhauers Achim Kühn, der für Leipzig die liturgischen Orte und Portale gestaltete, eingelagert worden sein. Sie sollen künftig in einem Museum in Borna gezeigt werden. Und der Käufer des ostmodernen Kirchengebäudes habe, so „KNA/katholisch.de“, „bei Bauamt und Denkmalpflege erfolgreich prüfen lassen, dass ein Abriss (…) doch möglich wäre“. (kb, 21.8.17)

Leipzig, Alte Propsteikirche (Bild: Rabanus Flavus, CC0)

Mannheim, Nationaltheater, 2005 (Bild: Andreas Praefcke, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Mannheim: Sanieren oder neu bauen?

Gut, man hätte einen der großen Namen haben können: Ludwig Mies van der Rohe, Rudolf Schwarz und Hans Scharoun nahmen am Wettbewerb um den Mannheimer Theaterneubau teil. Unter dem Vorsitz von Hans Schwippert bat das Preisgericht Mies van der Rohe und Schwarz, ihre Vorschläge zu überarbeiten. Als diese ablehnten, ging der Auftrag an Gerhard Weber. Nach seinen Plänen wurde das Nationaltheater bis 1957 am Goetheplatz umgesetzt. Der markante Bau zeigt seine Schauseite nach Süden als langgestreckten Riegel, während die untergeordnete Westfassade tempelartig ausfiel. Zwei kubische Dachaufbauten markieren die damaligen Funktionen: Oper und Schauspiel (das Jugendtheater kam später hinzu) mit einem gemeinsamen Foyer.

Nun steht die Sanierung an, die – wie schon in anderen Städten zuvor – die Neubaudiskussion nach sich zieht. Die 185 Millionen Euro erwarteten Kosten seien zu hoch, dann könne man doch gleich etwas technisch und ästhetisch Moderneres ins Auge fassen. Andere sehen im nachkriegsmodernen Theater ein funktional gekonntes Zeugnis demokratischer Baukultur. Und ein Neubau werde auf 330 Millionen Euro geschätzt … Das zum Theaterkomplex gehörige Werkhaus der Nachkriegszeit wurde 2008 bereits durch einen Neubau ersetzt. Ob sich die Debatte um ein neues Theater als Sommerlochfüllung entpuppt oder länger andauern wird, bleibt abzuwarten. (kb, 21.8.17)

Mannheim, Nationaltheater, Westseite (Bild: Andreas Praefcke, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Bad Honnef, Haus Kuckuk (Bild: Hartmut Witte)

Wie pflegt man die Moderne?

Nach dem Krieg experimentierten die Architekten zunehmend mit ungewohnten Gestaltungen, Techniken und Materialien. Zugunsten von Funktion und Ästhetik fiel dabei die technischen Umsetzungen nicht immer optimal aus. So machen falsch verstandene Materialverträglichkeiten, spät erkannte Gesundheitsbelastungen, nicht den heutigen Vorschriften entsprechende Brandschutz- und Wärmedämmmaßnahmen heute vielfach Probleme. Hierfür will der Rheinische Verein für Denkmalpflege mit der Veranstaltung „Substanzpflege an Bauten der Nachkriegsmoderne“ in Bad Honnef (PBH-Physikzentrum Bad Honnef, Hauptstraße 5, 53604 Bad Honnef) Lösungswege aufzeigen.

Das Seminar präsentiert nachkriegsmoderne Beispiele rund um die Substanzpflege und Gestaltung, rund um Fragen von Baustoffen oder möglichem Austauschmaterial. Auf dem Programm steht u. a. eine Führung durch Haus Mayer-Kuckuk: Im Jahr 1967 nach Entwürfen des Düsseldorfer Architekten Wolfgang Döring als industrieller Fachwerkbau errichtet, wurde das originale Ständerwerk, dem ursprünglichen Baugedanken folgend, 2015/16 ausgetauscht. Für die Veranstaltung wird um Anmeldung gebeten per Mail mit dem Betreff „TS Mayer-Kuckuk“ an: sekretariat@rheinischer-verein.de. Weitere Informationen können erfragt werden bei: Dr. Rita Lennartz, Mail lennartz@uni-bonn.de. Diese Veranstaltung wird von mehreren Architekten- und Ingenieurkammern als gesetzliche Fort- und Weiterbildung anerkannt. Es wird eine Seminargebühr erhoben (inkl. Mittagsimbiss und Getränke). (kb, 20.8.17)

Bad Honnef, Haus Mayer Kuckuk (Bild: Hartmut Witte)

Leipzig, Sachsenplatz, 1980 (Bild: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, "Leipzig, Sachsenplatz -- 1980 -- 14", CC BY SA 4.0)

10 Jahre ohne: „Mein Leipzig lob‘ ich mir …“

Nach zehn Jahren Wartezeit soll es in diesem Herbst endlich soweit sein: Leipzig bekommt sein Wahrzeichen wieder! Das berühmte Goethe-Zitat, entnommen aus einem der Stadt nicht ganz so freundlich gesinnten Faust-Passus („Mein Leipzig lob‘ ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute“, gesprochen von einer dem geistlichen Getränk zugewandten Figur namens „Frosch“ im Auerbacher Keller), prangte seit 1967 über einem ostmodernen Wohnblock am Brühl. Gegenüber dem Hauptbahnhof wurden so, mit einem viersprachigen „Willkommen“, Gäste der Messestadt begrüßt.

2007 hatte man den Plattenbau abgerissen und an seine Stelle ein neues Einkaufszentrum gesetzt. Der denkmalgeschützte Schriftzug wurde zerlegt und ins Depot verbracht – mit ungewisser Zukunft. Jahrelang stritt man vor Gericht über die weitere Montage. Die Betreiber des angrenzenden Hotels hatten eine zu hohe „Lichtintensität“ gefürchtet, so dass die Eigentümer der „Brühl-Arkade“ (mit dem besagten Hotel) gegen den Wiederaufbau der Neonwerbung klagten. Erst vor wenigen Monaten einigten sie die neuen Besitzer mit der Stadt auf einen Kompromiss (die zum Hotel gewandte Seite wird um 22.00 Uhr ausgeschaltet). Nun muss die monumentale Lichtreklame noch restauriert werden, dann können sich die Gäste der Stadt mit einem – tourismusfähig umgedeuteten – Goethezitat gegrüßt fühlen. (kb, 19.8.17)

Leipzig, Sachsenplatz, 1980 (Bild: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, „Leipzig, Sachsenplatz — 1980 — 14″, CC BY SA 4.0)