"Blaupause" (Bild: Hanser Verlag)

Bauhaus-Belletristik

Das Bauhaus und seine Akteure waren in den letzten Jahren Gegenstand unzähliger wissenschaftlicher Abhandlungen. Das anstehende 100-jährige Jubiläum im Jahr 2019 lässt einen weiteren Schwung an Fachliteratur erwarten. Das jüngst erschienene Buch „Blaupause“ von Theresia Enzensberger nähert sich der Kunstschule stattdessen von der literarischen Seite und macht Gropius, Meyer und Co zu Romanfiguren.

Hauptfigur und Ich-Erzählerin ist die junge Luise Schilling, die Anfang der 1920er Jahre ein Architekturstudium am Bauhaus in Weimar beginnt. Hier trifft sie auf die abgehobenen Bauhausdirektoren Walter Gropius und Hannes Meyer, die trotz der Modernität der Kunstschule Frauen im Architektenmetier skeptisch gegenüber stehen. Viele ihrer Kommilitonen sind begeisterte Anhänger Johannes Ittens und verehren den Bauhaus-Meister wie einen Guru. Den jungen Bauhäuslern erscheint die von ihm vertretene Mazdaznan-Lehre als ideales spirituelles Gegenstück zu den avantgardistischen Positionen der Kunstschule. Der Roman liefert einen fiktiven, aber gut recherchierten Einblick in den Alltag des Bauhaus und ist als Sommerlektüre absolut empfehlenswert! (jr, 28.7.17)

Theresia Enzensberger, Blaupause, Hanser Verlag, München 2017, ISBN 978-3-446-25643-9.

Titelmotiv: Buchover (Hanser Verlag)