Ausstellungen

archithese-Cover der 1970er Jahre

Sammelstelle archithese

Die Wiedergeburt des Urbanismus, die Rolle von Bürgerinitiativen oder die Wiedergewinnung des innerstädtischen Wohnraums? In den 1970er Jahren wurde die Zeitschrift und Schriftenreihe „archithese“ zur Plattform für eine moderne Baukunst-Debatte. Seit 1971 erscheint die Publikation, die sich der Gratwanderung zwischen Theorie und Praxis verschrieben hat, in Zürich. Das Nidwaldner Museum hat nun die ersten zwanzig Ausgaben an zwanzig zeitgenössische Künstler gegeben. Diese setzten sich unter dem Titel „Sammelstelle archithese“ auf ihre jeweils ganz eigene Art damit auseinandergesetzt.

Die vier Kunstschaffenden Katalin Deér (*1965 in den USA, lebt in St. Gallen), Sophie Nys (*1974 in Belgien, lebt in Brüssel und Zürich), Gregor Eldarb (*1971 in Polen, lebt in Wien) und Samuli Blatter (*1986 in Finnland, lebt in Luzern) nutzen die zwischen 1972 und 1976 entstandenen Hefte mit ihren gesellschaftsrelevanten Themen als Projektionsfläche für eigene künstlerische Arbeiten. Damit wollen die Organisatoren der Ausstellung eine Brücke schlagen von den damaligen zu den heutigen Themen, den aktuellen Gehalt alter Diskurse neu erschließen. Vernissage wird am 3. November um 19 Uhr im Nidwaldner Museum Winkelriedhaus (Engelbergstrasse 54a, 6370 Stans, Nidwald, Schweiz) gefeiert, anschließend ist die Präsentation bis zum zu 11. Februar 2018 sehen. (kb, 30.10.17)

Titelmotiv: archithese-Cover der 1970er Jahre

Frankfurt, Abriss des Historischen Museums, 2010 (Bild: Hagen Stier)

Was vom Brutalismus übrig blieb

Frankfurt steht im November ganz im Zeichen des grauen Kunststeins: Schon vor der – in ihrer Eröffnung auf den 8. November (19 Uhr) verschobenen – Ausstellung „SOS BRUTALISMUS“ von Deutschem Architekturmuseum (DAM) und Wüstenrot Stiftung kann man im Thema vorglühen: Am 1. November bietet das DAM die Vortragsveranstaltung „STADTplus – Die Stadt + Der Beton“ (ab 19 Uhr, Vortrag und Führung, nach dem 30-minütigen Vortrag ist das DAM bis 21 Uhr geöffnet).

Thema ist „Was vom Brutalismus übrig blieb“, was ja nicht wirklich viel ist: Der AfE-Turm auf dem Campus Bockenheim, das Technische Rathaus und das Historische Museum wurden abgerissen. Vortragende sind für moderneREGIONAL der Journalist Daniel Bartetzko und die Kunsthistorikerin/Theologin Karin Berkemann. Und wer das Ganze noch im Bücherschrank sein Eigen nennen möchte, kann ab Anfang November den bei Park Books erschienenen Ausstellungskatalog „SOS BRUTALISMUS“ erwerben, der „erstmals die brutalistische Architektur der 1950er bis 1970er Jahre im weltweiten Überblick“ darbieten will. (jr, 28.10.17)

Frankfurt, Abriss des Historischen Museums, 2010 (Foto: Hagen Stier)

Internationale Automode vor dem Ostberliner Kino International (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-C0808-0006-002, Spremberg, Joachim, CC-BY-SA 3.0

Die Deutschen und ihre Autos

Die Kult-Autos VW Käfer und Trabant sind motorisierte Erinnerungsorte der deutschen Moderne. Nichts bewegt die Deutschen, ihre Gefühle und Mobilität, so wie das Auto. Es steht für Freiheit und Dynamik, für Status, Lebensstil und Macht. Mit der Wahl von Automarke, Modell und Ausstattung drücken Käufer ihre Persönlichkeit, Sehnsüchte, Lebensumstände und häufig auch den Umfang ihres Geldbeutels aus. Werbe- und Marketingstrategen investieren Millionen, um ihr Produkt emotional aufzuladen.

Der „Deutschen liebstes Kind“ bleibt auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Hunderttausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von der Autoindustrie ab. Gleichzeitig schmälern Umweltbelastung, verstopfte Autobahnen und Innenstädte zunehmend die Freude am Fahren. Car-Sharing, autonomes Fahren und Elektromotoren weisen auf drastische Veränderungen der Autowelt hin: Ist das Ende der Autolust absehbar? Die Ausstellung „Geliebt. Gebraucht. Gehasst. Die Deutschen und ihre Autos“ im Bonner Haus der Geschichte macht mit ausgewählten Fahrzeugen, Medien, Plakaten, Fotos und Dokumenten die Faszination des Autos deutlich. Sie zeigt die soziale und kulturelle Bedeutung des Autos in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen. Die Präsentation ist noch bis zum 21. Januar 2018 zu sehen, begleitend ist im Sandstein Verlag eine gleichnamige Publikation erschienen. (kb, 25.10.17)

Internationale Automode vor dem Ostberliner Kino International (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-C0808-0006-002, Spremberg, Joachim, CC BY-SA 3.0

Bremen, Freimarkt (Foto: Hagen Stier)

Geschenkt! Endspurt bei märklinMODERNE

Weihnachten kommt wie immer früher als gedacht. Aber dies Jahr könnt Ihr Euch rechtzeitig mit Geschenken versorgen. Denn auch unserer Crowdfunding-Aktion „märklinMODERNE“ geht in den Endspurt. Noch rund eine Woche ist Zeit, Teil von „märklinMODERNE“ zu werden. Am 31. Oktober wird um 23.59 Uhr der Zugang geschlossen und die Kasse gestürzt. (Wenn unser Funding-Ziel von 5.500 Euro erreicht bzw. überboten wurde, werden Eure Spenden abgebucht. Wenn nicht, dann nicht. Also kein Risiko für Euch.) Hier wären also unsere ultimativen Geschenkvorschläge, mit denen Ihr gleichzeitig die Welt im Kleinen retten könnt. Und eine Verlosung unter allen Unterstützern gibt es auch noch!

Das signierte Modell der „Villa im Tessin“, die Film-DVD, limitierte Fotokunst von Hagen Stier, einen Restaurantgutschein, eine exklusive Exkursion zur Wiege des Modellbaus, u. v. m. hier: https://www.startnext.com/maerklinmoderne. Für alle Fast-Dankeschön-Erwerber, Grundsätzlich-wirklich-sehr-Geneigten und Last-Minute-Unterstützer ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Unter allen Unterstützern verlosen wir am Ende einen Faller-Adventskalender! (db/kb/jr, 21.10.17)

Titelmotiv: Bremen, Freimarkt (Foto: Hagen Stier)

Werner Mantz Café Wien, Köln, 1929 Bromsilberdruck Museum Ludwig, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Werner Mantz in Köln

Werner Mantz ist einer der prominentesten Architekturfotografen der Weimarer Republik. In seinen Fotografien verewigte er ab 1926 das Neue Bauen in seiner Kölner Variante. Architekten wie Wilhelm Riphahn, Peter Franz Nöcker oder Caspar Maria Grod schätzten seine Arbeit. Weitgehend unbekannt, obwohl nicht weniger qualitätsvoll, sind dagegen Mantz Portätfotografien. Die Sonderausstellung „Werner Mantz. Architekturen und Menschen“ im Museum Ludwig schließt diese Lücke und zeigt bis zum 21. Januar 2018 Mantz‘ Werk in seiner vollen Bandbreite.

1932 eröffnete er in Maastricht ein Atelier und widmete sich der Portätfotografie. Bereits in den frühen 1920ern hatte er zahlreiche Vertreter der intellektuellen Szene in Köln porträtiert. 1938 siedelte Mantz, der wegen seiner jüdischen Wurzeln in Deutschland um sein Leben fürchten musste, gänzlich in die Niederlande über. Die Portätaufnahmen aus der Maastrichter Zeit wurden bislang noch nie ausgestellt. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Museums Ludwig mit dem Nederlands Fotomuseum in Rotterdam, das den umfangreichen Bestand von Mantz‘ Fotografien aus den Niederlanden bewahrt. (jr, 18.10.17)

Werner Mantz, Café Wien, Köln, (Bild: © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Rheinisches Bildarchiv Köln)

Vaals, Abtei St. Benedictus (Bild: © Jeroen Verrecht)

„A House for the Mind“: Dom Hans van der Laan

Es klingt fast mittelalterlich: Da arbeitet ein Mönch zugleich als Architekt und baut – natürlich – Kirchen und Klöster. Der 1904 in Leiden geborene Hans van der Laan nahm sein Studium in Delft auf, das er zugunsten seines Eintritts in den Benediktinerorden abbrach. Zu seinen wohl bekanntesten Bauten zählen die Abtei St. Benedictus (1968) in Vaals und die Abtei Roosenberg (1974) im belgischen Waasmunster. Als van der Laan 1991 in Memelis bei Vaals verstarb, hatte er sich über Jahrzehnte der Aufgabe verschrieben, die mittelalterliche Kirchbautradition in die Moderne zu überführen.

In Belgien hat man sich unter dem Titel „A House for the Mind“ das Werk van der Laans vorgenommen. 1977 sollte dieser sein Grundlagenwerk „De architectonische ruimte“ veröffentlichen. Entlang dieses Theoriekonzepts wollen die Kuratoren das fast hermetisch wirkende Werk des Benediktiners aufschlüsseln. Drei zeitgenössische Künstlerinnen – die deutsche Fotografin Friederike Von Rauch, die estnische Filmemacherin Ingel Vaikla und die niederländische Tonkünstlerin Esther Venrooy – zeigen daher ihren Blickwinkel auf van der Laans Bauten. Die Präsentation ist vom 13. Oktober 2017 bis zum 14. Januar 2018 in Antwerpen (deSingel International Arts Campus – Expo, Desguinlei 25, Antwerpen) zu sehen. Die Vernissage findet am 12. Oktober 2017 um 20 Uhr (Blue Hall deSingel International Arts Campus, Antwerpen) statt, eine Anmeldung ist erforderlich. (kb, 11.10.17)

Vaals, Abtei St. Benedictus (Bild: © Jeroen Verrecht)

Unbekannt (© Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Foto: Armin Herrmann)

FOTO | ALBUM

Mit der Ausstellung „FOTO | ALBUM“ präsentiert das „Werkbundarchiv – Museum der Dinge“ erstmals in größerem Umfang seine sonst unsichtbare Sammlung: private und anonyme Fotografie und Fotoalben aus einem ganzen Jahrhundert. In drei Kapiteln zeigt die Sonderausstellung im ersten Teil Hunderte von Einzelfotos, gruppiert nach immer wiederkehrenden Motiven. In einem zweiten Teil werden zahlreiche Fotoalben präsentiert und auf ihre besonderen Erzählformen hin untersucht. Zuletzt wird anhand von dinglichen Foto-Objekten eine Sicht auf Fotografie als materielle Kultur eröffnet. Ergänzt wird die Ausstellung durch künstlerische Perspektiven sowie einen Blick auf den aktuellen Bedeutungswandel im Zeitalter digitaler Bilderflut.

Das Fotoalbum – Kulturtechnik und Ordnungsprinzip zugleich – erschafft und deutet (Familien-)Geschichte und damit die eigene Identität durch das Arrangieren von Bildern mit Text und auch mündlicher Erzählung. Was erinnert werden soll, bestimmt diese kulturelle Praxis des Anlegens von Alben genauso wie das, was sie verschweigen. Die Ausstellung „FOTO | ALBUM. Private und anonyme Fotografie aus der Sammlung des Werkbundarchiv – Museum der Dinge“ wird am 19. Oktober 2017 um 19 Uhr im Berliner „Museum der Dinge“ (Oranienstraße 25, 10999 Berlin) eröffnet. Im Anschluss ist die Präsentation bis zum 26. Februar 2018 zu sehen. (kb, 10.10.17)

Unbekannt (© Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Foto: Armin Herrmann)

Martin Maleschka: Kunstkalender 2018 (Detail)

Ost-Kunst-Kalender

Wie könnte man das bald kommende Jahr besser beginnen als mit großformatigen Motiven zur Ostmoderne aus den bewährten Händen des Fotografen Martin Maleschka. In diesem Jahr hat er sich für seinen Fotokalender die baugebundene DDR-Kunst vorgenommen. Das Ganze wird edel produziert: mattes 300-Gramm-Papier im A3-Hochformat. Gezeigt werden Motive aus zwölf Städten: Eisenhüttenstadt, Magdeburg, Berlin, Frankfurt/Oder, Hoyerswerda, Halle-Neustadt, Rostock, Schwedt/Oder, Chemnitz, Waren/Müritz, Merseburg, Dresden und Neubrandenburg.

Beziehen kann man den Kalender für 20 Euro direkt bei Martin Maleschka unter: kunstkalender@icloud.com. Weihnachten kommt auch dieses Jahr wieder schneller, als man denkt! Und wer noch eine weitere gute Dosis Maleschka sucht, findet diese ab dem 10. Oktober (Vernissage ab 19.30 Uhr) in der Neuen Sächsischen Galerie (Neue Chemnitzer Kunsthütte e. V., Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz) in der Sammelausstellung „Roter Oktober. Kommunismus als Fiktion und Befehl“, kuratiert von Dr. Paul Kaiser in Zusammenarbeit mit Christoph Tannert und Mathias Lindner. Die Präsentation ist bis zum 14. Januar 2018 zu sehen. (kb, 9.10.17)

Titelmotiv und Bildgalerie: Martin Maleschka, Kunstkalender 2018

Seff Weidl, Skulptur "Einigkeit" in der Gartenstadt Vahr, Bremen, 1959 (Bild: Hamburgisches Architekturarchiv)

Ernst May und die Skulptur

Der Architekten Ernst May fühlte sich ein Leben lang eng mit der Bildhauerei verbunden. Nach eigener Aussage wäre er selbst gerne bildender Künstler geworden, entschied sich dann jedoch für das Bauen. Während der Zeit des Neuen Frankfurt tauschte sich May stets mit zeitgenössischen Bildhauern aus, darunter Richard Scheibe und Josef Hartwig. In den 1950er Jahren folgten Bernhard Heiliger und Seff Weidl. Weidls monumentale Bronzeskulpturen etwa gehörten unauflöslich zu den städtebaulichen Ensembles, die Ernst May für die Neue Heimat realisierte.

Diesem fruchtbaren Zusammenspiel widmet sich vom 15. Oktober 2017 bis zum 1. April 2018 eine – vom Berliner Architekten Florian Seidel kuratierte – Ausstellung im Frankfurter ernst-may-haus. Thema ist die Wechselwirkungen zwischen Ernst Mays Architektur und der Bildhauerei, angefangen bei seinem Frühwerk, seinen Arbeiten in Frankfurt am Main, bis hin zu seinen Arbeiten der Nachkriegszeit. Die Vernissage wird am 14. Oktober 2017 um 18 Uhr im ernst-may-haus (Im Burgfeld 136, 60439 Frankfurt) gefeiert. (db, 8.10.17)

Seff Weidl, Skulptur „Einigkeit“ in der Gartenstadt Vahr, Bremen, 1959
(Bild: Hamburgisches Architekturarchiv)

Aschaffenburg, Rathaus (Bild: Tilmann, CC BY SA 3.0)

Aschaffenburg und die 1950er

Die Stadt Aschaffenburg erlitt in den Jahren 1944/45 ungekannte Zerstörungen. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wurde sie von der Naziführung zur „Festung“ erklärt und somit prädestiniertes Ziel alliierter Bombardements. Zahlreiche bedeutende Kulturdenkmäler der Stadt wurden zerstört oder schwer beschädigt. Der Wiederaufbau orientierte sich zwar an der historischen Bebauung, bescherte der Stadt jedoch auch bauliche Vertreter einer anspruchsvollen, modernen Architektur. Ihnen gilt die Fotoausstellung „Architektur einer neuen Zeit“, die ab 7.10.2017 in der Treppenhalle im Schloss Johannisburg (Schloßpl. 4, 63739 Aschaffenburg) gezeigt wird.

Die Schau versammelt Arbeiten des Fotografen Walter Vorjohann. Im Mittelpunkt stehen das Justizgebäude an der Friedrichstraße und das Aschaffenburger Rathaus. Letzteres wurde wurde 1956-58 nach Plänen Diez Brandis errichtet und stiftete der Stadt symbolisch ein neues Zentrum. Vorjohann porträtiert die Bauten nicht nur in Außenaufnahmen, sondern widmet sich auch der komplexen Innengestaltung der Gebäude. Die Ausstellung ist bis zum 5.11.2017 zu sehen. (jr, 2.10.17)

Aschaffenburg, Rathaus (Bild: Tilman2007, CC BY SA 3.0)