Baugeschehen

Köln, Ulrich-Haberland-Haus (Bild: Stadt Köln)

Köln: Brandschutzkeule überm Haberland-Haus

Seit bald 18 Jahren steht das denkmalgeschützte Ulrich-Haberland-Haus im Schlosspark Köln-Stammheim leer. Es wurde 1952 von der Bayer AG als Alterssitz für ehemalige Mitarbeiter erbaut. Das Gebäude ersetzte das im Krieg zerstörte spätbarocke Schloss der Reichsfreiherren von Fürstenberg-Stammheim; ein erhaltenes Portal wurde als Reminiszenz im Haberland-Haus verbaut. Bayer gab in den 1980ern die 120 Zimmer fassende Wohnanlage auf und verkaufte sie an die Stadt, die sie bis 2000 als Studentenwohnheim nutzte. Seither wird um ihre Zukunft debattiert. Viele potentielle Investoren wie Architekten sehen die Ursache der Verzögerung eher bei der Stadtverwaltung: Es gab etliche Entwürfe, teils schon konkret angekündigt, jedoch wurden sie nie realisiert. Zumindest ein Abriss des von Vandalismus gezeichneten Baus scheint vom Tisch. Scheint …

Nach sechs Jahren ohne Nutzung war der Bestandsschutz der nicht mehr vorschriftsgemäßen Brandschutzeinrichtungen erloschen. Mit einem Investorenwettbewerb will die Stadt nun für neues Leben im ruinösen Bau sorgen. Zunächst sollen Interessenten „Grobkonzepte“ vorlegen – so solle sich zeigen, ob ein „sich selbst tragender Erhalt bei sinnvoller Nutzung“ möglich sei. Im zweiten Schritt müssen dann die Preisangebote auf den Tisch. Spätestens dabei kommt dann wohl zu tragen, dass die Stadtverwaltung selbst auch bei erneuter Prüfung keine Chance sieht für den veralteten Brandschutz. Es wird in jedem Fall eine neue Baugenehmigung benötigt. (db, 21.1.18)

Köln-Stammheim: Ulrich-Haberland-Haus (Bild: Stadt Köln)

Warnemünde, "Teepott" (Bild: Norbert Kaiser, CC BY SA 3.0, 2011)

Schlechte Nachricht aus Warnemünde

Wenn es so etwas wie konsensfähige Ostmoderne gibt, dann wäre es sicher diese hier: malerisch am Strand gelegen, ein historischer Leuchtturm zur Seite, von außen ob seines kühnen Schwungs zu bewundern, von innen bei einem Heißgetränk zu genießen. Ulrich Müthers Schalenbauweise fand im Ostseebad Warnemünde 1968 – in Ergänzung eines historischen Leuchtturms – ihren wohl bekanntesten Ausdruck. Nun melden die Medien jedoch, der sog. Teepott sei „marode“. Ein Gutachten von „Ocean Architects“ spricht von gravierenden Schäden: Wasser von oben und von unten, Rost an den Stahlträgern, ein durchtrenntes Tragwerk, ganz abgesehen von Elektrik und Brandschutz. Es stehen geschätzte Sanierungskosten von 20 Millionen Euro im Raum.

Die Lage sieht verzwickt aus: Das Grundstück ist Eigentum der Stadt, der denkmalgeschützte Bau gehört der Friedemann Kunz Familienstiftung (die das Vermögen der Fertighausfirma Scanhaus Marlow umfasst), Mieter ist die Bäckereikette Junge. Und wenn die Sanierung das prophezeite Ausmaß annimmt (Totalentkernung, ein bis zwei Jahre Bauarbeiten), müsste der Cafébetrieb ausgesetzt werden. Und der Gebäudeeigentümer deutet an, erst zu investieren, wenn ihm auch der Grund und Boden gehört. Das Denkmalschutzamt prüft die Sachlage, im März sollen die Pläne im Ortsbeirat vorgestellt und diskutiert werden. (kb, 20.1.18)

Warnemünde, „Teepott“ (Bild: Norbert Kaiser, CC BY SA 3.0, 2011)

Friedrichshafen, Christus der Gute Hirte (Bild: Andreas Praefcke, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2008)

Glück für den Guten Hirten

Fast wäre man geneigt, an dieser Stelle zum exzessiven Glücksspiel aufzurufen (machen wir natürlich nicht), denn immer wieder kommen Lotterie-Einnahmen auch der Denkmalpflege zu Gute. In Friedrichshafen am Bodensee hilft Fortuna nun einem 1961/62 geweihten Bau des Stuttgarter Architekten Wilfried Beck-Erlang. Die katholische Kirche „Christus der Gute Hirte“ verfügt über eine beeindruckende, bis zum Boden herabgezogene Betonschale, die dem Ganzen das organische Bild einer Schildkröte verleiht. Gut, man kann auch „Gottes behütende Hände“ darin sehen. Wenn man will.

1972 musste das Kirchendach bereits ein abstürzendes Sportflugzeug verkraften, was sich wieder reparieren ließ. 2007 kam der Bau unter Denkmalschutz, 2010 wurde der Innenraum renoviert. Aber langfristig sitzt die bauliche Achillesferse tiefer: Der Rost nagt am Metallskelett der bis zum Erdboden reichenden Konstruktion – und damit auch am Beton, an der Stahl-Glas-Fassade, an der kupfernen Außenverkleidung und den nach innen holzverkleideten Jalousien. Doch dem hilft gerade eine Renovierung ab. Hierfür steuert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit Hilfe der Lotterie GlüksSpirale 25.000 Euro bei. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Sanierungsarbeiten im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein. (kb, 17.1.18)

Friedrichshafen, Christus der Gute Hirte (Bild: Andreas Praefcke, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2008)

Hamburg, Hanseviertel (Bild: gmp Architekten)

Hanseviertel unter Denkmalschutz

Jetzt ist es offiziell: Das Hamburger Hanseviertel, 1981 eine der ersten bundesdeutschen „Wohlfühl-Einkaufszonen“, wurde – wie City-Hof e. V. meldet – zur Jahreswende in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen. Das Star-Büro Gerkan, Marg und Partner zeichnet verantwortlich für den postmodernen Klinkerbau. Bauherrin war die Allianz, für die Volkwin Marg eine lichtdurchflutete Komfortzone entwarf, die sich von den massigen Beton-Einkaufszentren der 1960er Jahre absetzen sollte. Das Konzept ging auf, in den ersten Jahren flanierten täglich bis zu 20.000 Konsumwillige durch das Hanseviertel. Noch immer wird es gut frequentiert, doch die goldene Ära ist vorbei. Es heißt, die Allianz wolle an die ECE-Group verkaufen, die bereits vor geraumer Zeit die Verwaltung des 45.000-Quadratmeter-Komplexes übernommen hat.

Damit stand das Hanseviertel zum Jahresende in der Abrissdikussion zugunsten einer profitableren Ausnutzung des Filetgrundstücks. Spätestens mit der frischen Unterschutzstellung wird es spannend: Damit wäre ein Abriss strenggenommen nur möglich, wäre der Erhalt wirtschaftlich unzumutbar. Sollte die ECE jedoch kaufen, könnte es pikant für die Denkmal- und Kulturbehörden werden: Die Stiftung des ECE-Vorsitzenden Alexander Otto spendete just 15 Millionen Euro für die Sanierung der Kunsthalle. Welcher Stellenwert kommt dem Denkmalstatus zu, wenn einer der bedeutendsten Kulturstifter der Stadt ein Gebäude kaufen und abreißen will? (db, 15.1.18)

Hamburg, Hanseviertel, 1983 (Bild: gmp Architekten)

Stuttgart-West, St. Stefan (Bild Silesia711, CC BY SA 4.0, 2011)

„Buchladen mit sakralem Charakter“

Die „Buchreligion“ Christentum geht in Stuttgart dieser Tage einen fast konsequent erscheinenden Schritt: Aus der 1976 eingeweihten Kirche St. Stefan soll ein Buchladen  werden. Am 30. Dezember 2017 erfolgte bereits die Profanierung, so dass jetzt der Weg frei ist für die neue, nicht-liturgische Nutzung. Altar, Ambo und Tabernakel verbleiben im brutalisischen Kirchenraum, schon im März diesen Jahres soll hier „Buch und Spiel“ eröffnet werden. Die neue Nutzerin strebt eine enge Zusammenarbeit mit dem angrenzenden katholischen Kinderhaus und Familienzentrum St. Stefan an – und versteht ihren künftigen Laden als eine Art Begegnungsviertel im Stadtteil.

Der Umbau von St. Stefan ist Teil einer größeren Umstrukturierung in Stuttgart. Das Spektrum der davon betroffenen modernen Gottesdiensträume reicht von der Notkirche der evangelischen Paulusgemeinde (1949, übergeben 1973 an die griechisch-orthodoxe Gemeinde) über die katholische Kirche St. Johannes Vianney (1962, Abriss geplant für Kirchenneubau mit Gemeindezentrum und Seniorenwohnungen) bis zur katholischen Kirche St. Peter in Bad Cannstatt (1972, abgerissen 2016 für neues Gemeindezentrum). Gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärte der katholische Dekan Christian Hermes: „Wir haben angesichts der demografischen Entwicklung vor sieben Jahren damit begonnen, in großer solidarischer Gemeinschaft alle kirchlichen Standorte zu begutachten und zu bewerten“. Mit der Initiative „Aufbrechen“ untersuche man 20 kirchliche Standorte. (kb, 11.11.18)

Stuttgart-West, St. Stefan (Bild: Silesia711, CC BY SA 4.0, 2011)