Baugeschehen

Neue Wohntürme für Frankfurt

Frankfurt/Main, Projekt Wohntürme (Grafik: Magnus Kaminiarz & Cie.)
Wiedergänger des Rundschau-Hauses: ein neuer Wohnturm in Frankfurts City (Grafik: Magnus Kaminiarz & Cie.)

Mal wieder was Neues für Frankfurts City: Auf dem früheren Telekom-Areal hinter dem Einkaufszentrum „MyZeil“ sollen drei Wohnhochhäuser entstehen. Somit werden demnächst auch die letzten Reste der einstigen Bebauung rund um das Fernmeldehochhaus (1951-56) fallen – inklusive eines Bürobaus der 1950er, der durch den erfolgten Abriss der „Zeilgalerie“ gerade wieder sichtbar wurde. Bauherr der Wohntürme ist das Hamburger Immobilienunternehmen Becken, das die extrem knappen Flächen in der Innenstadt kunstvoll für neuen Wohnraum und eine Kindertagesstätte in zentraler Lage nutzt.

Ein ehedem nur wenige Meter entfernt stehendes, bereits vor zehn Jahren abgerissenes Fünfziger-Jahre-Gebäude erlebt dabei seine Rückkehr als Zitat: Das zerstörte Rundschau-Haus ist im kleinsten der drei Wohntürme sehr schön abzulesen … Anstelle des ursprünglich vorgesehenen Max Dudler zeichnet nun das Frankfurter Büro Magnus Kaminiarz & Cie. verantwortlich für die Planungen. Die Wohnungen werden nun kleiner, dafür steigt ihre Gesamtzahl von 170 auf mehr als 500. Ein Drittel der Wohnfläche werde auf Grund einer Vereinbarung mit der Stadt „preisgedämpft“ vermietet. Das heißt, es gelten für unterschiedliche Laufzeiten zwischen acht und 20 Jahren Mieten von 9,10 Euro, 11,70 Euro oder 14 Euro pro Quadratmeter. Geringverdiener sollten also trotzdem nicht an einen möglichen Umzug denken … (db 18.1.17)

Dresden: Pinguin-Café kämpft weiter

Dresden, Pinguin-Café (Bild: Facebook-Seite "Pinguin-Café Dresden")
Nun ist es offiziell: Das Pinguin-Café trägt keinen Denkmalschutz (Bild: Facebook-Seite „Pinguin-Café Dresden“)

In Dresden regte sich 2016 massiver Widerstand gegen den geplanten Abriss des Pinguin-Cafés im Zoo. Wenn es schon von seinem angestammten Platz verschwinden müsse, sollte es doch wenigstens die Chance auf ein Comeback erhalten. Auf Initiative des Netzwerks Ostmoderne kam der Plan auf, den Systembau in seine Einzelteile zu zerlegen, einzulagern und mit einem Investor andernorts aufzubauen. Die sächsischen Denkmalpfleger hatten den Initiativen zum Erhalt des Baus 2016 noch Recht gegeben, nach einer Ortsbegehung sprachen sie ihm jetzt aber, so die Informationen der Dresdner Neuesten Nachrichten, endgültig seinen Denkmalwert ab.

Ursprünglich 1969 von Erich Lippmann in Berlin errichtet, wurde das Café erst 1973 nach Dresden versetzt, hinzu kam ein Pinguin-Wandfries von Gerhard Papstein. Nun haben die Frankionen der Grünen und der Linken im Stadtrat einen Antrag eingereicht, der einen Umzug des Pavillons noch möglich machen soll. Matthias Hahndorf von ostmodern.org zeigt sich optimistisch: „Inzwischen wurde aber hoffentlich eine Stadtratsmehrheit erreicht, die Ende Januar für den geordneten Rückbau und Einlagerung auf Stadtkosten votiert. Das wäre dann die erhoffte Rettung in letzter Minute. […] Dann braucht es ’nur‘ noch einen Finanzier für die Wiedererrichtung an anderer Stelle… (jr, 17.1.16)

Denkmalschutz für Bonzen-Siedlung

Haus Honecker (Bild: Ranofuchs, CC-BY-SA 3.0)
In diesem Haus lebte bis 1989 das Ehepaar Honecker (Bild: Ranofuchs, CC BY SA 3.0)

In Brandenburg soll die sog. Waldsiedlung unter Denkmalschutz gestellt werden. Sie versammelte bis 1989 die Wohnhäuser aller Mitglieder des SED-Politbüros und wird bis heute fälschlicherweise mit dem nahen Städtchen Wandlitz identifiziert – tatsächlich gehört sie zu Bernau. Heute beherbergen die ehemaligen Wohnhäuser der Parteifunktionäre unter anderem eine Rehaklinik.

Die Unterschutzstellung soll das geschichtsträchtige Gelände bewahren, das in der DDR eine sagenumwobene verbotene Stadt umschloss. Errichtet wurde die Siedlung in den Jahren 1958 bis 1960 auf Geheiß der ostdeutschen Staatsführung, welche das Leben ihrer Funktionäre in Berliner Privathäusern als zu riskant erachtete. Wer in der Folgezeit in den Kreis des Politbüros berufen wurde, war zum Umzug in die Waldsiedlung verpflichtet, die auf offiziellen Karten nicht existierte. 1989 verschafften sich Akteure der friedlichen Revolution um ein Fernsehteam Zutritt zur Siedlung – und waren überrascht. Einerseits stand den Parteigranden ein unverhältnismäßiger Luxus wie ein Supermarkt mit Waren aus Westeuropa zur Verfügung. Andererseits nahmen sich die Wohnhäuser und ihre Einrichtung kleinbürgerlich bis spießig aus – prunkvolle  Paläste suchte man in der Waldsiedlung vergeblich. (jr, 11.1.17)

Schutz fürs Römisch-Germanische

Köln, Römisch-Germanisches Museum (Bild: © Raimond Spekking/CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons))
Inzwischen selbst ein Ort der Stadtgeschichte: das Römisch-Germanisches Museum auf dem Kölner Roncalli-Platz (Bild: © Raimond Spekking/CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons))

Die Entscheidung kam gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn im Herbst diesen Jahres soll die Sanierung beginnen: Das Römisch-Germanische Museum, das auf dem Kölner Roncalli-Platz im Schatten des Doms seinen Ort hat, wird unter Denkmalschutz gestellt. 1974 wurde der auf Rundstützen ruhende, hochgeschlossene Quader eingeweiht, der nach Entwürfen der Braunschweiger Architekten Heinz Röcke und Klaus Renner entstand.

Die Gründung des Hauses als städtisches Museum reicht bis ins Jahr 1946 zurück. Der Standort war zugleich Fundort des römischen Dionysius-Mosaiks (3. Jahrhundert nach Christus), das 1941 beim Bau des Dombunkers zum Vorschein kam. Darüber entstand zunächst ein provisorischer Ausstellungssaal, bis 1974 erhielt diese Neugründung der römischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums dann den heutigen baulichen Rahmen. Die Entscheidung zu dessen Unterschutzstellung begründet die Stadt nun, so berichtet der WDR, städtebaulich. Zudem komme der Präsentation der Artefakte aus der Vorgeschichte Kölns eine besondere pädagogische Bedeutung zu. Bleibt es bei den veröffentlichten Plänen zur Neugestaltung der (Südkante der) Domplatte, würden das Kurienhaus und das an den Quader angrenzende Verwaltungsgebäude des Römisch-Germanischen Museums zugunsten eines neuen Kulturbaus niedergelegt. (kb, 7.1.17)

mR macht Weihnachtspause

Bonn im Dezember 1972: VW-Käfer mit Weihnachtsbaum im Gepäck (Foto: Sonal Mehmet, Bild: Bundesarchiv Bild F038543-0006A, CC BY SA 3.0)
Wir sind dann mal weg: VW-Käferfahrer transportiert bei Bonn im Dezember 1972 seinen Weihnachtsbaum (Foto: Sonal Mehmet, Bild: Bundesarchiv Bild F038543-0006A, CC BY SA 3.0)

Wir gehen fest davon aus, dass Sie ab heute für einige Tage Besseres zu tun haben, als sich durch Meldungen zur Nachkriegsmoderne zu klicken. Wir jedenfalls haben es – und machen daher die inzwischen traditionelle mR-Weihnachts-Neujahr-Pause bis einschließlich zum 6. Januar 2017.

Wir wünschen unseren Lesern und Sympathisanten, Autoren, Fotografen und Unterstützern erholsame Feiertage und einen rauschenden Start ins Neue Jahr! Uns finden Sie hier wieder ab dem 7. Januar 2017 in gewohnter Frische …

Liebe Bundesbahn,

Schlafwagen, 1952 (Foto: Roger und Renate Rössing, Bild: Deutsche Fotothek, CC BY SA 3.0)
Das waren noch Zeiten, als ein Zug mit Abteil und Schlafwagen ausgerüstet war (Foto: Roger und Renate Rössing, Bild: Deutsche Fotothek, CC BY SA 3.0, 1952)

wir haben schon viel miteinander erlebt: überraschende Schneefälle im Winter (wer konnte damit rechnen), eingeschränkten Speiseservice („Junge Frau, das Essen habe ich, nur kein Besteck, mit dem ich es Ihnen servieren könnte!“) oder durchfahrene Haltestationen („Jetzt ist der an Fucking Hanau vorbeigefahren!“). Nichts konnte mich davon abbringen, meine Bahncard 100 freudig auf allen bundesdeutschen Strecken auszureizen.

Doch in jeder Beziehung nistet sich einmal der Zweifel ein. Dass du 2015 das Ende des Schlafwagens erklärt hast (was dann die Österreicher auffingen), war der erste Knacks. Aber nun willst du im neuen ICE 4 ein weiteres Stück moderne Bahnkultur weglassen: das Abteil. Wohin sollen dann die Langzeitehepaare mit Mettwurst und Ei in ihren Tupperdosen? Wo sollen wir uns auf Langzeitnachtfahrten kostenschonend langlegen? Wo sollen sich aufstrebende Jungpassagiere die nächste Generation Bahnfahrer zeugen?  Ich glaube, du hast das nicht zu Ende gedacht. Vielleicht sollten wir uns mal wieder zusammensetzen. In einem Viererabteil. Bei zugezogenen Gardinen, damit uns niemand stört. Hochachtungsvoll, deine Bahncard 1009577xxx (volle Nummer der Redaktion bekannt). (kb, 23.12.16)

 

Petition für Villa Beer

Es geht ausnahmsweise nicht um einen drohenden Abriss. Doch das, was die Eigentümer in Wien mit der Villa Beer (1929-30) vorhaben, kommt für Experten einer Zerstörung des Baukunstwerks gleich. Sie stellen das Wohnhaus in der Wenzgasse, das nach Plänen von Josef Frank und Oskar Wlach errichtet wurde, in eine Reihe mit Werken von Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe oder Adolf Loos.

Gerade erst widmete das Österreichische Museum für angewandte Kunst Frank eine vielbesuchte Retrospektive. Nun will der Eigentümer, die Dr. Strohmayer Stiftung Gemeinnützige Privatstiftung, das Haus in drei Wohnungen unterteilen, einen Fahrstuhl ein- und eine Treppe anbauen. Dagegen hat nun eine illustre Runde – darunter die österreichischen Vertreter von ICOMOS und DOCOMOMO – eine Online-Petition erstellt. Sie sehen ein Stück Kulturerbe der ersten Liga bedroht: „A full preservation of the architectural integrity of the building and the garden as artefact of the era in which it was conceived is of critical importance and speaks of Austria as a cultural nation.“ Die öffentliche Hand solle daher einen derartigen Eingriff in die Villa untersagen, es solle unter Einbeziehung unabhängiger Experten ein Konzept zur öffentlichen Nutzung erarbeitet werden und eine erhaltende sensible Restaurierung des Anwesens in Gang gesetzt werden. (kb, 22.12.16)

Rettung für die Sahneschnitte

Das Cafe Kustermann in München-Solln (Bild: Sophie Anfang)
Süßes Teilchen: das Café Kustermann in München-Solln (Bild: Sophie Anfang)

Eine echte „Sahneschnitte“ der Architektur ist das Café Kustermann aus den 1950er Jahren, darum wird es auch von seinen Stammgästen gerne so genannt. Die mussten vor acht Monaten noch um das außergewöhnliche Café in München-Solln bangen, denn der Pachtvertrag war abgelaufen und die Immobilie stand zum Verkauf. Doch die Rettung ist geglückt: Das Gebäude bleibt erhalten und soll unter Denkmalschutz gestellt werden.

Der schlanke runde Pavillon wurde 1951 nach Plänen von Ludwig Reiber errichtet. Er steht zentral an der Hauptstraße, so wurde er schnell zu einem Wahrzeichen des Viertels. Und schon der Kosename „Sahneschnitte“ deutete an, was es dort alles Leckeres zu holen gab. Um so härter traf die Sollner die Nachricht, dass der Pachtvertrag im April 2016 nicht verlängert und das Gelände neu bebaut werden sollte. Dass nun das Café mit dem runden Eingang erhalten bleibt, ist vor allem einer lokalen Interessensgemeinschaft zu verdanken, die sich mit dem Bezirksausschuss und dem Denkmalschutz zusammentat. Der Pavillon soll jetzt trotz eines Neubaus direkt hinter diesem bestehen bleiben, unter Denkmalschutz gestellt werden und weiterhin als Café genutzt werden. Ob auch der ehemalige Pächter dort wieder einzieht, ist noch offen. (ps, 22.12.16)

„Spiritueller Brutalismus“

Frankfurt am Main, Cantate Domino (Bild: Gaki64, CC BY SA 3.0)
Gibt in Frankfurt Anlass zum Feiern einer ganzen Stilepoche: Cantate Domino (Bild: Gaki64, CC BY SA 3.0)

In diesem Jahr feiert die Frankfurter Cantate-Domino-Kirche (1966, T. Sittmann/W. Schwagenscheidt) ihr 50-jähriges Jubiläum. Dies nimmt „Evangelisches Frankfurt“, das Hausmagazin des Evangelischen Regionalverbands der Stadt, zum Anlass für eine Themenschwerpunkt „Brutalismus“. Der Stilbegriff wird weit gefasst: irgendwie Nachkriegsmoderne. So zeigt sich die Cantate Domino Kirche nach außen als hochgeschlossener weißer Kubus, nach innen als lichtdurchfluteter Gottesdienstraum mit gläserner Decke.

Doch neben Banken-Hochhäusern hat die Mainmetropole eine viel umfangreichere bemerkenswerte Kirchenlandschaft der Moderne zu bieten. Diese Werte hebt Friederike Rahn-Steinacker, Leiterin der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt, in einem Interview hervor: „Die Kirchen der 1960 [1960er] stehen meist wuchtig, eigenständig und solitär da und entfalten so eine moderne Symbolwirkung.“ Diese Schönheit erschließe sich heute teils erst auf den zweiten Blick. Bautechnisch komme man mit dieser Epoche bereits jetzt gut klar. „Aber große Probleme macht uns die Betonbauweise nicht.“ Die damit anklingende institutionelle Wertschätzung der Kirchbaumoderne lässt hoffen. Stand Frankfurt in den vergangenen Jahren doch vielfach eher durch Abrisse und stark verändernde Umbauten moderner Kirchen in den Schlagzeilen. (kb, 21.12.16)

Das mR-Jahreshoroskop: So wird 2017!

Feuerzangenbowle (Bild: Wikipedia, Tobias Klenze, CC BY SA 4.0)
2017 geht es bei uns – auch – ums Essen und Trinken (Bild: Feuerzangenbowle, Wikipedia, Tobias Klenze, CC BY SA 4.0)

Der Nachkriegsmoderne steht ein weiteres bewegtes Jahr bevor. Bei moderneREGIONAL haben wir uns für 2017 wieder vier Themenhefte vorgenommen: Im Februar steht das Winterheft unter dem Schwerpunkt „Infrastruktur“ (Redaktion: J. Reinsberg), im Frühjahrsheft „Verdämmt und zugenäht“ (Redaktion: D. Bartetzko) widmen sich die Beiträge dem Umgang mit modernen Wandoberflächen. Für den Sommer besuchen unsere Autoren für das Heft „Käseigel“ (Redaktion: K. Berkemann) Orte des Essens und Trinkens, vom Restaurant über die Kantine bis zur Lebensmittelproduktion. Und nicht zuletzt haben wir uns für den Herbst eine/n Externe/n für ein „Kooperationsheft“ dazugebeten – wird gut und noch nicht verraten!

Bei moderneREGIONAL war 2016 von den ersten Schritten aus dem Digitalen ins Analoge geprägt: Im November stellten wir unser Fotospezial „Generation Beton“ auf der Denkmal-Messe in Leipzig vor. Für 2017 gehen die Vorbereitung zur ersten realen mR-Ausstellung weiter mit großen Schritten voran: „Klebhäuser“, zum Modellbau als Spiegel, Freiraum und Inspiration der Nachkriegsmoderne. Und das Moderne-Horoskop 2017? Wir sehen Abrisse und Sanierungen, ein zunehmendes Ergrauen der Betonoberflächen und der digitale Blätterwald orakelt: Der Brutalismus ist der Trend der Zukunft! Oder der Modernismus. Oder der Postmodernismus. (db/kb/jr, 19.12.16)