Baugeschehen

Bremen, Freimarkt (Foto: Hagen Stier)

Geschenkt! Endspurt bei märklinMODERNE

Weihnachten kommt wie immer früher als gedacht. Aber dies Jahr könnt Ihr Euch rechtzeitig mit Geschenken versorgen. Denn auch unserer Crowdfunding-Aktion „märklinMODERNE“ geht in den Endspurt. Noch rund eine Woche ist Zeit, Teil von „märklinMODERNE“ zu werden. Am 31. Oktober wird um 23.59 Uhr der Zugang geschlossen und die Kasse gestürzt. (Wenn unser Funding-Ziel von 5.500 Euro erreicht bzw. überboten wurde, werden Eure Spenden abgebucht. Wenn nicht, dann nicht. Also kein Risiko für Euch.) Hier wären also unsere ultimativen Geschenkvorschläge, mit denen Ihr gleichzeitig die Welt im Kleinen retten könnt. Und eine Verlosung unter allen Unterstützern gibt es auch noch!

Das signierte Modell der „Villa im Tessin“, die Film-DVD, limitierte Fotokunst von Hagen Stier, einen Restaurantgutschein, eine exklusive Exkursion zur Wiege des Modellbaus, u. v. m. hier: https://www.startnext.com/maerklinmoderne. Für alle Fast-Dankeschön-Erwerber, Grundsätzlich-wirklich-sehr-Geneigten und Last-Minute-Unterstützer ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Unter allen Unterstützern verlosen wir am Ende einen Faller-Adventskalender! (db/kb/jr, 21.10.17)

Titelmotiv: Bremen, Freimarkt (Foto: Hagen Stier)

Kongresshalle Gießen, Bild Ralf Lotys (Sicherlich), CC By SA 3.0

Identitätskrise in Gießen

Gießen entschied sich nach der schweren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg für eine radikale nachkriegsmoderne Umgestaltung – mit Cityring, autogerechter Überbauung („Elefantenklo“) und Behördenhochaus. Dies brachte der Stadt viele Spötter ein, prägte aber auch ihre Identität. In den letzten Jahren bemühte man sich aber zunehmend um ein neues Image und eine Umgestaltung des Zentrums. Das Behördengebäude am Berliner Platz ist längst abgeräumt, das Rathaus aus den 1960ern wurde durch einen Neubau ersetzt. Nun steht auch die gegenüberliegende, 1966 eröffnete Kongresshalle zur Disposition.

Ein Abriss des denkmalgeschützten Baus ist wohl nicht zu befürchten. Die regierende Jamaika-Koalition in der Gießener Stadtverordnetenversammlung teilte jedoch jüngst mit, einen „hochbaulichen Realisierungswettbewerb“ auszuloben. Dabei könnte die Kongresshalle umgebaut oder erweitert werden. Bereits beschlossen ist der Abbruch eines Anbaus aus den 1980er Jahren, der bislang die Tourist-Info beherbergt. Die Kongresshalle wurde nach Plänen des schwedischen Architekten Sven Markelius‘ entworfen. Der multifunktionale Gebäudekomplex setzt sich aus mehreren kubischen Baukörpern zusammen und bildete ein nachkriegsmodernes Gegenstück zum nahen Jugendstiltheater. (jr, 19.10.17)

Kongresshalle Gießen (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY SA 3.0)

Perl-Besch, Schule (Bild: Günter Leuck, mapio.de)

Perl: Aus für die Schule in Besch?

In Besch, einem Stadtteil im saarländischen Perl bei Merzig, hat die Grundschule Dreiländereck eine Dependance. Noch, zumindest wenn es nach der Kommune geht. Die will hier ein Feuerwehr-/Bürgerhaus errichten. Der Schulbau aus dem Jahr 1962, den figürliche Mosaikmotive u. a. nach Entwürfen des Nenninger Kunstmalers Nikolaus Schmitt zieren, soll dafür weichen. Die Schüler müssten sich dann täglich mit dem Bus auf den Weg nach Perl machen. Doch der Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) weigert sich, den Schulstandort Besch aufzugeben. Und vor Ort kämpft eine Bürgerinitiative für den Erhalt des Gebäudes mit seiner angestammten Nutzung.

Am 6. Oktober nun ging der seit Sommer letzten Jahres schwelende Streit in die nächste Runde. An diesem Tag hat der Gemeinderat beschlossen, auf seine Neubaupläne zu bestehen und notfalls den Klageweg zu beschreiten. Der Auftrag für den Abriss wurde jedoch noch nicht erteilt, erst will die Kommune die Abrissfreigabe vom Land ertrotzen. Dafür hat man sich selbst und damit dem Ministerium eine Frist von 14 Tagen gesetzt. Danach dürfte der „Fall Besch“ wohl vor Gericht landen. (kb, 17.10.17)

Perl-Besch, Schule (Bild: Günter Leuck, mapio.de)

Kiel, Bildungsministerium (Bild: Zuguterletzt, CC BY SA 3.0)

Kiel: die Sanierung sanieren

Seit fast zwei Jahren wird das Bildungsministerium in Kiel aus Brand- und Denkmalschutzgründen saniert. So musste unter anderem eine zusätzliche Fluchttreppe in das achtstöckige Gebäude von 1954 eingebunen werden. Für die Zeit des Umbaus waren die mehr als 170 Mitarbeiter in ein Gebäude in die Innenstadt gezogen. Eigentlich sollten sie schon wieder zurück sein, doch daraus wird nichts: Weil nachträglich ein Datennetz erneuert werden soll, dauert die Sanierung wohl weitere sechs Monate. Schon vor Beginn der Arbeiten 2015 gab es Streit, weil das Landesamt für Denkmalpflege untersagte, an der Fassade ein Fluchttreppenhaus anzubringen.

Erst während den laufenden Maßnahmen entschied die damalige Landesregierung aus SPD, Grünen und SSW, auch das Netzwerk auf den neuesten Stand zu bringen. Dadurch steigen die ursprünglich geplanten Gesamtkosten von drei Millionen Euro laut Eisoldt um 770.000 Euro. kommen sei. „Es wäre sicherlich eleganter gewesen, die Entscheidung schon vorher in die Planung mit einzubeziehen. Aber die Entscheidung der damaligen Landesregierung kam später. Und wir müssen als Bauherren und Projektleiter darauf reagieren“, erklärt Frank Eisoldt, Chef der „Gebäudemanagement Schleswig-Holstein“. Die erste Hälfte der mehr als 170 Mitarbeiter des Bildungsministeriums kann laut dennoch voraussichtlich schon im Dezember wieder ins alte Domizil umziehen, 2018 folgen die Kollegen. (db, 15.10.17)

Kiel, Bildungsministerium Schleswig-Holstein (Bild: Zuguterletzt, CC BY SA 3.0)

Oper Bonn (Bild Sir James, CC By SA 3.0)

Bonn: Oper in Gefahr

Ihr 50. Geburtstag ist noch nicht lange vorbei, nun steht der Abriss im Raum: die Bonner Oper sieht sich gerade akut bedroht. Die Fraktionen von CDU, SPD und FDP im Stadtrat schlugen kürzlich vor, Abriss und Neubau prüfen zu lassen. Die Stadt würde damit um die anstehende Sanierung herumkommen. Ein neues Opernhaus könnte die bislang räumlich getrennten Sparten Oper und Schauspiel vereinen – letztere sitzt im Stadtteil Bad Godesberg. Auch hier droht der Nachkriegsmoderne laut Informationen der Bonner Rundschau Ungemach: ein möglicher Standort für den Neubau wird derzeit von der denkmalgeschützten Godesberger Stadthalle besetzt.

Die Bonner Oper wurde 1962-1965 nach Entwürfen von Wilfried Beck-Erlang und Klaus Gessler errichtet. Mit ihrer skulpturalen Form und der prominenten Lage am Rhein prägt sie seit Jahrzehnten die Stadtsilhouette. Ihre kunstvolle Fassadenverkleidung aus Aluminiumkassetten erinnert an die Schuppen eines Fisches, das weit auskragende Rauchfoyer mit Panoramafenster versinnbildlicht die Bonner Republik. Hoffnung macht das Beispiel der in direkter Nachbarschaft gelegenen Beethovenhalle. Auch hier stand lange der Abriss im Raum – seit 2016 wird der Bau grundlegend saniert. (jr, 14.10.17)

Den passenden Architekturführer dazu gibt es von der Werkstatt Baukultur hier.

Bonn, Oper (Bild Sir James, CC BY SA 3.0)

Frankfurt, Goetheturm (Bild: Popie, CC BY-SA 3.0)

Der Goetheturm ist weg!

Wer im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen ist, für den krachte in der Nacht auf Donnerstag ein Stück Kindheit im Funkenregen zusammen: Der Goetheturm in Frankfurt-Sachsenhausen ist abgebrannt. Als die Feuerwehr gegen 3.20 Uhr eintraf, stand das Holzbauwerk bereits komplett in Flammen, an eine Rettung war nicht mehr zu denken. Um die angrenzenden Gebäude nicht zu gefährden, mussten die Brandbekämpfer den Turm kontrolliert abbrennen lassen. Morgens standen nur noch der steinerne Sockel und Teile der Stützpfeiler – vom Rest blieben Staub und Asche. Bereits im Sommer wurden zwei Holzbauten in Frankfurter Parks zerstört. Der koreanische Pavillon im Grüneburgpark brannte Anfang Mai ab, einen Monat später stand der chinesische Pavillon im Bethmannpark in Flammen. Ursache – wie wohl auch jetzt – Brandstiftung.

Fast 86 Jahre gehörte der Goetheturm zu den beliebtesten Frankfurter Ausflugszielen, war neben Dom und Römer längst als historisches Wahrzeichen im Bewusstsein verankert. Im November 1931 wurde das 43 Meter hohe Bauwerk am südlichen Stadtrand eröffnet. Seinen Namen erhielt es mit Blick aufs Goethejahr 1932, in das der 100. Todestag des Dichters fiel. 196 Stufen führten nach oben, und bis 1999 war es das höchste öffentlich zugängliche Holzgebäude Deutschlands. 1981/82 und 2010 bis 2014 wurde der Goetheturm jeweils aufwendig saniert – doch gegen Narrenhände ist kein Kraut gewachsen … (db, 12.10.17)

Frankfurt, Goetheturm (Bild Popie, CC BY SA 3.0)

Toys“R“us hat ausgespielt

Sie fragen sich, warum wir kein schöneres Bild vom Toys“R“us-Gebäude zeigen? Es gibt keins. Dieses Haus ist tatsächlich derart misslungen, dass viele sogar seine Entstehungszeit auf die frühen 1970er legen – in eine Zeit, in der Bausünden (ob echte oder gefühlte) an der Tagesordnung waren. Tatsächlich entstand die pastellfarbene Kiste sogar Anfang der 1980er und sorgte damals schon für ratlose Blicke. Nicht einmal der Architekt ist überliefert, die Kette „Toys“R“us“ ist insolvent und der Abriss der raumgreifenden Kaufhaus-Parketagen-Kombination endgültig besiegelt.

Nach den Plänen des Frankfurter Architekturbüros Christoph Mäckler plant die Wase GmbH auf dem Areal ein aus zwei Gebäudeteilen bestehendes Wohn- und Geschäftshaus mit bis zu 13 Obergeschossen.  Dahinter steht der Investor Michael Dietrich, der in unmittelbarer Nachbarschaft schon „Wohnen am spitzen Eck“ verwirklichte. Die Parkmöglichkeiten gehen nicht verloren: Es entstehe das erste Gebäude in Deutschland, bei dem sich ein öffentliches Parkhaus oben in der Mitte eines Blocks befinde und von Wohnungen und Läden „eingepackt“ werde, sagte Christoph Mäckler bei der Präsention des Projekts . Von außen werden die insgesamt 390 Stellplätze, von denen 180 öffentlich genutzt werden können, nicht zu sehen sein. Toys’R’Us wird es auch künftig in dem Gebäude geben, die Grünfläche „Feldherrnhügel“ verschwindet hingegen leider. (db, 12.10.17)

Offenbach, Toys“R“us (Bild: D. Bartetzko)

Offenburg, Sparkasse (Bild: Daniel Bartetzko)

Abräumen in Offenburg

Die derzeitige Hauptargumentation für flächendeckende Abrisse ist ja, dass man einen geschlossenen Block „der Öffentlichkeit zurückgeben“ wolle. Statt Randbebauung gibt’s dann Passagen oder kleine Straßen mittendurch – was ja auch nicht die schlechteste Idee ist. In Offenburg macht es derzeit die Sparkasse vor: Hier fällt derzeit die alte Zentrale inklusive mehrerer Wohn- und Geschäftshäuser und eines Garagenhofs. Die gründerzeitliche Stadthalle, die ebenfalls auf dem Areal steht, bleibt (nach Bürgerprotesten) vom Komplettabriss verschont, wird aber völlig umgestaltet und teils neu gebaut. Auf dem 12.500 Quadratmeter großen Gesamtareal wird das Rée-Karré entstehen, das auch eine Erweiterung der angerenzenden Fußgängerzone sein soll.

Die Planung hat das Darmstädter Büro Kramm & Strigl übernommen, es werden „die üblichen Verdächtigen“ errichtet: ein Mix aus Wohnen, Büros und Geschäften. Farblich in ocker und beige gehalten, aufgelockert durch gezackte Dächer. Als Investor tritt die der Halaba angegliederte OFB Projektentwicklung auf, die als Fertigstellungstermin fürs Rée-Karré das erste Quartal 2019 avisiert hat. Derzeit kann man noch letzte Blicke auf das alte Sparkassen-Gebäude samt begrünter Tiefgarage an der Gustav-Rée-Anlage 1 werfen, das Mitte Juni mit einer Abriss-Party verabschiedet wurde – und (noch) als Beweis dient, dass früher doch manches Besser war…  (db, 22.9.17)

Offenburg, Sparkasse (Bild: Daniel Bartetzko)

Berlin-Schöneberg, Christuskirche (Bild: buergerstadt.de)

Baugemeinschaft AMEN

Manche Namen sind so naheliegend, dass man sich wundert, dass nicht längst schon jemand darauf gekommen ist: Die „Baugemeinschaft AMEN“ ist so einer. Hinter dem klangvollen Begriff steckt ein verheißungsreiches Vorhaben. In einer und um eine Kirche in Berlin-Schöneberg sollen „anspruchsvolle Wohnszenarien“ entstehen. Die Bürgerstadt AG plant gemeinsam mit dem Büro Bundschuh Architekten den Umbau, die Erweiterung bzw. Ergänzung und damit Umnutzung der ehemals methodistischen Christuskirche in der Feurigstraße. Bereits 1922 war hier, vom Straßenzug zurückgesetzt, ein gezielt schlichter Kirchenbau mit Turm und Gottesdienstsaal entstanden, der nach dem Krieg bis 1952 noch einmal eine Umgestaltung erfuhr.

Schon seit einigen Jahren nutzte die methodistische Gemeinde den Gottesdienstraum nicht mehr selbst, sondern hatte hier u. a. eine koreanisch-methodistische Gemeinde zu Gast. Doch 2016 war dann Schluss mit der Zwischennutzung, der Bau und das dazugehörige Grundstück in für Berlin zunehmend interessanter Lage wurde verkauft. Nun sollen neue Wohneinheiten zwischen 83 und 204 Quadratmetern entstehen. Ergänzend zur umzubauenden Kirche ist ein „schlankes Lofthaus“ geplant. Die Fertigstellung ist für 2019 avisiert, der Verkauf der Wohnungen hat bereits begonnen. (kb, 15.9.17)

Berlin-Schöneberg, Umbauplanung für die Christuskirche (Bild: buergerstadt.de)

Bitterfeld, Kulturpalast (Bild: Joeb07, CC0)

Abrissantrag für Kulturpalast

Im Jahr 2013 hat die Gelsenwasser AG den Chemiepark Bitterfeld Wolfen gekauft. Zum Areal gehört auch der 1952-54 nach Plänen von Alfred Dienst errichtete Kulturpalast. 2004, zum 50-jährigen Jubiläum, wurde der er nach einjähriger Sanierung durch den damaligen Betreiber des Chemieparks wiedereröffnet: Die Stadt Bitterfeld konnte die Sanierungskosten nicht selbst tragen. Mit dem denkmalgeschützten Bau, der zum Zeitpunkt des erneuten Besitzerwechsels vor vier Jahren in voller Nutzung war, konnte (und wollte) die Gelsenwasser AG aber offenbar wenig anfangen: Sukzessive wurde das Gebäude geräumt, seit 2016 steht es leer. Welche Pläne man mit dem DDR-Denkmal hatte, war unklar – nicht aber, dass die mittlerweile als Chemieparkgesellschaft firmierenden Besitzer es als Altlast empfanden.

Nun ist raus, was viele bereits vermuteten: Die Chemieparkgesellschaft hat nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung einen Abrissantrag gestellt. Man wolle den Bau „nicht weiter besitzen und betreiben“, so Chemiepark-Geschäftsführer Patrice Heine. Allerdings sei es nicht das alleinige Ziel, den Kulturpalast abzureißen. Es bestehe auch die Möglichkeit, dass jemand anderes der neue Besitzer werde. Hauptgrund, den Bau mit insgesamt 1150 Sitzplätzen loszuwerden, ist offenbar schlicht das Geld. Laut der Chemieparkgesellschaft müsse jedes Wochenende eine ausverkaufte Veranstaltung stattfinden, um kostendeckend zu arbeiten. Davon träumen freilich die meisten deutschen Kulturhäuser…   (db, 11.9.17)

Kulturpalast Bitterfeld (Bild: Joeb07, CC0)