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Köln, Hochhäuser Deutschlandfunk und Deutsche Welle (Bild: Copyright Raimond Spekking, CC BY SA 3.0, via wikimedia commons)

Mit den Riesen auf Augenhöhe

Das Projekt „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ porträtiert zehn Großbauten der 1960er und 1970er Jahre in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam ist den „Riesen“, dass sie in den vergangenen Jahren in der öffentlichen Diskussion standen und teilweise sogar vom Abriss bedroht waren. Heute verkörpern sie eine euphorische Epoche und zeigen oftmals architektonische Qualitäten. Im ersten Schritt des Projekts haben Alexandra Apfelbaum, Gudrun Escher und Yasemin Utku die aktuellen öffentlichen Debatten und historisches Material ausgewertet. Die Ergebnisse können als Studie gratis heruntergeladen werden.

Daran knüpft im Herbst 2017 die Reihe „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ an. An den einzelnen Veranstaltungsorten werden die Besonderheiten des jeweiligen Bauwerks in Besichtigung und Diskussion erfahrbar. (Die Teilnahme ist jeweils kostenlos, genauere Informationen zu Zeit und Ort sowie die Anmeldung erfolgen über die örtlichen Volkshochschulen). Als Termine sind angesetzt: am 18. September in Duisburg, am 27. September in Dortmund, am 4. Oktober in Bochum, am 11. Oktober in Bonn, am 18. Oktober in Aachen, am 25. Oktober in Dortmund, am 1. November in Paderborn, am 8. November in Essen, am 15. November in Marl, am 22. November in Köln und am 29. November in Gronau. (kb, 17.8.17)

Köln, Hochhäuser Deutschlandfunk und Deutsche Welle (Bild: Copyright Raimond Spekking, CC BY SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Das neue Heft ist da: Mettigel

In so mancher Küche mit Sitzecke vergeht einem der Appetit – zu steril, zu deutsch-gemütlich oder einfach ein wenig zu farbstark. In der Architekturmoderne wurde der Ort des Zubereitens und Verzehrens zur stilistischen Spielwiese, aber in seltenen Glücksfällen auch zum Herz und Glanzpunkt eines Gebäudes. Ob Einbauküche, Kantine oder Eisdiele – in jedem Fall spiegeln diese Räume des Ernährens und Genießens unser sich wandelndes Bild von Arbeit und Freizeit, von Beziehung und Familie. Diesen besonderen Orten widmet mR nun ein eigenes Themenheft „Mettigel“ (Redaktion: Karin Berkemann).

Mit von der Partie sind der Gastrokritiker Jürgen Dollase, der Ostmodernist Mark Escherich, die Hajek-Expertin Chris Gerbing, der Denkmalschützer Stefan Timpe, der Küchenfachmann Christos Vittoratos und einige Time-Life-Kochbücher. Sie können die einzelne Beiträge rechts über die Seitenleiste anklicken oder das ganze Heft am Stück hier unten als pdf online blättern, durchsuchen oder downloaden. Und am Ende jedes Beitrags wartet ein Rezept zum Nachkochen auf Sie! (db/kb/jr, 14.8.17)

Titelmotiv: ziemlich rote Küche (Bildquelle: leider unbekannt)

Enzensberger: Blaupause (Bild: Hanser Verlag)

Bauhaus-Belletristik

Das Bauhaus und seine Akteure waren in den letzten Jahren Gegenstand unzähliger wissenschaftlicher Abhandlungen. Das anstehende 100-jährige Jubiläum im Jahr 2019 lässt einen weiteren Schwung an Fachliteratur erwarten. Das jüngst erschienene Buch „Blaupause“ von Theresia Enzensberger nähert sich der Kunstschule stattdessen von der literarischen Seite und macht Gropius, Meyer und Co zu Romanfiguren.

Hauptfigur und Ich-Erzählerin ist die junge Luise Schilling, die Anfang der 1920er Jahre ein Architekturstudium am Bauhaus in Weimar beginnt. Hier trifft sie auf die abgehobenen Bauhausdirektoren Walter Gropius und Hannes Meyer, die trotz der Modernität der Kunstschule Frauen im Architektenmetier skeptisch gegenüber stehen. Viele ihrer Kommilitonen sind begeisterte Anhänger Johannes Ittens und verehren den Bauhaus-Meister wie einen Guru. Den jungen Bauhäuslern erscheint die von ihm vertretene Mazdaznan-Lehre als ideales spirituelles Gegenstück zu den avantgardistischen Positionen der Kunstschule. Der Roman liefert einen fiktiven, aber gut recherchierten Einblick in den Alltag des Bauhaus und ist als Sommerlektüre absolut empfehlenswert! (jr, 28.7.17)

Enzensberger, Theresia, Blaupause, Hanser Verlag, München 2017, ISBN 978-3-446-25643-9.

Titelmotiv: Buchover (Hanser Verlag)

Arnstadt, Bau von Eigenheimen, 1974 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183-N0920-0302, CC BY SA 3.0)

Hausaufgaben

Über Jahrzehnte hatten die Deutschen, wenn es ums Wohnen ging, vor allem eins im Sinn: Schnell ins eigene Heim. Generation für Generation ist zumindest den Westdeutschen dieses vermeintlich einzig wahre Wohn-Leitbild eingeimpft worden – von Bausparkassen und Vorabendserien, aber auch durch den Staat, indem er diese Wohnform lange steuerlich begünstigte. Das Ergebnis ist eine unübersehbare Vielzahl von Einfamilienhausgebieten aus den 1950er bis 1970er Jahren in großen und kleinen Kommunen.

Eine neue Studie der „Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020“erhältlich als Gratis-pdf-Download oder per Forumlar als Print bestellbar – zeigt anhand von vier Fallstudien Wege auf, wie bürgerschaftliches Engagement zur zukunftsfähigen Weiterentwicklung alternder Einfamilienhausgebiete beitragen kann. Diese vier Beispiele geben einen Einblick in das Spektrum der Anlässe für bürgerschaftliches Engagement in Einfamilienhausgebieten und zeigen exemplarisch die Bandbreite der Themenfelder und Akteurskonstellationen auf. Ergänzend zu den Fallstudienuntersuchungen wurden Fachgespräche geführt, um die Erkenntnisse aus der beispielhaften Auseinandersetzung in einen breiteren Kontext einzuordnen. Diese Studie zeigt so unterschiedliche Modelle und Ansätze auf, wie Kommunen begleitend und in Kooperation mit dem bürgerschaftlichen Engagement tragfähige Anpassungen alternder Einfamilienhausgebiete angehen können. (kb, 26.7.17)

Gudewer, Stephan u. a., Hausaufgaben – Bürgerschaftliches Engagement in alternden Einfamilienhausgebieten, hg. von der Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020, 2017.

Arnstadt, Bau von Eigenheimen, 1974 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183-N0920-0302, CC BY SA 3.0)

100 Jahre Großberlin (Bild: Lukas Verlag)

100 Jahre Groß-Berlin

Am 1. Oktober 1920 wurde die Einheitsgemeinde Groß-Berlin geschaffen. Die Hauptstadt des Deutschen Reiches sollte damit den politischen Querelen der kommunalen Zersplitterung enthoben werden und durch umfassende Maßnahmen zu einer modernen Metropole transferiert werden. Die Stadtfläche wuchs damit um das Dreizehnfache, die Bevölkerungszahl verdoppelte sich von 1,9 auf knapp 3,9 Millionen, was Berlin zur drittgrößten Stadt der Welt machte. Anlässlich des bevorstehenden 100-jährigen Jubiläums widmen sich eine Tagungs- und Publikationsreihe der Geschichte und Zukunft Groß-Berlins. Der erste Band wird am 11. Juli vorgestellt.

Der Sammelband widmet sich dem Schwerpunktthemen „Wohnungsfrage und Stadtentwicklung“. Das Groß-Berlin-Gesetz bildete in den Jahren nach 1920 die Grundlage für vielfältige Wohnbauaktivitäten. Historisch und aktuell orientierte Beiträge fragen nach der Geschichte des Groß-Berliner Wohnungsbaus sowie seinen aktuellen Herausforderungen und ziehen Vergleiche zu Paris, London und Moskau. Zur Buchvorstellung am 11. Juli (19.30 Uhr, Bücherbogen am Savignyplatz, Stadtbahnbogen 593, 10623 Berlin) werden die Herausgeber des Bandes, Harald Bodenschatz und Klaus Brake, erwartet. (jr, 9.7.17)

Bodenschatz, Harald/Brake, Klaus: 100 Jahre Groß-Berlin. Bd. 1: Wohnungsfrage und Stadtentwicklung, Lukas Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86732-290-4.

Titelmotiv: Ausschnitt aus dem Buchcover (Lukas Verlag)