Bücher

Schlögel, Das sowjetische Jahrhundert (Bild C.H. Beck)

Das sowjetische Jahrhundert

Karl Schlögel gehört zu den Pionieren der Osteuropahistoriker. Lange vor der Öffnung  russischer Archive entwickelte er sich zu einem renommierten westeuropäischen Experten der sowjetischen Geschichte. Kürzlich publizierte Schlögel mit „Das sowjetische Jahrhundert“ ein Grundlagenwerk, das in seiner Methodik von historiographischen Gepflogenheiten deutlich abweicht. Es präsentiert dem Leser die „Archäologie einer untergegangenen Welt“ und rekonstruiert die Geschichte der UdSSR anhand von ikonischen Alltagsgegenständen, Kulturpraktiken und Objekten des Landes. Statt einer herkömmlichen Kulturgeschichte entsteht somit ein vielschichtiges Porträt einer historisch spezifischen Lebenswelt, vom sowjetischen Parfum über Datscha und Kommunalka bis zur legendären Großbaustelle Magnitogorsk.

Wer den Autor live erleben möchte, hat diese Woche in Berlin die Möglichkeit dazu. Am Mittwoch, 13. Dezember, lädt die Max-Lingner-Stiftung zum Themenabend „Zehn Tage, die die Welt erschütterten“. Im Fokus steht die russische Revolution, als Diskutanten sind Schlögel und sein Kollege Wladislaw Hedeler geladen. Los geht es um 19 Uhr im Max-Lingner-Haus (Beatrice-Zweig-Straße 2, 13156 Berlin). (jr, 11.12.17)

Schlögel, Karl, Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt, C.H. Beck, München 2017, ISBN 978-3-406-71511-2 .

Alekos Hofstetter, Klingt es auch wie eine Sage, kann es doch kein Märchen sein, 2016 (Copyright: Alekos Hofstetter, Courtesy: Laura Mars Gallery, Berlin)

Tannhäuser Tor II

In der Laura Mars Gallery (Bülowstraße 52, 10783 Berlin) ist vom 9. bis zum 22. Dezember die Doppelausstellung „Maarten Janssen. 50 Cent“ und „Alekos Hofstetter. Tannhäuser Tor II“ zu sehen. Der niederländische Künstler Maarten Janssen wird zu diesem Anlass erstmalig seine fünfteilige Serie „alfabetagammadelta“ – eine alphabetische Farbsortierung einsilbiger Farbnamen im Niederländischen – präsentieren. Thema des Werkblocks „Tannhäuser Tor“ von Alekos Hofstetter ist das Verhältnis von Raum, Zeit und Distanz. Im Vordergrund steht die Auseinandersetzung mit dem sich verändernden Blick auf die Nachkriegsmoderne.

In den teilweise gemeinschaftlich mit dem Dresdener Künstler Florian Göpfert geschaffenen Zeichnungen und Gemälden wird ein neues Verhältnis von Architektur und Landschaft konstruiert. Die Baukunst, die uns von Hofstetter in seinen Werken gezeigt wird, ist befreit von jeder Funktionalität und scheint nur in entrückter Ferne sein zu können. Die Eröffnung wird am 8. Dezember um 19 Uhr begangen. Zu diesem Anlass wird auch der Katalog „Tannhäuser Tor II“ vorgestellt, der im Fantôme Verlag mit Texten von Daniel H. Wild (Hg.) und Holm Friebe erscheint. (kb, 5.12.17)

Alekos Hofstetter, Klingt es auch wie eine Sage, kann es doch kein Märchen sein, 2016 (Copyright: Alekos Hofstetter, Courtesy: Laura Mars Gallery, Berlin)

Hamburg-Altona: Eine ganze Straße zum Lesen

Es ist druckfrisch: das Buch „Die Große Bergstraße. Dokumentarische Ansichten einer Hamburger Einkaufsstraße 1950-2017“ von Johanna Klier und Sylvia Necker. Die Neue Große Bergstraße in Hamburg-Altona ist eine der ersten autofreien Einkaufsstraßen Deutschlands. Bis heute ist sie geprägt durch ihre moderne Nachkriegsarchitektur, aber vom einst glanzvollen Konzept ist nur noch ein Nachhall zu spüren. Dem heutigen Veränderungsprozess ging eine heftig geführte Debatte über die „gescheiterte“ Straße voraus, die ihren Höhepunkt mit der ersten innerstädtischen IKEA-Filiale Europas fand.

Johanna Klier hat die Umbaumaßnahmen fotografisch dokumentiert. Ihre Aufnahmen werden von Sylvia Necker in den historischen Kontext gestellt. Ergänzt um historisches Bildmaterial u. a. aus dem Bestand der „Neuen Heimat“, präsentiert das Buch mehr als 70 Jahre Stadtgeschichte. Die Buchvorstellung, bei der Sylvia Necker einen kurzen Bildvortrag über die Entwicklung der Straße halten und Johanna Klier einige ihrer Fotos zeigen wird, findet am Mittwoch, den 13. Dezember 2017 um 18.30 Uhr in der Großen Bergstraße 213 (ehem. „Frau Tulpe“) in Hamburg-Altona statt. (kb, 3.12.17)

Klier, Johanna/Necker, Sylvia (Hg.), Die Große Bergstraße. Dokumentarische Ansichten einer Hamburger Einkaufsstraße 1950 – 2017, Dölling und Galitz, München/Hamburg 2017, 200 Seiten, englisch-deutsch, ISBN: 978-3-86218-101-8.

Titelmotiv: Buchcover, Johanna Klier/Dölling und Galitz

London Underground Architecture & Design Map (Bild: bluecrowmedia.com)

Ab in den Londoner Untergrund

In London kann man trefflich verloren gehen (wir erinnern nur an einen literarischen Bären mit blauem Mantel und rotem Hut). Vor allem, wenn man im Untergrund nur Augen für die vortreffliche moderne (Bau-)Kunst hat. Hier bietet der Verlag „bluecrowmedia“, der sich schon mit den unterschiedlichsten Brutalismus-Stadtplänen von Paris bis Sydney hervorgetan hat, praktische Lebenshilfe. Frisch erschienen ist nun die „London Underground Architecture & Design Map“ erhältlich.

Damit hat sich der Verlag zum ersten Mal den Untergrund zum Thema genommen. Mark Ovenden, der sich mit der Geschichte des Verkehrsdesigns beschäftigt, und der Fotograf Will Scott, haben einen zweiseitigen Stadtplan zusammengestellt. Darin sind in einer Übersichtskarte des Londoner Untergrunds besondere Stationen gekennzeichnet und umseitig mit Fotografien und Details beschrieben. Das Ganze steckt in einem schützend und dekorativen „Slipcover“, das mit einer ausgestanzten Öffnung in Form des Londoner U-Bahn-Logos einen ersten Blick auf den Inhalt preisgibt. (kb, 30.11.17)

London Underground Architecture & Design Map (Bild: bluecrowmedia.com)

Bonn, St. Franziskus (Bild: Hagman, CC BY SA 3.0, 2011)

Jetzt sind die Bonner Kirchen dran

Eine Reihe besteht bekanntlich aus mehr als zwei, sonst wäre es ein Pärchen. Die Werkstatt Baukultur ist mit ihrer Veröffentlichungsreihe inzwischen über jeden Verdacht erhaben, denn nun ist frisch Teil acht der Architekturführer herausgekommen. Die kleinen Hefte erscheinen im DIN A6 Format – praktisch für Hosen- und Handtasche und immer bereit für ihren nächsten Einsatz. Sie bieten Informationen zu den Bauten in Bonn, welche umstritten, vernachlässigt, unbekannt oder auch schon (fast) vergessen sind. Dieses Mal geht es um die Kirchen der Nordstadt.

Im Mittelpunkt stehen damit drei beispielhafte Kirchenbauten aus der Zeit um 1960: St. Helena (1960, Emil Steffann/Nikolaus Rosiny), St. Franziskus (1962, Karl Band/Werner Fritzen) und die Lukaskirche (1958, Heinrich Otto Vogel). Die Architekturführer erscheinen in unregelmäßigen Abständen und können unter der ISSN 2196-5757 mit Angabe des jeweiligen Titels im Buchhandel bestellt werden oder direkt per E-Mail bei: bestellung@dreiviertelhaus.de. Als nächstes sind geplant: Der Band „Kunstverein“ erscheint voraussichtlich im Dezember 2017, „Didinkirica“ im Frühjahr 2018. Am 27. November 2017 wird um 19 Uhr in der Bonner Kirche St. Franziskus der neue Kirchen-Architekturführer im fünften „Bonner Baukultur-Salon“ vorgestellt. (kb, 25.11.17)

Bonn, St. Franziskus (Bild: Andreasdziewior, CC BY SA 3.0, 2011)

Ausstellung "Zeichen des Aufbruchs" (Bild: Grafikbüro Brandner, Foto: Siegfried Wameser)

Zeichen des Aufbruchs

„Christliches Kieswerk“, „Parkhaus Gottes“ oder „Klein-Ägypten“ waren  noch die netteren Spitznamen für Kirchen der Nachkriegsmoderne. Rund 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) präsentiert das Diözesanmuseum St. Afra Augsburg den damaligen Kirchenbau des Bistums vom 22. November 2017 bis zum 11. März 2018. Mit der Sonderausstellung „Zeichen des Aufbruchs. Kirchenbau und Liturgiereform im Bistum Augsburg seit 1960“ werden die theologisch-liturgischen, aber auch architektonisch-künstlerischen Umbrüche dieser Jahre aufgearbeitet. Denn die Innovation und Schöpferkraft dieser ebenso kurzen wie produktiven Zeitspanne, aber auch der derzeitige Veränderungsdruck der Kirchenlandschaft – Umnutzung, Profanierung oder gar Abriss – lassen eine Auseinandersetzung mit diesem kulturellen Erbe umso notwendiger erscheinen.

Anhand ausgewählter und von Siegfried Wameser neu fotografierter Beispiele wird der Besucher auf eine überraschende Entdeckungsreise durch das Gebiet der Diözese Augsburg mitgenommen, die in erster Linie für ihren reichen Bestand an Barock- und Rokokoarchitektur bekannt ist. Alexander von Branca, Hans Schädel, Thomas Wechs und Josef Wiedemann sind nur einige der Namen, die für den hohen baukünstlerischen Anspruch der modernen Kirchen bürgen. Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Buchpublikation im Kunstverlag Josef Fink. (kb, 20.11.17)

Stadtbergen-Leitershofen, Zum Auferstandenen Herrn, 1970, Adolf Zach (Ausstellung „Zeichen des Aufbruchs“, Grafikbüro Brandner; Foto: Siegfried Wameser)

Ausstellung "Zentrifugale Tendenzen" (Bild: Tchouban Foundation, Berlin)

Tallinn – Moskau – Nowosibirsk

Die Ausstellung „Zentrifugale Tendenzen. Tallinn – Moskau – Nowosibirsk“ ist die Fortsetzung der Reihe visionärer und gesellschaftskritischer Architektur im Berliner Museum für Architekturzeichnung (Tchoban Foundation). Nach den Ausstellungen der Werke von Lebbeus Woods, Peter Cook und der Sammlung von Alvin Boyarsky wird die sogenannte Papierarchitektur aus der ehemaligen Sowjetunion vorgestellt. Der Begriff Papierarchitektur wurde in den 1980ern durch den Architekten, Kurator und einen der Protagonisten dieser Bewegung, Juri Awwakumow, geprägt. Er wird für nicht realisierte, lediglich für die Schublade geplante, Bauvorhaben benutzt.

Dies wird dem Phänomen jedoch nicht gerecht. Denn mit Papierarchitektur ist vor allem eine in den 1980er Jahren in der Sowjetunion geborene Architekturbewegung gemeint, die als Protest gegen die Routine der staatlichen Planungsbüros entstanden ist. Die Ausstellung präsentiert etwa fünfzig Zeichnungen, die sich in drei Gruppen untergliedern lassen: die Tallinner Schule, die Papierarchitektur aus Moskau und die aus Nowosibirsk. Zu sehen sind Werke namhafter Künstler, darunter Leonhard Lapin, Juri Awwakumow, Alexander Brodsky und weitere Architekten. Zu der Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Die Präsentation ist noch bis zum 18. Februar 2018 zu sehen. (kb, 17.11.17)

Ausstellung „Zentrifugale Tendenzen“ (Bild: Tchoban Foundation, Berlin)

Raster Beton: Cover-Ausschnitt (Bild: M-Books)

Raster Beton – zwischen Kunst und Platte

Zwischen Planung und Realität der Großwohnsiedlungen entfalten sich bis heute Debatten: Lebt im Plattenbau die Utopie der Gleichheit aller Menschen, wie sie vor allem in der DDR propagiert wurde? Wie kann diese Erzählung fortgeschrieben werden? Und können diese Siedlungen Antwort darauf geben, wie die Wohnungsfrage zu lösen ist? Das Buch Raster Beton – Vom Leben in Großwohnsiedlungen zwischen Kunst und Platte. Leipzig-Grünau im internationalen Vergleich stellt bisher unveröffentlichte Arbeiten des Leipziger Fotografen Harald Kirschner der Dokumentation zeitgenössischer künstlerischer Positionen zum Leben in Großwohnsiedlungen gegenüber. Diese sind im Sommer 2016 aus einem Festival in Leipzig hervorgegangen.

Anhand von Grünau beschreiben die Autoren des von Juliane Richter, Tanja Scheffler und Hannah Sieben herausgegebenen Bands Programm und Ästhetik serieller Fertigung und zeigen, welche Auswirkungen sie auf das Wohnen heute haben. Die architekturhistorische Studie untersucht internationale Beispiele von Großwohnsiedlungen und stellt das konstruktive und gestalterische Prinzip des Plattenbaus in Zusammenhang. Dabei werden Ideengeschichte, Wahrnehmung wie Rezeption von Städtebau und Architektur der Großsiedlungen ebenso beleuchtet wie ihre Darstellung im Spielfilm. Am 18. November präsentiert der verantwortliche Kunstraum D21 die Publikation im Offenen Atelier Grünau mit Autoren wie Wolfgang Kil und Harald Kirschner, den Fotografen sowie einer Ausstellung aktueller Bilder Grünauer Architektur. (db, 4.11.17)

Raster Beton: Cover-Ausschnitt (Bild: Harald Kirschner)

Internationale Automode vor dem Ostberliner Kino International (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-C0808-0006-002, Spremberg, Joachim, CC-BY-SA 3.0

Die Deutschen und ihre Autos

Die Kult-Autos VW Käfer und Trabant sind motorisierte Erinnerungsorte der deutschen Moderne. Nichts bewegt die Deutschen, ihre Gefühle und Mobilität, so wie das Auto. Es steht für Freiheit und Dynamik, für Status, Lebensstil und Macht. Mit der Wahl von Automarke, Modell und Ausstattung drücken Käufer ihre Persönlichkeit, Sehnsüchte, Lebensumstände und häufig auch den Umfang ihres Geldbeutels aus. Werbe- und Marketingstrategen investieren Millionen, um ihr Produkt emotional aufzuladen.

Der „Deutschen liebstes Kind“ bleibt auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Hunderttausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von der Autoindustrie ab. Gleichzeitig schmälern Umweltbelastung, verstopfte Autobahnen und Innenstädte zunehmend die Freude am Fahren. Car-Sharing, autonomes Fahren und Elektromotoren weisen auf drastische Veränderungen der Autowelt hin: Ist das Ende der Autolust absehbar? Die Ausstellung „Geliebt. Gebraucht. Gehasst. Die Deutschen und ihre Autos“ im Bonner Haus der Geschichte macht mit ausgewählten Fahrzeugen, Medien, Plakaten, Fotos und Dokumenten die Faszination des Autos deutlich. Sie zeigt die soziale und kulturelle Bedeutung des Autos in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen. Die Präsentation ist noch bis zum 21. Januar 2018 zu sehen, begleitend ist im Sandstein Verlag eine gleichnamige Publikation erschienen. (kb, 25.10.17)

Internationale Automode vor dem Ostberliner Kino International (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-C0808-0006-002, Spremberg, Joachim, CC BY-SA 3.0

Bremen, Freimarkt (Foto: Hagen Stier)

Geschenkt! Endspurt bei märklinMODERNE

Weihnachten kommt wie immer früher als gedacht. Aber dies Jahr könnt Ihr Euch rechtzeitig mit Geschenken versorgen. Denn auch unserer Crowdfunding-Aktion „märklinMODERNE“ geht in den Endspurt. Noch rund eine Woche ist Zeit, Teil von „märklinMODERNE“ zu werden. Am 31. Oktober wird um 23.59 Uhr der Zugang geschlossen und die Kasse gestürzt. (Wenn unser Funding-Ziel von 5.500 Euro erreicht bzw. überboten wurde, werden Eure Spenden abgebucht. Wenn nicht, dann nicht. Also kein Risiko für Euch.) Hier wären also unsere ultimativen Geschenkvorschläge, mit denen Ihr gleichzeitig die Welt im Kleinen retten könnt. Und eine Verlosung unter allen Unterstützern gibt es auch noch!

Das signierte Modell der „Villa im Tessin“, die Film-DVD, limitierte Fotokunst von Hagen Stier, einen Restaurantgutschein, eine exklusive Exkursion zur Wiege des Modellbaus, u. v. m. hier: https://www.startnext.com/maerklinmoderne. Für alle Fast-Dankeschön-Erwerber, Grundsätzlich-wirklich-sehr-Geneigten und Last-Minute-Unterstützer ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Unter allen Unterstützern verlosen wir am Ende einen Faller-Adventskalender! (db/kb/jr, 21.10.17)

Titelmotiv: Bremen, Freimarkt (Foto: Hagen Stier)