Forschung

Tasche trifft U-Bahn (Bild: kurzzug.de)

Rettet die U-Bahn(-Bezüge)!

Es dürfte schwer zu leugnen sein: Das hier ist ein Ding für Bart- und Mützenträger. Aber irgendwie auch schön. Über die Bedrohung nachkriegsmoderner U-Bahnstationen müssen wir hier – leider – immer wieder berichten. Nicht immer kann man konkret was tun. Aber hier, hier kann man aktive Erhaltungsarbeit leisten. Die Münchener U-Bahn wurde für die Olympischen Spiele 1972 ins Leben gerufen. Doch viele der über 40-jährigen Wagen werden aktuell samt ihrer Bezüge ausrangiert. Damit wenigstens ein Teil dieser geschichtsdurchzogenen Materialien nicht verloren gehen, haben sich Jörg Schleburg und Wolfgang Bischoff 2013 zu ihrem Projekt „kurzzug“ zusammengetan, das 2016 mit einem erfolgreichen Crowdfunding in die Umsetzung ging.

Ihr Stoff sind die original gebrauchten Sitzbezüge der Münchner U-Bahnen, und dieser Stoff ist endlich. Noch dazu ist jeder Bezug einzigartig, je nach dem, wer ihn wie und wofür weichgesessen hat. Damit versteht kurzzug jedes seiner Produkte als Unikat, und limitiert seine Taschen und Beutel entsprechend. Im Angebot sind Wochenender, Stadttaschen, Geldbeutel und Schlüsselzüge. Die Preise entsprechen durchaus dem Selbstbewusstsein der Hersteller, Einzelstücke feil zu bieten. Wer hier passen muss, dem bleibt der Erwerb einer Münchener ÖPNV-Tageskarte und die Rundfahrt auf der Suche nach verbliebenen Originalbezügen – aber bitte nur in Form einer Fotosafari. (kb, 19.1.18)

Tasche trifft U-Bahn (Bild: kurzzug.de)

Dessau, Meisterhäuser (Bild: Dirk Schmidt, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Der große Bauhaus-Call

Für die 16. Docomomo-Deutschland-Tagung „100 Jahre Bauhaus: Was interessiert uns heute die Moderne?“, die am 22. Februar 2019 (!) in der Berliner Akademie der Künste stattfinden soll, werden noch Themen gesucht. Bis zum 31. März 2018 können sich Akteure aus Wissenschaft, Lehre und Praxis ein, die eingebunden sind in Prozesse der Erhaltung, Konservierung, Renovierung oder Transformierung von Gebäuden, Stätten und Nachbarschaften des Modern Movement melden bei: docomomo@bauhaus-dessau.de. Die Eingänge sollen Bezug auf: Register (Gebäude, Typologien, Architekten/Planer), Urbanism+Landscape (Gebäudeensembles, Außenräume, Policies), Education+Theory (Programme, Konzepte, Ansätze), Technology (Komponenten, Materialien, Techniken) oder Interior Design (Innenräume, Ausbauten, Atmosphären).

Die Unterlagen müssen enthalten: 1. Titel (max. 65 Zeichen) und Abstract (max. 300 Wörter); Keywords (max. 5 Wörter); 2. Themenauswahl (Urbanism+Landscape, Education+Theory, Technology oder Interior Design); 3. Autoreninformation (Name, Universität/Firma/Organisation, Land); 4. Biographie (max. 100 Wörter) – und E-Mailadresse und Telefonnummer. Abstracts sollen ein Themengebiet definieren und die Argumente zusammenfassen, die später in einem längeren Beitrag dargestellt werden. Die Beiträge sollen auf einer gut dokumentierten originären Forschungs-/Projektarbeit beruhen und vorzugsweise analytisch interpretierend sein. Die Inhalte sollen vorher weder veröffentlicht oder öffentlich präsentiert worden sein. Es ist nur eine Einreichung je Autor/Koautor zulässig. Es wird erwartet, dass jede/r Sprecher/in die Konferenz sowie Reise und Unterkunft aus eigenen oder institutionellen Mitteln finanziert. (kb, 18.1.18)

Dessau, Meisterhäuser (Bild: Dirk Schmidt, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Breslau, Wohnsiedlung "Manhattan" (Bild: Olgierd Rudak, CC BY SA 2.0)

Polish Postmodernism

Wer von postmoderner Architektur spricht, denk zumeist an eine Zeitspanne kapitalistischen Wirtschaftens, an Villen und Bürogebäude mit überbordenden Fassaden und augenzwinkernden Formenzitaten. Dabei war das postmodere Bauen nicht auf den Westen beschränkt, auch im Osten Europas rangen Architekten in den 1970er und 1980er Jahren um neue Ausdrucksformen. Vor diesem Hintergrund will die Tagung „Polish Posmodernism“, die vom 27. bis 28. September 2018 im Deutschen Historischen Institut Warschau (Al. Ujazdowskie 39; 00-540 Warszawa) stattfinden wird, den Blick vor allem auf die polnische Architekturszene dieser Jahre lenken.

Zwischen 1968/70 und dem Ende der sozialistischen Ära war Polen nicht allein geprägt duch ökonomisch-politische Umwälzungen, sondern auch durch architektonische Innovationen. In diesen Jahren setzten sich Architekten lokal über die Begrenzungen des vorfabrizierten Bauens hinweg, fanden zu Restaurierungsprojekten oder zu über die Blockgrenzen hinweg vielbeachteten Kirchenneubauten. Gesucht werden noch Themenvorschläge, die kreisen um einzelne Bauprojekte, um architektonische Diskurse, um politische, soziale oder ökonomische Hintergründe des Baubetriebs. Vorschläge (Abstract von 400 bis 600 Worten, kurze CV, Beiträge sind auf Polnisch und Englisch möglich) sind willkommen bis zum 28. Februar 2018 unter: wienert@dhi.waw.pl and f.urban@gsa.ac.uk. (kb, 12.1.17)

Breslau/Wrocław, Plac Grunwaldzki , „Manhattan“ (frühe 1970er Jahre, Jadwiga Grabowska-Hawrylak mit Zdzisław Kowalski und Włodzimierz) (Bild: Olgierd Rudak, CC BY SA 2.0)

Daniel Brühl wünscht als "Sharing-Heritage-Botschaft" ein schönes Kulturerbejahr (Bild: Sharing Heritage)

Wie (nachkriegs)modern ist ECHY?

Am gestrigen Abend wurde in Hamburg hochoffiziell das Kulturerbejahr 2018 (kurz: ECHY) eröffnet. Im zutiefst histor(ist)isch anmutendenden Rathaus der Hansestadt spürte allerlei politische Prominenz der „Seele Europas“ nach. Schauspieler Daniel Brühl wünschte via Projektion ein schönes Kulturerbejahr. Und dieses wurde mit der Glocke des ersten denkmalgeschützten Schiffes, der Schaarhörn, offiziell eingeläutet. Denkmalpflege präsentiert sich schick, konsensfähig und generationsübergreifend. Dazu taugt die als historisch akzeptierte Baukunst in augenfälliger Weise. Doch im bunten Strauß der ECHY-Aktionen hat sich auch die Nachkriegsmoderne einen verdienten Platz erobert.

Zu nennen ist da etwa „Big Beautiful Buildings“, eine Aktion der Landesinitiative StadtBauKultur NRW. Oder die Ausstellung „Das Zeitalter der Kohle“ in Essen, die „Heimkehrer-Dankes-Kirche“ (1959) in Bochum, die interaktive Plattform „Murmeln der Erinnerung“, die Hamburger Nachkriegsmoderne sendet ein deutliches „SOS“, es geht um die „Resonanzen“ deutsch-französischer Moderne im Saarland und die norddeutschen Bauten eines Clemens Holzmeister. Auch moderneREGIONAL ist mit zwei Projekten dabei: mit der virtuellen Karte „invisibilis – der Kirchenwiederfinder“ und der Wanderausstellung „märklinMODERNE. Vom Bau zum Bausatz und zurück“, die am 18. Mai 2018 im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt eröffnet und von einer Präsentation in der Stuttgarter architekturgalerie am weißenhof begleitet wird.(kb, 9.1.18)

Hamburg am gestrigen Abend: Daniel Brühl wünscht als „Sharing-Heritage-Botschaft“ ein schönes Kulturerbejahr (Bild: Sharing Heritage)

"Rammstein" bei einem Auftritt in Wacken (Bild: Jonas Rogowski, CC BY SA 3.0, 2013)

Rammstein erhält Denkmalpreis

In diesem Jahr geht der Berliner Denkmalpreis (Ferdinand-von-Quast-Medaille) gleich an mehrere Kulturzeugen der Moderne. Bereits seit 1987 wird diese Auszeichnung verliehen durch das für Denkmalpflege zuständige Senatsmitglied auf Vorschlag des Landesdenkmalamts. Der undotierte Preis würdigt Menschen und Institutionen, die sich in besonderer Weise um Denkmale der Stadt verdient gemacht haben. Unter den insgesamt drei Preisträgern finden sich zunächst Barbara und Dr. Hans-Dieter Jaeschke für die Sanierung und Umnutzung des Stadtbades Prenzlauer Berg nach langem Leerstand. An zweiter Stelle wird der Bürgerverein Hansaviertel e. V. ausgezeichnet für sein langjähriges Engagement zugunsten des Hansaviertels als Kernstück der Interbau 1957.

Nicht zuletzt steht die Rockband Rammstein auf der Liste der Prämierten für die Sanierung und Umnutzung einer Industriehalle auf dem ehem. Bergmann-Borsig-Gelände in Pankow (Stefan Mehnert, Rammstein-Manager und Projektleiter, wird die Auszeichnung entgegennehmen). Senator Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa, gratulierte den drei Preisträgern, die „alle drei Einzigartiges für die Berliner Denkmalpflege vollbracht haben.“ Er verleiht die Ferdinand-von-Quast-Medaille am 8. Januar 2018, 18 Uhr, im Berliner Rathaus ( Rathausstraße 15, 10178 Berlin, Wappensaal (1. OG)) verliehen. (kb, 6.1.17)

„Rammstein“ bei einem Auftritt in Wacken (Bild: Jonas Rogowski, CC BY SA 3.0, 2013)