Forschung

Modernims and Migrations

Die jüdische Familie Simon flüchtete im November 1938 aus Deutschland in die USA, hier bei Ihrer Ankunft in New York (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1987-0928-500, CC BY SA 3.0)
Die jüdische Familie Simon flüchtete im November 1938 aus Deutschland in die USA, hier bei Ihrer Ankunft in New York (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1987-0928-500, CC BY SA 3.0)

Migration spielte eine wesentliche Rolle bei der weltweiten Verbreitung der Moderne. Dieses Phänomen zeigte sich besonders sinnfällig rund um den Zweiten Weltkrieg, als zahlreiche Künstler und Intellektuelle aus Europa fliehen mussten. Doch war diese Wanderbewegung nicht allein auf die 1930er und 1940er Jahre beschränkt. Vielmehr bildeten Immigration und Emigration ein integraler Bestandteil der Moderne. Diese besonderen Bedingungen des Austausches ließen die historische Avantgarde erstarken, ließen sie fast zwangsläufig internationale Netzwerke ausbilden.

Zu diesem Themenkomplex werden nun Vorschläge für das Panel „Modernisms, migrations and margins“ auf der Modernist Studies Association conference gesucht, die vom 10. bis 13. August 2017 in Amsterdam stattfinden soll. Dies umfasst den westlich geprägten Raum ebenso wie Afrika, Asien, Lateinamerika und den Mittleren Osten. Hierbei sollte der Blick geweitet werden hinaus über die traditionellen Untersuchungs- und Erzählmuster, den Kampf von Moderne und Tradition. Ziel ist es, eine Arbeitsgruppe aufzubauen, welche die Verbreitung der Moderne aus globaler Perspektive diskutiert. Themenvorschläge (Titel, Abstract von max. 250 Worten, eine kurze Biographie) können nur noch bis zum 27. Januar 2017 eingereicht werden an: Rafael Cardoso, rafaelcardoso.email@gmail.com (kb, 20.1.17)

Der Ostblock lebt!

Berlin, Q2-Ostblock (Bild S.Wert Design)
Berlin, Q2-Ostblock (Bild S.Wert Design)

Berlin hat einige unwirtliche Seiten. Auch der 1984 fertiggestellte Plattenbau an der Memhardstrasse nahe dem Alexanderplatz entspricht nicht den gängigen Schönheitsidealen. Das massive Wohnhaus, entworfen von den Architekten Klaus Bläsing, Lothar Kwasnitza und Klaus Deutschmann, wurde schon als „hässlichstes Gebäude von Berlin“ bezeichnet. Trotzdem erfreut es sich großer Beliebtheit – der Shabby Chic wird in der Bundeshauptstadt ja seit jeher gerne kultiviert. Und auch, wenn der Bau mittlerweile arg heruntergekommen ist, gibt es derzeit keine Abriss- oder Umbaupläne. Und so bleibt die „Memi“ eine der letzten Oasen erschwinglichen Wohnens im Zentrum Berlins.

Dass die Fassade des Baus reichlich Raum für Notizen bietet, kann man beim Berlin-Besuch jederzeit leicht erkunden. Doch nun hat jeder auch zuhause die Möglichkeit, Wichtiges und Unwichtiges auf der „Memi“ zu hinterlassen: S.Wert-Design, unsere bevorzugte Shoppingadresse, ließ sich von diesem Ostmoderne-Bau zu diesem Notizblock (12 x 8 x 6 cm) inspirieren. „Plattenbauten sind hässlich, aber aus gesellschaftlicher Sicht sind sie auch interessant. Sie sind […] hilfreich“, sagte David Chipperfield 2015 in einem Interview mit der „Welt“. Und niemand wird bestreiten, dass dieser feine „Ostblock“ von S.Wert nicht ausgesprochen hilfreich seinn kann! (db, 19.1.17)

Kirchbauverein der Moderne

Es ist kein Geheimnis mehr, dass die moderne Kirchenlandschaft von Nordrheinwestfalen internationale Maßstäbe setzt. Nicht nur in ihrer Anzahl, sondern vor allem in ihrer Qualität. Doch leider hat sich auch schon herumgesprochen, dass dieser liturgische wie baukulturelle Wert „im Umbruch“ steht. Die Mitglieder- und Finanzstärke der beiden großen christlichen Konfessionen schwindet, die Bevölkerungsstruktur ganzer Viertel bricht um, Sanierungsmaßnahmen drängen, nicht immer gehen die Interessen von Kirche und Denkmalpflege in eine Richtung … Für immer mehr dieser traditionsreichen Räume müssen daher zusätzliche oder ganz andere Nutzungen gefunden werden.

Für diese große Aufgabe hat sich nun eine neue Initiative zusammengefunden, um auf Landesebene einen Kirchbauverein eigens für die Architekturmoderne zu gründen. Zu diesem Anlass wird zum 20. Februar 2017 zu einem Symposion eingeladen in den „Dialograum Kreuzung an Sankt Helena“ (Bornheimer Straße 130, 53119 Bonn), selbst ein in seiner Nutzung geöffneter Kirchenraum (1960, E. Steffann/N. Rosiny). Es grüßen und diskutieren Fachleute rund um den (rheinischen) Kirchenbau). Um 20 Uhr erfolgt die Gründung des „Kirchbauvereins der Moderne an Rhein und Ruhr“. Die Mitgliedschaft ist für natürliche und institutionelle Mitglieder möglich, der Satzungsentwurf ist erhältlich unter: info@kirchbauverein-moderne.de, 0179/7092046. Die Veranstaltung, unterstützt von StadtBauKultur NRW, bildet eine Kooperation mit dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der Initiative „Kreuzung an Sankt Helena“ und moderneREGIONAL. (db, 14.1.17)

mR macht Weihnachtspause

Bonn im Dezember 1972: VW-Käfer mit Weihnachtsbaum im Gepäck (Foto: Sonal Mehmet, Bild: Bundesarchiv Bild F038543-0006A, CC BY SA 3.0)
Wir sind dann mal weg: VW-Käferfahrer transportiert bei Bonn im Dezember 1972 seinen Weihnachtsbaum (Foto: Sonal Mehmet, Bild: Bundesarchiv Bild F038543-0006A, CC BY SA 3.0)

Wir gehen fest davon aus, dass Sie ab heute für einige Tage Besseres zu tun haben, als sich durch Meldungen zur Nachkriegsmoderne zu klicken. Wir jedenfalls haben es – und machen daher die inzwischen traditionelle mR-Weihnachts-Neujahr-Pause bis einschließlich zum 6. Januar 2017.

Wir wünschen unseren Lesern und Sympathisanten, Autoren, Fotografen und Unterstützern erholsame Feiertage und einen rauschenden Start ins Neue Jahr! Uns finden Sie hier wieder ab dem 7. Januar 2017 in gewohnter Frische …

Petition für Villa Beer

Es geht ausnahmsweise nicht um einen drohenden Abriss. Doch das, was die Eigentümer in Wien mit der Villa Beer (1929-30) vorhaben, kommt für Experten einer Zerstörung des Baukunstwerks gleich. Sie stellen das Wohnhaus in der Wenzgasse, das nach Plänen von Josef Frank und Oskar Wlach errichtet wurde, in eine Reihe mit Werken von Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe oder Adolf Loos.

Gerade erst widmete das Österreichische Museum für angewandte Kunst Frank eine vielbesuchte Retrospektive. Nun will der Eigentümer, die Dr. Strohmayer Stiftung Gemeinnützige Privatstiftung, das Haus in drei Wohnungen unterteilen, einen Fahrstuhl ein- und eine Treppe anbauen. Dagegen hat nun eine illustre Runde – darunter die österreichischen Vertreter von ICOMOS und DOCOMOMO – eine Online-Petition erstellt. Sie sehen ein Stück Kulturerbe der ersten Liga bedroht: „A full preservation of the architectural integrity of the building and the garden as artefact of the era in which it was conceived is of critical importance and speaks of Austria as a cultural nation.“ Die öffentliche Hand solle daher einen derartigen Eingriff in die Villa untersagen, es solle unter Einbeziehung unabhängiger Experten ein Konzept zur öffentlichen Nutzung erarbeitet werden und eine erhaltende sensible Restaurierung des Anwesens in Gang gesetzt werden. (kb, 22.12.16)

„Spiritueller Brutalismus“

Frankfurt am Main, Cantate Domino (Bild: Gaki64, CC BY SA 3.0)
Gibt in Frankfurt Anlass zum Feiern einer ganzen Stilepoche: Cantate Domino (Bild: Gaki64, CC BY SA 3.0)

In diesem Jahr feiert die Frankfurter Cantate-Domino-Kirche (1966, T. Sittmann/W. Schwagenscheidt) ihr 50-jähriges Jubiläum. Dies nimmt „Evangelisches Frankfurt“, das Hausmagazin des Evangelischen Regionalverbands der Stadt, zum Anlass für eine Themenschwerpunkt „Brutalismus“. Der Stilbegriff wird weit gefasst: irgendwie Nachkriegsmoderne. So zeigt sich die Cantate Domino Kirche nach außen als hochgeschlossener weißer Kubus, nach innen als lichtdurchfluteter Gottesdienstraum mit gläserner Decke.

Doch neben Banken-Hochhäusern hat die Mainmetropole eine viel umfangreichere bemerkenswerte Kirchenlandschaft der Moderne zu bieten. Diese Werte hebt Friederike Rahn-Steinacker, Leiterin der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt, in einem Interview hervor: „Die Kirchen der 1960 [1960er] stehen meist wuchtig, eigenständig und solitär da und entfalten so eine moderne Symbolwirkung.“ Diese Schönheit erschließe sich heute teils erst auf den zweiten Blick. Bautechnisch komme man mit dieser Epoche bereits jetzt gut klar. „Aber große Probleme macht uns die Betonbauweise nicht.“ Die damit anklingende institutionelle Wertschätzung der Kirchbaumoderne lässt hoffen. Stand Frankfurt in den vergangenen Jahren doch vielfach eher durch Abrisse und stark verändernde Umbauten moderner Kirchen in den Schlagzeilen. (kb, 21.12.16)

Bauhaus virtuell

Bauhaus-Materialien (Screenshot: www.harvardartmuseums.org)
Rechtzeitig vor dem großen Jubiläum hat das in Harvard verortete Gropius-Archiv seine Bauhaus-Materialien online gestellt (Screenshot: www.harvardartmuseums.org)

Dank der Stiftung des Architekten und weiterer Gaben aus der Familie und von Kollegen, beherbergt das Busch-Reisinger Museum heute das Walter-Gropius-Archiv: rund 3.000 Architekturzeichnungen, Drucke und Fotografien, die Leben und Werk von Gropius zwischen 1906 bis 1946 dokumentieren. Das Archiv umfasst u. a. fast 500 Zeichnungen aus der Zusammenarbeit mit Marcel Breuer in Cambridge von 1937 bis 1941 stammen. Aus diesem Schatz sind nun zahlreiche Arbeiten online einseh- und recherchierbar.

Bis 1927 wurde im Bauhaus keine Architekturkurse angeboten, dennoch waren Lehrer und Studenten hier bereits aktiv in die Gestaltung von Architektur eingebunden. Erst unter der Direktorenschaft von Hannes Meyer und im Anschluss unter Mies van der Rohe stieg die Bedeutung der Architektur. In der nun online einsehbaren Sammlung zeugen Zeichnungen von Bertrand Goldberg (aus seiner Zeit als Student bei Mies van der Rohe in Berlin) von dieser Entwicklung. Ebenso finden sich sprechende Beispiele für Ausstellungsarchitektur wie die Zeichnungen von Herbert Bayer für den Werkbund-Pavillon auf der Expo in Paris von 1930. In jedem Fall lohnt also die virtuelle Reise durch das frisch online gestellte Bauhaus-Material, um einen neuen unverhofften Eindruck von der architektonischen Seite der Künstlerschmiede zu bekommen. (kb, 20.12.16)

Das mR-Jahreshoroskop: So wird 2017!

Feuerzangenbowle (Bild: Wikipedia, Tobias Klenze, CC BY SA 4.0)
2017 geht es bei uns – auch – ums Essen und Trinken (Bild: Feuerzangenbowle, Wikipedia, Tobias Klenze, CC BY SA 4.0)

Der Nachkriegsmoderne steht ein weiteres bewegtes Jahr bevor. Bei moderneREGIONAL haben wir uns für 2017 wieder vier Themenhefte vorgenommen: Im Februar steht das Winterheft unter dem Schwerpunkt „Infrastruktur“ (Redaktion: J. Reinsberg), im Frühjahrsheft „Verdämmt und zugenäht“ (Redaktion: D. Bartetzko) widmen sich die Beiträge dem Umgang mit modernen Wandoberflächen. Für den Sommer besuchen unsere Autoren für das Heft „Käseigel“ (Redaktion: K. Berkemann) Orte des Essens und Trinkens, vom Restaurant über die Kantine bis zur Lebensmittelproduktion. Und nicht zuletzt haben wir uns für den Herbst eine/n Externe/n für ein „Kooperationsheft“ dazugebeten – wird gut und noch nicht verraten!

Bei moderneREGIONAL war 2016 von den ersten Schritten aus dem Digitalen ins Analoge geprägt: Im November stellten wir unser Fotospezial „Generation Beton“ auf der Denkmal-Messe in Leipzig vor. Für 2017 gehen die Vorbereitung zur ersten realen mR-Ausstellung weiter mit großen Schritten voran: „Klebhäuser“, zum Modellbau als Spiegel, Freiraum und Inspiration der Nachkriegsmoderne. Und das Moderne-Horoskop 2017? Wir sehen Abrisse und Sanierungen, ein zunehmendes Ergrauen der Betonoberflächen und der digitale Blätterwald orakelt: Der Brutalismus ist der Trend der Zukunft! Oder der Modernismus. Oder der Postmodernismus. (db/kb/jr, 19.12.16)

Modernism Today

Amsterdam, Westereindflat (Bild: Janericloebe, GFDL oder CC BY 3.0)
Am Tagungsort Amsterdam ist die Moderne schon angekommen: hier im Westereindflat (1957) (Bild: Janericloebe, GFDL oder CC BY 3.0)

Die 19. Modernist Studies Association Annual Conference, die vom 10. bis zum 13. August 2017 in Amsterdam stattfinden soll, steht unter dem Motto „Modernism Today“. Veranstalter sind die University of Amsterdam, das Stedelijk Museum Amsterdam, University of Groningen, die Utrecht University, das Commonwealth Center for the Humanities and Society, die University of Louisville, die Amsterdam School of Cultural Analysis, Onderzoekschool Literatuurwetenschap und das English Department
at Florida State University.

Unter dem Motto „Modernism Today“ geht es darum, die heutigen Bezüge und Anknüpfungspunkte zur Moderne – Film, Bildende Kunst, Architektur und anderen Aspekten moderner Kultur – herauszuarbeiten, verstand sich die Moderne doch selbst als nicht endende Forderung an die Gegenwart. Mögliche Themenvorschläge könnten sein: moderne Chronologien, Konzeptionen von Moderne heute, Kanonisierungsprozesse der Moderne u. v. m. Über diesen allgemeinen Aufruf hinaus wird speziell zu den Themen „Pre- and Postwar Art Movements“ und „Human Rights, Borders, and Displacements“ gesucht (Nachfragen an: Program Chair, Lisi Schoenbach, aschoenb@utk.edu, oder Chair of Interdisciplinary Approaches, Scott Klein, at klein@wfu.edu.). Bis zum 16. Dezember 2016 sind Vorschläge für Seminare und Workshops, bis zum 13. Januar 2017 für Panel, Roundtable und Digital Exhibition Proposals willkommen unter: MSA19Amsterdam@gmail.com. (kb, 17.12.16)

Die Frauen und die Architektur

Architektin erstellt Konstruktionszeichnung, 1952 (Foto: Roger und Renate Rössing, Bild: Deutsche Fotothek, CC BY SA 3.0)
Architektin erstellt Konstruktionszeichnung, 1952 (Foto: Roger und Renate Rössing, Bild: Deutsche Fotothek, CC BY SA 3.0)

Vom 2. bis zum 4. November 2017 wird die Tagung „Women and Architecture in Context 1917-2017“ in London stattfinden. Mit dem Projekt „AA XX 100“ blickt die Architectural Association School of Architecture in London auf 100 Jahre, auf ein Jahrhundert der Frauen zurück. nach vorangegangenen Veranstaltungen wie Vorlegungen und gefilmten Interviews gipfelt das Vorhaben von Oktober bis Dezember 2017 in einer Ausstellung, einem Buch („Breaking the Mould. AA Women in Architecture 1917-2017“) und mit eben jener Koferenz, die von der AA in Kooperation mit dem Paul Mellon Centre for Studies in British Art ausgerichtet wird.

Für diese Veranstaltung werden noch Themenvorschläge gesucht. Mögliche Schwerpunkte können sein: „Collaborations, Collectives, Couples“ (Formen der Zusammenarbeit), „Education & Educators“ (Formen der Ausbildung), „Difference, Diversity, Discrimination“ (das Wechselverhältnis der Geschlechter), „The future of gender“ (Was hat sich im 21.Jahrhundert geändert?) oder „People, Projects, Places“ (einzelne Orte, Bauten, Personen). Eingeladen sind Akademiker, Architekten und andere Fachleute, einen Vorschlag für einen Beitrag von 20 Minuten einzureichen: 300 Worte, Kontaktdaten, kurzer CV, …. Möglich sind auch Vorschläge für Poster, speziell zu Lösungsansätzen, wie sich Frauen in der Architektur im 21. Jahrhundert etablieren können. Einsendungen werden bis zum 2. Januar entgegengenommen unter: AAXX100conference@aaschool.ac.uk. (kb, 15.12.16)