Forschung

Das neue Heft ist da: Mettigel

In so mancher Küche mit Sitzecke vergeht einem der Appetit – zu steril, zu deutsch-gemütlich oder einfach ein wenig zu farbstark. In der Architekturmoderne wurde der Ort des Zubereitens und Verzehrens zur stilistischen Spielwiese, aber in seltenen Glücksfällen auch zum Herz und Glanzpunkt eines Gebäudes. Ob Einbauküche, Kantine oder Eisdiele – in jedem Fall spiegeln diese Räume des Ernährens und Genießens unser sich wandelndes Bild von Arbeit und Freizeit, von Beziehung und Familie. Diesen besonderen Orten widmet mR nun ein eigenes Themenheft „Mettigel“ (Redaktion: Karin Berkemann).

Mit von der Partie sind der Gastrokritiker Jürgen Dollase, der Ostmodernist Mark Escherich, die Hajek-Expertin Chris Gerbing, der Denkmalschützer Stefan Timpe, der Küchenfachmann Christos Vittoratos und einige Time-Life-Kochbücher. Sie können die einzelne Beiträge rechts über die Seitenleiste anklicken oder das ganze Heft am Stück hier unten als pdf online blättern, durchsuchen oder downloaden. Und am Ende jedes Beitrags wartet ein Rezept zum Nachkochen auf Sie! (db/kb/jr, 14.8.17)

Titelmotiv: ziemlich rote Küche (Bildquelle: leider unbekannt)

Send us a postcard

Das DAM (Deutsches Architekturmuseum) wünscht sich Post von Ihnen. Mit dem Aufruf „Send us a postcard from your brutiful holidays“ bittet die Aktion „SOSBrutalism“, eine Initiative mit dem Magazin uncube, um Postkarten mit bruatlistischen Motiven an die folgende Adresse: Deutsches Architekturmuseum / SOS-Team Elser / Hedderichstr 108 / 60596 Frankfurt / GERMANY. Motive dürften Sie – zwischen Mallorca-Bettenburg und bildungsbürgerlichem Kirchenbesuch – sicher zu Hauf finden. Und ein paar jahrzehntealte Postkarten, die solche Schönheiten noch stolz als Neuheiten präsentierten.

Damit können Sie sich auch die Wartezeit auf die anstehende Frankfurter Brutalismus-Ausstellung versüßen (wir werden noch ausführlicher berichten), die für den wiederentdeckten Baustil der Jahre zwischen 1953 und 1979 eine Lanze brechen will. Vorlaufend sammelt die Projektseite www.SOSBrutalism.org mittlerweile weltweit mehr als 1.000 Bauten dieser Gattung. Zu den regionalen Schwerpunkten zählen Israel, Japan, Südamerika, selbstverständlich Großbritannien, die USA, aber auch viele westdeutsche Kirchenbauten. Die Präsentation „SOS BRUTALISMUS – Rettet die Betonmonster!“ , ein Projekt mit der Wüstenrot Stiftung, wird vom 7. Oktober bis zum 25. Februar 2018 in Frankfurt zu sehen sein, die Eröffnung wird am 6. Oktober 2017 um 19.00 Uhr gefeiert. (kb, 10.8.17)

München, Olympisches Dorf, Bungalowreihe (Bild: Maximilian Dörrbecker, CC BY SA 2.5)

Werner Wirsing gestorben

„Wenn man nichts mehr weglassen kann, ist es fertig“, sagte Werner Wirsing einst. Reduktion war eine Maxime des Münchener Architekten und Hochschullehrers. Den ersten großen Auf­trag erhielt er noch vor Ende seines Studiums, sein Entwurf eines Studenten- und Lehrlings­wohn­heims aus zwei Trakten mit Verbindungsgang wurde 1948-51 umgesetzt: die Wohnheimsiedlung Maßmannplatz in der bayerischen Landeshauptstadt. In ihr manifestierte sich auch der soziale, einende Ansatz in Wirsings Werk; hier sollten Arbeiter und Studenten zusammenwohnen. Das Bemühen um Einfachheit im besten Sinne sieht man auch an seinem eigenen Wohnhaus in Forstenried und am Frankenhof Erlangen.

Im Mün­chen der Nachkriegszeit war er ein Vorreiter des modernen, platz- und materialsparenden sozialen Bauens. Auch als Leiter des Baubüros des Bayerischen Jugendsozialwerks wurde, blieben Wohnheime seine Spezialitäten. Und sogar sein wohl bekanntestes Werk, die zweistöckigen Reihenbungalows für Sportlerinnen im Münchner Olympiadorf 1972, diente seit dem Ende der Spiele als Studentenunterkunft. Als die Minihäuser 2007 zu großen Teilen abgerissen und dem Original nahe kommend neu gebaut wurden, arbeitete Werner Wirsing mit dem ausführenden Büro bogevisch zusammen. Nach Abschluss der Arbeiten zog er sich 2010 aus dem Berufsleben zurück. Am 29. Juli starb Werner Wirsing in München. Der Meister der Vereinfachung wurde 98 Jahre alt. (db, 8.8.17)

München, Olympisches Dorf (Bild: Maximilian Dörrbecker, CC BY SA 2.5)

Berlin, U-Bahnhof Tierpark (Bild: Phaeton1, CC BY SA 3.0)

Berlin: neue U-Bahnhöfe unter Schutz

Auch wenn die Witterung nicht den Eindruck macht, in Berlin öffnet die Denkmalpflege gerade einen Adventskalender der besonderen Art: Stück für Stück, Türchen für Türchen werden U-Bahnstationen unter den besonderen Schutz des Staates gestellt. Heute Nachmittag vermeldet die „Berliner Zeitung“: „Neun DDR-Bahnhöfe kommen unter Denkmalschutz“. Gemeint sind die Stationen der U 5 zwischen Tierpark und Hönow. Diesem Teil der „einzigen zu DDR-Zeiten gebauten U-Bahnstrecke“ komme u. a. ein besonderer verkehrsgeschichtlicher Wert zu, zitiert die BZ den Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert.

Besagte U-Bahnhöfe wurden (ausgenommen der später erneuerte Halt „Kienberg/Neue Grottkauer Straße“) vom Entwurfs- und Vermessungsbetrieb der Deutschen Reichsbahn (EVDR) gestaltet. In Berlin wurden vor Kurzem bereits West-Berliner Bahnhöfe der Postmoderne unter Denkmalschutz gestellt. Im Verbund fügt sich damit langsam auch im Untergrund ein baugeschichtliches Bild der ehemals geteilten Stadt, wie es Initiativen wie „Kerberos“ in Berlin seit Monaten einfordern. Im September will eine Internationale ICOMOS-Tagung – thematisch passend – einen Blick auf das „stilistische Wettrüsten“ zu Zeiten der Internationalen Bauausstellung werfen, die in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiliäum feiert. Wir freuen uns also schon auf künftige Meldungen mit Titeln wie: „Berlin stellt weitere U-Bahnstationen unter Schutz“. (kb, 6.8.17)

Berlin, U-Bahnhof „Tierpark“ (Bild: Phaeton1, CC BY SA 3.0)

Ehemalige franzoesische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson. (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Förderung für Saarlands Nachkriegsmoderne

Die europäische Kommission hat das kommende Jahr zum Europäischen Kulturerbejahr erklärt. Auf dem ganzen Kontinent sollen 2018  die gemeinsamen kulturellen Wurzeln der Länder der EU gefeiert werden. Deutschland will sich dabei besonders der Baukultur widmen und hat sich zum Ziel gesetzt, „das Europäische im Lokalen zu entdecken“. Ein Bundesland scheint für solche Entdeckungen besonders vielversprechend: das Saarland. Der Bund gab kürzlich bekannt, die saarländischen Aktivitäten zum Kulturerbejahr mit 200.000 Euro zu fördern.

Die Bewohner des Saarlandes musste sich im 20. Jahrhundert mehr als einmal mit der Frage nationaler Zugehörigkeit herumschlagen. Nach dem Ersten Weltkrieg stand die Region unter dem Mandat das Völkerbunds, bei einer Volksabstimmung 1935 entschieden sich die Saarländer fatalerweise für die Losung „Heim ins Reich“. Auf den Zweiten Weltkrieg folgte die französische Besatzung, eine kurze Zeit der Autonomie und schließlich der Beitritt zur Bundesrepublik. Diese Geschichte hat sich besonders in nachkriegsmodernen Bauten wie der französischen Botschaft von Georges-Henri Pingusson oder dem Langwellensender „Europe 1“ manifestiert. 2018 werden zahlreiche Veranstaltungen, Fachtagungen und Sonderausstellungen der Geschichte dieser und anderer Bauten nachgehen. (jr, 5.8.17)

Saarbrücken, ehemalige französische Botschaft (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)