Forschung

Der Bildhauer Hans Uhlmann (Foto: Fritsch Eschen, vor 1964, Bild: Galerie Haas, Berlin, CC BY SA 4.0)

Der unbekannte Fritz Eschen

Fritz Eschen (1900-1964) begann 1928 als freiberuflicher Bildjournalist zu arbeiten. Aus einem liberal-jüdischen Elternhaus stammend, kam er in Berlin mühelos in Kontakt zu Künstler- und Politiker-Kreisen. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er 1933 aus dem Reichsverband der Deutschen Presse ausgeschlossen, konnte aber mit Unterstützung u. a. von Associated Press zunächst weiterarbeiten. Doch schon 1936 war er darauf angewiesen, als Dozent für Fotografie an einer jüdischen Bildungsstätte zu arbeiten. Seine Heirat mit Lipsy Thumm, eine „privilegierten Mischehe“, schützte ihn nicht vor Zwangsarbeit. Nach 1945 nahm er die Arbeit unmittelbar wieder auf.

Um offene Fragen zum Werk von Fritz Eschen zu klären, lobt die Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur das – seit 2014 zu je wechselnden Themen der Fotografiegeschichte vergebene – Thomas-Friedrich-Stipendium aus. Das Stipendium vom 1. Januar bis 31. Dezember 2018 umfasst 8.000 Euro und einen Sachkostenbudget von bis zu 2.500 Euro. Am Ende ist ein wissenschaftlicher Aufsatz von ca. 30 Seiten zu verfassen, für den als Honorar 4.500 Euro gezahlt werden. Erwünscht sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Kunstgeschichte oder eine vergleichbare Qualifikation. Vollständige schriftliche Bewerbungsunterlagen mit Schriftenverzeichnis und einer Textprobe im Original werden bis zum 31. August 2017 erbeten an: Berlinische Galerie, Personalservice, Stichwort: Thomas Friedrich-Stipendium, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin. (kb, 20.6.14)

Hans Uhlmann (Foto: Fritsch Eschen, vor 1964, Bild: Galerie Haas, Berlin, CC BY SA 4.0)

Wandlitz, Waldsiedlung (Bild: mazbln, CC BY-SA 3.0)

Denkmalschutz in Wandlitz

27 Jahre nach dem Mauerfall war es soweit: Die einstigen DDR-Funktionärssiedlung Wandlitz steht seit Mitte Mai unter Denkmalschutz. „Die Waldsiedlung ist aufgrund ihres singulären Charakters und ihrer besonderen Authentizität in besonderer Weise dafür geeignet, sich mit der Geschichte und insbesondere den Machtstrukturen auseinanderzusetzen“, erklärte Brandenburgs Kultusministerin Martina Münch jüngst der Berliner Zeitung. Lange wurde die Unterschutzstellung mit dem Hinweis abgelehnt, dass das 1958-60 gebaute Ensemble keine architektonischen Besonderheiten aufweise. In den ersten Jahren nach dem Zusammenbruch des SED-Regimes wäre dies vermutlich auch als Provokation ersten Ranges aufgefasst worden …

Die Siedlung, die eigentlich zum Stadtgebiet von Bernau gehört, wurde auf Beschluss des SED-Politbüros errichtet und fand sich jahrzehntelang in keiner Landkarte verzeichnet. In den 23 Wohnhäusern residierte die gesamte Parteielite: Zu den Bewohnern, die in der streng abgeschirmten Anlage allmählich den Bezug zur Realität verloren, zählten unter anderem Walter Ulbricht, Erich Honecker, Harry Tisch und Erich Mielke. Schon seit 1991 beherbergt die einstige Funktionärssiedlung eine Rehaklinik samt Altenwohnanlage. Unter Schutz gestellt wurde nun das komplette Areal, als Einzeldenkmäler herausgehoben das Eingangsgebäude, die Gartengestaltung, der Kursaal und das „Haus 7“, in dem einst Walter Ulbricht wohnte. Es ist bis heute kaum verändert und wird vermutlich zum Besucher- und Dokumentationszentrum umgestaltet. (db, 19.6.17)

Einfahrt zur Waldsiedlung Wandlitz (Bild: mazbln, CC BY SA 3.0)

Berlin, Juni 1924: Vorbereitung zur Eröffnung der Großen Berliner Kunstausstellung, Novembergruppe (Bild: 183-S29554, CC BY SA 3.0)

Die Novembergruppe

Im Dezember 1918, einen Monat nach dem Sturz der deutschen Monarchie, gründete sich eine bemerkenswerte Künstlergruppe: Die „Novembergruppe“ vereinte Vertreter der bildenden Kunst, der Musik, Literatur und Tanzkunst, Persönlichkeiten aus den Richtungen DADA, Futurismus, Bauhaus und Werkbund. Bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1933 verfolgten die Mitglieder in vielfältigen Aktivitäten ein gemeinsames Ziel. Man verstand sich als „radikal“ und „revolutionär“, als Überbrücker der Kluft zwischen Volk und Kunst. Letztlich wollte man als Künstler an der Neuordnung der Welt teilhaben, die Künste hin zu Politik und Kultur entgrenzen.

Zu diesem Brückenschlag der Avantgarde zu den Massenmedien werden für eine Tagung noch Themenvorschläge gesucht. Das Internationale Symposion „Novembergruppe. Berlin 1918-2018“ wird vom 1. bis zum 4. März 2018 im Lyonel Feininger Haus in Dessau stattfinden. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von der Kurt-Weill-Gesellschaft Dessau während des jährlichen Kurt Weill Festes. Neue Forschungsansätze und -ergebnisse aus den Fachbereichen Museologie und weiteren relevanten Disziplinen sind bis zum 15. Juni 2017 willkommen unter: novembergruppe2018@gmail.com (Betreff: „Symposium Novembergruppe 2018, CfP“). Die Auswahl wird bis Mitte Juli bekanntgegeben. (kb, 4.6.17)

Berlin, Juni 1924: Vorbereitung der Novembergruppe zur Eröffnung der Großen Berliner Kunstausstellung (Bild: 183-S29554, CC BY SA 3.0)

BRUTALIST_MODERNIST_CONCREETE_POMO (Bild: ebay)

Gesinnungsfragen

Brutalismus ist Mode. Haben wir mitbekommen. Aber wie immer ist die Sache dann doch etwas komplizierter. Welcher Neigungsgruppe gehören Sie denn genau an? Sind Sie ein Brutalist, ein Modernist – oder gar ein PoMo-Anhänger? Wenn Sie Fragen dieser Art leid sind und Ihre Gesinnung offen an Ihrer trendigen Retro-Jeansjacke zeigen wollen, haben Sie jetzt mit farbenfrohen Buttons Gelegenheit dazu: Via ebay werden Anstecker mit den folgenden Aufschriften feilgeboten: Brutalist, Modernist, PoMo (more ist less), Concrete.

Sie können sich nicht entscheiden? Da hätten wir etwas vorbereitet: Wussten Sie schon als Kind, dass Sie als Banker in einem der schicken stahl-glas-glänzenden Hochhäuser in Frankfurt/New York/Signapur arbeiten werden? (Modernist!) Haben Sie schon im Familienurlaub mit der Plaste-Schippe heftig nach den anderen Kindern geschlagen, die Ihre astreine mausgraue Sandburg mit Muscheln verunstalten wollten? (Brutalist!) Sie tragen Kleider mit (jetzt ganz stark sein) Blumenmustern und posten Einhornbilder auf Facebook? (PoMo!) Sie können sich immer noch nicht entscheiden? (Concrete! Damit machen Sie nichts verkehrt.) Jetzt wissen Sie, was Sie im Herzen tragen. Was Sie auf Ihrer Jeansjacke daraus machen, liegt ganz bei Ihnen. Wir haben hier auch noch anderes zu tun. (kb, 1.6.17)

Foto: ebay

STAEDELxTRINKHALLE (Bild: Städel, Frankfurt am Main)

#STAEDELxTRINKHALLE