Frankfurter Buchmesse 2017

"Büro im Wasser" (Foto: Georg Pahl, 1926, Bild: Bundesarchiv Bild 102-08112, CC BY SA 3.0)

Erfrischende Druckwerke

Unsere Tipps zur Frankfurter Buchmesse 2017 – per Klick auf das jeweilige Bild öffnet die passende Hintergrund-Info in einem neuen Fenster. (db/kb/jr, 9.10.17)

Titelmotiv: „Büro im Wasser“ (Bild: G. Pahl, 1926, Bundesarchiv 102-08112, CC BY SA 3.0)

"Towards a Typology of Soviet Mass Housing – The Set" (Bild: Dom Publishers)

Plattenbau-Set

Der sowjetische Massenwohnungsbau war allgegenwärtig, er formte die Kultur und den Weltblick auf die sowjetischen Bürger. Denn tatsächlich gab es keine sowjetische Stadt, die den Standardentwürfen der Ostmoderne entgehen konnte. Diese waren in den 1960er Jahren Grundlage für über 90 Prozent aller Wohnungsbauten. Sollten Sie also zu den Themen Ostmoderne und Plattenbau einfach nicht genug bekommen (und jetzt schon einmal an das nahende Weihnachten denken), dann hat Dom Publishers für Sie das genau richtige Paket geschnürt: „Towards a Typology of Soviet Mass Housing – The Set“.

Dieses vorweihnachtliche Päckchen enthält die 456 Seiten und 1.000 Abbildung starke Publikation „Towards a Typology of Soviet Mass Housing. Prefabrication in the USSR 1955 – 1991“ von Philipp Meuser und Dimitij Zadorin. Obendrauf gibt es das thematisch passende, reich bebilderte Quartett „Top Trumps. Soviet Mass Housing“ von Dimitrij Zadorin. Und nicht zuletzt „I-464“ von Katia Sheina, ein handliches Gipsmodell der meistproduzierten Plattenbau-Serie der UdSSR. (kb, 9.10.17)

„Towards a Typology of Soviet Mass Housing – The Set“ (Bild: Dom Publishers)

Martin Maleschka: Kunstkalender 2018 (Detail)

Ost-Kunst-Kalender

Wie könnte man das bald kommende Jahr besser beginnen als mit großformatigen Motiven zur Ostmoderne aus den bewährten Händen des Fotografen Martin Maleschka. In diesem Jahr hat er sich für seinen Fotokalender die baugebundene DDR-Kunst vorgenommen. Das Ganze wird edel produziert: mattes 300-Gramm-Papier im A3-Hochformat. Gezeigt werden Motive aus zwölf Städten: Eisenhüttenstadt, Magdeburg, Berlin, Frankfurt/Oder, Hoyerswerda, Halle-Neustadt, Rostock, Schwedt/Oder, Chemnitz, Waren/Müritz, Merseburg, Dresden und Neubrandenburg.

Beziehen kann man den Kalender für 20 Euro direkt bei Martin Maleschka unter: kunstkalender@icloud.com. Weihnachten kommt auch dieses Jahr wieder schneller, als man denkt! Und wer noch eine weitere gute Dosis Maleschka sucht, findet diese ab dem 10. Oktober (Vernissage ab 19.30 Uhr) in der Neuen Sächsischen Galerie (Neue Chemnitzer Kunsthütte e. V., Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz) in der Sammelausstellung „Roter Oktober. Kommunismus als Fiktion und Befehl“, kuratiert von Dr. Paul Kaiser in Zusammenarbeit mit Christoph Tannert und Mathias Lindner. Die Präsentation ist bis zum 14. Januar 2018 zu sehen. (kb, 9.10.17)

Titelmotiv und Bildgalerie: Martin Maleschka, Kunstkalender 2018

"Hamburger Bauheft: Cityhof" (Bild: Schaff Verlag)

Neuauflage Cityhof

Demnächst dürfte diese Publikation – leider – historischen Seltenheitswert haben: Pünktlich zur Buchmesse erscheint eine lesenswerte Neuauflage zum City-Hof der Reihe der Hamburger Bauhefte im Schaff-Verlag. In der illustren, von Jörg Schilling herausgegebenen Reihe wurden schon prägende Bauten der hanseatischen Moderne behandelt – von den Esso-Häusern bis zum Brahms-Kontor. Im neuaufgelegten Cityhof-Heft widmet sich die Architekturhistorikerin Sylvia Necker der ersten Hochhausgruppe in Hamburgs Innenstadt: Bis 1957 wurde das Ensemble nach Entwürfen des Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957) fertiggestellt.

Klophaus verband vier Hochhausscheiben durch Zwischenbauten. Die Fassaden wurden ursprünglich mit weißen Keramikplatten aus ihrer Umgebung herausgehoben, die man erst in den in den 1970er Jahren durch einen grauen Eternitbehang überdeckte. Nach einer bewegten Diskussion in den letzten Jahren scheint das Schicksal des denkmalgeschützten Cityhofs nunmehr besiegelt: Der Abriss ist beschlossen, der Neubau geplant. Doch im heimischen Bücherschrank können Sie mit dem Bauheft eine reich bebilderte Dokumentation dieses prägenden Stücks Architektur bewahren. Der Schaff-Verlag verspricht für die Neuauflage: 8 Seiten mehr Inhalt, eine kurze Zusammenfassung der Entwicklung der letzen beiden Jahre und aktualisiertes Bildmaterial. (kb, 9.10.17)

"Frauen Bauen" (Bild: Antaeus Verlag)

Frau Architekt für Kinder

Im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt beleuchtet die Ausstellung „Frau Architekt“ seit einigen Tagen das Werk ausgewählter Architektinnen. Wenngleich viele Namen den  Besuchern unbekannt sein dürften, versammelt die Schau eine Vielzahl qualitätvoller Bauten. Neben dem umfassenden Katalog erscheint begleitend zur Ausstellung das Buch „Frauen Bauen“, das besonders Kindern Leben und Werk bedeutender Architektinnen näher bringen soll.

Der reich bebilderte Band stellt 12 Architektinnen sowie ihr jeweils bekanntestes Bauwerk vor.  Neben Zaha Hadid und dem Wissenschaftszentrum phaeneo in Wolfsburg, Gae Aulenti und dem Musée d‘ Orsay sowie Margarete Schütte-Lihotzky und ihrer Frankfurter Küche kommen auch so exotische Architektinnnen wie Galina Balaschowa zu ihrem Recht – die russische Baumeisterin zeichnete für die Innengestaltung sowjetischer Raumschiffe verantwortlich. Neben Fotografien erfüllen liebevolle Illustrationen die Architektenporträts mit Leben. So steht etwa ein gezeichnetes Alter Ego von Schütte-Lihotzky in ihrer Frankfurter Küche und verkündet stolz per Sprechblase die Größe des Raumwunders: „Nur 6,6 Quadratmeter!“ (jr, 8.10.17)

Winkelmann, Arne / Kahane, Kitty, Frauen Bauen. Kinder entdecken Architektinnen, antaeus Verlag, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-9810809-9-5 .

Iris Nestler, "Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in den Rheinlanden" (Bild: Buchcover, B. Kühlen Verlag))

Meisterwerke moderner Glaskunst

Eine besondere Dichte an qualitätvoller Glasmalereien findet sich, wie bereits 2015 von der Kunsthistorikerin Dr. Iris Nestler in ersten Band entfaltet, am Niederrhein. Doch es gibt ebenso herausragende Werke am Mittelrhein, wie beispielsweise die Fenster von Hans Gottfried von Stockhausen in der Liebfrauenkirche Koblenz, Marc Chagall in St. Stephan Mainz, Jacques Le Chevallier in der Liebfrauenkirche Trier oder Emil Kiess in der Trinitatiskirche Mannheim.

Im nun frisch vorliegenden zweiten Band möchten die Autoren wieder einen Bogen über ein ganzes Jahrhundert spannen: 50 Künstler von Melchior Lechter über Jacoba van Heemskerck bis Kim en Joong. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die Aufträge zwischen historischer und rekonstruierter, moderner und zeitgenössischer Architektur sein können. Und wie kontrastreich die Ergebnisse zwischen Geometrie, Figürlichkeit und Abstraktion ausfallen. Mit Fachbeiträgen von zehn Autoren, großformatigen Farbabbildungen, Literaturverzeichnis und Künstlerbiografien wird nicht nur der aktuelle Stand der Forschung dargelegt. Darüber hinaus soll der Leser dazu angeregt werden, die vorgestellten (vorwiegend) Kirchen mit ihren Kunstwerken selbst aufzusuchen. (kb, 21.9.17)

Iris Nestler (Hg.), Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in den Rheinlanden, Bd. 2, B. Kühlen Verlag, Mönchengladbach 2017, Festeinband (Hardcover) in Fadenheftung, 24 x 30 cm, 288 Seiten, Farbabbildungen, ISBN 978-3-87448-480-0.

Titelmotiv: Iris Nestler, „Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in den Rheinlanden“ (Bild: Buchcover, Detail, B. Kühlen Verlag)

Leipzig, Augustusplatz (Bild: Sven Scharr, CC BY SA 3.0)

Stadt-Kultur

Second Cities – das sind laut der neuen Monografie von Thomas Höpel die Städte, die zwar nicht den Status einer Kapitale für sich beanspruchen können, aber als bedeutende Metropolen einen besonderen nationalen Rang inne haben – direkt hinter der Hauptstadt. Im 20. Jahrhundert versuchten entsprechende Städte vermehrt, ihre Bedeutung durch eine spezifische städtische Kulturpolitik zu untermauern. Höpel untersucht fünf solcher Metropolen in vergleichender Perspektive.

Im Einzelnen handelt es sich um Frankfurt am Main, Leipzig, Birmingham, Lyon und Krakau. Die Städte verbindet eine Ausweitung und Differenzierung der kommunalen Kulturpolitik, die stets in enger Wechselwirkung zu (kultur)politischen Entwicklungen auf der nationalen Ebene stand. Das Buch identifiziert die historischen Prozesse, städtischen Protagonisten und staatlichen Akteure, die zur Herausbildung der jeweils spezifischen urbanen Kultur maßgeblich waren. Dabei zeichnen sich neben stadthistorischen Charakteristika auch Gemeinsamkeiten ab, welche die fünf Second Cities über längere Zeiträume und politische Systemgrenzen hinweg verbinden. (jr, 19.9.17)

Höpel, Thomas, Kulturpolitik in Europa im 20. Jahrhundert. Metropolen als Akteure und Orte der Innovation, Wallstein Verlag, Göttingen 2017, ISBN: 978-3-8353-3046-7.

Leipzig, Augustusplatz (Bild: Sven Scharr, CC BY SA 3.0)

"Blick zurück nach vorn" (Bild: Uni Marburg)

Gratis: Neues zur Ostmoderne

Im November 2014 traf sich der Arbeitskreis „Kunst in der DDR“ in Berlin zur Jahrestagung. Unter dem Tagungstitel „Blick zurück nach vorn – Architektur und Stadtplanung in der DDR“ liegen die Ergebnisse der Konferenz nun in Buchform vor. Das Beste daran: Alles ist online kostenfrei zugänglich. Die hier zusammengefassten sieben Beiträgen behandeln eine Kernfrage des damaligen Bauschaffens: Wie ging der Anspruch des radikal Neuen mit dem Alten um? Musste der Aufbau der DDR begleitet werden vom Wiederaufbau, vom Um- und Neubau, von der Rekonstruktion, vielleicht sogar vom Abriss der Bauwerke, die von einer „überwundenen Geschichtsepoche“ zeugten? Diese sog. Erbediskussion spielte nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in Architektur und Städtebau eine entscheidende Rolle.

Die Autoren Hans-Georg Lippert, Kathrin Siebert, Oliver Sukrow, Andreas Kriege-Steffen, Christian Klusemann, Edda Campen, Oliver Werner und werfen einen Blick auf dieses verwickelte Stück Architekturgeschichte, das über die Jahrzehnte deutlichen „Interpretationsschwankungen“ unterlag. Wechselten sich doch damals Pragmatismus, Experimente, strikte Lenkungsmechanismen, nationale Traditionen, technisch-wissenschaftlich begründete Modernprojekte, Altbausanierungen und Rekonstruktionen (selbst von Sakralbauten) ab. (kb, 25.8.17)

Hofer, Sigrid/Butter, Andreas (Hg.), Blick zurück nach vorn. Architektur und Stadtplanung in der DDR (Schriftenreihe des Arbeitskreises Kunst in der DDR 3), Marburg 2017, ISBN: 978-3-8185-0531-8 (Onlinepublikation).

Bild: Buchcover (Fotomotiv: © 1986 Klaus Bädicker)

"Blaupause" (Bild: Hanser Verlag)

Bauhaus-Belletristik

Das Bauhaus und seine Akteure waren in den letzten Jahren Gegenstand unzähliger wissenschaftlicher Abhandlungen. Das anstehende 100-jährige Jubiläum im Jahr 2019 lässt einen weiteren Schwung an Fachliteratur erwarten. Das jüngst erschienene Buch „Blaupause“ von Theresia Enzensberger nähert sich der Kunstschule stattdessen von der literarischen Seite und macht Gropius, Meyer und Co zu Romanfiguren.

Hauptfigur und Ich-Erzählerin ist die junge Luise Schilling, die Anfang der 1920er Jahre ein Architekturstudium am Bauhaus in Weimar beginnt. Hier trifft sie auf die abgehobenen Bauhausdirektoren Walter Gropius und Hannes Meyer, die trotz der Modernität der Kunstschule Frauen im Architektenmetier skeptisch gegenüber stehen. Viele ihrer Kommilitonen sind begeisterte Anhänger Johannes Ittens und verehren den Bauhaus-Meister wie einen Guru. Den jungen Bauhäuslern erscheint die von ihm vertretene Mazdaznan-Lehre als ideales spirituelles Gegenstück zu den avantgardistischen Positionen der Kunstschule. Der Roman liefert einen fiktiven, aber gut recherchierten Einblick in den Alltag des Bauhaus und ist als Sommerlektüre absolut empfehlenswert! (jr, 28.7.17)

Theresia Enzensberger, Blaupause, Hanser Verlag, München 2017, ISBN 978-3-446-25643-9.

Titelmotiv: Buchover (Hanser Verlag)

Arnstadt, Bau von Eigenheimen, 1974 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183-N0920-0302, CC BY SA 3.0)

Hausaufgaben

Über Jahrzehnte hatten die Deutschen, wenn es ums Wohnen ging, vor allem eins im Sinn: Schnell ins eigene Heim. Generation für Generation ist zumindest den Westdeutschen dieses vermeintlich einzig wahre Wohn-Leitbild eingeimpft worden – von Bausparkassen und Vorabendserien, aber auch durch den Staat, indem er diese Wohnform lange steuerlich begünstigte. Das Ergebnis ist eine unübersehbare Vielzahl von Einfamilienhausgebieten aus den 1950er bis 1970er Jahren in großen und kleinen Kommunen.

Eine neue Studie der „Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020“erhältlich als Gratis-pdf-Download oder per Forumlar als Print bestellbar – zeigt anhand von vier Fallstudien Wege auf, wie bürgerschaftliches Engagement zur zukunftsfähigen Weiterentwicklung alternder Einfamilienhausgebiete beitragen kann. Diese vier Beispiele geben einen Einblick in das Spektrum der Anlässe für bürgerschaftliches Engagement in Einfamilienhausgebieten und zeigen exemplarisch die Bandbreite der Themenfelder und Akteurskonstellationen auf. Ergänzend zu den Fallstudienuntersuchungen wurden Fachgespräche geführt, um die Erkenntnisse aus der beispielhaften Auseinandersetzung in einen breiteren Kontext einzuordnen. Diese Studie zeigt so unterschiedliche Modelle und Ansätze auf, wie Kommunen begleitend und in Kooperation mit dem bürgerschaftlichen Engagement tragfähige Anpassungen alternder Einfamilienhausgebiete angehen können. (kb, 26.7.17)

Gudewer, Stephan u. a., Hausaufgaben – Bürgerschaftliches Engagement in alternden Einfamilienhausgebieten, hg. von der Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020, 2017.

Arnstadt, Bau von Eigenheimen, 1974 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183-N0920-0302, CC BY SA 3.0)