Veranstaltungen

Weimar, Studentin fertigt Aufmaß der Mensa (Bild: Gilbert Weise, 2010)

Weimar: Topographie der Moderne

Gerade wird in Weimar das neue Bauhaus-Museum errichtet. Es bildet das sichtbarste Element eines neuen Ensembles von Bauten und Institutionen, die unterschiedliche Momente der Geschichte des 20. Jahrhunderts kritisch beleuchten. Diese sich neu formierende Topographie der Moderne wirkt einer Entwicklung entgegen, die das historische Bauhaus anlässlich des Jubiläums 2019 in einen bloßen Werbeträger verwandeln könnte.

Doch für welche Erfahrungen der Moderne steht Weimar? Die Reihe der „Weimarer Kontroversen“ hinterfragt im November 2017 die Geschichte der Moderne in der Klassikstadt, aber auch unsere aktuellen Deutungen eben jener Geschichte. Im Rahmen der Reihe „Weimarer Kontroversen“ findet vom 15. bis 17. November 2017 in der Klassik Stiftung Weimar die Tagung „Topographie der Moderne – Weimar neu deuten“ statt. Anmeldungen sind möglich bis zum 3. November unter: info@weimarer-kontroversen.de. (kb, 23.10.17)

Lange Gegenstand einer lebhaften Diskussion um den Wert und die Erhaltung der Moderne in Weimar: die Mensa (Bild: Gilbert Weise, 2010)

5-Mark-Schein aus dem Jahr 1948 (Entwurf: Max Bittrof, Urheber: Bank der deutschen Länder, Bild: gemeinfrei)

Was erbt Europa?

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatten (Kunst-)Geschichte, Archäologie und Architektur ein höchst institutionalisiertes Schutzsystem für ihre Definition eines kulturellen Erbes etabliert. Dieses identitätsstiftende Geschichtsbild wurde fleißig auch in den nicht-europäischen Kontext exportiert. Doch bewährt sich diese Deutungstradition trotz der zunehmenden Globalisierung auf der einen und der Sehnsucht nach einer kleinräumlichen Beheimatung auf der anderen Seite? Wie könnte ein neues Europa-Bild aussehen – gerade angesichts des für 2018 ausgerufenen Kulturerbejahres.

Für die Tagung „The Cultural Heritage of Europe @ 2018. Re-assessing a Concept – Re-defining its Challenges“, die in Paris (Institut national d’histoire de l’art (INHA)) vom 4. bis 6. Juni 2018 stattfinden soll, werden noch Themen gesucht. Im Angebot sind vier Panels: 1) Place and Space (vom Bau bis zum „dritten Raum“), 2) Substance and Materiality (vom Artefakt bis zum digitalen Erbe), 3) Time and Temporality (von fest bis flüchtig), 4) Identity (von kollektiv bis zu partiell). Vorschläge (Abstract mit max. 200 Worten und Angabe des Panels) können bis zum 10. November 2017 eingereicht werden an: patrimoine.europe2018@gmail.com. Weitere Informationen gibt es bei: Michael Falser, Heidelberg, falser@asia-europe.uni-heidelberg.de; Elinor Myara Kelif, Paris, elinor.kelif@paris-sorbonne.fr. Konferenzsprachen werden sein: Französisch und Englisch. (kb, 22.10.17)

5-Mark-Schein aus dem Jahr 1948 (Entwurf: Max Bittrof, Urheber: Bank der deutschen Länder, Bild: gemeinfrei)

Bremen, Freimarkt (Foto: Hagen Stier)

Geschenkt! Endspurt bei märklinMODERNE

Weihnachten kommt wie immer früher als gedacht. Aber dies Jahr könnt Ihr Euch rechtzeitig mit Geschenken versorgen. Denn auch unserer Crowdfunding-Aktion „märklinMODERNE“ geht in den Endspurt. Noch rund eine Woche ist Zeit, Teil von „märklinMODERNE“ zu werden. Am 31. Oktober wird um 23.59 Uhr der Zugang geschlossen und die Kasse gestürzt. (Wenn unser Funding-Ziel von 5.500 Euro erreicht bzw. überboten wurde, werden Eure Spenden abgebucht. Wenn nicht, dann nicht. Also kein Risiko für Euch.) Hier wären also unsere ultimativen Geschenkvorschläge, mit denen Ihr gleichzeitig die Welt im Kleinen retten könnt. Und eine Verlosung unter allen Unterstützern gibt es auch noch!

Das signierte Modell der „Villa im Tessin“, die Film-DVD, limitierte Fotokunst von Hagen Stier, einen Restaurantgutschein, eine exklusive Exkursion zur Wiege des Modellbaus, u. v. m. hier: https://www.startnext.com/maerklinmoderne. Für alle Fast-Dankeschön-Erwerber, Grundsätzlich-wirklich-sehr-Geneigten und Last-Minute-Unterstützer ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Unter allen Unterstützern verlosen wir am Ende einen Faller-Adventskalender! (db/kb/jr, 21.10.17)

Titelmotiv: Bremen, Freimarkt (Foto: Hagen Stier)

Erfurt, Neue Synagoge, Innenraum (Bild: U. Knufinke)

Building from Ashes

In den ersten Nachkriegsjahren war Europa ein „wilder Kontinent“ – geprägt von Kriegsverbrechen, Flucht, Hunger und Bürgerkriegen. Mittendrin fanden sich Juden mit ihren so unterschiedlichen Kriegserfahrungen wieder: Sie hatten KZ oder Ghetto überlebt, kamen aus dem Exil oder mit den alliierten Armeen zurück oder flohen vor der Verfolgung in den Sowjet-Staaten. Manche Juden organisierten von Deutschland ihre Ausreise, manche wollten (auf Zeit) bleiben und ein neues (jüdisches) Lebens aufbauen.

Die Tagung „Building from Ashes: Jews in Postwar Europe (1945-1950)“ – eine Kooperation des Jüdischen Museums Frankfurt mit dem Simon-Dubnow-Institut Leipzig, dem Seminar für Judaistik an der Universität Frankfurt und dem Fritz-Bauer-Institut – widmet sich dieser besonderen Station jüdischer Geschichte vom 3. bis 5. Dezember in Frankfurt am Main (Campus Westend, Goethe Universität, Renate-von-Metzler-Saal, Raum 1.801). In den einzelnen Panels sind z. B. folgende Themen vorgesehen: „Economic and social structures: re-integration into old structures, and the construction of new ones“; „Cultural revival: community (re-)building, the role of aid from world Jewry“; „Memory and silence: Jewish Holocaust documentation and Holocaust memory“; „Imagining and building the future: Jewish participation in the postwar administration and the formation of different states“. Die Konferenzsprache ist Englisch, die Tagung ist offen für Interessierte. (kb, 21.10.17)

Erfurt, Neue Synagoge, Neubau im Jahr 1952 (Bild: U. Knufinke)

Biblis, AKW, Block A (Bild: Peter Stehlik, CC BY SA 3.0)

AKW als KD?

Bis 2022 sollen auch die letzten sieben noch betriebenen Kernkraftwerke stillgelegt werden. 1997 wurde mit dem „Atom-Ei“ in Garching der erste deutsche Forschungsreaktor unter Denkmalschutz gestellt. Doch bundesweit fehlt bis heute eine Diskussion über den möglichen Erhalt eines großindustriellen Kernkraftwerks. Ziel der Konferenz „Atomkraftwerke. Denkmalwerte und Erhaltungschancen“, die vom 20. bis 21. Oktober im Deutschen Technikmuseum Berlin (Trebbiner Straße 9) stattfinden wird, ist es daher: jetzt über dieses ebenso bedeutende wie umstrittene bauliche und technische Industrieerbe zu diskutieren. Zu einem späteren Zeitpunkt würden denkmalpflegerische Anliegen nur noch zu unverhältnismäßig hohen Kosten möglich sein.

Bereits heute ist deutlich, dass der Erhalt kerntechnischer Anlagen vor zwei zentralen Herausforderungen steht: einerseits die radioaktive Belastung der Bauten und ihrer Ausstattung, andererseits die ideelle „Aufladung“ durch eine jahrzehntelange Auseinandersetzung über diese Form der Energiegewinnung. Die Konferenz wird gemeinsam von der Technischen Universität Berlin mit dem Deutschen Nationalkomitee des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS), der deutschen Sektion des International Committee for the Conservation of the Industrial Heritage (TICCIH) und dem Deutschen Technikmuseum Berlin veranstaltet. Aufgrund einer begrenzten Teilnehmerzahl ist eine namentliche Anmeldung zur Keynote und zur Konferenz erforderlich unter: t.dame@campus.tu-berlin.de. Der Tagungsbeitrag von 30 Euro ist beim Einlass zu entrichten. (kb, 19.10.17)

Biblis, AKW, Block A (Bild: Peter Stehlik, CC BY SA 3.0)

Haifa, Technion im Bau, um 1913 (Bild: Technion - Israel Institute of Technology, gemeinfrei)

Einmal Weimar-Haifa und zurück

Auch in diesem Semester geht die Uni Weimar wieder dem Thema „Identität und Erbe“ auf dem Grund. Es ist inzwischen schon gute Tradition, dass die Ringvorlesung auch Themen der Moderne in den Blick nimmt. Hier sind vor allem zwei Vorträge zu nennen: Am 17. Oktober spricht Mark Escherich um 18.30 Uhr über „Denkmalpflege und DDR-Nachkriegsmoderne“. Bei der hochaktuellen Debatte um die Architektur der 1960er und 1970er Jahre könnte der Eindruck entstehen, dass die eigentliche Hürde in der Erhaltung und Sanierung bestehe. Doch weiterhin wird in weiten Teilen der Gesellschaft grundsätzlich angezweifelt, dass diese Bauepoche erhaltenswert ist.

Damit drängen weiterhin – nicht für die Ostmoderne – die Erforschung der Baubestände und die Kommunikation über ihre Werte. Vor diesem Hintergrund dürfte der zweite modernebezogene Vortrag der Ringvorlesung nicht minder spannend ausfallen: Waleed Karkabi (Haifa) spricht am 7. November um 18.30 Uhr über „Toward a new architecture – Haifa Modernism“. Sahen viele Architekten doch in Israel ein „Labor der Moderne“, eine ideale Spielfläche für neue Formen des Bauens und Zusammenwohnens. Heute sind Städte wie Haifa für Architekturbegeisterte gerade wegen dieses modernen Erbes von besonderem Reiz. Beide Vorträge finden in der Bauhaus-Universität Weimar statt (Hörsaal D, Marienstraße 13, 99423 Weimar). (kb, 13.10.17)

Haifa, Technion im Bau, um 1913 (Bild: Technion – Israel Institute of Technology, gemeinfrei)

Unbekannt (© Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Foto: Armin Herrmann)

FOTO | ALBUM

Mit der Ausstellung „FOTO | ALBUM“ präsentiert das „Werkbundarchiv – Museum der Dinge“ erstmals in größerem Umfang seine sonst unsichtbare Sammlung: private und anonyme Fotografie und Fotoalben aus einem ganzen Jahrhundert. In drei Kapiteln zeigt die Sonderausstellung im ersten Teil Hunderte von Einzelfotos, gruppiert nach immer wiederkehrenden Motiven. In einem zweiten Teil werden zahlreiche Fotoalben präsentiert und auf ihre besonderen Erzählformen hin untersucht. Zuletzt wird anhand von dinglichen Foto-Objekten eine Sicht auf Fotografie als materielle Kultur eröffnet. Ergänzt wird die Ausstellung durch künstlerische Perspektiven sowie einen Blick auf den aktuellen Bedeutungswandel im Zeitalter digitaler Bilderflut.

Das Fotoalbum – Kulturtechnik und Ordnungsprinzip zugleich – erschafft und deutet (Familien-)Geschichte und damit die eigene Identität durch das Arrangieren von Bildern mit Text und auch mündlicher Erzählung. Was erinnert werden soll, bestimmt diese kulturelle Praxis des Anlegens von Alben genauso wie das, was sie verschweigen. Die Ausstellung „FOTO | ALBUM. Private und anonyme Fotografie aus der Sammlung des Werkbundarchiv – Museum der Dinge“ wird am 19. Oktober 2017 um 19 Uhr im Berliner „Museum der Dinge“ (Oranienstraße 25, 10999 Berlin) eröffnet. Im Anschluss ist die Präsentation bis zum 26. Februar 2018 zu sehen. (kb, 10.10.17)

Unbekannt (© Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Foto: Armin Herrmann)

Martin Maleschka: Kunstkalender 2018 (Detail)

Ost-Kunst-Kalender

Wie könnte man das bald kommende Jahr besser beginnen als mit großformatigen Motiven zur Ostmoderne aus den bewährten Händen des Fotografen Martin Maleschka. In diesem Jahr hat er sich für seinen Fotokalender die baugebundene DDR-Kunst vorgenommen. Das Ganze wird edel produziert: mattes 300-Gramm-Papier im A3-Hochformat. Gezeigt werden Motive aus zwölf Städten: Eisenhüttenstadt, Magdeburg, Berlin, Frankfurt/Oder, Hoyerswerda, Halle-Neustadt, Rostock, Schwedt/Oder, Chemnitz, Waren/Müritz, Merseburg, Dresden und Neubrandenburg.

Beziehen kann man den Kalender für 20 Euro direkt bei Martin Maleschka unter: kunstkalender@icloud.com. Weihnachten kommt auch dieses Jahr wieder schneller, als man denkt! Und wer noch eine weitere gute Dosis Maleschka sucht, findet diese ab dem 10. Oktober (Vernissage ab 19.30 Uhr) in der Neuen Sächsischen Galerie (Neue Chemnitzer Kunsthütte e. V., Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz) in der Sammelausstellung „Roter Oktober. Kommunismus als Fiktion und Befehl“, kuratiert von Dr. Paul Kaiser in Zusammenarbeit mit Christoph Tannert und Mathias Lindner. Die Präsentation ist bis zum 14. Januar 2018 zu sehen. (kb, 9.10.17)

Titelmotiv und Bildgalerie: Martin Maleschka, Kunstkalender 2018

Seff Weidl, Skulptur "Einigkeit" in der Gartenstadt Vahr, Bremen, 1959 (Bild: Hamburgisches Architekturarchiv)

Ernst May und die Skulptur

Der Architekten Ernst May fühlte sich ein Leben lang eng mit der Bildhauerei verbunden. Nach eigener Aussage wäre er selbst gerne bildender Künstler geworden, entschied sich dann jedoch für das Bauen. Während der Zeit des Neuen Frankfurt tauschte sich May stets mit zeitgenössischen Bildhauern aus, darunter Richard Scheibe und Josef Hartwig. In den 1950er Jahren folgten Bernhard Heiliger und Seff Weidl. Weidls monumentale Bronzeskulpturen etwa gehörten unauflöslich zu den städtebaulichen Ensembles, die Ernst May für die Neue Heimat realisierte.

Diesem fruchtbaren Zusammenspiel widmet sich vom 15. Oktober 2017 bis zum 1. April 2018 eine – vom Berliner Architekten Florian Seidel kuratierte – Ausstellung im Frankfurter ernst-may-haus. Thema ist die Wechselwirkungen zwischen Ernst Mays Architektur und der Bildhauerei, angefangen bei seinem Frühwerk, seinen Arbeiten in Frankfurt am Main, bis hin zu seinen Arbeiten der Nachkriegszeit. Die Vernissage wird am 14. Oktober 2017 um 18 Uhr im ernst-may-haus (Im Burgfeld 136, 60439 Frankfurt) gefeiert. (db, 8.10.17)

Seff Weidl, Skulptur „Einigkeit“ in der Gartenstadt Vahr, Bremen, 1959
(Bild: Hamburgisches Architekturarchiv)

Dresden, Zentralwerk Mitte (Bild: zentralwerk.de)

Industrie-Kultur-Parkour

Mit dem „Industrie Kultur Parkour“ erkundet der Verein „Konglomerat“ vom 13. bis 15. Oktober ehemalige Industriestandorte in Dresden. Zwei begleitete Stadtwanderungen führen zu ausgewählten Standorten. Projekthäuser öffnen ihre Türen und bieten in teils improvisierter Baustellenatmosphäre ein breites künstlerisches Programm. Mit von der Partie sind: das „Zentralwerk“ (in einer ehemaligen Waffenfabrik in Dresden-Pieschen), „GEH8“ (in einer ehemaligen Waggonwerkstatt in Dresden-Pieschen), „LÖ14“ (auf ehemaligem Gaswerkareal in Dresden-Neustadt), die „Blaue Fabrik“ (im ehemaligen Leipziger Bahnhof in Dresden-Neustadt), „OSTRALE“ (auf ehemaligem Schlachthofgelände in Dresden-Friedrichstadt), die „Betriebsküche“ (in einer ehemaligen Kantine in Dresden-Friedrichstadt), das „Kraftwerk Mitte“ (auf einem ehemaligen Gaskraftwerkareal in Dresden-Mitte), das „#Rosenwerk“ (in ehemaligem Post-Umschlagzentrum in Dresden-Löbtau) und das „Kino in der Fabrik“ (im ehemaligen Kupplungswerk in Dresden-Löbtau).

Das Industriekultur-Wochenende startet am 13. Oktober ab 19 Uhr im Kraftwerk Mitte mit einer Input-Veranstaltung. Am 14. und 15 Oktober folgen jeweils ab 19 Uhr – im Anschluss an die Stadtwanderungen – die Diskussions-Dinners. Zusätzlich gibt es vier kleinere Führungen mit historischem Schwerpunkt. Eindrücke und Erkenntnisse des Wochenendes bereiten die Veranstalter dann als Radiosendung als „Audiowalk“ auf. Damit wollen sie in Dresden das öffentliche Interesse wecken, zeigen, was diese Stadt bietet und danach fragen, was Industriekultur gerade hier bedeutet. Informationen und Anmeldungen sind online möglich unter: www.konglomerat.org/projekte/inkupa.html. (kb, 30.9.17)

Dresden, Zentralwerk (Bild: zentralwerk.de)