Veranstaltungen

Faschismus und Moderne

Obersalzberg, Berghof, 1936 (Bild: Bundesarchiv Bild 146-1991-077-31, CC BY SA 3.0)
Am Obersalzberg ließ sich Hitler den Berghof 1933 zur Sommerresidenz ausbauen (Bild: Bundesarchiv Bild 146-1991-077-31, CC BY SA 3.0, 1936)

In den kommenden Monaten dreht sich gleich eine Handvoll von Veranstaltungen um die Frage, wie die Kultur und das NS-Regime miteinander zusammenhingen. In der Kunsthalle Rostock wird vom 29. April bis 18. Juni 2017 die Ausstellung „Artige Kunst. Kunst und Politik im Nationalsozialismus“ zu sehen sein. Werke der offiziell geduldeten und geförderten Kunst der NS-Zeit werden Werken von verfolgten oder verfemten Künstlern gegenübergestellt. Zum Auftakt findet am 29. April in Rostock ein gleichnamiges Symposion statt. Auch in Freiburg nimmt man sich des Themas mit der Ausstellung „Kunstpolitik im Nationalsozialismus“ im örtlichen Augustinermuseum und einer begleitenden Vortragsreihe an.

Noch wenige Tage (bis zum 30. März 2017) können Interessierte ihre Themenvorschläge für die Tagung „Modernism, Fascism and the Pursuit of Culture“ einreichen, die vom 15. bis 16. September 2017 in Dublin stattfinden soll. Es sollen Wechselbezüge zwischen dem Faschismus und der künstlerischen Avantgarde Europas aus dem Blickwinkel des Kulturschaffens analysiert werden. Über den nachkriegsmodernen Umgang mit den Hinterlassenschaften des NS-Regimes widmet sich der „Arbeitskreis für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ unter dem Titel „Lager nach 1945“ am 1. April 2017 in Hannover (Gedenkstätte Ahlem, Heisterbergallee 8, 30453 Hannover-Ahlem). (kb, 27.3.17)

Kybernetisch regieren

Mit keinem Wort würdigte Bundeskanzler Helmut Schmidt in seiner Ansprache die Architektur des neuen Bundeskanzleramtes, als ihm im Juli 1976 feierlich die Schlüssel zu diesem Neubau überreicht wurden. Nicht nur Schmidt konnte den Neubau nicht leiden, der da neben dem altehrwürdigen Palais Schaumburg errichtet worden war. So erlangte der von ihm geprägte Spottname von der zu groß geratenen „rheinischen Sparkasse“ bald größere Bekanntheit als der Bau selbst.

Die Planer unter Amtsvorgänger Willy Brandt hatten ein ambitioniertes Gebäude neuen Typs entwickeln wollen, das auf funktionaler Ebene die Arbeitsweise des Amtes revolutionieren sollte. Schon die teamorientierten Arbeitsformen, die bei der Planung zum Einsatz kamen, sollten die angestrebte administrative Zukunft abbilden. So wirft die Rekonstruktion der Planungs- und Baugeschichte ein Schlaglicht auf die Bundesrepublik der 1960er Jahre, als sozialwissenschaftlich geprägte Theorieangebote Architektur und Politik gleichermaßen beeinflussten. Die Veranstaltung findet 19:30 Uhr im Saal des Hauses der Geschichte Bonn statt. Buchpräsentation „Kybernetisch regieren“ am 30. März 2017. Vorstellung der Publikation von Merle Ziegler und anschließende Podiumsdiskussion. (kb, 21.3.17)

Ziegler, Merle, Kybernetisch regieren. Architektur des Bonner Bundeskanzleramtes 1969–1976 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien; Band 172, Reihe Parlament und Öffentlichkeit 6), Droste-Verlag, Düsseldorf 2016,
396 Seiten, Klappenbroschur, ISBN 978-3-7700-5331-5.

Emil Otto Hoppé – Unveiling a Secret

Emil Otto Hoppé: The Sydney Harbour Bridge Under Construction, Sydney from North Sydney, 1930 (© 2017 Curatorial Assistance, Inc./E. O. Hoppé Estate Collection)
Emil Otto Hoppé: The Sydney Harbour Bridge Under Construction, 1930 (© 2017 Curatorial Assistance, Inc./E. O. Hoppé Estate Collection)

Der geborene Münchner Emil Otto Hoppé (1878-1972) eröffnete 1907 in London sein erstes Fotostudio und etablierte sich rasch auf dem Gebiet des Portraits und der topografischen Darstellung. Insbesondere in den 1920er und 1930er Jahren reiste Hoppé durch Europa und Übersee, wo er sehr erfolgreiche Reisebücher erarbeitete. Das Thema der Industrie, worauf sich die Ausstellung „Unveiling a Secret“ konzentriert, nimmt im Gesamtwerk von Hoppé eine zentrale Rolle ein. So erschien 1930 seine Publikation „Deutsche Arbeit“.

Hoppé sah die Industrie, ihre Produktionsformen und Mechanismen als zukunftsweisend, aber keinesfalls unkritisch an. Seine vielfach spannungsreichen Aufnahmen industrieller Architekturen in Außen- und Innenansichten, von Maschinen und denjenigen Arbeitern, die diese bedienen, führen eine prägende Zeitepoche vor Augen, deren Errungenschaften bis heute nachwirken. Mit dieser Ausstellung wird der Themenkomplex im Werk von Hoppé erstmals in der Breite vorgestellt und nach Jahrzehnten wieder in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. Die Ausstelung – kuratiert von Urs Stahel in Zusammenarbeit mit der Fondazione MAST, Bologna und der E. O. Hoppé Estate Collection/Curatorial Assistance, California – wird vom 6. April bis 30. Juli 2017 zu sehen sein, die Vernissage wird am 5. April 2017 um 19 Uhr gefeiert. (kb, 17.3.17)

Politiken des Formats seit 1960

New River, Gorge Bridge, 1972, aufgenommen mit einer Polaroid-Kamera, digital kopiert mit Adobe Photoshop (Bild: Teaberryeagle, GFDL oder CC BY SA 3.0)
Treffen sich ein Analog und ein Digital: die „New River Gorge Bridge“ in West-Virginia, aufgenommen 1972 mit der Polaroid-Kamera, später digital bearbeitet (Bild: Teaberryeagle, GFDL oder CC BY SA 3.0)

„Format“ meint heute zumeist die Form eines (digitalen) Datenträgers oder einer medialen Darstellung. Dabei wurde lateinische „formare“ für „bilden, gestalten“ bereits im 17. Jahrhundert im Buchdruck angewendet. Im 19. Jahrhunderts nutzte die noch junge Kunstgeschichte den Begriff z. B. als Maß für die Wirkung auf den Betrachter. Heute blicken Experten vor allem auf die Netzwerkbildung im digitalen Raum. Daher fragt der Workshop „Bilder trimmen. Politiken des Formats seit 1960“, der vom 13. bis zum 14. Oktober 2017 in Bern (Institut für Kunstgeschichte) stattfindet: Wie veränderte das seit den 1960er Jahren vermehrte Aufeinandertreffen von Künsten und Bildtechnologien die Standards der Bilderzeugung und -verbreitung?

Denn vor allem in den Nachkriegsjahrzehnten beschäftigten sich die Künste mit den neuen Technologien: ob Fernsehen, Video, Telekommunikation oder den Vorformen digitaler Praktiken. Nachwuchswissenschaftler werden eingeladen, Themenvorschläge für den Workshop einzubringen. Schwerpunkte könnten sein: Bildformat als Bedeutungsgröße; Editing und Retusche; Datenbanken, Plattformen und Archive; antiquierte Formate; Materialität der Technologie; Produktivität des Formatbegriffs. Die Vorschläge (max. 500 Wörtern, ein CV) für Vorträge (25-30 Minuten) können bis zum 30. April 2017 eingesendet werden an: yvonne.schweizer@ikg.unibe.ch und magdalena.nieslony@ikg.uni-stuttgart.de. (kb, 16.3.17)

Der „Virus der Moderne“

Collage mit Dokumenten zum Forschungsprojekt "Das Bauhaus in Oldenburg" (Bild: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg)
Collage mit Dokumenten zum Forschungsprojekt „Das Bauhaus in Oldenburg“ (Bild: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg)

Das Forschungsprojekt „Das Bauhaus in Oldenburg – Avantgarde in der Provinz“ untersucht die Zusammenarbeit des dortigen Landesmuseums mit dem Bauhaus. Ebenso wird stellvertretend das Wirken von vier Bauhäuslern aus dem Oldenburger Land und Ostfriesland betrachtet: Hermann Gautel, Hans Martin Fricke, Karl Schwoon und Hin Bredendieck. Das Landesmuseum Oldenburg war bereits seit seiner Gründung mit dem Staatlichen Bauhaus verbunden, erwarb von dort Möbel und Produkte. Künstler des Oldenburger Landes wurden angeregt, ihre Ausbildung am Bauhaus zu absolvieren – und verbreiteten so den Virus der Moderne.

Zu diesem Themenfeld wird im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte vom 2. bis 3. November 2017 die Tagung „Das Bauhaus in der Provinz“ stattfinden. Zentrale Fragenstellungen werden sein: der Einfluss und die Auswirkungen des Bauhauses in und auf die Region; die Ausstrahlung der Metallwerkstatt am Bauhaus; die gebrochenen Biografien der Bauhäusler in der Zeit des Nationalsozialismus; Bauhaus im Exil; das Nachwirken der Bauhaus-Ideen nach 1945. Interessenten sind eingeladen, ihren Vorschlag (ca. 300 Wörter) für einen Vortrag von ca. 30 Minuten und einen kurzen CV bis zum 30. April 2017 einzureichen unter: Gloria Köpnick, g.koepnick@landesmuseen-ol.de, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, Prinzenpalais, Damm 1, 26135 Oldenburg, 0441/2207370. (kb, 10.3.17)

„Ein Kännchen Kaffee bitte!“

Tobias Kern: Café Jansen, Köln (Foto: Tobias Kern/VG Bild-Kunst, Bonn)
Tobias Kern: Café Jansen, Köln (Foto: Tobias Kern/VG Bild-Kunst, Bonn)

Mit seiner Fotoserie „Ein Kännchen Kaffee bitte!“, die im März in Düsseldorf ausgestellt wird, porträtiert der Kölner Fotograf Tobias Kern die bundesdeutsche Kaffeehaus-Kultur, wie sie in den Wirtschaftswunderzeiten von den 1950er Jahren bis in die 1970er Jahre aufblühte. Kern versteht seine Dokumentation dieses speziellen Bau- und Gastronomietypus als Spiegelbild einer wohlsortierten, gutsituierten Bürgerlichkeit.

Gezeigt werden  traditionsreiche Cafés im idealtypischen Zustand: als menschenleere Räume mit dem entsprechenden Mobiliar und Dekor. Als gelernter Architekturfotograf zielt Kern darauf ab, die Atmosphäre dieser besonderen Räume einzufangen. Viele der porträtierten Cafés erscheinen merkwürdig streng, strahlen wenig Kaffeeklatsch-Atmosphäre aus. Tobias Kern folgt dem Gesetz der Serie, wie es von Bernd und Hilla Becher entwickelt wurde: Alle Orte werden aus vergleichbarer Perspektive, mit gleicher Motivwahl und mit parallelem Bildaufbau abgelichtet. Jedes Haus entfaltet dabei seine spezielle gestalterische Sprache, die jedes der gastronomischen Angebote einzigartig macht. Die Vernissage wird am 7. März 2017 um 18.30 Uhr im Haus der Architekten (Zollhof 1, 40221 Düsseldorf-Medienhafen) begangen. Im Anschluss ist die Ausstellung „Ein Kännchen Kaffee bitte! – Konditorei-Cafés der 50er bis 70er Jahre“ dort bis zum 31. März 2017 zu sehen, der Eintritt ist frei. (kb, 7.3.17)

Elsaesser-Kirche frisch renoviert

Frankfurt am Main, Gustav-Adolf-Kirche (Bild: D. Bartetzko)
Noch ist das „Denkmal-Schild“ nicht ausgepackt in der Frankfurter Gustav-Adolf-Kirche (Bild: D. Bartetzko)

Die Kirchenzeitung „Evangelisches Frankfurt“ titelte treffend: „Alles wieder wie früher“. Früher meint das Jahr 1928, als die Gustav-Adolf-Kirche im Frankfurter Stadtteil Niederursel eingeweiht wurde. Eigentlich hätte es nur eine Erweiterung der mittelalterlichen Georgskapelle werden sollen, doch Stadtbaudirektor Martin Elsaesser attestierte in seinem Gutachten die Baufälligkeit des alten Turms – und wurde passenderweise gleich mit dem Neubau beauftragt.

Mit mutiger Geste setzte Elsaesser einen klaren Zentralbau im Stil des Neuen Bauens mitten unter die Fachwerkhäuser. Dieses Bild blieb bis heute nahezu unverändert erhalten, doch hatten die 1950er und 1970er Jahre zu einer eigenen Deutung des Innenraums gefunden: Das Fensterband erhielt von der Künstlerin Marianne Scherer-Neufarth eine abstrakt-farbige Bleiglasgestaltung, die Wände wurden vorwiegend in Weiß gehalten. Nach langen fachlichen Beratungen hat der Evangelische Regionalverband nun mit dreysse.architekten zurückgefunden zur ursprünglichen farbenfrohen Innenraumfassung. Dafür wanderte die Glasgestaltung der Nachkriegszeit ins Magazin. Das Ergebnis konnte man bei der Wieder-Einweihung am 5. März 2017 in Frankfurt-Niederursel bestaunen. (db, 3./5.3.17)

Frankfurt am Main, Gustav-Adolf-Kirche (Bild: D. Bartetzko)
Frankfurt am Main, Gustav-Adolf-Kirche, der frisch renovierten Innenraum (Bild: D. Bartetzko)

ausführliches Porträt zur Baugeschichte und mehr Bilder der frisch renovierten Kirche auf der „Straße der Moderne“