Veranstaltungen

Exkursion in den Untergrund

Köln, Arbeiter mit U-Bahn-Schild (Bild: Adam Jones, CC BY SA 3.0)
Köln, Arbeiter mit U-Bahn-Schild (Bild: Adam Jones, CC BY SA 3.0)

In der „Metropolregion am Rhein“ wurden in Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg ab den 1960er Jahren U-Bahnen mit entsprechenden Bahnhöfen gebaut. Sie verkörpern ebenso verkehrstechnisch wie ästhetisch den Zeitgeist der Moderne dieser Jahre. Heute wird um ihren Denkmalwert gestritten. Besonders die Stationen in Bonn stehen aktuell im Kreuzfeuer. In einer ersten Exkursion an einer neuen Industrieroute entlang der Rheinschiene sollen Haltestellen in Bonn und Köln verglichen werden. Eine zweite Exkursion im 3. oder 4. Quartal 2017 soll sich mit den Stationen in Düsseldorf und Duisburg beschäftigen.

Am 9. April 2017 stehen zunächst Bonn und Köln auf dem Programm. Führende sind in Bonn Alexander Kleinschrodt (Werkstatt Baukultur Bonn), in Köln Prof. Dr. Barbara Schock-Werner: Treffpunkt: 8:45 Uhr Düsseldorf Hbf., Service-Point; 9:15 Uhr Köln Hbf., Service-Point; 10:05 Uhr Bhf. Bonn-Bad Godesberg, Service-Point. Veranstalter sind der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Regionalverbände Köln, Düsseldorf/Mettmann/Neuss und Bonn) sowie die Werkstatt Baukultur Bonn. Für Fahrkarten-Inhaber fallen keine Kosten an, ansonsten für Düsseldorfer 10 Euro, für Kölner und Bonner 7 Euro (Tickets werden besorgt, bitte bei der Anmeldung entsprechendes Ticket ordern). Der Verzehr bei der Mittagspause ist nicht im Preis inbegriffen. Die genauen Anmeldungsmodalitäten können hier online eingesehen werden. (kb, 16.2.17)

Das neue Heft ist da: Vernetzt

Werner Durth nennt sie im mR-Interview die „unterirdische Stadt“, die oft den eigentlichen Reichtum der Moderne darstellt: hier die Berliner Luftschutzanlage im U-Bahnhof Gesundbrunnen (Bild: Frieder Salm)

Es sind die Stiefkinder der Architektur: Straßen, Tunnel und Versorgungsbauten. Dabei ginge ohne die Orte der Infrastruktur (nicht nur) in der modernen Stadt gar nichts. Denn viele dieser Zeugnisse der Moderne sind uns erst aufgefallen, als sie ausgefallen sind. Und nun stellt sich die Frage nach ihrer Erhaltung. Grund genug, diesem verborgenen Nervensystem ein eigenes mR-Themenheft (Redaktion: Julius Reinsberg) zu widmen.

Im Leitartikel zeichnet Dirk van Laak das unsichtbare Nervensystem der Moderne nach, das aus Schienensträngen, Autobahnen, Stromtrassen und Abwassernetzen gebildet wird. Julius Reinsberg braust über die Stadtautobahnen der Republik, die lange Zeit als prestigeträchtige Fortschrittssymbole gehandelt wurden. Benjamin Brendel erklimmt mit dem Staudamm einen trotz seiner Ausmaße selten beachteten Großbau. Elisa Lecointe zeigt auf, wie Adolf Meyer der Stadt Frankfurt mit Funktionsbauten seinen Stempel aufdrückte. Paul Zalewski lädt zum Rundgang ins Hannover der Nachkriegszeit, die wohl autogerechteste Stadt Deutschlands. Im Interview spricht Julius Reinsberg mit dem Architekturhistoriker Werner Durth über die Infrastruktur der unterirdischen Stadt, die nach 1945 oft maßgeblich für den Wiederaufbau war. Im Porträt besucht Daniel Bartetzko den Berliner Rundlokschuppen. Und in der Fotostrecke präsentiert der Verein Berliner Unterwelten e.V. schließlich exklusive Einblicke in den Bauch der Hauptstadt. Hier gehts zum neuen Heft… (db/kb/jr, 13.2.17)

Soziale Stadtentwicklung Hamburg

Hamburg, City-Hof (Bild: ahjepbah, CC BY-SA 3.0)
Noch ein Anlauf zur Rettung: Hamburg, City-Hof (Bild: ahjepbah, CC BY SA 3.0)

Rund 130 Teilnehmer kamen im Januar in Hamburg zusammen, um unter dem Motto „Soziale Stadtentwicklung rund um den Hauptbahnhof – Bevor der Zug abgefahren ist!“ zu diskutieren. Vertreter des Bündnisses wie von sozialen Einrichtungen wie Caritasverband, dem Straßenmagazin „Hinz & Kunzt“ sowie Denkmalrat, fux e. G. und Mieterverein Hamburg machten deutlich, wie wichtig öffentliche Gebäude für soziale Einrichtungen in der City und insbesondere die vier Hochhäuser des Cityhofs am Klosterwall sind.

Die Forderungen des Bündnisses: Kein Verkauf des städtischen Geländes. Kein Abriss des Cityhofs. Umnutzung der ehemaligen Hörgeschädigten-Schule und des City-Hofs vorrangig für soziale Zwecke. In den kommenden Monaten soll noch einmal eine Kampagne zum Thema gestartet werden. Dafür wird zu einer Aktionsberatung am Donnerstag, den 23. Februar um 18.30 Uhr, in die HafenCity Universität (Überseeallee 16, 20457 Hamburg), eingeladen. Geplant ist, Aktionsvorschläge für die Kampagne zu diskutieren und vorzubereiten – verbunden mit der Aufforderung an den Senat, Abstand von Verkaufs- und Abrissplänen. Zum „Bündnis Soziale Stadtentwicklung rund um den Hauptbahnhof“ zählen unter anderem: City-Hof e.V.; Einwohnerverein St. Georg von 1987 e.V.; Stadtteilinitiative Münzviertel; Gängeviertel e.V.; AStA der HafenCity Universität Hamburg; Berufsverband bildender Künstlerinnen und Künstler Hamburg e.V.; fux eG; Netzwerk „Recht auf Stadt“ Hamburg. Pressekontakt: Marco Alexander Hosemann (City-Hof e.V.), info@city-hof.org, 0172/5850666; Michael Joho (Einwohnerverein St. Georg), MichaJoho@aol.com, 0160/91481027. (db, 11.2.17)

Der obskure Charme des großen Plans

EVOL, Der Blaue Engel (Günter & Christiane F.) 2015, Spraypaint on multipurpose plastic bag M1/10, 65 x 45 cm (80 x 60 cm framed)
Evol, Der Blaue Engel (Günter & Christiane F.), 2015, Spraypaint on multipurpose plastic bag M1/10, 65 x 45 cm (80 x 60 cm framed)

Es geht um die Architektur der 1960er und frühen 1970er Jahre, eine Zeit der brutalistischen Ästhetik von Sichtbeton und der metabolistischen Großentwürfe. Architekturdenker wie Le Corbusier wollten die „alte Stadt“ auslöschen und die neue, die „Strahlenden Stadt“ mit einem Raster von Hochhäusern überziehen. Auch in monumentalen Trabantenstädten wie dem Berliner Märkischen Viertel oder der Gropiusstadt wurden neue Formen des sozialen Miteinanders entwickelt und Urbanität als bewohnbare Skulptur gedacht. Durch das Verschwinden der Moderne aus unserer Umwelt löst sich auch ihr einstiges utopisches Versprechen auf.

Die Gruppenausstellung „Der obskure Charme des großen Plans“ (Gastkurator: Alekos Hofstetter) findet Antworten – mit Arbeiten der Künstler Matias Bechtold, Evol, Alekos Hofstetter, Peter K. Koch und Oliver van den Berg. Im Begleitprogramm sind zwei Vorträge vorgesehen: 11. März, 18 Uhr, „Böcklin in Minsk“, Wolfgang Kil; 17. März, 19 Uhr, „Die Verräumlichung der Zukunft“, Dr. Michael Ostheimer. Die Vernissage findet am 9. Februar von 19 bis 22 Uhr statt. Im Anschluss ist die Ausstellung in der Galerie „LAGE EGAL – RAUM FÜR AKTUELLE KUNST“ (Danziger Str. 145, 10407 Berlin) zu sehen bis zum 17. März (Ausstellungspause vom 16. Februar bis 3. März). (kb, 8.2.17)

gern modern?

Werbeprospekt der Firma Georg Haydvogel für Ringsitzhocker Eduard Ludwig, um 1955 (Foto: Armin Herrmann, Bild: Werkbundarchiv – Museum der Dinge Berlin)
Werbeprospekt der Firma Georg Haydvogel für Ringsitzhocker Eduard Ludwig, um 1955 (Foto: Armin Herrmann, Bild: Werkbundarchiv – Museum der Dinge Berlin)

„Wie werden wir wohnen?“ Das war in Berlin nach 1945 die Frage der Stunde. Das Ausstellungsprojekt „gern modern?“ des Museums der Dinge/Werkbundarchiv (Oranienstraße 25, 10999 Berlin) untersucht Ideen und Konzepte für ein „Sich-Einrichten“, die von Akteuren des Deutschen Werkbunds in der kriegszerstörten Stadt entwickelt wurden. Zum Teil unbekannte Objekte und Dokumente aus den eigenen Sammlungen sowie zahlreiche Leihgaben vermitteln ein facettenreiches Bild der Werkbund-Initiativen zum Wohnen bis in die späten 1950er Jahre.

Gezeigt Architekturmodelle und Möbel, Plakate, Pläne und Zeichnungen, historische Fotos und Filme sowie Schulkisten und ein Baukasten aus der Berliner Wohnberatungsstelle. Mit dieser Tiefenbohrung in die Geschichte des Berliner Werkbunds fragt die Ausstellung nach der Bedeutung des historischen Themas für die Gegenwart. Die Plattform „D.I.Y. Wohnberatungsstelle“ lädt Besucher mit einem vielfältigen Programm ein, an Thema und Gestalt der Ausstellung zu partizipieren. Die Vernissage wird am 9. Februar 2017 um 19 Uhr begangen. Im Anschluss ist die Präsentation bis zum 26. Juni 2017 zu sehen. (kb, 7.2.17)

Formgebung im Nationalsozialismus

Paris, Eröffnung einer Arno-Breker-Auststellung im Mai 1942 (Foto: Schödl, Bild: Bundesarchiv Bild 101I-357-1885-13A, CC BY SA 3.0)
Paris, Eröffnung einer Arno-Breker-Auststellung im Mai 1942 (Foto: Schödl, Bild: Bundesarchiv Bild 101-357-1885-13A, CC BY SA 3.0)

So vielfältig die neuesten Forschungsansätze zur Geschichte des Nationalsozialismus sind, so groß klaffen doch die Lücken. Sie liegen im Bereich der Kunst- und Kulturpolitik, vor allem in der angewandten Kunst. Das verwundert umso mehr, als diese Sparte bekanntlich über die „Reichskulturkammer“ dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstand. Das wiederum verbindet sie mit der vorrangigen Propagandaaufgabe der Dekoration und Ausgestaltung von Staats- und Parteifeiern, Großkundgebungen und Großveranstaltungen. Gestaltungsaufgaben, die unter dem Begriff „Formgebung“ zusammengefasst wurden.

Doch: Kann Kunst im alleinigen Dienst eines totalitären Systems überhaupt als Kunst bezeichnet werden – oder ist sie nicht eher Handwerk? Zu diesem Fragenbündel findet vom 25. bis zum 26. Juni 2017 im Grassimuseum für Angewandte Kunst und im Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig die interdisziplinäre Tagung „Formgebung im Nationalsozialismus“ statt. Dabei sollen unter dem Blickwinkel künstlerischer Formgebung auch Wirtschaftsunternehmen, Organisationen, Verbände und Ministerien und die unterschiedlichen Wirkungsebenen von Reich über Gau bis zu Kreis behandelt werden. Zu untersuchen wäre zudem die Verflechtung künstlerischer Gestaltung mit den systemsichernden Herrschaftsinstrumenten. Themenvorschläge (bis zu 2.200 Zeichen) für 25-minütige Referate sind noch bis zum 20. Februar willkommen unter: PD Dr. Michael Lingohr, Institut für Kunstgeschichte Universität Leipzig, Dittrichring 18-20, 04109 Leipzig, michael.lingohr@uni-leipzig.de. (kb, 23.1.17)

Demokratie bauen

Bonn, Radfahrender Elefant des Zirkus Krone vor dem Bundeskanzleramt (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild F032368-0034, Foto: Engelbert Reineke, CC BY SA _3.0.de)
Manche Bilder müssen einfach nur schön sein – und der radfahrende Elefant tut seinen Job dann doch passenderweise vor dem Bonner Bundeskanzleramt (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild F032368-0034, Foto: Engelbert Reineke, CC BY SA 3.0.de)

„In 40 Jahren wachsenden Wohlstandes hat der Staat Bundesrepublik nicht ein einziges Gebäude von architektonischem Rang errichtet“, behauptete 1989 der Journalist Johannes Gross. Damit drückte er die enttäuschte Sehnsucht einer verunsicherten Nachkriegsgesellschaft aus, die ein überzeugendes bauliches Zeichen ihres neuen nationalen Seins suchte. Die Analyse der Bauten und ihrer Entstehungsgeschichte erlaubt eine neue Sichtweise auf die Identitätsfindung der BRD.

Darüber hinaus eröffnet sie nicht nur neue Ansätze für den Umgang mit dem baukulturellen Erbe der Bonner Republik, sondern auch eine erweiterte Sicht auf die aktuelle bauliche Darstellung des Bundes in Berlin und im internationalen Kontext. Das interdisziplinäre Symposion „Demokratie bauen. Identitaet bauen. Bundesbauten gestern und heute“ findet am 10. Februar 2017 statt im Bonner Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Deichmanns Aue 31–37, 53179 Bonn). Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Bitte melden Sie sich verbindlich an unter sekretariat@ifag.uni-stuttgart.de (Betreff: Bundesbauten) Es gilt die Reihenfolge der Anmeldungen. Sie erhalten per E-Mail eine Bestätigung Ihrer Anmeldung. Anmeldeschluss ist der 3. Februar 2017. (kb, 22.1.17)