Veranstaltungen

Villa Waiblingen (Bild: FRANK Architekten)

Recycling als Prinzip

Wieso nicht das Bestehende erhalten, um- oder weiternutzen anstatt wie selbstverständlich neu zu bauen? Das Prinzip der Wiederverwertung von Materialien ist inzwischen auch in der Architektur ein bedeutsames Thema. Im Rahmen des Projekts reused.TUM, einer Lehr- und Forschungsinitiative der Fakultäten Architektur und BauGeoUmwelt der Technischen Universität München, findet am 16. November ein interdisziplinäres Kolloquium statt, bei dem aus wissenschaftlicher und praxisorientierter Perspektive das Bauen im Bestand untersucht werden soll. Zwölf Referenten und Referentinnen aus unterschiedlichen Fachgebieten – von Ingenieurswissenschaften bis zur Kunstgeschichte – sprechen bei der Veranstaltung.

Gegliedert ist das Kolloquium dabei in fünf Blöcke, die den Bogen von Erfassung und Prüfung über Konservierung und Prävention bis hin zu Stadtumbau, Effizienzsteigerung und Materialtechnologie spannen. Die Initiative reused.TUM („reused“ steht hier für „Restaurierung, Erfassung, Umbau, Sanierung, Erhaltung, Denkmalpflege“) möchte damit als Impulsgeber für die hochaktuelle Frage des Umgangs mit gebautem Bestand wirksam werden. Die Veranstaltung findet statt im Vorhoelzer Forum TUM (Arcisstr. 21, Hauptgebäude, Treppenhaus Süd, 5. Obergeschoss, Raum 5170, 80333 München), um eine kurze Voranmeldung wird gebeten unter: reused@tum.de. (db, 6.11.17)

Sanierte 60er-Jahre Villa in Waiblingen (Bild: FRANK Architekten)

archithese-Cover der 1970er Jahre

Sammelstelle archithese

Die Wiedergeburt des Urbanismus, die Rolle von Bürgerinitiativen oder die Wiedergewinnung des innerstädtischen Wohnraums? In den 1970er Jahren wurde die Zeitschrift und Schriftenreihe „archithese“ zur Plattform für eine moderne Baukunst-Debatte. Seit 1971 erscheint die Publikation, die sich der Gratwanderung zwischen Theorie und Praxis verschrieben hat, in Zürich. Das Nidwaldner Museum hat nun die ersten zwanzig Ausgaben an zwanzig zeitgenössische Künstler gegeben. Diese setzten sich unter dem Titel „Sammelstelle archithese“ auf ihre jeweils ganz eigene Art damit auseinandergesetzt.

Die vier Kunstschaffenden Katalin Deér (*1965 in den USA, lebt in St. Gallen), Sophie Nys (*1974 in Belgien, lebt in Brüssel und Zürich), Gregor Eldarb (*1971 in Polen, lebt in Wien) und Samuli Blatter (*1986 in Finnland, lebt in Luzern) nutzen die zwischen 1972 und 1976 entstandenen Hefte mit ihren gesellschaftsrelevanten Themen als Projektionsfläche für eigene künstlerische Arbeiten. Damit wollen die Organisatoren der Ausstellung eine Brücke schlagen von den damaligen zu den heutigen Themen, den aktuellen Gehalt alter Diskurse neu erschließen. Vernissage wird am 3. November um 19 Uhr im Nidwaldner Museum Winkelriedhaus (Engelbergstrasse 54a, 6370 Stans, Nidwald, Schweiz) gefeiert, anschließend ist die Präsentation bis zum zu 11. Februar 2018 sehen. (kb, 30.10.17)

Titelmotiv: archithese-Cover der 1970er Jahre

Frankfurt, Abriss des Historischen Museums, 2010 (Bild: Hagen Stier)

Was vom Brutalismus übrig blieb

Frankfurt steht im November ganz im Zeichen des grauen Kunststeins: Schon vor der – in ihrer Eröffnung auf den 8. November (19 Uhr) verschobenen – Ausstellung „SOS BRUTALISMUS“ von Deutschem Architekturmuseum (DAM) und Wüstenrot Stiftung kann man im Thema vorglühen: Am 1. November bietet das DAM die Vortragsveranstaltung „STADTplus – Die Stadt + Der Beton“ (ab 19 Uhr, Vortrag und Führung, nach dem 30-minütigen Vortrag ist das DAM bis 21 Uhr geöffnet).

Thema ist „Was vom Brutalismus übrig blieb“, was ja nicht wirklich viel ist: Der AfE-Turm auf dem Campus Bockenheim, das Technische Rathaus und das Historische Museum wurden abgerissen. Vortragende sind für moderneREGIONAL der Journalist Daniel Bartetzko und die Kunsthistorikerin/Theologin Karin Berkemann. Und wer das Ganze noch im Bücherschrank sein Eigen nennen möchte, kann ab Anfang November den bei Park Books erschienenen Ausstellungskatalog „SOS BRUTALISMUS“ erwerben, der „erstmals die brutalistische Architektur der 1950er bis 1970er Jahre im weltweiten Überblick“ darbieten will. (jr, 28.10.17)

Frankfurt, Abriss des Historischen Museums, 2010 (Foto: Hagen Stier)

Weimar, Studentin fertigt Aufmaß der Mensa (Bild: Gilbert Weise, 2010)

Weimar: Topographie der Moderne

Gerade wird in Weimar das neue Bauhaus-Museum errichtet. Es bildet das sichtbarste Element eines neuen Ensembles von Bauten und Institutionen, die unterschiedliche Momente der Geschichte des 20. Jahrhunderts kritisch beleuchten. Diese sich neu formierende Topographie der Moderne wirkt einer Entwicklung entgegen, die das historische Bauhaus anlässlich des Jubiläums 2019 in einen bloßen Werbeträger verwandeln könnte.

Doch für welche Erfahrungen der Moderne steht Weimar? Die Reihe der „Weimarer Kontroversen“ hinterfragt im November 2017 die Geschichte der Moderne in der Klassikstadt, aber auch unsere aktuellen Deutungen eben jener Geschichte. Im Rahmen der Reihe „Weimarer Kontroversen“ findet vom 15. bis 17. November 2017 in der Klassik Stiftung Weimar die Tagung „Topographie der Moderne – Weimar neu deuten“ statt. Anmeldungen sind möglich bis zum 3. November unter: info@weimarer-kontroversen.de. (kb, 23.10.17)

Lange Gegenstand einer lebhaften Diskussion um den Wert und die Erhaltung der Moderne in Weimar: die Mensa (Bild: Gilbert Weise, 2010)

5-Mark-Schein aus dem Jahr 1948 (Entwurf: Max Bittrof, Urheber: Bank der deutschen Länder, Bild: gemeinfrei)

Was erbt Europa?

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatten (Kunst-)Geschichte, Archäologie und Architektur ein höchst institutionalisiertes Schutzsystem für ihre Definition eines kulturellen Erbes etabliert. Dieses identitätsstiftende Geschichtsbild wurde fleißig auch in den nicht-europäischen Kontext exportiert. Doch bewährt sich diese Deutungstradition trotz der zunehmenden Globalisierung auf der einen und der Sehnsucht nach einer kleinräumlichen Beheimatung auf der anderen Seite? Wie könnte ein neues Europa-Bild aussehen – gerade angesichts des für 2018 ausgerufenen Kulturerbejahres.

Für die Tagung „The Cultural Heritage of Europe @ 2018. Re-assessing a Concept – Re-defining its Challenges“, die in Paris (Institut national d’histoire de l’art (INHA)) vom 4. bis 6. Juni 2018 stattfinden soll, werden noch Themen gesucht. Im Angebot sind vier Panels: 1) Place and Space (vom Bau bis zum „dritten Raum“), 2) Substance and Materiality (vom Artefakt bis zum digitalen Erbe), 3) Time and Temporality (von fest bis flüchtig), 4) Identity (von kollektiv bis zu partiell). Vorschläge (Abstract mit max. 200 Worten und Angabe des Panels) können bis zum 10. November 2017 eingereicht werden an: patrimoine.europe2018@gmail.com. Weitere Informationen gibt es bei: Michael Falser, Heidelberg, falser@asia-europe.uni-heidelberg.de; Elinor Myara Kelif, Paris, elinor.kelif@paris-sorbonne.fr. Konferenzsprachen werden sein: Französisch und Englisch. (kb, 22.10.17)

5-Mark-Schein aus dem Jahr 1948 (Entwurf: Max Bittrof, Urheber: Bank der deutschen Länder, Bild: gemeinfrei)

Bremen, Freimarkt (Foto: Hagen Stier)

Geschenkt! Endspurt bei märklinMODERNE

Weihnachten kommt wie immer früher als gedacht. Aber dies Jahr könnt Ihr Euch rechtzeitig mit Geschenken versorgen. Denn auch unserer Crowdfunding-Aktion „märklinMODERNE“ geht in den Endspurt. Noch rund eine Woche ist Zeit, Teil von „märklinMODERNE“ zu werden. Am 31. Oktober wird um 23.59 Uhr der Zugang geschlossen und die Kasse gestürzt. (Wenn unser Funding-Ziel von 5.500 Euro erreicht bzw. überboten wurde, werden Eure Spenden abgebucht. Wenn nicht, dann nicht. Also kein Risiko für Euch.) Hier wären also unsere ultimativen Geschenkvorschläge, mit denen Ihr gleichzeitig die Welt im Kleinen retten könnt. Und eine Verlosung unter allen Unterstützern gibt es auch noch!

Das signierte Modell der „Villa im Tessin“, die Film-DVD, limitierte Fotokunst von Hagen Stier, einen Restaurantgutschein, eine exklusive Exkursion zur Wiege des Modellbaus, u. v. m. hier: https://www.startnext.com/maerklinmoderne. Für alle Fast-Dankeschön-Erwerber, Grundsätzlich-wirklich-sehr-Geneigten und Last-Minute-Unterstützer ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Unter allen Unterstützern verlosen wir am Ende einen Faller-Adventskalender! (db/kb/jr, 21.10.17)

Titelmotiv: Bremen, Freimarkt (Foto: Hagen Stier)

Erfurt, Neue Synagoge, Innenraum (Bild: U. Knufinke)

Building from Ashes

In den ersten Nachkriegsjahren war Europa ein „wilder Kontinent“ – geprägt von Kriegsverbrechen, Flucht, Hunger und Bürgerkriegen. Mittendrin fanden sich Juden mit ihren so unterschiedlichen Kriegserfahrungen wieder: Sie hatten KZ oder Ghetto überlebt, kamen aus dem Exil oder mit den alliierten Armeen zurück oder flohen vor der Verfolgung in den Sowjet-Staaten. Manche Juden organisierten von Deutschland ihre Ausreise, manche wollten (auf Zeit) bleiben und ein neues (jüdisches) Lebens aufbauen.

Die Tagung „Building from Ashes: Jews in Postwar Europe (1945-1950)“ – eine Kooperation des Jüdischen Museums Frankfurt mit dem Simon-Dubnow-Institut Leipzig, dem Seminar für Judaistik an der Universität Frankfurt und dem Fritz-Bauer-Institut – widmet sich dieser besonderen Station jüdischer Geschichte vom 3. bis 5. Dezember in Frankfurt am Main (Campus Westend, Goethe Universität, Renate-von-Metzler-Saal, Raum 1.801). In den einzelnen Panels sind z. B. folgende Themen vorgesehen: „Economic and social structures: re-integration into old structures, and the construction of new ones“; „Cultural revival: community (re-)building, the role of aid from world Jewry“; „Memory and silence: Jewish Holocaust documentation and Holocaust memory“; „Imagining and building the future: Jewish participation in the postwar administration and the formation of different states“. Die Konferenzsprache ist Englisch, die Tagung ist offen für Interessierte. (kb, 21.10.17)

Erfurt, Neue Synagoge, Neubau im Jahr 1952 (Bild: U. Knufinke)

Biblis, AKW, Block A (Bild: Peter Stehlik, CC BY SA 3.0)

AKW als KD?

Bis 2022 sollen auch die letzten sieben noch betriebenen Kernkraftwerke stillgelegt werden. 1997 wurde mit dem „Atom-Ei“ in Garching der erste deutsche Forschungsreaktor unter Denkmalschutz gestellt. Doch bundesweit fehlt bis heute eine Diskussion über den möglichen Erhalt eines großindustriellen Kernkraftwerks. Ziel der Konferenz „Atomkraftwerke. Denkmalwerte und Erhaltungschancen“, die vom 20. bis 21. Oktober im Deutschen Technikmuseum Berlin (Trebbiner Straße 9) stattfinden wird, ist es daher: jetzt über dieses ebenso bedeutende wie umstrittene bauliche und technische Industrieerbe zu diskutieren. Zu einem späteren Zeitpunkt würden denkmalpflegerische Anliegen nur noch zu unverhältnismäßig hohen Kosten möglich sein.

Bereits heute ist deutlich, dass der Erhalt kerntechnischer Anlagen vor zwei zentralen Herausforderungen steht: einerseits die radioaktive Belastung der Bauten und ihrer Ausstattung, andererseits die ideelle „Aufladung“ durch eine jahrzehntelange Auseinandersetzung über diese Form der Energiegewinnung. Die Konferenz wird gemeinsam von der Technischen Universität Berlin mit dem Deutschen Nationalkomitee des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS), der deutschen Sektion des International Committee for the Conservation of the Industrial Heritage (TICCIH) und dem Deutschen Technikmuseum Berlin veranstaltet. Aufgrund einer begrenzten Teilnehmerzahl ist eine namentliche Anmeldung zur Keynote und zur Konferenz erforderlich unter: t.dame@campus.tu-berlin.de. Der Tagungsbeitrag von 30 Euro ist beim Einlass zu entrichten. (kb, 19.10.17)

Biblis, AKW, Block A (Bild: Peter Stehlik, CC BY SA 3.0)

Haifa, Technion im Bau, um 1913 (Bild: Technion - Israel Institute of Technology, gemeinfrei)

Einmal Weimar-Haifa und zurück

Auch in diesem Semester geht die Uni Weimar wieder dem Thema „Identität und Erbe“ auf dem Grund. Es ist inzwischen schon gute Tradition, dass die Ringvorlesung auch Themen der Moderne in den Blick nimmt. Hier sind vor allem zwei Vorträge zu nennen: Am 17. Oktober spricht Mark Escherich um 18.30 Uhr über „Denkmalpflege und DDR-Nachkriegsmoderne“. Bei der hochaktuellen Debatte um die Architektur der 1960er und 1970er Jahre könnte der Eindruck entstehen, dass die eigentliche Hürde in der Erhaltung und Sanierung bestehe. Doch weiterhin wird in weiten Teilen der Gesellschaft grundsätzlich angezweifelt, dass diese Bauepoche erhaltenswert ist.

Damit drängen weiterhin – nicht für die Ostmoderne – die Erforschung der Baubestände und die Kommunikation über ihre Werte. Vor diesem Hintergrund dürfte der zweite modernebezogene Vortrag der Ringvorlesung nicht minder spannend ausfallen: Waleed Karkabi (Haifa) spricht am 7. November um 18.30 Uhr über „Toward a new architecture – Haifa Modernism“. Sahen viele Architekten doch in Israel ein „Labor der Moderne“, eine ideale Spielfläche für neue Formen des Bauens und Zusammenwohnens. Heute sind Städte wie Haifa für Architekturbegeisterte gerade wegen dieses modernen Erbes von besonderem Reiz. Beide Vorträge finden in der Bauhaus-Universität Weimar statt (Hörsaal D, Marienstraße 13, 99423 Weimar). (kb, 13.10.17)

Haifa, Technion im Bau, um 1913 (Bild: Technion – Israel Institute of Technology, gemeinfrei)

Unbekannt (© Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Foto: Armin Herrmann)

FOTO | ALBUM

Mit der Ausstellung „FOTO | ALBUM“ präsentiert das „Werkbundarchiv – Museum der Dinge“ erstmals in größerem Umfang seine sonst unsichtbare Sammlung: private und anonyme Fotografie und Fotoalben aus einem ganzen Jahrhundert. In drei Kapiteln zeigt die Sonderausstellung im ersten Teil Hunderte von Einzelfotos, gruppiert nach immer wiederkehrenden Motiven. In einem zweiten Teil werden zahlreiche Fotoalben präsentiert und auf ihre besonderen Erzählformen hin untersucht. Zuletzt wird anhand von dinglichen Foto-Objekten eine Sicht auf Fotografie als materielle Kultur eröffnet. Ergänzt wird die Ausstellung durch künstlerische Perspektiven sowie einen Blick auf den aktuellen Bedeutungswandel im Zeitalter digitaler Bilderflut.

Das Fotoalbum – Kulturtechnik und Ordnungsprinzip zugleich – erschafft und deutet (Familien-)Geschichte und damit die eigene Identität durch das Arrangieren von Bildern mit Text und auch mündlicher Erzählung. Was erinnert werden soll, bestimmt diese kulturelle Praxis des Anlegens von Alben genauso wie das, was sie verschweigen. Die Ausstellung „FOTO | ALBUM. Private und anonyme Fotografie aus der Sammlung des Werkbundarchiv – Museum der Dinge“ wird am 19. Oktober 2017 um 19 Uhr im Berliner „Museum der Dinge“ (Oranienstraße 25, 10999 Berlin) eröffnet. Im Anschluss ist die Präsentation bis zum 26. Februar 2018 zu sehen. (kb, 10.10.17)

Unbekannt (© Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Foto: Armin Herrmann)