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Berlin, St. Hedwig, 2005 (Bild: Arnold Paul, CC BY SA 2.5)

„Verfassungsrechtlich hinzunehmen“

Die Bischofskirche und Basilica minor St. Hedwig wurde 1773 als erster katholischer Kirchenneubau Berlins nach der Reformation eingeweiht. Im 20. Jahrhundert bemühten sich gleich mehrere Architektengrößen um die Kathedrale – bis 1932 Clemens Holzmeister, bis 1963 Hans Schwippert, bis 1978 Hans Schädel und Hermann Jünemann. Prägend blieb der Schwippert-Wiederaufbau, der nach außen über der Betonschalenkuppel nur auf die klassizistische Laterne verzichtete. Der Innenraum wurde neu gedacht als  Kapellenkranz mit programmatisch offenem Zugang zur Unterkirche. 2013/14 wurde nach einem Wettbewerb zur „Modernisierung“ das Büro Sichau & Walter Architekten GmbH und Leo Zogmayer ausgewählt. Nach deren Entwurf ginge Schwipperts „Doppelkirche“ verloren. Bundesweit regten sich Proteste, viele kämpften mit kultur- wie liturgiegeschichtlichen Argumenten für die eigenständige Nachkriegsgestaltung.

Die Entscheidung zum geplanten Umbau von St. Hedwig ist nun ganz oben gefallen. Da sich Bezirksamt (dafür) und Landesdenkmalamt (dagegen) nicht einig waren, griff die Oberste Denkmalschutzbehörde ein: Gottesdienstliche Belange hätten Vorrang gegenüber dem Denkmalrecht. Der Staat habe, so die Oberste Denkmalschutzbehörde, nicht zu prüfen, ob die vom Erzbistum angeführten theologischen Argumente richtig seien. Er könne nur nachvollziehen, ob der Umbau zu deren Erfüllung beitrage. Die damit genehmigte Neugestaltung sei nicht nur für die Berliner Denkmalpflege „äußerst bedauerlich“, aber „aus verfassungsrechtlichen Gründen hinzunehmen“. (kb, 22.2.18)

Berlin, St. Hedwig, 2005 (Bild: Arnold Paul, CC BY SA 2.5)

Maria Schwarz, geborene Lang (Bild: Copyright Elke Wetzig, CC BY SA 3.0)

Maria Schwarz ist gestorben

Sie wurde lange immer in einem Atemzug mit ihrem Mann genannt – doch Maria Schwarz, geborene Lang, war viel mehr als die Frau an der Seite des legendären Kirchen- und Städtebauers Rudolf Schwarz. Geboren am 3. Oktober 1921 in Aachen, studierte Maria Lang in ihrer Heimatstadt in den Kriegsjahren Architektur. Nach ihrem Abschluss 1946 war sie u. a. als Mitarbeiterin von Hans Schwippert tätig. Ihr Wechsel zur Kölner Wiederaufbaugesellschaft brachte sie endgültig in den Kreis von Architekturgrößen wie Fritz Schaller, Gottfried Böhm, Karl Wimmenauer und natürlich Rudolf Schwarz, den sie nach zwei Jahren heiraten sollte.

In dieser Arbeits- und Lebensgemeinschaft war Maria Schwarz vom Entwurfsprozess bis zur Ausstattung beteiligt an zahlreichen (nicht nur) Kirchenbauten. Nach dem Tod ihres Manns 1961 führte sie das Büro weiter, vollendete Projekte, widmete sich dem Erhalt, den Um- und Neugestaltungen der Schwarz-Kirchen – spätestens nachdem sie mit dem Abriss der Berliner Raphaelskirche den Verlust eines ihrer „Kinder“ erleben musste. Weiterhin war sie auch als eigenständige Entwerferin tätig, u. a. für die Gestaltung von liturgischen Orten und  Orgelprospekten. Zudem lehrte sie an der TU München im Fach Sakralbau. Maria Schwarz starb gestern in Köln im Alter von 96 Jahren. (db/kb, 16.2.18)

Maria Schwarz, geborene Lang (Bild: Copyright Elke Wetzig, CC BY SA 3.0)

Telgte, St. Johannes, L. Tiepelmann, 1963/64 (Bild: LWL/Brockmann-Peschel)

Staatspreis für die Johanneskirche

Am 25. Februar wird im Erbdrostenhof Münster der mit 7.000 Euro dotierte Rheinisch-Westfälische Staatspreis für Denkmalpflege vergeben. Im Frühjahr 2017 hatte das Land Nordrhein-Westfalen den Preis ausgelobt, mit dem es den privaten und ehrenamtlichen Einsatz für gefährdete Baudenkmäler in Westfalen-Lippe auszeichnen möchte. Denkmaleigentümer konnten Bauten einreichen, die sie innerhalb der vergangenen zwei Jahre vorbildlich instandgesetzt haben. Nach einer Vorauswahl und einer Bereisung sich die Jury entschieden, neben dem dotierten Preis auch fünf undotierte Anerkennungen zu vergeben.

Ausgezeichnet werden: die 1815 erbaute ehemalige Leibzucht des Gräftenhofs Meier zu Heepen in Bielefeld (von den NaturFreunden Bielefeld e.V. als Vereins- und Bootshaus mit Kletterhalle genutzt); die ehemalige Kantorschule im direkten Umfeld der gotischen Dorfkirche in Heiden (zu Wohnzwecken umgebaut); der Hof Grube in Lüdinghausen (erforscht und restauriert); ein Vierständerhallenhaus mit Remise in Marienloh (restauriert); ein Fachwerkbau am Innenstadtrand von Werl (instandgesetzt und umgebaut) – und die Pfarrkirche St. Johannes (1964, L. Tiepelmann) in Telgte. Die moderne Schönheit wurde nach ihrer Profanierung auf Abriss hin diskutiert. Doch Kirche und Kommune fanden eine gute Alternative: Nach einem behutsamen Umbau wird sie nun als Gemeindezentrum und mit für den nahen Kindergarten genutzt. (kb, 16.2.18)

Telgte, St. Johannes (Bild: LWL/Brockmann-Peschel)

Frankfurt am Main, Gustav-Adolf-Kirche (Bild: D. Bartetzko)

Ins rechte Licht gesetzt

Das können Sie mit Ihrer Kamera besser? Das hoffen wir! Denn die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) und die KD Bank Kirche und Diakonie (KD-Bank) haben für 2018 einen Fotowettbewerb ausgelobt, dessen zwölf schönsten Ergebnisse dann in einem Kalender veröffentlicht werden sollen. Das diesjährige Motto lautet „Kirche(n) ins rechte Licht setzen“. Im Ankündigungstext klingt es eher nach klassischen Motiven: Kirchen „prägen das Gesicht unseres Landes, unserer Kultur, unserer Geschichte. Wer genau hinschaut, der spürt: Die alten Steine der Kirche sprechen zu uns.“ Doch, auch wenn sich unter den KiBa-Förderkirche auch zumeist Älteres findet, wurden auch schon moderne Schönheiten wie die Hamburger Paul-Gerhardt-Kirche (1956, Otto Andersen) unterstützt.

Sollten Sie also eher den Beton sprechen hören, trauen Sie sich und greifen Sie zur Kamera. Eine ausdrückliche Altergrenze (18 Jahre) wird nämlich nur für die Fotografen, nicht für die Fotomotive genannt. Amateure ebenso wie professionelle Fotografen können bis zu fünf Aufnahmen von evangelischen (!) Kirchengebäuden in Deutschland einreichen. Eine fachkundige Jury wird die eingesandten Fotos sichten und bewerten. Einsendeschluss ist der 31. März 2018. (Die Teilnahmebedingungen stehen auch als PDF zum Download bereit). (kb, 12.2.18)

Frankfurt am Main, Gustav-Adolf-Kirche (Bild: D. Bartetzko)

Rom, Petersdom (Bild: Petar Milosevic, CC BY SA 4.0)

Der Vatikan bei der Architektur-Biennale

Es wird das erste Mal sein: Der Vatikan beteiligt sich in diesem Jahr mit dem Projekt einer Waldkapelle an der Architektur-Biennale in Venedig. Rom teilte mit, zehn internationale Architekten hätten Kapellen aus unterschiedlichen Materialien entworfen. Diese werden in Venedig gezeigt im Vatikan-Pavillon, der nicht in den Giardini, sondern in einem Wäldchen auf der Insel San Giorgio Maggiore gegenüber dem Markusplatz liegt.

Der Beitrag des Vatikans wurde inspiriert von einer Waldkapelle, die der schwedische Architekt Gunnar Asplund 1920 für den Stockholmer Friedhof Skogskyrkogården gestaltete. Die gesamte Anlage und mit ihr die programmatisch schlicht und naturverbunden gehaltene Kapelle wurde inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben. Die Biennale-Kapellen sollen nach der Ausstellung weiterverwendet werden. In Venedig dauert die 16. Architektur-Biennale vom 26. Mai bis zum 25. November 2018. Sie findet alle zwei Jahre im Wechsel mit der Kunst-Biennale statt, an der sich der Vatikan bereits 2013 und 2015 beteiligt hat. (db, 5.2.18)

Rom, Petersdom (Bild: Petar Milosevic, CC BY SA 4.0)