Zu meiner Geschichte – DDR-Aufzüge

von Jan Langer (Heft 14/3)

Jan Langer 1988 vor einem Aufzug in der Klinik Waren (Copyright: Jan Langer)
1988 am Aufzug des FDGB-Erholungsheims Klink (Copyright: J. Langer)

Mehrfach stand ich 1988 im FDGB-Erholungsheim Klink in der achten Etage vor den Aufzügen und lauschte den Maschinen darüber. Sogar die Treppe zum Maschinenraum bin ich einmal hochgestiegen. Vielleicht hätte ich mich damals trauen und fragen sollen. Später fand ich sogar noch den Serviceaufzug. Er war etwas versteckt, doch nach Studium des Etagenplans ließ er sich leicht finden. Aber der Reihe nach …

Schon von Kindesbeinen an haben mich Aufzüge interessiert, doch erst im Alter besinnt man sich dieser Leidenschaft wieder. Mittlerweile versuche ich, ältere noch vorhandene Aufzugsanlagen auf Foto und Film festzuhalten (nach Möglichkeit Türen, Bedientableaus, Kabine, Maschinenraum, Steuerung, Mitfahrt) und virtuell zur Verfügung zu stellen. Doch vorher möchte ich noch etwas zu meiner Geschichte erzählen.

 

1976 – zur OP ging es mit dem Aufzug abwärts

Meinen ersten Kontakt mit einem Aufzug hatte ich als kleiner Junge im Alter von zweieinhalb Jahren. Ich lag im Krankenhaus wegen Leistenbruch. Zur OP ging es mit dem Aufzug abwärts. Damals dachte ich, der fährt ja viele Etagen.

 

1979/80 – gefahren sind wir leider nie

Meinen ersten Aufzug habe ich im Oktober 2010 aufgenommen. Zu meinem Erstaunen und auch zu meiner Begeisterung waren sie noch im Original vorhanden. Natürlich hatte ich an dem Tag nur mein (damals) neues Handy dabei.
Meinen ersten Aufzug nahm ich im Oktober 2010 auf. Zu meinem Erstaunen war er noch im Original vorhanden. Natürlich hatte ich nur mein (damals) neues Handy dabei. (Bild: J. Langer)

In Chemnitz war ich 1979 und 1980 zur OP, um die schielende Stellung meines rechten Auges zu korrigieren. Früh morgens, noch vor dem Frühstück mussten wir Kinder raus aus der Station, weil sie gewischt wurde. Also nahm sich jeder einen Stuhl und wir setzten uns alle vor den Aufzug und schauten, wer so kommt. Später waren wir regelmäßig zur Kontrolle meiner Augen in Chemnitz unterwegs. Bevor es nach Hause ging, waren wir oft im Centrum-Kaufhaus an der Zentralhaltestelle. Bewundert habe ich hier immer die kleinen Personenaufzüge (vier Stück) mit Holztüren. Gefahren sind wir leider nie.

 

1980/90 – irgendwann fing ich an, Aufzüge zu bauen

Neben meiner Schule gab es einen altersgerechten Wohnblock. Und was machten wir, wenn eine Stunde ausfiel? Richtig, Aufzugfahren. Als wir auf Klassenfahrt mit Zwischenstopp in Dresden waren, sind wir in allen drei Interhotels auf der Prager Straße Aufzug gefahren. Zu meinen Spielsachen gehörten die Stabilbaukästen aus der C0x-Serie. Irgendwann fing ich an, auch Aufzüge zu bauen. Anfangs war es eine Seilwinde mit vielen Umlenkrollen, später dann mit Gegengewicht. Ich konnte mich damit tagelang beschäftigen.

 

1986/87 – er konnte sogar Autos transportieren

Meinen zweiten Aufzug habe ich 2012 aufgenommen. Im Vorfeld war ich mit meiner kleinen Tochter vor Ort, um zu schauen, ob auch hier noch die originale Aufzüge vorhanden sind. Sie waren es. (Bild: J. Langer)
Meinen zweiten Aufzug fotografierte ich im August 2012. Vorher schaute ich mit meiner kleinen Tochter, ob noch die originalen Aufzüge vorhanden sind. Sie waren es. (Bild: J. Langer)

1986 war ich das erste Mal im Ferienlager. Bei einem Besuch der Festung Königstein haben wir den Aufzug benutzt. Er konnte sogar Autos transportieren. Nach einem schnellen Rundgang habe ich mir den Aufzug noch einmal ausgiebig angesehen. 1987 war ich in Berlin mit meinem besten Freund Ronny im Ferienlager. Wir sind im Kaufhaus viel Aufzug gefahren und haben uns dadurch um eine Stunde am Treffpunkt verspätet.

 

1988 – ich vertrieb mir die Zeit als Aufzugsführer

1988 waren wir im FDGB-Erholungsheim Klink. Irgendwann fing ich an, das Gebäude zu erkunden und fand auch die Aufzüge. Vier Personenaufzüge in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe fuhr nur die ungeraden, die andere Gruppe nur die geraden Etagen an. Alle fuhren in die erste (Service) und in die achte Etage (Dachcafé). Ich vertrieb mir die Zeit als Aufzugsführer. Jeden, der einstieg, fragte ich, wo er/sie hin möchte und bediente den Aufzug. Später lernte man auch andere Kinder kennen und fuhr gemeinsam Aufzug.

 

1990/91 – Selbstfahren ging leider nicht

Meinen dritten Aufzug habe ich im Oktober 2012 aufgenommen. Diese Gebäude war mir schon jahrelang auf der Fahrt zur Arbeit aufgefallen. An einem Nachmittag versuchte ich mein Glück, den Eigentümer ausfindig zu machen. (Bild: J. Langer)
Meinen dritten Aufzug habe ich im Oktober 2012 aufgenommen. Das Gebäude war mir schon jahrelang auf dem Weg zur und von der Arbeit aufgefallen. An einem Nachmittag versuchte ich mein Glück, den Eigentümer ausfindig zu machen. (Bild: J. Langer)

Die Theorie in der Lehre fand in Chemnitz statt. In der Berufsschule war auch ein Aufzug eingebaut. Eines Tages konnte ich sogar selbst fahren. Oft bin ich mit der Straßenbahn zum Kaufhaus an der Zentralhaltestelle gefahren. Jetzt konnte ich mit den Personenaufzügen mitfahren. Selbstfahren ging nicht, da eine Bedienperson immer anwesend war. Auch konnte ich mir die großen Fracht-(Güter-)Aufzüge jetzt in Ruhe anschauen. Selbstfahren oder mitfahren ging leider nicht. Vielleicht hätte ich mich trauen und fragen sollen.

 

2000 – abends hatte ich viel Zeit

Mein letztes Treffen mit meinen geliebten Aufzügen war im Spätsommer 2000. Bevor ich meine neue Arbeit beginnen konnte, wurde ich zu einer schriftlichen und praktischen Prüfung nach Dresden eingeladen. Sie sollte einen ganzen Tag dauern. Ich reiste einen Tag vorher mit Übernachtung an. Abends hatte ich viel Zeit, das Gebäude zu erkunden und fand einige Aufzüge. Sowohl für Personen- als auch für Fracht-(Güter-)Beförderung.

Das soll es erst einmal zu meiner Geschichte gewesen sein.

 

Rundgang

Beginnen werde ich hier mit Bildern von noch vorhandenen DDR-Aufzügen, inklusive jeweils kurzer statistischer Angaben. Weitere Informationen, Fotografien und Filme stelle ich auf meiner Homepage zur Verfügung.