Der verputzte Taut

Dorotheenlyzeum_1930 (Bild: Koepenickerbruecken e.V.)
Vertafelt, nicht verputzt: das Dorotheenlyzeum um 1930 (Bild: Koepenickerbruecken e. V.)

1929 konnten sich die Architekturfreunde unter den Schülerinnen des Dorotheen-Oberlyzeums freuen: Der Unterricht fand von nun an in einem modernen Bau Max Tauts statt. Dessen elegante Rotunde, die großen Fensterflächen und die Dachterrasse wiesen die Schule architektonisch als moderne Institution aus. Die Fassade des Baus wurde von dominanten vertikalen Fensterbändern und kleinteiligen gelben Tontafeln gegliedert. Nach einer Umnutzung zum Lazarett während des Kriegs wurde Tauts Bauwerk in der DDR wieder als Schule genutzt.

Anfang der 1970er zeigte der Bau unter dem neuen Namen „Alexander-von-Humboldt-Oberschule“ Sanierungsbedürfnisse: die gelben Tontafeln begannen, sich zu lösen. Man reagierte brachial und schlug sie kurzerhand ab, um das Gebäude für den Übergang mit Rauputz zu versehen. Dieses Provisorium ist inzwischen 45 Jahre alt. Nun werden Stimmen laut, dem mittlerweile denkmalgeschützten Taut-Bau seine ursprüngliche Fassade zurückzugeben. Besonders engagiert zeigt sich der Verein Köpenicker Brücken e.V., der auf Crowdfunding setzt: Für 25 Euro kann man die Patenschaft für eine der 26 x 42 cm großen Tontafel übernehmen. (jr, 14.6.16)