Weltraumstation, 1949 (Bild: H. Ellgaard)

Die Zukunft des 20. Jahrhunderts

Warum noch über die Architektur einzelner Räume streiten, wenn der Weltraum näher rückt? Es war die Zeit, als man einfach groß denken musste. In den Bildern und Diskussionen des inzwischen vergangenen Jahrhunderts ging es um nichts Geringes als die Zukunft. Ein Thema, das heute Gegenstand der historischen Forschung geworden ist: Die Geschichtswissenschaft wendet sich seit einigen Jahren „den Fragen der Zeitlichkeit“ zu. So auch der Historiker Lucian Hölscher, Professor für Neuere Geschichte und Theorie der Geschichte in Bochum.

Insbesondere Zukunftsentwürfe erfahren demnach heute große Aufmerksamkeit: Sie stellen für Historiker eine Möglichkeit dar, sich historischen Systembrüchen aus ganz neuen Perspektiven zu nähern. Denn die klassische Geschichtsschreibung tendiert dazu, die Vergangenheit als Vorlauf der Gegenwart zu betrachten. Verworfenen oder nicht umgesetzten Ideen und Projekten schenkt sie dagegen nur wenig Beachtung. Die Untersuchung von vergangenen Zukunftskonzepten führt also nicht in geschlossene Geschichtsbilder, sondern löst diese vielmehr auf in eine „Pluralität von Geschichtserzählungen“. Auf diesen Weg nimmt Hölscher den Leser mit in seinem neuesten Sammelband „Die Zukunft des 20. Jahrhunderts“, erschienen im Frankfurter Campus Verlag, folgen (kb, 13.9.17)