Die Zukunft war grün

Leipzig, Clara-Zetkin-Park, Elefantenrutsche (Bild: Bundesarchiv: Bild 183-C0524-0001-001, CC BY SA 3.0.de, 1964)
Beton und Grün gehörten in der Moderne vielfach zusammen: hier der Leipziger Clara-Zetkin-Park mit seiner legendären Elefantenrutsche im Jahr 1964 (Bild: Bundesarchiv: Bild 183-C0524-0001-001, CC BY SA 3.0.de)

Rund 70 Experten – Fachleute aus Grünverwaltungen und Denkmalinstitutionen, Freiberufler und Hochschulangehörige sowie Ehrenamtliche – konnten am 15. November 2016 in der Orangerie in Kassel gleich zwei Publikationen in Empfang nehmen. Hierin werden die Ergebnisse eines Projekts zugänglich gemacht, das einen „ungehobenen Schatz“ ans Licht der Öffentlichkeit bringen will. Denn deutschlandweit gibt es ein bemerkenswertes Kultur- und Naturerbe aus den 1950er- und 1960er Jahren zu entdecken: Plätze, Parks und Gärten. Die Projektträger – Bund Heimat und Umwelt e. V. (BHU), die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK e. V.), „Arbeitskreis kommunale Gartendenkmalpflege“ und die Technische Universität Berlin, Institut für Stadt- und Regionalplanung, Fachgebiet Denkmalpflege (gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)) – hatten sich im Sommer 2015 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Sie wollten die Qualitäten des gartenkulturellen Erbes der 1950er und 1960er Jahre bewusst machen und damit zu dessen Erhaltung beitragen.

 

Was es alles so gibt …

Das Kölner Rheinparkcafé (Bild: Owi)
Eine der modernen Gartenschönheiten samt dazugehöriger Architektur: der Kölner Rheinpark aus dem Jahr 1957 mit dem in der Renovierung stehenden Café (Bild: Owi)

Anhand einer breitangelegten Erfassung konnte ein Überblick über die kommunalen Grünanlagen der Nachkriegsmoderne Deutschlands gewonnen werden. Die erkannten Qualitäten wurden mit verschiedenen Tagungen und Workshops in der Fachwelt kommuniziert, um das Bewusstsein für einen pfleglichen Umgang mit diesen zu wecken bzw. zu schärfen. Nun liegen die Ergebnisse dieses gemeinsamen Prozesses in zwei Publikationen vor. Zunächst dokumentiert der Forschungsbericht das Konzept und die Erfahrungen bei der Beteiligung Ehrenamtlicher. Anschließend werden die Ergebnisse der Recherche in Fachzeitschriften der 1950er und 1960er Jahre dargelegt.

Der Bericht bietet nicht nur Empfehlungen für Fördermöglichkeiten und einen Blick auf internationale Vergleichsbeispiele. Das Herzstück der Publikation bilden die mehr als 200 von Ehrenamtlichen erfassten Anlagen, die überblicksartig in ihren Eckdaten vorgestellt und mit Fotografien dokumentiert werden. Ausführlichere Informationen zu den erfassten Grünanlagen finden Sie darüber hinaus auf der Online-Plattform KLEKs. Diese wird auch nach Abschluss des Forschungsvorhabens weiter gepflegt. Die Liste der bisher noch „ungehobenen Schätze“, d. h. der noch nicht erfassten Grünanlagen, die den Projektbericht abschließt, lädt zu weiteren Entdeckungstouren ein.

 

… und was man alles damit machen kann

Wien, Partygarten der WIG 74 (Bild: Stefan Blaufelder-Bredenbeck)
Randsteine im Wiener „Partygarten“ der WIG 74, die bis heute den Eindruck der Grünanlagen prägen (Bild: Stefan Blaufelder-Bredenbeck)

Als zweiter Baustein der Ergebnissicherung will ein kurzgefasster Leitfaden zum Erkennen von Grünanlagen der Zeit anregen. Vorgestellt werden ihre typischen Gestaltmerkmale, geordnet nach Kategorien wie Raumstruktur, bauliche Elemente, Bodenbeläge und Pflanzen in kurzen Texten und Fotos. Damit bleibt, sich für alle Leser dieser beiden lohnenden Publikationen einfach den Wünschen der Herausgeber anzuschließen: „Wir freuen uns auf und über eine intensive Nutzung dieses kleinen Büchleins. Möge es als Taschenbuch im wahren Wortsinne bei der Erkundung des öffentlichen Grüns der Nachkriegsmoderne gute Dienste leisten!“ (kb, 15.12.16)

 

Mehr?

Die Publikationen können kostenfrei/gegen Spende angefordert werden (Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU), Bundesverband für Kultur, Natur und Heimat, Adenauerallee 68, 53113 Bonn, bhu@bhu.de) oder online eingesehen/heruntergeladen werden im Repositorium des Universitätsverlages der TU Berlin (Projektbericht und Leitfaden).