Ein Preis für Haus Kuckuk

Bad Honnef, Haus Kuckuck (Bild: Hartmut Witte)
Ein industrieller Fachwerkbau der Nachkriegsmoderne: das Haus Mayer-Kuckuk in Bad Honnef (Bild: Hartmut Witte)

Gute Kunst braucht nicht immer viel Zeit. In Bad Honnef reichten sechs Tage, um einen preiswürdigen Bau der Moderne zu errichten. Im Jahr 1967 entstand das Haus Mayer-Kuckuk nach Entwürfen des Düsseldorfer Architekten Wolfgang Döring als industrieller Fachwerkbau. Doch mit der Zeit zeigte der Holzbau Fäulnis- und andere Schäden. Die Eigentümer, die zugleich auch die Bewohner des Kulturdenkmals sind, entschieden sich gegen einen Abriss oder eine entstellende Sanierung. Stattdessen tauschten sie von 2015 bis 2016, dem ursprünglichen Baugedanken folgend, das Ständerwerk aus.

 

„Diesen zeit- und kraftaufwändigen Einsatz“

Bad Honnef, Haus Kuckuck (Bild: Hartmut Witte)
Nach schweren Holzschäden wurde – im Sinn des ursprünglichen Baugedankens – das Ständerwerk ausgetauscht (Bild: Hartmut Witte)

Für diesen „zeit- und kraftaufwändigen Einsatz“, so Bauminister Michael Groschek Minister Groschek, wurde den Eigentümern nun der Rheinisch-Westfälische Staatspreis für Denkmalpflege 2016 verliehen. Die Auszeichnung wird vom Land Nordrhein-Westfalen, vom Bauministerium und vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) mit 7.000 Euro dotiert. „Die Eigentümer Andrea Köhler und Hartmut Witte ermöglichen uns durch ihre Arbeit einen Blick in die Geschichte der Bautechnik und Bauwirtschaft“. Im März 2017 wird Groschek die Auszeichnung im Rahmen eines Festakts überreichen.

Mindestens ebenso vorbildlich ist die Online-Dokumentation, mit der die Eigentümer die Baugeschichte zugänglich machen. So können z. B. originale Grundrisszeichnungen, Ansichten und Schnitte virtuell abgerufen werden. Zudem ist eine Dokumentation der verschiedenen Zustände oder Sanierungen als pdf verlinkt. Hier kann man das Ausmaß der Schäden und deren denkmalgerechte Behebung Schritt für Schritt nachvollziehen – nicht umsonst wurde die Maßnahme von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Land NRW gefördert.

 

Weitere Preisträger der Moderne

Für den Staatspreis waren beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland 26 Bewerbungen eingegangen. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass Privatleute – teils im Ehrenamt – ihr Baudenkmal innerhalb der vergangenen zwei Jahre instandgesetzt hatten. Über den eigentlichen Staatspreis für das Haus Kuckuk hinaus wurden fünf „undotierte Anerkennungen“ ausgesprochen, darunter auch zwei Highlights der Moderne: Das 2004 aufgegebene Gemeindezentrum in Duisburg-Duissern (Lothar Kallmeyer, 1971) konnte gerettet werden, indem in seinen Räumen ein Kolumbarium entstand. Und Privateigentümer sanierten ihr Wohnhaus Wolfskull 10 (Horst Schmitges, 1975) in Viersen denkmalgerecht. (kb, 17.12.6)