Hannover, Industrie- und Handelskammer (E. F. Brockmann, 1964) (Bild: Hartmut Möller)

Ernst Friedrich Brockmann in Hannover

von Hartmut Möller

Im vergangenen Jahr arbeitete ich mich in Hannover mit der Kamera durch das Werk des Architekten Ernst Zinsser (1904-85). Während meiner Recherche stieß ich auf Zinssers jüngeren Berufskollegen Ernst Friedrich Brockmann (1920-78), der sein Architekturstudium 1941 abgeschlossen und für die erste Zeit bei Hans List bzw. bei Ernst Zinsser eine Anstellung gefunden hatte. Als Sohn einer jüdischen Mutter wurde Brockmann zuletzt ins KZ Eschershausen verbracht. Direkt nach der Befreiung der Stadt Hannover durch die Alliierten machte er sich selbständig und erhielt seine ersten Aufträge im Wiederaufbau. In den folgenden rund 20 Jahren sollte Ernst Friedrich Brockmann vorwiegend mit öffentlichen Bauten das nachkriegsmoderne Stadtbild Hannovers entscheidend prägen.

So lag es nahe, auch diesem Baumeister mit der Kamera nachzuspüren. Meine entstandene Dokumentation verstehe ich ebenso als Chronik der aktuellen Situation wie als Würdigung dieses besonderen Architekten. Zu meiner großen Freude bestärkten mich die Familie Brockmann, ehemalige Weggefährten, Nutzer und Bauherren, Historiker, Fotografen und Archivare in meinem Vorhaben. Dadurch konnte ich eine Vielzahl historischer Lichtbilder zu Brockmanns Häusern recherchieren und sie meinen aktuellen Fotografien gegenüberstellen. Um die Aufnahmen miteinander in Bezug setzen zu können, habe ich bei meinen Motiven eine den Originalaufnahmen ähnliche Perspektive gewählt. Diese Bildpaare enthüllen unseren heutigen Umgang mit dem gebauten Erbe. Zudem bezeugen sie nicht nur meine Wertschätzung für den Architekten Brockmann und seinen Gebäuden, sondern bilden gleichsam eine Hommage an die meisterhaften Fotografen seiner Zeit.

Ende der 1960er Jahre zog sich Brockmann aus gesundheitlichen Gründen aus der aktiven Tätigkeit zurück, um seine letzten Jahre im Tessin zu verbringen. Somit fand ich in Hannover vorwiegend Brockmann-Bauten der ersten Nachkriegsjahrzehnte, von den späten 1940er bis in die späten 1960er Jahre. Alte und neue Aufnahmen dieser Bauwerke werden vom 19. Juni bis 21. Juli 2017 im Schauraum des Büros k+a-Architekten (Postkamp 16, Hannover) zu sehen sein. Zur Erfassung des gesamten Werks Brockmanns im Raum Hannover stelle ich darüber hinaus gerade einen Katalog im Wasmuth Verlag zusammen – mit einem Vorwort des Bauhistorikers Dr. Sid Auffarth, der auch einführende Worte zu meiner Ausstellung sprechen wird. (2.5.17)

Pünktlich zur Buchmesse 2017 erschienen: Möller, Hartmut, Ernst F. Brockmann in Hannover. Architektur Zeit 2017, Wasmuth Verlag, Tübingen 2017, 146 Seiten, 110 Farbabbildungen, 29 × 18 cm, Klappenbroschur, ISBN 9783803008220.

Titelmotiv: Hannover, Industrie- und Handelskammer, (E. F. Brockmann, 1954) (Bildquelle: entstehende Publikation von Hartmut Möller)