Fred Herzog. Modern Color

Fred Herzog, Boat Scrapers 1, 1964 (© Fred Herzog und Equinox Gallery)
Fred Herzog, Boat Scrapers 1, 1964 (© Fred Herzog und Equinox Gallery)

„Ich malte mir aus, wie ich vielleicht fünfzig oder hundert Jahre später den Menschen zeigen müsste, wie die Stadt einmal ausgesehen hat“. Mit diesem dokumentarischen Anspruch durchstreifte der gebürtige Stuttgarter Fred Herzog (*1930) mit der Kamera seine Wahlheimat Kanada. Das Besondere an seinen Aufnahmen der 1950er und 1960er Jahre ist aber nicht nur ihr unbestechlicher Blick für die unverhofft schönen Momente. Herzog nutzte die Farbfotografie, lange bevor sie als Stilmittel anerkannt war. Der 1935 eingeführte Kodachrome-Film galt noch bis in die 1960er Jahre als Amateurprodukt für heimische Dia-Shows.

 

Die „unsichtbare Kamera“

Fred Herzog, Elysium Cleaners, 1958 (© Fred Herzog und Equinox Gallery)
Fred Herzog, Elysium Cleaners, 1958 (© Fred Herzog und Equinox Gallery)

Nicht allein, dass ich die Farbfilme einfach entwickeln ließen. Herzog begeisterte sich auch für die Möglichkeit, Farben, Texturen und Stimmungen detailgetreu abzubilden. Mit einer Kodak Retina I – und später einer Leica M 3 – streifte der deutschstämmige Emigrant durch das städtische Leben der kanadischen Westküste. Ihn interessierten die Motive, die es nicht in Zeitungen schafften: Straßenzüge, Bürgersteige, Schaufenster, Geschäftsauslagen, Werbeplakate, Parkplätze und Hinterhöfe. Er perfektionierte dabei die „unsichtbare Kamera“: Die Menschen, so Herzog, dürften nicht wissen, dass sie aufgenommen würden. Nur so entstünden gute Bilder. Als Künstler sah Herzog seine „Freizeitaufnahmen“ selbst lange Zeit nicht. Den Familienunterhalt verdiente er als Leiter der Foto- und Filmabteilung der University of Britis h Columbia (UBC).

 

„Als Fotograf ein Profi, als Künstler ein Amateur“

Fred Herzog, Red Stockings, 1961 (© Fred Herzog und Equinox Gallery)
Fred Herzog, Red Stockings, 1961 (© Fred Herzog und Equinox Gallery)

„Als Fotograf ein Profi, als Künstler ein Amateur“, so beschreibt Claudius Seidl, Feuilletonchef der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, den Pionier der Farbfotografie. Erst Ende der 1960er Jahre wurden erste Medien auf Herzog aufmerksam. Heute gilt er, mit seinem Konvolut von über 100.000 Farbaufnahmen, als Impulsgeber der „New-Color-Fotografie“. Die 2016 erschienene Publikation „Fred Herzog. Modern Color“ vereint neben erläuternden Textbeiträgen vor allem mehr als 230 der wichtigsten Aufnahmen, von denen ein Gros nie zuvor veröffentlicht wurde. (kb, 20.2.17)

Fred Herzog. Modern Color, Text(e) von David Campany, Hans-Michael Koetzle, Jeff Wall, Hantje Cantz, Berlin 2016, Deutsch/Englisch, 320 Seiten, 264 Abbildungen, gebunden, 27,00 x 27,30 cm, ISBN 978-3-7757-4181-1.