Graue Architektur

Graue Architektur (Bild: Walther König)
Graue Architektur (Bild: Walther König)

Wiederaufbau fand nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur auf den amtlich dafür vorgesehenen Wegen statt. Jenseits von Genehmigungsprozessen und Geschmacksurteilen wurde vielerorts ganz einfach gebaut – „graue Architektur“, wie sie Benedikt Boucsein in seinem gleichnamigen Buch nennt. Der Schweizer Architekt spürt den Entwurfsprinzipien hinter diesen scheinbar wild gewachsenen Bauten nach. Am Beispiel der Essener Innenstadt zeichnet er zugleich eine Geschichte des „Wiederaufbaus von unten“.

Boucsein würdigt damit eine Leistung, die nach dem Krieg unter großem Zeit- und Finanzierungsdruck entstand. In ganz eigener Weise verbanden diese Bauten traditionelle und moderne Formen. Ihre Besonderheiten zeigt die Publikation sowohl mit historischen Materialien als auch mit rund 50 aktuellen Architekturfotografien aus Essen, Düsseldorf und Köln. Der Leser gewinnt so nicht allein neues baugeschichtliches Wissen. Darüber hinaus gibt Boucsein auch Architekten und Denkmalpflegern eine Entscheidunghilfe für eine Baugattung, die uns in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen wird. (kgb, 9.7.14)

Benedikt Boucsein, Graue Architektur. Bauen im Westdeutschland der Nachkriegszeit, Verlag der Buchhandlung Walther König, 2012, 172 Seiten, 25 x 20 cm, ISBN 978-3865607614.