Temporärer Schachpalast

Das Wort „Schachpalast“ mag für das westeuropäische Ohr seltsam klingen. In der Sowjetunion dagegen mit ihren Pionierpalästen und Arbeiterklubs waren derartige Gebäude nichts Besonderes. Der junge Staat hatte es in nur wenigen Jahren nach der Oktoberrevolution geschafft, ein „nutzloses Spiel der Bourgeoisie“ in einen sinnvollen Zeitvertreib der Arbeitermassen umzuwidmen. Als nach 1945 sowjetische Schachspieler international Erfolge feierten, intensivierte sich die staatliche Förderung. In den 1970er Jahren entstanden neben Schachklubs sogar eigens für dieses Spiel erbaute Paläste – vor allem in Georgien, Armenien und Belarus.

Die Ausstellung „Pop-Up Chess Palace. Über Architektur, Ideologie und Schach“, kuratiert von Nini Palavandishvili und Lena Prents, geht anhand der architektonischen auch der gesellschaftlichen Utopie nach. Im Mittelpunkt steht der besonders ambitionierte Schachpalast in Tbilis. Zeitgenössische Künstler thematisieren in ihren Arbeiten verschiedene Aspekte des Schachspiels. Die Präsentation ist vom 22. bis 25. Juni 2017 täglich ab 12.00 Uhr im ZK/U (Zentrum für Kunst und Urbanistik, Siemensstraße 27, 10551 Berlin) zu sehen. Im Begleitprogramm sind vorgesehen: 22. Juni, 19 Uhr, Vernissage; 23. Juni, 19 Uhr, „Speisekino“ mit georgischem Essen; 24. Juni, Schachtunier (Anmeldung 13.00 bis 13.30 Uhr, Ende ca. 19.30 Uhr, beschränkte Teilnehmerzahl, Voranmeldung möglich unter: popupchesspalace@gmail.com); 25. Juni, 13 bis 17 Uhr, Schachnachmittag für Kinder. (kb, 18.6.17)

Tbilis, Palast für Schach und Alpinismus, 1980er Jahre (Bild: © G. Chubinashvili, Nationales Forschungszentrum für georgische Kunstgeschichte und Denkmalschutz)

Dresden, Ruine der Frauenkirche mit zerstörtem Lutherdenkmal (Foto: Richard Peter, Bild: Fotothek, df ps 0000385_001)

Luther und die Architekturmoderne

Ja, jetzt machen die auch noch in Luther … Wir könnten zu diesem Anlass jetzt einige methodische Räder schlagen: Mit der Reformation fing die Moderne erst an, mit dem Krieg stürzten endgültig auch national überhöhte Figuren wie der alldeutsche Reformator, oder so. Aber sagen wir doch einfach: In der Lutherstadt finden sich in diesem Sommer ein guter Anlass und ein gutes Thema, denn im Reformationsjahr soll in Wittenberg auch die Architektur nicht zu kurz kommen. Das Marburger Kirchbauinstitut und die Wüstenrot Stiftung haben hierfür eine vollgepackte Veranstaltungswoche zusammengestellt, die sich um „Die Zukunft der Kirchengebäude“ dreht – und das sind allzu häufig Kirchen der Moderne.

Vom 19. bis zum 24. Juli 2017 wird in der zentral gelegenen Wittenberger Exerzierhalle die Ausstellung „Kirchengebäude und ihre Zukunft – Sanierung | Umbau | Umnutzung“ zu sehen sein: Kirchenumbauten und Kirchenumnutzungen, die als Gewinner-Projekte aus einem von der Wüstenrot Stiftung 2016 ausgelobten Wettbewerb hervorgingen. Die Ausstellung wird durch Vorträge und Workshops zu Fragen von Raum und Spiritualität, zum Denkmalschutz und zur gesellschaftlichen Bedeutung der Kirchengebäude für eine urbane Öffentlichkeit erschlossen: von der Sommerakademie „Werkstatt Wittenberg“ bis hin zu studentischen Vorschlägen zur Umwandlung von Kirchenbauten. (kb, 17.6.17)

Dresden, Ruine der Frauenkirche mit zerstörtem Lutherdenkmal (Foto: Richard Peter, Bild: Fotothek, df ps 0000385_001)

Corbusier-cité-radieuse-Briey-Bild-Jony-CC-BY-SA-3.0

Le Corbusier trifft Fernand Léger

Angeblich lernten sie sich 1920 im „Café de la Rotonde“ in Montparnasse kennen: Le Corbusier und Fernand Léger. In den nächsten Jahren entspann sich eine intensive Freundschaft zwischen dem Maler und dem Architekten, die sich auch auf ihre jeweiligen Arbeiten auswirkte. Die Ausstellung „Le Corbusier et Léger. Visions polychromes“ im lothringischen Briey nimmt die auf Inspiration und Austausch basierende Beziehung in den Blick. Den Besuchern steht hier die von Le Corbusier gestaltete Cité Radieuse offen – inklusive Musterwohnung! Die von 1959 bis 1961 erbaute Hochhausscheibe rekurriert in ihrer farbenfrohen Gestaltung auf die Ansätze Fernand Légers.

Bei anderen Projekten arbeiteten Corbusier und Léger auch direkt zusammen. 1925 lud der Architekt seinen Freund Léger ein, ein Gemälde in seinem „Pavillon de l’Esprit Nouveau“ auf der Weltausstellung des Kunstgewerbes zu präsentieren. Auch in Corbusiers Pavillon für die Pariser Weltausstellung 1937 fand sich eine monumentale Fotomontage Légers. Die Ausstellung in Briey flankiert die Retrospektive „Fernand Léger. Le Beau est partout“ im Centre Pompidou im 40 Kilometer entfernten Metz. Sie ist noch bis zum 24. September zu sehen. (jr, 16.6.17)

Le Corbusier, Cité Radieuse de Briey (Bild: Jony54, CC BY SA 3.0)

Dessau, Volksschwimmhalle (Bild: Martin Maleschka)

Dessau: Betonglasfenster in Gefahr

Im Mai diesen Jahres nutzten Badegäste die letzte Chance in der alten Schwimmhalle am Brauhausberg in Potsdam zu schwimmen. Der moderne DDR-Bau von 1969 wird abgerissen. Zumindest die baugebundene Kunst wird jedoch überleben – indem man sie an den Neubau nebenan „bindet“. Auch die Dessauer Südschwimmhalle von 1976 soll abgerissen werden. Der Ersatzbau feierte bereits Richtfest. Auch hier findet sich ein „Kunstschatz“, nämlich ein Betonglasfries zum Thema „Wasser und Mensch“. Anders als in Potsdam, soll dieses Werk nach Angaben der Stadtverwaltung Dessau keinen Platz im Ersatzbau finden, denn es gäbe hier „einen schönen Ausblick auf Grünflächen, die bei einer farbigen Verglasung nicht mehr zur Geltung kommen würden“.

Obwohl die Stadt das Bild beim Abriss „sichern“ will, bleibt dessen Zukunft fraglich. Ihm wurde „keine überregionale Bedeutung“ zugesprochen. In Beton gegossene Dallglasstücke zierten viele öffentliche Bauten der 1960er und 1970er Jahre. Mit den Bauten verschwindet oft auch die Kunst. Besonders in den 1990er Jahren ging ein großer Teil der DDR-Betonglaskunst dieser Zeit verloren: Der Künstler Reginald Richter war neben dem Dessauer Bild beispielsweise auch an der Blume im Palast der Republik beteiligt. Eingelagerte Kunstwerke kommen nur noch selten ans „Licht“ – beispielsweise in einer Ausstellung in Frankfurt/Oder. (df, 15.6.17)

Bilder: Dessau, Südschwimmhalle/“Volksschwimmhalle“ (Titelmotiv: Martin Maleschka, Galerie: Martin Maleschka/Martin Schramme) – und eine Farb-Innenaufnahme gibt es bei flickr

Frankfurt, Bruchfeldstraße (Bild: Christos Vittoratos,CC BY-SA 3.0)

Architektur und Exil

Viele nationalsozialistisch verfolgte Baumeister mussten Deutschland nach 1933 verlassen. Eine Doppelausstellung in Hamburg beleuchtet an zwei parallelen Orten am Beispiel von fünf Architekten die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe der Emigration, die Aufnahme und den Erfolg der Exilanten in ihren Gastländern, die Entwicklung ihres architektonischen Werkes, Kontinuität oder Brüche vor und nach dem Exil. Unter ihnen sind Robert Friedmann, Oskar Gerson, Karl Schneider, Gustav Oelsner und Ernst May – der in den 1920ern nicht nur das „Neue Frankfurt“ prägte, sondern nach dem Krieg auch am Ausstellungsort sowie in Lübeck und Bremen neue Siedlungen schuf. Darunter die Neue Vahr (1956-61), die nicht erst durch einen gewissen „Herrn Lehmann“ bekannt wurde…

Auch die anderen Architekten sind mit der Stadt Hamburg biografisch verbunden: Oskar Gerson wirkte unter anderem am Sprinkenhof mit, Karl Schneider schuf den Wohnblock am Habichtsplatz in Barmbek, Gustav Oelsner verantwortete diverse Wohnsiedlungen und öffentliche Gebäude. Anlässlich der Tage des Exils werden ab dem 15.6. in der Galerie im Georgshof und in der Galerie Renate Kammer Werk und Wirken der Exilanten präsentiert. An diesem Tag bieten auch beide Häuser Eröffnungsveranstaltungen; insgesamt ist die Doppelschau bis zum 15.7. zu sehen. (db, 14.6.17)

Ernst May: „Zickzackhausen“ Frankfurt/M. (Bild: Christos Vittoratos)