Wassilychair, Bild: Spyrosdrakopoulos, CC-BY-SA 4.0

Handwerk am Bauhaus

Kunst, Handwerk oder Kunstgewerbe? Keine dieser Kategorien trifft eindeutig auf die historische Tätigkeit der Bauhaus-Werkstätten in Dessau zu. In der Tischlerei, Metallwerkstatt und Weberei der Kunstschule suchten ihre Akteure ebenso nach idealen Prototypen für die industrielle Produktion, wie sie einzigartige künstlerische Artefakte fertigten. Auf eine einheitliche Position konnten sie sich nicht einigen. Die Ausstellung „Handwerk wird modern. Vom Herstellen am Bauhaus“ widmet sich dem Themenkomplex am historischen Schauplatz: der Weberei im Dessauer Bauhausgebäude. Sie stellt das Handwerk des Bauhaus dabei auch aktuellen Designpositionen gegenüber.

Manche der Erzeugnisse der Bauhaus-Werkstätten avancierten vom handwerklich gefertigten Prototyp zum industriell gefertigten Bestseller, andere blieben gestalterisches Experiment. Neben diesen eigentlichen Produkten stehen auch die Werkzeuge und Maschinen im Fokus der Ausstellung. Auch hier bewegte sich das Bauhaus zwischen klassischem Handwerk und Mechanisierung: So war etwa die Metallwerkstatt mit modernen Drehmaschinen und Drückbänken aus den Junkers-Werken ausgestattet, dennoch blieb auch die Gefäßherstellung an den Silberschmiedebänken bestehen. Die Ausstellung ist bis zum 7. Januar 2018 zu sehen. (jr, 13.7.17)

Wassilychair im Bauhaus (Bild: Wassilychair, Bild: Spyrosdrakopoulos, CC BY SA 4.0)

Neue Stühle für Haus Schminke

Nichts gegen moderne Architektur (das wäre hier auch das falsche Format), aber man kann sie nicht immer nur stehend ertragen. Manchmal hilft eine halbe Stunde Sitzen dem Kunstgenuss ganz erheblich auf die Beine. Im sächsischen Löbau können Besucher von Haus Schminke dies nun ganz stilecht tun, denn wie man in diesen Tagen stolz vermeldete: „Unsere neuen Stühle sind da!“ Es handelt sich um ein Modell im Stil von Roland Rainer, der in den 1930er Jahren in der Berliner „Freitagsgruppe“ auch mit Hans Scharoun in Kontakt stand. Letzterer hatte die geschwungene Architekturikone Haus Schminke 1933 für eine Nudelfabrikanten entworfen.

Die neuen „gleichen und stilechten“ Stühle aus den frühen 1960ern sind gedacht für die Seminare, Workshops, Konzerte und Empfänge im umfangreichen Kulturprogramm der von einer Stiftung bespielten modernen Villa. Geliefert wurden die Sitzgelegenheiten vom Leipziger Händler „Kulturmöbel“, der sich auf DDR-Möbel und -Wohnaccessoires der 1950er, 1960er und 1970er Jahre spezialisiert hat. Zu seinen Kunden zählen neben designverliebten Einzeltätern verdientermaßen auch Inkunabeln wie Haus Schminke. Nicht zu vergessen: Man kann in Haus Schminke auch übernachten (wer die Betten geliefert hat, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis). (kb, 12.6.17)

Löbau, Haus Schminke (Bild: Lingen Huang, CC BY-SA 3.0 bzw. Facebook-Account Haus Schminke)

Berliner Bausünde (Bild: Turit Fröbe)

Bausünden und Baukultur

Parallel zum Tag der Architektur laden jedes Jahr regionale Architektengruppen und ihre Partner ein zu Aktionen in der rheinland-pfälzischen „Woche der Baukultur“. Acht verschiedene Veranstaltungen in Pirmasens, Koblenz, Landau, Trier, Kaiserslautern, Bad Kreuznach und Mainz sowie eine Kinderbustour in Ingelheim bieten ab dem 22. Juni ein reichhaltiges Programm: Von der Ausstellungseröffnung über Bus-Touren zu ausgewählten Objekten bis zum Waldspaziergang. Es ist in jedem Fall ratsam, sich auf der Homepage www.diearchitekten.org zu informieren, da einige Veranstaltungen eine vorherige Anmeldung erfordern.

Ans Herz legen möchten wir Ihnen das Programm in Mainz, wo im Café Gutleut drei Vorträge zu hören sein werden: „Das Mainzer Staatstheater im Wandel“ (19.6., 18.30 Uhr), „Werkbericht DFZ Architekten“ (21.6., 18.30 Uhr) und zur Eröffnung am 16.6. um 17.30 Uhr „Die Kunst der Bausünde“ – Turit Fröbe stellt grauenhaft schöne architektonische Geschmacksabstürze vor. Denn die gute Bausünde hebt sich von der schlechten Bausünde ab. Wir sehen uns in Mainz. Oder in Bad Kreuznach. Oder in Landau. Oder … (db, 11.6.17)

Berliner Bausünde (Bild: Turit Fröbe)

München 50 60 70

In wenigen Tagen erscheint im Verlag Dölling und Galitz der Titel „50 60 70. Architektur aus drei Jahrzehnten im Münchner Stadtbild“. In dieser „ersten umfassenden Dokumentation zur Münchner Nachkriegsarchitektur“, so der Verlag, untersucht Alexander Fthenakis systematisch die gestaltgebenden Einflüsse der Architektur zwischen 1949 und 1979 auf den Stadtraum Münchens. Das Buch vereint Texte und Dokumentationsmaterial mit aktuellen Aufnahmen des Architekturfotografen Oliver Heissner.

Das Buch wird vorgestellt am 27. Juni 2017, um 19 Uhr im Gemeindesaal der Kirche St. Matthäus am Sendlinger-Tor-Platz in München. Die Kirche, 1957 gestaltet vom Architekten Gustav Gsaenger, ist selbst ein eindrückliches Zeugnis dieser Stilepoche. Es sprechen: Prof. Dr. (I) Elisabeth Merk, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München, Prof. Andreas Hild, Ordinarius am Lehrstuhl für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege der TU München, und Dipl. Ing. Alexander Fthenakis, Herausgeber des Buchs. (kb, 10.6.17)

Fthenakis, Alexander (Hg.), 50 60 70. Architektur aus drei Jahrzehnten im Münchner Stadtbild, mit Fotografien von Oliver Heissner, Dölling und Galitz, München 2017, 672 Seiten, 850 Abbildungen, Broschur mit Fadenheftung, ISBN 978-3-86218-098-1.

Hamburg-Jenfeld, Der Gute Hirte, 2011 (Bild: Ajepbah, CC BY SA 3.0)

„Nicht förderfähig“

Wer in der Schulzeit einen der unheilverheißenden „Blauen Briefe“ erhielt, kann sich vielleicht in die Situation einiger Pastorinnen und Pastoren in und um Hamburg in diesem Sommer hineinversetzen. Nachdem die Kirchenkreise Hamburg Ost und Hamburg West/Südholstein mehrere Monate ihren Baubestand gesichtet haben, sind 44 Kirchen durch das Raster der Förderfähigkeit gefallen. Konkret bedeutet diese Nachricht für die Gemeinden, dass der jeweilige Kirchenkreis den besagten Predigtstätten kein Geld mehr für den Bauunterhalt zuteilen wird. Propst Hans-Jürgen Buhl erklärte das Prozedere gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Wir als Kirchenkreis schließen keine Kirche. Dies kann nur die betreffende Gemeinde als Gesellschaft öffentlich-rechtlichen Rechts.“

Zu den 44 benannten Kirchenräumen zählen vorwiegend Bauten des 20. Jahrhunderts: von der Heilandskirche (1928, Emil Heynen, Ausstattung u. a. Richard Kuöhl) in Uhlenhorst über St. Michael (1955, Gerhard Langmaack, Ausstattung u. a. Claus Wallner) in Bergedorf bis zur Auferstehungskirche (1968, Friedhelm Grundmann) in Braak. Einige Gemeinden kämpfen öffentlich für eine „Umkategorisierung“, andere hoffen, die notwendigen Baumittel aus eigener Kraft auftreiben zu können. Die Gemeinde „Der Gute Hirte“ in Hamburg-Jenfeld erklärt dieser Tage auf ihrer Homepage: „Wir schließen noch lange nicht. Erst wenn es zu vielen einerlei oder egal ist.“ (kb, 9.6.17)

Hamburg-Jenfeld, Der Gute Hirte (1971, Horst Sandtmann/Friedhelm Grundmann) (Bild: Ajepbah, CC BY SA 3.0)