Das neue Heft ist da: Mettigel

In so mancher Küche mit Sitzecke vergeht einem der Appetit – zu steril, zu deutsch-gemütlich oder einfach ein wenig zu farbstark. In der Architekturmoderne wurde der Ort des Zubereitens und Verzehrens zur stilistischen Spielwiese, aber in seltenen Glücksfällen auch zum Herz und Glanzpunkt eines Gebäudes. Ob Einbauküche, Kantine oder Eisdiele – in jedem Fall spiegeln diese Räume des Ernährens und Genießens unser sich wandelndes Bild von Arbeit und Freizeit, von Beziehung und Familie. Diesen besonderen Orten widmet mR nun ein eigenes Themenheft „Mettigel“ (Redaktion: Karin Berkemann).

Mit von der Partie sind der Gastrokritiker Jürgen Dollase, der Ostmodernist Mark Escherich, die Hajek-Expertin Chris Gerbing, der Denkmalschützer Stefan Timpe, der Küchenfachmann Christos Vittoratos und einige Time-Life-Kochbücher. Sie können die einzelne Beiträge rechts über die Seitenleiste anklicken oder das ganze Heft am Stück hier unten als pdf online blättern, durchsuchen oder downloaden. Und am Ende jedes Beitrags wartet ein Rezept zum Nachkochen auf Sie! (db/kb/jr, 14.8.17)

Titelmotiv: ziemlich rote Küche (Bildquelle: leider unbekannt)

Krefeld, Häuser Lange und Esthers von Mies van der Rohe (Bild: Hans Peter Schaefer, CC-BY-SA 3.0)

Mies meets De Stijl

De Stijl hat derzeit Konjunktur. Zum 100-jährigen Jubiläum  widmen sich diverse Ausstellungen und Veranstaltungen der 1917 in den Niederlanden begründeten Künstlervereinigung. Und das nicht nur in Utrecht und Amersfoort: auch in Krefeld huldigt man demnächst den De Stijl-Pionieren wie Piet Mondrian, Theo van Doesburg oder J.J.P. Oud. Die 15. Krefelder Architekturtage stehen dieses Jahr unter dem Motto „MIES VAN DER ROHE UND DE STIJL“.

Am Wochenende vom 8. bis zum 10. September fragen verschiedene Akteure in Führungen, Vorträgen und Lesungen rund um die von Mies gestalteten Häuser Lange und Esters in Krefeld nach Gemeinsamkeiten und Berührungspunkten zwischen dem ehemaligen Bauhausdirektor und der niederländischen Avantgarde. Die Besucher erwartet ein vielfältiges Programm: Unter anderem zieht ein Vortrag von Lutz Robbers  einen medienphilosophischen Vergleich, ein Modellbau-Workshop lädt Kinder und Familien zum Eintauchen in die „Blaurotgelbe Schachtelwelt“ ein und Theresia Enzensberger liest aus ihrem jüngst erschienenen Roman „Blaupause“. Also: Auf nach Krefeld! (jr, 13.8.17)

Krefeld, Häuser Lange und Esters, Mies van der Rohe (Bild: Hans Peter Schaefer, CC BY SA 3.0)

London, Southwark Station (Bild: Adam Smith, CC BY SA 2.0)

Wird Southwark Station abgerissen?

London gehört zu den europäischen Metropolen, die sich rasant verändern. Wohnen ist teuer, Baustellen in der Tube werben damit, dass der Transit nach dem Umbau „noch schneller“ stattfinden kann. Als in den späten 1990er Jahren die Fortführung der Jubilee Line gebaut wurde, hatte Sir Richard MacCormac – der Architekt der Southwark Station – ein zukünftiges Wachstum mit eingeplant: Bis zu 11 Stockwerke könnten über der Tickethalle errichtet werden, ohne dass die Fundamente Probleme bereiten. „Transport for London“ (TfL), die Dachorganisation, die den Transport in London koordiniert, wollte allerdings viel höher bauen und damit das attraktive Grundstück maximal ausnutzen, wie die „Times“ mit schönen Architekturbildern berichtet.

Die direkt dem Londoner Bürgermeister unterstehende TfL hatte Kulturministerin Karen Bradley gebeten, die erhaltungswerten Bahnhofsbauten auf der Linie zu benennen. Southwark Station erhielt keinen Denkmalstatus, obwohl die Gestaltung nach der Fertigstellung mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnet worden war. Die Twentieth Century Society, die die Prüfung der Denkmalwürdigkeit angeregt hatte, möchte die Pläne zum Abriss der Tickethalle nicht ohne weiteres hinnehmen und will nun juristische Schritte prüfen. Das geltende Denkmalrecht erschwert Gebäuden, die jünger als 30 Jahre sind, die Aufnahme in die Denkmalliste. Vielleicht kann eine engagierte Öffentlichkeit helfen? (df, 12.8.17)

London, Southwark Station (Bild: Adam Smith, CC BY SA 2.0)

Bochum, Marienkirche als Musikforum (Foto: Copyright Brigida Gonzales)

„Umbaukultur“ in Bochum

Wenn man umbaut, statt vorschnell abzureißen, erbt man mit dem Gebäude manchmal auch einen so wundervollen Namen wie „Katholikentagsbahnhof“. Wo seit diesem Sommer kulturelle Veranstaltungen stattfinden, wurden in Bochum 1949 provisorisch die Funktionen eines Hauptbahnhofs abgewickelt – und zu denen gehörte auch der 73. Katholikentag. Noch ein zweiter Bau mit kirchlichem Hintergrund dient in Bochum seit einigen Monaten der Kultur: 2016 eröffnete man das Anneliese Brost Musikforum Ruhr in der ehemaligen Marienkirche (1872 geweiht, 1953 nach dem Wiederaufbau neu geweiht, 2002 profaniert), die jetzt mit neuen Konzertsälen für die Bochumer Symphoniker verbunden wurde.

Vor diesem Hintergrund und in eben jene Räume laden StadtBauKultur NRW und die Bundesstiftung Baukultur zur Baukulturwerkstatt „Umbaukultur“ nach Bochum ein. Am 7. und 8. September 2017 gibt es hier Führungen, Impulsvorträge und Diskussionsrunden zu – gelungenen oder durch Abriss versäumten – Umbauprojekten: vom Kulturpalast Dresden über die Hamburger Esso-Häuser bis hin zur Bochumer Friedenskirche. Erklärtes Ziel der Veranstalter ist es, auf die wirtschaftlichen, ökologischen und baukulturellen Argumente für das „Bauen im Bestand“ aufmerksam zu machen. Versprochen werden auch ein musikalisches und kulinarisches Rahmenprogramm sowie Zeit für Gespräche und Begegnungen. (kb, 11.8.17)

Bochum, Marienkirche als Musikforum (Foto: Copyright Brigida Gonzales)

Send us a postcard

Das DAM (Deutsches Architekturmuseum) wünscht sich Post von Ihnen. Mit dem Aufruf „Send us a postcard from your brutiful holidays“ bittet die Aktion „SOSBrutalism“, eine Initiative mit dem Magazin uncube, um Postkarten mit bruatlistischen Motiven an die folgende Adresse: Deutsches Architekturmuseum / SOS-Team Elser / Hedderichstr 108 / 60596 Frankfurt / GERMANY. Motive dürften Sie – zwischen Mallorca-Bettenburg und bildungsbürgerlichem Kirchenbesuch – sicher zu Hauf finden. Und ein paar jahrzehntealte Postkarten, die solche Schönheiten noch stolz als Neuheiten präsentierten.

Damit können Sie sich auch die Wartezeit auf die anstehende Frankfurter Brutalismus-Ausstellung versüßen (wir werden noch ausführlicher berichten), die für den wiederentdeckten Baustil der Jahre zwischen 1953 und 1979 eine Lanze brechen will. Vorlaufend sammelt die Projektseite www.SOSBrutalism.org mittlerweile weltweit mehr als 1.000 Bauten dieser Gattung. Zu den regionalen Schwerpunkten zählen Israel, Japan, Südamerika, selbstverständlich Großbritannien, die USA, aber auch viele westdeutsche Kirchenbauten. Die Präsentation „SOS BRUTALISMUS – Rettet die Betonmonster!“ , ein Projekt mit der Wüstenrot Stiftung, wird vom 7. Oktober bis zum 25. Februar 2018 in Frankfurt zu sehen sein, die Eröffnung wird am 6. Oktober 2017 um 19.00 Uhr gefeiert. (kb, 10.8.17)