Kassel, Eckis Videothek (Bild: Randfilm e. V.)

Rettet die „älteste Videothek der Welt“

Das Guiness-Buch der Rekorde ist sich sicher: Dieser Kasseler Film-Shop ist „die älteste Videothek der Welt“. Hier ging bei Eckhard „Ecki“ Baum 1975 der erste Verleihfilm über die Theke. Danach ist quasi eine ganze Generation von Filmfans in der Videothek aufgewachsen. Über 20.000 Titel umfasst Eckis Filmarchiv, davon sind viele weder als Internet-Download noch im Stream, manche noch nicht einmal auf DVD verfügbar. Am 1. September 2017 soll in Kassel der Ausverkauf beginnen, am 31. Oktober wäre dann endgültig Schluss. Inhaber Eckhard Baum geht in Rente. Doch was wird dann aus seiner Videothek?

 

Eine Heimat für Filmliebhaber

Zu Beginn hieß das Projekt von Eckhard Baum „Videotheke“, weil hier die Filme über den Thresen gingen wie Bier in einer Kneipe. Eigentlich war der gelernte Schriftsetzer leidenschaftlicher Super-8-Sammler. Also verlieh er zunehmend auch an Interessierte, gegen Gebühr. Als der Laden wider Erwarten bestens lief, zog Baum vom Wolfanger in die Erzberger Straße. Rasch eröffneten „Nachahmer“ ähliche Shops und nannten sie „Videothek“ – ohne „e“, man wollte ja keine eventuellen Namensrechte verletzen. Im Interview mit dem Literaturhaus Hessen zeigte sich Baum gelassen. Ob er denn wirklich der erste Mensch mit dieser Idee gewesen sei? „Ja! Ja … irgendeiner muss es ja sein, oder?“

Bis vor wenigen Jahren führte Baum auch eine Agentur. Hier hatte er Schauspieler wie Zachi Novy unter Vertrag, besser bekannt als der (sorry) „Dicke“ aus der Filmserie „Eis am Stiel“. Und er richtete Musikveranstaltungen aus, holte z. B. Fats Domino nach Kassel. Zuletzt betrieb Baum die Videothek nur noch als Hobby, der große Boom seines Genres hatte sich längst zugunsten von Kino und Internet aufgelöst. Doch aufgeben wollte er lange nicht, war sein Laden doch für ihn ein Stück Kulturerbe. Inzwischen war er selbst zur Kultfigur geworden: Der Regisseur Olaf Saumer widmete ihm den Dokumentarfilm „Eckis Welt“.

 

Promis trommeln für Eckis Videothek

Nun steht Eckis Welt vor der Nachfolgefrage. Engagierte Filmfans will mit der Kasseler Videothek ein Stück wertvoller Zeit- und Kulturgeschichte vor dem Verschwinden retten: Randfilm e. V., ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der abseitigen Filmkultur, der u. a. seit 2014 jährlich das Randfilmfest organisiert. Eckis Videothek soll weiterleben als gemeinnützige kulturelle Begegnungsstätte mit Cafe, Veranstaltungsort, Museum und Verleihstätte. Hierfür will Randiflm ganz konkret Mietvertrag, Ladenlokal und Bestand übernehmen und um Gastronomie, Veranstaltungs- und Screeningraum sowie ein Videothekenmuseum erweitern.

Per Crowdfunding wollen die Engagierten dafür 29.000 Euro zusammensammeln. Die Beträge können von 5 bis 1.500 Euro gestaffelt werden, die „Dankeschöns“ reichen vom Zachi-Noy-Autogramm bis zum exklusiven Randfilmfest-Wochenende. Die Teilnahme ist noch bis zum 14. September 2017 möglich. Sie wären damit in guter Gesellschaft, finden doch im Videoshop schon erste Kulturevents statt. Künstler wie Dominik Graf, Jörg Buttgereit, Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Wolfgang M. Schmitt jr. oder Casio Rakete unterstützen das Engagement von Randfilm für den Videoshop – und das Gesangs- und Klavierduo „Pfeffer und Likör“ gab eigens ein Konzert zwischen den Filmregalen. (kb, 23.8.17)

Kassel, Eckis Videothek (Bild: Randfilm e. V.)

 

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Crowdfunding-Aufruf

Homepage der Initiative Randfilm e. V.