1950er

Parlament Wien (Bild: Gryffindor, CC BY SA 3.0)

Wien: Plenarsaal wird saniert

Das Wiener Parlamentsgebäude verbindet man im Allgemeinen nicht mit der Nachkriegsmoderne. Der historistische Bau, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Plänen Theophil von Hansens errichtet wurde, rekurriert in seinen Formen viel mehr auf die k. u. k. Monarchie als auf die zweite Republik. Eine Ausnahme bildet der Plenarsaal: 1956 wurde er für den Nationalrat in nüchtern-funktionaler Manier ausgestaltet und fungiert im Inneren des Parlamentspalasts als nachkriegsmodernes Gegenstück. Am 13. Juli tagte der österreichische Nationalrat hier zum letzten Mal, in den nächsten drei Jahren wird das Parlament umfassend saniert.

Der historische Plenarsaal war mit seinen 500 Plätzen für das Parlament der Bundesrepublik, das gerade einmal 165 Abgeordnete vereinte, viel zu groß. Stattdessen baute man den kleineren, im Krieg zerstörten Herrenhaussitzungssaal nach Plänen der Architekten Max Fellerer und Eugen Wörle neu auf und gestaltete ihn als mustergültiges Parlament der 1950er. Mit der Sanierung wird der Plenarsaal erneut grundlegend umgestaltet, die Sitzordnung wird neu organisiert, der gesamte Raum barrierefrei. Erhalten bleibt der stählerne Bundesadler, der auch während der gesamten Sanierungsarbeiten im Gebäude verbleibt. Am provisorischen Tagungsort des Parlaments in der Hofburg wird er durch eine Replik vertreten. (jr, 23.7.17)

Plenarsaal, Wien (Bild: Gryffindor, CC BY SA 3.0)

Löhma-Munschwitz, ehem. Kneipp-Sanatorium (Bild: NoRud, CC BY-SA 4.0)

Keine Zukunft fürs Sanatorium

Seit 21 Jahren steht es leer, nun scheinen die Tage des Sanatoriums in Leutenberg-Löhma gezählt. Die Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) als Eigentümerin des 1958-60 errichteten Gebäudekomplexes hielt diesen lange, auf eine Neunutzung hoffend, in Schuss. Es gab auch Interessenten: So einen Herrn aus einem westlichen Nachbarland, der bei einer Versteigerung den Zuschlag erhielt, leider aber den Kaufpreis zu zahlen vergaß. Der Kaufvertrag wurde „rückabgewickelt“. Seit Wasser- und Stromversorgung des abgelegenen Gebäudes gekappt wurden, sind die Hürden für potenzielle Nutzer immens: Rund eine halbe Million Euro würde es kosten, das Areal wieder an die Energie- und Wasserversorgung anzuschließen. Dagegen wirkt der noch immer aufgerufene Kaufpreis von 65.000 Euro bescheiden.

Der Grund, warum jahrelang in die Instandhaltung investiert wurde: Im Abrissfall wäre das Grundstück nicht zu verwerten, nach heutiger Gesetzeslage dürfte hier nicht mehr gebaut werden. Nachdem immer wieder Interessenten abrückten, scheint die LEG aufgegeben zu haben: Mittlerweile verfällt der Bau, der noch über etliche Ausstattungsdetails der 1950er Jahre verfügt, zusehends. Nun lässt man eine Kostenschätzung für zwei Varianten erstellen: entweder Teilabriss bis auf die Grundmauern oder Total-Beräumung. Wenn nicht noch plötzlich jemand sein Portemonnaie öffnet, sind die Tage des Ostmoderne-Baus gezählt. (db, 21.4.17)

Löhma, Kneipp-Sanatorium (Bild: NoRud, CC BY SA 4.0)

Münsters modernes Theater

Muenster Stadtheater (Bild: Rüdiger Wölk, CC-BY-SA 3.0)
Münsters Stadtheater war der erste Theaterneubau der Bundesrepublik (Bild: Rüdiger Wölk, CC BY SA 3.0)

In Münster feiert derzeit der erste Theaterneubau der Bundesrepublik seinen 60. Geburtstag. 1954 begannen die Bauarbeiten in der Voßgasse, die ein modernes Bauwerk nach Plänen eines jungen Architektenteams vorsahen. Nachdem sich der Wiederaufbau der stark zerstörten Stadt in den ersten Nachkriegsjahren auf die Rekonstruktion historischer Bauten konzentriert hatte, entschied man sich mit dem Neubau für einen modernen Konterpunkt. Im Februar 1956 wurde das Haus mit Mozarts Zauberflöte eröffnet.

Das moderne Theater wurde auf den Trümmern eines im Zweiten Weltkrieg zerstörten Vorgängerbaus errichtet. Es entstand als Gemeinschaftsprojekt der Architekten Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau. Bei den Münsteranern sorgte der elegante Bau für Aufsehen. Das auskragende Foyer verlieh dem Zentrum der Stadt eine ungewohnte Mondänität, der Innenraum ist mit seiner Vielzahl an von der Decke hängenden Leuchten bis heute einmalig. In den 1970er Jahren wurde das Theater um einen Sichtbeton-Annexbau erweitert. (jr, 5.3.16)

Pforzheim ruft!

Pforzheimer Stadtrundgänge, 50er (Bild: Kulturamt Pforzheim)
Auf den Spuren der 1950er und 1960er Jahren in Pforzheim (Bild: Kulturamt der Stadt Pforzheim)

Der Winter neigt sich langsam dem Ende zu. Unser Geheimtipp für einen alternativen Osterspaziergang: ein Ausflug ins Pforzheim der Nachkriegsmoderne! Die im Krieg stark zerstörte Stadt wurde beim Wiederaufbau grundlegend umgestaltet und kann daher heute unter anderem mit Bauten von Egon Eiermann und Otto Bartning aufwarten. Das Kulturamt der Stadt hat dieses architektonische Erbe als Teil der städtischen Identität erkannt und einen „Architekturführer Nachkriegsmoderne“ herausgegeben. Erst vor kurzem endete eine umfangreiche Ausstellung im Stadtmuseum, die sich mit dem Wiederaufbau der Stadt befasste.

Das Heft präsentiert die baulichen Highlights der 1950er und 1960er Jahre. Es organisiert nachkriegsmoderne Bauten wie den Hauptbahnhof, den Goldnen Adler oder das technische Rathaus zu einem Rundgang durch Pforzheims Innenstadt. Auch Bauten in den Vororten der Stadt werden präsentiert. Der Architekturführer wurde vom städtischen Denkmalpfleger Christoph Timm verfasst und ist in der Reihe „Pforzheimer Stadtrundgänge“ erschienen. Wer sich nicht mit den Bauten der Nachkriegsmoderne begnügen möchte, findet hier auch Architekturführer zum Pforzheimer Art déco oder zum Reuchlinghaus. (jr, 3.3.16)

Frankfurt in den Fünfzigern

Frankfurt, Eschersheimer Turm um 1955 (Bild: Institut für Stadtgeschichte FFM)
Schick, schick: der Eschenheimer Turm in Frankfurt, gerahmt von eleganter Nachkriegsmoderne (Bild: Institut für Stadtgeschichte FFM)

Angesichts des Furors, mit dem man in Frankfurt am Main gegen das bauliche Erbe der 1950er Jahre vorgeht, überkommt Liebhaber der Nachkriegsmoderne beim Betrachten zeitgenössischer Fotografien oft die Wehmut. Die Trümmer der zerstörten Innenstadt wurden abgeräumt und moderne Bauten erhoben sich bald an allen Ecken. Das Bayer-Haus am Eschenheimer Turm (1952) zählt zu den herausragenden Beispielen jener Zeit, in der die verkehrsgerechte Stadt nach amerikanischem Vorbild der Maßstab war. Doch die Eleganz der Nierentisch-Ära ließ trotz breiter Straßen keinen Moloch am Main entstehen.

Das Institut für Stadtgeschichte (Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main) präsentiert nun mit der Ausstellung „Schauplätze. Frankfurt in den 50er Jahren“ Bilder aus einer Stadt, deren sichtbare Kriegswunden allmählich schwanden. Und nicht nur die Gebäude spielen die Hauptrolle, auch das Lebensgefühl und der Aufbruch in eine neue (Konsum-) Welt werden noch einmal erlebbar. Ebenso, welch Stadtbild die Hessenmetropole schon längst wieder verloren hat … Die Schau läuft bis zum 6. November, es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm sowie Sonderführungen. (db, 29.2.16)