Abriss

Berlin, Volksbank (Bild: Jochen Teufel, CC BY-SA 3.0)

Volksbank Berlin: Der Abriss läuft

Es erschreckt noch immer, dass auch Gebäude mittlerweile zu Verbrauchsartikeln erklärt worden sind. Und wir sprechen nicht von einem Behelfspavillon für irgendeine Gartenschau, sondern von einem repräsentativen und aufwendig konstruierten Bürogebäude der Postmoderne, das zudem auch noch an einem städtebaulich markanten Ort steht: Seit einigen Wochen läuft der Abriss des erst 1985 fertiggestellten Volksbank-Hauses am Berliner Olof-Palme-Platz. Errichtet wurde es nach Plänen von Pysall, Stahrenberg und Partner für die Grundkreditbank, die später in der Volksbank aufging. Nachdem das Geldinstitut die Immobilie Ende 2014 an ein Konsortium aus drei Unternehmen verkauft hatte, erwarb sie im August 2016 der milliardenschwere Finanzier Barings „für einen von ihr beratenen institutionellen Investor„.

Das PoMo-Gebäude müsse nun weichen, da es in seiner Aufteilung sehr speziell und nur für den bisherigen Nutzer maßgeschneidert sei – so Armand Grüntuch von Grüntuch Ernst Architekten. Nach Entwürfen seines Büros soll an seiner Stelle ein 60 Meter hoher Turm entstehen, der den „Altbau“ mit dem hinreißend geschmacksunsicheren Entree ersetzt. Bereits seit einigen Jahren war diskutiert worden, ob das Volksbank-Haus aufgestockt werden könne; Planungen wurden aber aufgrund des großen Aufwands verworfen. Und so fällt ein weiteres, markantes Stück West-Berlin der späten Vorwendejahre. (db, 30.6.17)

Berlin, Volksbank (Bild: Jochen Teufel, CC BY SA 3.0)

Biblis, AKW, Block A (Bild: Peter Stehlik, CC BY SA 3.0)

Atomkraft? Nein Danke!

Obacht mit der Atomkraft: Manchmal fällt ein Brennstäbchen runter. Dann heißt es rennen. Doch wo wird da eigentlich hingerannt …? Das hätte die ruhmreiche Wiesbadener Anarcho-Combo Crackers schon 1984 gerne gewusst. Nun müssen sich die Herren nicht mehr den Kopf zerbrechen: Seit Anfang Juni wird das hessische Atomkraftwerk Biblis abgerissen. In Betrieb genommen wurde es nach sechsjähriger Bau- und Erprobungszeit im Februar 1975, als der Block A ans Netz ging. Die Skepsis gegenüber der Atomenergie war seinerzeit noch geringer. Als 1977 der Block B eingeweiht wurde, mehrten sich die kritischen Stimmen bereits. Der Betreiber RWE hatte bereits Antrag auf Errichtung zweier zusätzlicher Blöcke gestellt.

Zu Hochzeiten der Umwelt- und Friedensbewegung wurde der „Block C“ zum Anti-Atom-Symbol – obwohl er nicht zuletzt aufgrund anhaltender Proteste nie gebaut wurde. Am 6. August 2011 wurde das AKW Biblis nach der Fukushima-Katastrophe abgeschaltet und schließlich stillgelegt. Sein Abriss wird rund 15 Jahre dauern, 78 Castor-Behälter stehen für den radioaktiven Müll bereit. Das hessische Umweltministerium als Aufsichtsbehörde hatte Ende März die Abbruchgenehmigung erteilt. Dagegen hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof geklagt. Die Bagger rückten dennoch an. Ach ja, die Crackers sind 2012 auch in Ruhestand gegangen … (db, 26.6.17)

Biblis, AKW, Block A (Bild: Peter Stehlik, CC BY SA 3.0)

Köln-Rodenkirchen, Bezirksrathaus (Bild: Willy Horsch, CC BY 2.5)

Aus fürs Rathaus Rodenkirchen

Eigentlich war der Abbruch des Bezirksrathauses Köln-Rodenkirchen schon seit Langem geplant, doch mit jedem Jahr, das der nach wie vor genutzte Bau unberührt überstand, stieg vermeintlich die Hoffnung auf Erhalt: Die Architektur des Brutalismus erfreut sich längst wieder wachsender Beliebtheit, und das achtgeschossige Gebäude ist ein nahezu unberührter Vertreter jener Ära. Der damalige Stadtkonservator Krings hatte zwar bereits 2005 den Denkmalschutz abgelehnt, doch ist seither einiges Wasser den Rhein herabgeflossen. Was damals galt, könnte man ja heute noch einmal prüfen … Nun aber ist es wohl endgültig aus, denn das Rathaus Rodenkirchen ist nach Aussage der Städtischen Gebäudewirtschaft Köln mit PCB und Asbest belastet. Bis 2020 soll es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Das Rathaus im bis 1975 noch eigenständigen Rodenkirchen wurde 1966/67 nach Plänen des Architekten Walther Ruoff (1914-1991) errichtet und kurz nach Fertigstellung mit dem Architekturpreis der Stadt Köln ausgezeichnet worden. Insbesondere die Bürgervereinigung Rodenkirchen setzt sich seit Jahren für den Erhalt ein – nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus bauhistorischen Gründen. Der Antrag auf Denkmalschutz kam seinerzeit ebenfalls von der Bürgervereinigung. (db, 17.5.17)

Köln, Rathaus Rodenkirchen, 2007 (Bild: Willy Horsch, CC BY SA 2.5)

Kiel_Woolworth_2013_Copyright_Jan_Petersen

Postmoderne-Schwund in Kiel

Was haben Frankfurt am Main und Kiel seit wenigen Wochen gemeinsam? In beiden Städten wurden postmodernistische Kaufhäuser aus den 1990ern abgerissen. In der Hessen-Metropole fiel vor einigen Monaten die 1994 fertiggestellte Zeil-Galerie, im hohen Norden fällt gerade das Woolworth-Haus am Berliner Platz (1991/92) in Schutt und Asche. An Stelle des zeittypisch verspielten, wellenförmig geschwungenen Baus wird demnächst gehobene, wie üblich beige Investorenarchitektur treten. Woolworth hat sein Domizil Mitte 2015 geräumt; in den Neubau, den der Duisburger Projektentwickler Fokus Development errichten lässt, zieht die (nicht unumstrittene) Textilkette Primark ein.

Das Woolworth-Gebäude entstand nach Plänen des Büros Detlefsen + Figge, nachdem im April 1990 der Vorgängerbau einem Brand zum Opfer fiel. Der Abriss des Granitverkleideten Postmoderne-Kaufhauses nach nicht einmal 30 Jahren missfällt dem einstigen Planer ausgesprochen: Auf die Frage der Kieler Nachrichten, wie ihm angesichts des nun bevorstehenden Abrisses zumute ist, antwortete Norbert Figge knapp „Das tut richtig weh.“ Besonders schmerzlich sei nicht nur, dass ein intaktes Gebäude nach vergleichsweise kurzer Zeit aus dem Innenstadtbild verschwinde, sondern  vor allem der Umstand, dass nichts Besseres nachkomme. Dem ist nichts hinzuzufügen. (db, 13.5.17)

Woolworth Kiel 2013 (Bild: Jan Petersen)

Olpe: Rathaus abgewählt

Olpe: Rathaus (Bild: Donald Townsend, CC-BY-SA 2.5)
Hat die Mehrheit gegen sich: das Olper Rathaus (Bild: Donald Townsend, CC BY SA 2.5)

Im sauerländischen Olpe entschieden die Bürger dieser Tage über ihr Rathaus; und das ist nicht metaphorisch gemeint. Das sanierungsbedürftige Hochhaus aus den 1970ern war Gegenstand eines Bürgerentscheids. Sanierung oder Neubau, diese Frage stand bereits seit 2011 im Raum. Eine klare Mehrheit sprach sich nun gegen die Sanierung aus, das Schicksal des Verwaltungsturms scheint damit besiegelt. Während an anderer Stelle ein Neubau entsteht, soll das alte Rathaus abgerissen werden.

„Wir dürfen damit rechnen, daß auch künftige Generationen mit uns der Ansicht sind, ein für unsere kommunale Selbstverwaltung in Größe, Gestaltung und Funktionsfähigkeit geziemendes Haus errichtet zu haben.“ war sich der damalige Bürgermeister Alfred Enders zur Eröffnung im Jahr 1978 noch sicher. Das Votum dieser Generationen fiel nun großteils anders aus, 63 Prozent stimmten gegen das monumentale Bauwerk mit der markanten, aufgestelzten Sockelzone. Es war nach Entwürfen des Büros Allerkamp in den Jahren 1975-77 errichtet worden und wirkte auch als städtebauliche Dominante. Die Leitlinien für die künftige Stadtentwicklung liegen noch nicht fest. (jr, 9.4.17)