Abriss

Köln-Rodenkirchen, Bezirksrathaus (Bild: Willy Horsch, CC BY 2.5)

Aus fürs Rathaus Rodenkirchen

Eigentlich war der Abbruch des Bezirksrathauses Köln-Rodenkirchen schon seit Langem geplant, doch mit jedem Jahr, das der nach wie vor genutzte Bau unberührt überstand, stieg vermeintlich die Hoffnung auf Erhalt: Die Architektur des Brutalismus erfreut sich längst wieder wachsender Beliebtheit, und das achtgeschossige Gebäude ist ein nahezu unberührter Vertreter jener Ära. Der damalige Stadtkonservator Krings hatte zwar bereits 2005 den Denkmalschutz abgelehnt, doch ist seither einiges Wasser den Rhein herabgeflossen. Was damals galt, könnte man ja heute noch einmal prüfen … Nun aber ist es wohl endgültig aus, denn das Rathaus Rodenkirchen ist nach Aussage der Städtischen Gebäudewirtschaft Köln mit PCB und Asbest belastet. Bis 2020 soll es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Das Rathaus im bis 1975 noch eigenständigen Rodenkirchen wurde 1966/67 nach Plänen des Architekten Walther Ruoff (1914-1991) errichtet und kurz nach Fertigstellung mit dem Architekturpreis der Stadt Köln ausgezeichnet worden. Insbesondere die Bürgervereinigung Rodenkirchen setzt sich seit Jahren für den Erhalt ein – nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus bauhistorischen Gründen. Der Antrag auf Denkmalschutz kam seinerzeit ebenfalls von der Bürgervereinigung. (db, 17.5.17)

Köln, Rathaus Rodenkirchen, 2007 (Bild: Willy Horsch, CC BY SA 2.5)

Kiel_Woolworth_2013_Copyright_Jan_Petersen

Postmoderne-Schwund in Kiel

Was haben Frankfurt am Main und Kiel seit wenigen Wochen gemeinsam? In beiden Städten wurden postmodernistische Kaufhäuser aus den 1990ern abgerissen. In der Hessen-Metropole fiel vor einigen Monaten die 1994 fertiggestellte Zeil-Galerie, im hohen Norden fällt gerade das Woolworth-Haus am Berliner Platz (1991/92) in Schutt und Asche. An Stelle des zeittypisch verspielten, wellenförmig geschwungenen Baus wird demnächst gehobene, wie üblich beige Investorenarchitektur treten. Woolworth hat sein Domizil Mitte 2015 geräumt; in den Neubau, den der Duisburger Projektentwickler Fokus Development errichten lässt, zieht die (nicht unumstrittene) Textilkette Primark ein.

Das Woolworth-Gebäude entstand nach Plänen des Büros Detlefsen + Figge, nachdem im April 1990 der Vorgängerbau einem Brand zum Opfer fiel. Der Abriss des Granitverkleideten Postmoderne-Kaufhauses nach nicht einmal 30 Jahren missfällt dem einstigen Planer ausgesprochen: Auf die Frage der Kieler Nachrichten, wie ihm angesichts des nun bevorstehenden Abrisses zumute ist, antwortete Norbert Figge knapp „Das tut richtig weh.“ Besonders schmerzlich sei nicht nur, dass ein intaktes Gebäude nach vergleichsweise kurzer Zeit aus dem Innenstadtbild verschwinde, sondern  vor allem der Umstand, dass nichts Besseres nachkomme. Dem ist nichts hinzuzufügen. (db, 13.5.17)

Woolworth Kiel 2013 (Bild: Jan Petersen)

Olpe: Rathaus abgewählt

Olpe: Rathaus (Bild: Donald Townsend, CC-BY-SA 2.5)
Hat die Mehrheit gegen sich: das Olper Rathaus (Bild: Donald Townsend, CC BY SA 2.5)

Im sauerländischen Olpe entschieden die Bürger dieser Tage über ihr Rathaus; und das ist nicht metaphorisch gemeint. Das sanierungsbedürftige Hochhaus aus den 1970ern war Gegenstand eines Bürgerentscheids. Sanierung oder Neubau, diese Frage stand bereits seit 2011 im Raum. Eine klare Mehrheit sprach sich nun gegen die Sanierung aus, das Schicksal des Verwaltungsturms scheint damit besiegelt. Während an anderer Stelle ein Neubau entsteht, soll das alte Rathaus abgerissen werden.

„Wir dürfen damit rechnen, daß auch künftige Generationen mit uns der Ansicht sind, ein für unsere kommunale Selbstverwaltung in Größe, Gestaltung und Funktionsfähigkeit geziemendes Haus errichtet zu haben.“ war sich der damalige Bürgermeister Alfred Enders zur Eröffnung im Jahr 1978 noch sicher. Das Votum dieser Generationen fiel nun großteils anders aus, 63 Prozent stimmten gegen das monumentale Bauwerk mit der markanten, aufgestelzten Sockelzone. Es war nach Entwürfen des Büros Allerkamp in den Jahren 1975-77 errichtet worden und wirkte auch als städtebauliche Dominante. Die Leitlinien für die künftige Stadtentwicklung liegen noch nicht fest. (jr, 9.4.17)

Adieu Garagenhof …

Frankfurt a.M., Kölner Straße (Bild: Daniel Bartetzko)
Die Gentrifizierung ist am linken Bildrand gestartet und wird demnächst die Mitte erreichen. (Bild: Daniel Bartetzko)

Eine ehemalige Tankstelle aus den 1950ern, dahinter ein Garagenhof, der teils noch aus den 1930er Jahren stammt – das Ganze auch noch in pittoresk-romantischem Verfallsstadium: Schöner kann kein Hinterhof-Klischee erfüllt werden. Das Gebäudeensemble zwischen Kölner und Emser Straße im Frankfurter Stadtteil Gallus war nicht umsonst mehrfach Kulisse für Fernsehkrimis wie „Ein Fall für zwei“ und „Tatort“. Und wie dieses angeschrummelte Idyll bis 2017 nahezu unberührt überdauern konnte, gehört zu den urbanen Rätseln der Hessenmetropole. Aber nun ist es damit auch vorbei: Die Bagger sind angerückt und schaffen Platz für ein Eigentumswohnungs-Projekt mit dem klangvollen Namen „The Link“.

So unfreiwillig klischeehaft der Garagenhof irgendwann war, so klischeehaft gerät auch die aktuelle Situation: Das Areal gehört schon seit einigen Jahren nicht mehr zum Gallus, sondern heißt jetzt „Europaviertel“. Und als wolle man den Begriff Gentrifizierung besonders anschaulich erklären, mussten Kleingewerbetreibende und Moped-Bastler ihr Idyll zugunsten eines Investoren-Projekts mit modisch-überkandideltem Namen verlassen. Das, was an Stelle der raren historischen Kfz-Anlage entsteht, wäre angesichts seiner Gewöhnlichkeit eigentlich auch keinen „Link“ wert. Die entstehende Gebrauchsarchitektur macht den Verlust einer charmanten Schmuddelecke nur noch bedauerlicher … (db, 3.4.17)

Braunschweig: Abriss der Burgpassage

Diese PoMo-Herrlichkeit in der Braunschweiger City hat spätestens 2018 ausgedient (Bild: Mattes, CC BY SA 2.0)
Diese PoMo-Herrlichkeit in der Braunschweiger City hat spätestens 2018 ausgedient (Bild: Mattes, CC BY SA 2.0)

Bald hat es ein Ende mit der postmodernen Stahl-Glas-Dachlandschaft der Burgpassage in Braunschweig. Das 1983 eröffnete Einkaufszentrum soll nach Plänen des Eigentümers Development Partner im kommenden Jahr abgerissen und neu gebaut werden. Vor zwei Jahren übernahm der Großinvestor die innerstädtische Einkaufsmeile, die im Blockinneren zwischen Hutfiltern und Schuhstraße verläuft. In den vergangenen Jahren zogen sich bereits mehrere Großmieter zurück, die Wirtschaftlichkeit der Anlage wurde mehrfach diskutiert. Nun soll die komplette Neukonzeption für eine Wiederbelebung sorgen.

Das Düsseldorfer Architekturbüro Faltin + Sattler führt hierfür ein Gutachterverfahren mit sechs Architekturbüros durch. Vorgesehen ist, die bislang überdachten Passage durch eine zweigeschossige Bebauung zu ersetzen, die über den nach wie vor für den Einzelhandel vorgesehenen  Bereichen Platz für Wohnungen bieten soll. Gebaut wurde die Burgpassage 1981-83 im Auftrag der Allianz AG durch den Braunschweiger Entwickler Munte. Auf 6600 Quadratmetern finden (noch) etwa 40 Geschäfte und diverse Büros Platz. Die jeweiligen Eingangsbauten am Hutfiltern und in der Schuhstraße sind vom 2018 anstehen Abriss nicht betroffen: Hier wurden historische Gebäude in den damaligen Neubau mit einbezogen, beide stehen unter Denkmalschutz. Solche Ehren wird das rückwärtige, 34 Jahre alte Einkaufszentrum nun nicht mehr erlangen. (db, 20.3.17)

Bonn-Center wird gesprengt

Bonn-Center (Bild: Eckhard Henkel, CC-BY-SA 3.0)
Das Bonn-Center zu besseren Tagen (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0)

Katastrophentouristen aufgepasst: Wer 2013 die Sprengung des Frankfurter AfE-Turms verfolgt hat, sollte am 19. März einen Ausflug nach Bonn planen! In der ehemaligen Bundeshauptstadt geht es dem Bonn-Center an den Kragen. Der 60 Meter hohe Gebäudekomplex aus den späten 1960ern soll um 11 Uhr in sich zusammenfallen. Es wird mit rund 10 000 Schaulustigen gerechnet, die die Sprengung aus sicherer Distanz beobachten wollen. Mit dem Bonn-Center fällt das fünftgrößte Bauwerk der Stadt und ein Stück Bonner Republik.

Der Bau wurde 1968/69 nahe des damaligen Regierungsviertels errichtet und sollte der kleinstädtischen Kapitale zu einem urbanen Charakter verhelfen. Er bot unter anderem einem Hotel, zahlreichen Geschäften, Restaurants, Büros und kulturellen Einrichtungen Platz, darunter das Pantheon. Wichtigste Kunden waren Politiker aus dem nahen Bundesviertel. Mit dem weithin sichtbaren, rotierenden Mercedes-Stern auf dem Dach wurde das Bonn-Center schnell zur Landmarke und zum Symbol des Wirtschaftswunders. Zuletzt stand jedoch ein Großteil des Gebäudes leer. Nach der Sprengung soll an gleicher Stelle ein neues Bonn-Center entstehen, das sich voraussichtlich aus drei flachen Baukörpern und einem Turm zusammensetzen wird. Die Bauarbeiten beginnen Anfang 2018. (jr, 14.3.17)

Das Jahnstadion ist Vergangenheit

Regensburg, Jahnstadion 2017 (Bild, S. Schörgenz)
Das Jahnstadion 2017: Die Tribüne fällt, der Anzeigenturm bleibt stehen (Bild: S. Schörgenz)

Als es 1926-31 gebaut wurde, stand es auf der grünen Wiese, mittlerweile ist die Stadt Regensburg an das alte Jahnstadion herangewachsen. Nun wird die Sportstätte, in der der heutige Fußball-Drittligist SSV Jahn Regensburg bis zum Juli 2015 seine Heimspiele austrug, abgerissen. An ihrer Stelle soll ein neues Grundschulzentrum entstehen. Der SSV Jahn Regensburg ist bereits im Juli 2015 in die neue Continental-Arena in den Stadtteil Isling umgezogen, seither lag das alte, 12.500 Zuschauer fassende Stadion brach.

Ex-Nationalspieler „Aki“ Schmidt begann bei Jahn Regensburg 1968 seine Trainerkarriere. Die 1931 errichtete, damals hochmoderne Regensburger Tribüne fällt wie der Rest des Stadions. Erhalten bleibt jedoch der sogenannte „Jahnturm“, von dem aus bis zuletzt der Spielstand angezeigt wurde: Er soll nun in das neue Schulzentrum integriert werden. Pläne, den Turm ins neue Stadion zu translozieren, zerschlugen sich während der Bauphase. Tatsächlich war die alte Regensburger Anlage einst sogar olympische Spielstätte: Sechs Spiele des Fußballturniers 1972 wurden hier ausgetragen. Im DFB-Pokal traten in den Gästeteams unter anderem Lichtgestalt Franz Beckenbauer an, Bastian Schweinsteiger pflügte den Oberpfälzer Rasen und auch Günter Netzer spielte seine tödlichen Pässe. (db, 2.3.17)