Abriss

Finanzamt Oldenburg (Bild: Edfyr, CC BY-SA 4.0)

Finanzamt Oldenburg kommt weg

Auch wenn so mancher davon träumt, dass die Bagger seinem zuständigen Finanzamt den Garaus machen: In diesem Fall ist es durchaus bedauerlich, und hier hilft auch nicht, dass es sich um das Gebäude namhafter Architekten handelt. Das ehemalige Finanzamt Oldenburg (1974/75) wird abgerissen. Errichtet wurde es nach Plänen des Büros von Gerkan, Marg und Partner (gmp). Vor einem Jahr hat die Behörde das sanierungsbedürftige Gebäude verlassen. Der Abriss war da bereits beschlossene Sache: Nach ausführlichen Untersuchungen der Fassadenplatten kam man zum Schluss, dass eine Sanierung, wenn überhaupt, nur bei optimalem Verlauf günstiger als ein Neubau wäre.

Im Raum steht, dass der Altbau asbestbelastet sei – der Schadstoff sei mit dem Klebstoff für die Wärmedämmung aufgetragen worden. Aktuell werden der Abriss noch planerisch vorbereitet und die Arbeiten ausgeschrieben, die Umsetzung soll Ende diesen Jahres erfolgen. Die Abrisskosten werden vom Finanzministerium mit 15,5 Millionen Euro beziffert, da mit besonderen Schutzmaßnahmen vom Einhausen bis zum Absaugen gearbeitet werden muss. Im Anschluss soll das Grundstück in Innenstadtlage zum Verkauf angeboten werden – es gebe schon Interessenten. Wo genau der Neubau des Finanzamts, das aktuell in einer Container-Zwischenlösung eingerichtet ist, stehen soll, ist noch unklar. (db, 21.4.18)

Finanzamt Oldenburg (Bild: Edfyr, CC BY-SA 4.0)

Coburg, Rosengarten (Bild: Mike Beyerwald CC BY-SA 3.0)

Coburg: Uneinigkeit übers Kongresshaus

Politische Uneinigkeit in Coburg: Die „Jungen Coburger“ im Stadtrat sprechen sich streng gegen den Abriss des Kongresshauses im Rosengarten aus und reagieren damit auf die Ideen, die SPD-Fraktionsvorsitzende Petra Schneider und CSB-Stadtrat Gerhard Amend in einem Gespräch mit der Neuen Presse vorgetragen hatten. Beide hatten für einen Neubau einer Stadthalle am Güterbahnhof-Gelände plädiert. Dagegen stellt Politiker Kurt Knoch fest, dass ein Abriss des Kongresshauses für die JC nicht in Frage komme. Das heutige Gebäude sei erst rund 30 Jahre alt, und selbstverständlich gebe es inzwischen Sanierungs- und Anpassungsbedarf – ein Abriss des einst 22 Millionen teuren Baus stelle eine Vermögensvernichtung und ein Hohn gegenüber allen Steuerzahlern dar. Würde man heute mit dem hohen Anspruch bauen, mit dem das Kongresshaus errichtet wurde, wäre dies schlicht unbezahlbar.

Der Coburger Rosengarten ist eine Grünanlage in der Ketschenvorstadt, 1929 fand auf dem im Lauf der Jahre parkähnlich erweiterten Areal die namensprägende „Deutsche Rosenschau“ statt. 1962 wurde hier das Kongresshaus errichtet, 1987 nach Plänen von Hans-Busso von Busse (1930-2009) postmodern umgebaut und erweitert. Neben polit-Veranstaltungen finden auch Konzerte und – logisch – Kongresse  statt. Franz-Josef Strauss, Günter Grass und die Krautrock-Band Birth Contol waren ebenso zu Gast wie Hans-Dietrich Genscher, Herbert Wehner und Costa Cordalis: geballte westdeutsche Geschichte. (db, 14.4.18)

Coburg, Rosengarten (Bild: Mike Beyerwald CC BY-SA 3.0)

Köhlbrandbrücke: Zukunft unklar

Sie gehört zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen Hamburgs: Seit 44 Jahren überspannt die Köhlbrandbrücke den gleichnamigen Elbseitenarm und verbindet den östlichen und den westlichen Hafenteil. Markant sind vor allem ihre beiden Pylonen, die die Fahrbahn an 88 Stahlseilen tragen. Doch auch die vollständig  freiliegenden Rampen lassen das Bauwerk so riesig wie vermeintlich schwerelos wirken. Geplant hatten es der Ingenieur Paul Boué (1920-2016) und der Architekt und Hebebrand-Schüler Egon Jux (1927-2008). Am 20. September 1974 weihte der damalige Bundespräsident Walter Scheel das riesige Bauwerk ein, die dreitägigen Feierlichkeiten lockten 600.000 Besucher an.

Doch die Tage des technisch-ästhetischen Wunderwerks sind seit 2012 gezählt, als OB Olaf Scholz den geplanten Neubau verkündete. Nun kommt eine neue Variante ins Spiel: Die Köhlbrandbrücke könnte durch einen Tunnel mit zwei Röhren ersetzt werden. Dies lässt die  Hafenbehörde HPA ebenso wie den Brücken-Neubau prüfen und will die Ergebnisse einer Konzeptstudie im Herbst bekannt geben. Die Lebenszeit der Bauwerks sei 2030 überschritten, teilte der technische Geschäftsführer der HPA, Matthias Grabe, am 10. April der Presse mit. Zudem ist die Durchfahrtshöhe von 53 Metern mittlerweile zu niedrig (!). Eine neue Brücke müsste 20 Meter höher werden, damit größere Schiffe den Weg zum Containerterminal Altenwerder passieren könnten – somit wird die Tunnelidee für die Betreiber umso interessanter (db, 12.4.18)

Hamburg, Köhlbrandbrücke (Bild: Ajepbah, CC BY-SA 3.0)

Waghaeusel, Zuckersilos und Eremitage (Bild: AnRo0002, CC0)

Das Aus für die Zuckersilos

Okay, auf den ersten Blick sind die grauen Silos hinter dem Barockschlösschen „Eremitage“ im Badischen Waghäusel ein Schlag ins Gesicht.  Doch die 1970 errichteten  Hochbauten sind eine Erinnerung an die „Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation“ (später Südzucker AG), die 1838 auf dem Gelände der Eremitage entstand; das Schloss war der Verwaltungssitz. 1995 schloss die Fabrik, zwei Jahre später kaufte die Gemeinde das  Areal zum symbolischen Preis von einer Mark. 2008/2009 räumte man den größten Teil der Gebäude ab, lediglich die Silos – längst zum Wahrzeichen des Orts geworden – blieben stehen. Doch nun endet womöglich auch ihre Geschichte.

In der Gemeinde wurde mit den Stimmen von CDU, Junger Liste und der Freien Wähler mehrheitlich knapp entschieden, den Abbruch der Zuckersilos bis 2020 anzugehen. Die SPD stimmte gegen den Abriss, für den im Haushaltsplan zwei Millionen Euro vorgesehen sind. Dem Beschluss voraus ging ein jahrelanger Streit, ob die Kolosse nun Industriedenkmäler oder Schandflecke seien. 2015 scheiterte ein Abrissplan schon einmal sowohl an den Kosten als auch der Tasache, dass einige Mobilfunkbetreiber gültige Nutzungsverträge über den Betrieb mehrerer Funkmasten auf den über 50 Meter hohen Betonbauten hatten. Bis Ende kommenden Jahres sollen nun die Masten demontiert sein, und dann werden wohl tatsächlich die Bagger anrücken (db, 30.3.18)

Eremitage und Zuckersilos (Bild AnRo0002, CC0)

Laupheim, Rathaus (Bild: Peter Liptau)

Rathaus Laupheim auf der Kippe

Seit spätestens 2015 ist klar: In Laupheim muss etwas passieren am und im Rathaus. Sanierung oder Abriss? Beide Optionen hält sich die Stadt seither offen. 2015 in einer Wettbewerbsausschreibung heißt es erstmals „Das sanierungsbedürftige Rathaus steht ebenso wie einige Gebäude zwischen Marktplatz und Schlosspark zur Disposition“. Aus einer Pressemeldung des Jahres 2016 geht hervor, dass der Siegerentwurf des Büros Mack aus Fellbach aus drei Teilen bestünde, die auch getrennt und separat voneinander durchführbar sind. Einer davon ist das Rathaus.

Seither ist nicht viel passiert, so dass der städtische Baudezernent im Juli 2017 den Abriss forderte, auch weil mit einer Sanierung des Bestandsgebäudes niemals der Neubaustandard erreicht werden könne. Außerdem biete sich bei einem Neubau die Möglichkeit einer großräumigen Tiefgarage. Zusätzlich bedürften alle Veränderungen des Gebäudes einer Zustimmung des Architekten Roland Ostertag, dessen Entwurf 1969 als Wettbewerbssieger ausgewählt und 1974/75 erbaut wurde. Ostertag gilt heute als einer der wichtigen Hochschullehrer und Architekt für Behördenbauten der Nachkriegszeit. Als sein Schlüsselwerk gilt vor allem das Rathaus in Kaiserslautern. Seine Erkenntnisse beim Bauen für Behörden fasste er in seinem Buch „Rathäuser und Kommunale Zentren“ zusammen, das in dem Bereich lange Zeit als Standardwerk galt. (pl, 27.3.18)

Laupheim, Rathaus (Bild: Peter Liptau)