Architekturfotografie

"Fotografie Ruhrmoderne" (Bild: Ausstellungstitel)

Fotografie Ruhrmoderne

Das Jahr fängt ja gut an! Die Ausstellung „Fotografie Ruhrmoderne“ ist ab sofort bis zum Dezember 2018 im Verwaltungsgericht Gelsenkirchen (Bahnhofsvorplatz 3, 45879 Gelsenkirchen zu sehen. Das heute als Gericht genutzt Gebäude wurde 1910 nach Entwürfen von Karl Buddeberg als Postamt errichtet und liegt anreisefreundlich in Bahnhofsnähe.

Damit bleibt ausreichend Zeit, sich dieser besonderen Dokumentation der Architektur der 1960er und 70er Jahre im östlichen und mittleren Ruhrgebiet zu widmen. Gezeigt werden Fotografien von Studierenden der Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund in Kooperation mit StadtBauKultur NRW. Die Ausstellung kann zu folgenden Öffnungszeiten des Verwaltungsgerichts besucht werden: montags und dienstags: 7:30 – 16:00 Uhr, mittwochs bis freitags: 7.30 – 15.30 Uhr (Das Personal in der Eingangskontrolle führt an der Sicherheitsschleuse im Eingangsbereich des Gerichts regelmäßig eine Personen- und Gepäckkontrolle durch). (kb, 25.1.18)

Sigrid Neubert, Hans Maurer, Erdfunkstelle bei Raisting, 1970 (© Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

Erdfunkstelle und Olympiaparkhaus

Schulgängern der 1970er Jahre dürfte dieses Bild tief vertraut sein: Die riesige Parabolantenne scheint das bayerische Barockkirchlein schier zu erdrücken. Moderne gegen Tradition, Wissenschaft gegen Religion – so waren gern bediente Deutungsschemata für diese Fotografie von Sigrid Neubert aus dem Jahr 1970. Heute mag sich der einstige Blick zu einem nostalgischen gewandelt haben. Der Modernist wie der Brutalist freut sich an der inzwischen denkmalgeschützten „Erdfunkstelle“ und fragt sich, ob sie noch steht (ja).

Sigrid Neubert (* 1927) gilt als eine der bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands. Rund 30 Jahre arbeitete sie für bedeutende Architekturbüros und entwickelte dabei ihren kontrastreichen, die Strukturen der Bauten klar herausarbeitenden Stil. Hier sind z. B. das Olympiaparkhaus von Gerd Wiegand, das BMW-Ensemble von Karl Schwanzer oder die Hauptverwaltung der Hypo-Bank von Bea und Walter Betz zu nennen. Seit den 1970er Jahren schuf Neubert ebenso Naturbilder, denen sie sich ab 1990 ausschließlich widmete. Das Museum für Fotografie (Jebensstraße 2, 10623 Berlin) zeigt ihr Werk, eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin, vom 9. Februar bis zum 3. Juni 2018 unter dem Titel „Sigrid Neubert – Fotografien. Architektur und Natur“. Die Eröffnung wird am 8. Februar 2018 um 19 Uhr begangen. (kb, 8.1.18)

Sigrid Neubert, Hans Maurer, Erdfunkstelle bei Raisting, 1970 (© Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

Aschaffenburg, Rathaus (Bild: Tilmann, CC BY SA 3.0)

Aschaffenburg und die 1950er

Die Stadt Aschaffenburg erlitt in den Jahren 1944/45 ungekannte Zerstörungen. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wurde sie von der Naziführung zur „Festung“ erklärt und somit prädestiniertes Ziel alliierter Bombardements. Zahlreiche bedeutende Kulturdenkmäler der Stadt wurden zerstört oder schwer beschädigt. Der Wiederaufbau orientierte sich zwar an der historischen Bebauung, bescherte der Stadt jedoch auch bauliche Vertreter einer anspruchsvollen, modernen Architektur. Ihnen gilt die Fotoausstellung „Architektur einer neuen Zeit“, die ab 7.10.2017 in der Treppenhalle im Schloss Johannisburg (Schloßpl. 4, 63739 Aschaffenburg) gezeigt wird.

Die Schau versammelt Arbeiten des Fotografen Walter Vorjohann. Im Mittelpunkt stehen das Justizgebäude an der Friedrichstraße und das Aschaffenburger Rathaus. Letzteres wurde wurde 1956-58 nach Plänen Diez Brandis errichtet und stiftete der Stadt symbolisch ein neues Zentrum. Vorjohann porträtiert die Bauten nicht nur in Außenaufnahmen, sondern widmet sich auch der komplexen Innengestaltung der Gebäude. Die Ausstellung ist bis zum 5.11.2017 zu sehen. (jr, 2.10.17)

Aschaffenburg, Rathaus (Bild: Tilman2007, CC BY SA 3.0)

Matthias Matzak: das neue frankfurt (Bild: Wasmuth Verlag)

Stuttgart am Main

In der Architekturgalerie am Weißenhof in Stuttgart treffen derzeit zwei Spielarten des Wohnungs- und Städtebaus aufeinander. Die Ausstellung „Soziale Stadt im Bild“ stellt aktuellen  Aufnahmen des baulichen Erbes des Neuen Frankfurt historische Bilder des Stuttgarter Nachkriegswohnungsbaus gegenüber. Während die in den 1920er Jahren erbauten Siedlungen der Mainmetropole den Idealen der Gartenstadt verpflichtet sind, zeigen ihre schwäbischen Verwandten das Planungsparadigma der Großwohnsiedlungen der Bundesrepublik auf. Die Schau wirft mit dieser Gegenüberstellung Fragen nach der sozialen Stadt und ihrer Vermittlung auf.

Kern der Ausstellung sind Bilder des Fotografen Matthias Matzak. Seit 2008 widmet er sich dem Neuen Frankfurt und porträtiert dessen Bauten und Planungen. Das umfangreiche Bildarchiv als thematisch sortierter Onlinekatalog im Internet verfügbar. 2014 erschien seine Arbeit erstmals gebündelt in Form eines Bildbandes, der eine Fotoausstellung Matzaks im Deutschen Architekturmuseum flankierte. Die Ausstellung in der Weißenhofgalerie ist noch bis zum 1. Oktober 2017 zu sehen. (jr, 25.7.17)

Taut baut (Bild: Wagenbach Verlag)

Taut baut

Sein Nachname ist wohl jedem Kenner der klassischen Moderne ein Begriff. Wenn er fällt, denken aber die wenigsten an den Architekten, von dem hier die Rede ist: Taut. Max, nicht Bruno. Obwohl seine innovativen Schul- und Gewerkschaftsbauten in den 1920er Jahren große Bekanntheit erlangten, konnte er doch nie aus dem Schatten seines ungleich berühmteren Bruders hervortreten. Dies änderte sich auch nicht nach dessen Tod im Jahr 1938, obwohl Max Taut bis zu seinem Tod 1967 noch mit verschiedenen Bauprojekten in der Bundesrepublik reüssieren konnte. Zu seinem 50. Todestag ist nun ein Bildband erschienen, die sein Werk würdigend in den Blick nimmt.

Das Buch versammelt die wichtigsten Bauten Tauts und präsentiert sie in Aufnahmen des Architekturfotografen Stefan Müller. Max Dudler, Gert Heidenreich, Vittorio Magnago Lampugnani, Martin Mosebach, Jenny Schily, Wim Wenders, Hanns Zischler und viele andere Autoren ergänzen sie mit persönlichen Texten zu den einzelnen Bauten. (jr, 21.6.17)

Taut baut. Geschichten zur Architektur von Max Taut, fotografiert von Stefan Müller und erzählt von Max Dudler, Gert Heidenreich, Vittorio Magnago Lampugnani, Martin Mosebach, Jenny Schily, Wim Wenders, Hanns Zischler u. a. Wagenbach Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-8031-3666-4.

Titelmotiv: Cuchcover „Taut baut“ (Bild: Wagenbach Verlag)