Autohaus

Flugzeuge im Schaufenster

Bad Oyenhausen, Autohaus Fuhrke (Bild: Landschaftsverband Westfalen-Lippe)
Mit seiner rechten Hälfte nochmal so schön: das ehem. Autohaus S. Fuhrken in Bad Oeynhausen (Bild: Landschaftsverband Westfalen-Lippe)

Im Jahr 1925 stellte man in Bad Oeynhausen einen Mark-Doppeldecker der Junkers-Werke aus. Er stand im Schaufenster des Autohauses S. Fuhrken an der ehemaligen Chaussee zwischen Herford und Minden, der heutigen Mindener Straße (B 61/E 30). Die Anlage kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Errichtet 1924 nach Plänen des Architekten Adolf Ott, öffnet sich bis heute die spitzbogenförmige Tordurchfahrt zur Straßenkreuzung.

Doch auch die anderen Bauteile haben es in sich: Die Anlage bildet die „wohl älteste Gebäudegruppe eines Autohauses mit Ausstellungs- und Verkaufsräumen, Werkstatt, Hotel, Lackiererei, Garagenhof und abschließbaren Einzelgaragen in Westfalen“, so die LWL-Denkmalpflegerin Anne Herden-Hubertus, die auch ein Gutachten zum Wert der Anlage erstellt hat. Geht es nach der Stadt, müssen weite Teile des Bauwerks einem neuen Supermarkt weichen, nur der markante Torbogen bliebe erhalten. Fast zeitgleich werden im Moment die Straßenführungen neu geordnet. Ob sich daraus vielleicht eine Chance zum Erhalt des ehemaligen Autohauses ergeben könnte, ist bislang noch offen. (kb, 27.3.15)

Freiburg, Turmrestaurant (Bild: historische Abbildung, nach 1951)

Autohaus in Aspik

Besonders wertvolle Stücke kommen in die Vitrine, so viel weiß jeder noch von der Oma mit den Untersetzern und Zierdeckchen. Wenn das einem Stück Architekturmoderne passiert, kann es manchmal ganz andere Gründe haben. In Freiburg hat man ein denkmalgeschütztes Ensemble (nun ja, das spektakulärste Sechzehntel davon) hinter Glas gestellt. Das ehemalige Autohaus „Breisgau“ aus dem Jahr 1951 wurde bis 2012 auf seinen dekorativsten Teil reduziert: das zweigeschossige verglaste Turmrestaurant mit der eleganten Wendeltreppe und dem weit ausgreifenden Vordach.

 

Eleganter geht nicht

Eigentlich sollte es ja eine Borgward-Vertretung werden, doch 1951 wurde in Freiburg ein Opel-Autohaus eröffnet. Der lokale Architekten Wilhelm Schelkes hatte einen futuristischen Stahl-Glas-Bau geschaffen, dessen Eleganz er mit amerikanisch anmutendem Fortschrittsoptimismus würzte. Seit 1986 unter Denkmalschutz, blieb das Turmrestaurant als einziger Rest des Autohauses „Breisgau“ stehen. Das übrige Gelände wurde mit Wohnblocks bebaut, dazwischen eingezwängt schirmte man die einstige Raststätte noch mit einer gläsernen Schallschutzwand vom Straßenverkehr ab. Heute dient der gläserne Turm gastronomischen Zwecken, inzwischen schon in den Händen des zweiten Betreibers. Das Vordach erweist sich dabei als durchaus praktisch, als regensicherer Biergarten mit Fünfziger-Flair. Nur das Türmchen ist anspruchsvoller: im Sommer rasch zu warm, im Winter schwer beheizbar und nur über die Außentreppe zu erreichen.

 

Moderne in Bewegung

Eine besondere Form des Nachruhms ist dem Turmrestaurant aber in jedem Fall sicher: Auf einem Familienausflug sahen die Fallers, die im Schwarzwald Bausätze für die Modellbahn produzierten, das futuristische Autohaus – und nahmen es zum Vorbild für eines ihrer erfolgreichsten Produkte. Hier kann der (bei Faller runde) Restaurantaufsatz nicht nur mit verschiedenen Werbeemblemen verziert werden, er verfügt auch noch über Beleuchtung und einen kleinen Drehmotor. Doch mehr wollen wir jetzt gar nicht verraten – das Freiburger Turmrestaurant und sein Modellbauableger werden im kommenden Sommer Teil unserer Ausstellung „märklinMODERNE“ sein. Wer selbst Teil des Projekts sein will, ist herzlich eingeladen, sich an unserem Crowdfunding zu beteiligen: www.startnext.com/maerklinmoderne. (kb/db, 20.9.17)

Das vergessene Autohaus

1975 schlossen sich die Türen des Autohauses Hausmann in Passau. Im Februar 2015 gab es noch einmal die Chance, eine Zeitkapsel zu betreten (Bild: Stephan Lindloff)
1928 wurde das Autohaus Hausmann in Passau eröffnet. 1975 schlossen sich seine Türen für die folgenden 40 Jahre. Im Februar 2015 wurde es ausgeräumt – und mR war mit der Kamera dabei (Bild: Stephan Lindloff)

Ein Stück Automobil-, Familien- und Architekturgeschichte konnte im Februar 2015 ein letztes Mal besucht werden: Das 1928 eröffnete Autohaus Hausmann in der Passauer Theresienstraße gehörte einst zu den größten Ford-Händlern Bayerns. Mitte der 1960er wechselte man die Marken und stieg um auf Peugeot, Simca und British Leyland. 1975 war Schluss in der City, eine Filiale am Stadtrand wurde zum Hauptsitz. In der Theresienstraße parkten fortan Neufahrzeuge im Erdgeschoss. Die oberen Etagen des Gebäudes betrat außer dem Seniorchef nur noch der Stromableser. Otto Hausmann starb 1987, das Autohaus machte um 1992 komplett dicht – und keine Schraube, kein Fahrzeug, kein Möbelstück und keine Akte sollten mehr die Hallen verlassen.

 

Als wäre sämtliches Leben eingefroren

Anfang 2015 starb die letzte Besitzerin des Hausmann-Imperiums. Ein Enkel erbte die beweglichen Gegenstände in der Theresienstraße – nicht aber die Immobilie selbst. Deren Räumung war so faszinierend wie beklemmend. Auf vier Etagen herrschte geschätzt das Jahr 1960. Gleichwohl schien sämtliches Leben eingefroren: Kassenzettel, Prospekte, Arztberichte, Tageszeitungen, mit der Grußformel „Heil Hitler“ unterzeichnete Geschäftspost der 1930er – wirklich alles fand sich in den berstend vollen Aktenschränken. Den Autofan begeisterten ein dutzend Oldtimer und ein Ersatzteillager, nach dem sich jeder Restaurator die Finger lecken würde. Für den Architekturliebhaber boten sich Bakelitschalter und -steckdosen, Terrazzoböden, Neonröhren en masse sowie der Einblick, wie im Lauf der Jahre ein Altstadthaus sukzessive zum Autosalon umgebaut wurde.

 

Als Kulturerbe ist das Autohaus nun verloren

Der Ursprungsbau in der Theresienstraße dürfte aus dem 19. Jahrhundert stammen. Heute ist er nur noch an einem Gewölbekeller ablesbar – und an Fotos, die beim Ausräumen auftauchten. Nach dem Krieg wurde er aufgestockt und der ohnehin sparsame Fassadenschmuck entfernt. 1954 erfolgte die letzte Umgestaltung, bei der die alten Holzstiegen durch eine zentrale Treppe ersetzt wurden und die Fassade ihre Bandfenster erhielt – so sollte es bis in diese Tage bleiben. Als Kulturerbe ist das Autohaus Hausmann nun verloren und droht sogar, zum Zankapfel zu werden: Noch während der Räumung wurde von Seiten anderer möglicher Erben eine einstweilige Verfügung erwirkt, laut der dem Enkel vorerst der Zutritt zum Haus verwehrt wird. Die Türen in der Theresienstraße sind im Moment wieder zu. (db, 15.3.15)