Berlin

Berlin, Haus des Lehrers (Bild: Christian Thiele, CC BY SA 3.0)

Ostmoderne wertschätzen

Einzelne Inkunabeln der Ostmoderne wie das Berliner Haus des Lehrers der stehen bereits unter Denkmalschutz. Weniger prominente Bauten oder gar städtebauliche Ensemble dieser Stilepoche jedoch gehen Gefahr zu verwahrlosen oder abgerissen zu werden. Dabei hat der fächerübergreifende Planungsansatz, der in den Kollektiven der DDR angewandt wurde, (nicht nur) in Berlin sehens- und schätzenswerte Ergebnisse vorzuweisen – so z. B. das Areal zwischen Fernsehturm und Haus des Reisens oder die Quartierentwicklung in Marzahn-Hellersdorf. Zu diesem Thema hat die Podiumsdiskussion „StadtWertSchätzen: Teil III: Ostmoderne wertschätzen“ am 20. September um 19 Uhr in Berlin (Notkapelle/Salon des Refusés, Raum für Architektur und Kunst, In der Prenzlauer Allee 7b/Gartenhaus, 10405 Berlin) Gäste eingeladen.

Gudrun Sack (Netzwerk Architekten für Architekten, AfA), Kerstin Lassnig (Vorstand Berliner Wirtschaftsgespräche), Regula Lüscher (Senatsbaudirektorin), Dr. Jörg Haspel (Direktor des Landesdenkmalamts), Roman Hillmann (Architekturhistoriker), Harald Engler (Stellvertretender Abteilungsleiter Historische Forschungsstelle am IRS Erkner), Martin Maleschka (Architekt Cottbus), Uta Henklein (Landschaftsarchitektin, AfA) und Theresa Keilhacker (Architektin, AfA) diskutieren: Warum ist es heute für die Wissenschaft immer noch so schwierig, Geld und Aufmerksamkeit für die Ostmoderne einzuwerben? Im Anschluss wird eingeladen zur verlängerten Diskussion bei Wein, Wasser und Brezeln. Anmeldungen zur kostenfreien Veranstaltung sind online möglich: www.bwg-ev.net. (kb, 18.9.17)

Berlin, Haus des Lehrers (Bild: Christian Thiele, CC BY SA 3.0)

Thermalbad „Grüner Frosch“ (B. Fuchs, 1936) (© Muzeum města Brna)

Bohuslav Fuchs in Berlin

Von ihm stammen so charmante Baukunstwerke wie das tschechische Thermalbad „Grüne Frosch“: Als Architekt, Stadtplaner und Theoretiker machte Bohuslav Fuchs (1895-1972) die Stadt Brünn zu einem Ort des modernen Bauens. In Berlin kommentieren zwölf tschechische und slowakische Architekten unserer Zeit in diesen Tagen ausgewählte funktionalistische Bauten von Fuchs: vom Café Zeman über das Hotel Avion und die Trauerhalle auf dem Brünner Zentralfriedhof bis hin zum Stadtbad Zábrdovice.

Anlass ist eine Ausstellung im Tschechischen Zentrum Berlin (Wilhelmstraße 44, 10117 Berlin), wo zudem historische und aktuelle Fotografien zum Werk von Fuchs präsentiert. Die Vernissage wird am 14. September um 19 Uhr begangen, anschließend ist die Ausstellung „Bohuslav Fuchs – Ein Pionier der modernen Architektur“ bis zum 12. Oktober zu sehen. Das Begleitprogramm umfasst z. B. am 14. September um 18 Uhr den Vortrag „Das architektonische Erbe und der Einfluss von Bohuslav Fuchs“ des Architekten Jan Sapák. Am 28. September wird um 18 Uhr der Preview des Dokumentarfilms „Evropský architekt Bohuslav Fuchs“/“European Architect Bohuslav Fuchs“, dargeboten. Und am 9. Oktober ist um 19 Uhr DokuMontag „Evropský architekt Bohuslav Fuchs“/“European Architect Bohuslav Fuchs“ – und im Anschluss ein Gespräch mit dem Drehbuchautor Martin Polák über den Film und das Erbe von Bohuslav Fuchs heute. (kb, 16.9.17)

Thermalbad „Grüner Frosch“ (B. Fuchs, 1936) (© Muzeum města Brna)

Bremen-Lehe, Andreaskirche (Bild: mapio)

„Gotteshaus mit Flügeln“

Es gibt sie schon, die stolzen Gemeinden, die das junge Baujahr ihrer Gottesdienststätte nicht mit einem „praktisch ist sie ja“ entschuldigen. Zum diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) stehen vermehrt auch moderne Kirchenbauten auf dem Programm. In Bremen-Lehe, um ein Beispiel herauszugreifen, wird die Führung (10. September, 15.00 Uhr durch Pastor Martin Warnecke) durch die Andreaskirche (1968, O. Ahlers) angepriesen mit: „Gotteshaus mit Flügeln“, mit „schwebender Dachkonstruktion“ und „elegantem Campanile“ (geöffnet nach (Kinder-)Gottesdienst 12 bis 16 Uhr).

Auch außerhalb von Bremen lohnt der Blick ins TofD-Programm: In München wurde eine Gaststätte mit Biergarten 1919 zur Himmelfahrtskirche (spätere Um-/Wiederaufbauten) umgestaltet (Kidlerstraße 15, 81371 München Sendling, geöffnet 9 bis 20 Uhr, 10 Uhr Gottesdienst, 11 Uhr Kirchenkaffee, 12 Uhr Führung). In Köln, inmitten einer historischen Parkanlage, wird die 1964 vom Taizé-Bruder Eric Sassure gestaltete Erzengel-Michael-Kirche geöffnet (Sürther Straße 169, 50999 Köln Rodenkirchen, Führungen 12, 14 und 16 Uhr). Oder Sie besuchen in Hamburg eine andere Moderne, die Kirche des Heiligen Prokopij, die 1965 im „altrussischen Stil“ entstand (Hagenbeckstraße 10, 20357 Hamburg Eimsbüttel Stellingen, geöffnet 9./10. September 14 bis 16 Uhr, Führungen an beiden Tagen 14.30 und 15.30 Uhr). Oder Sie setzen in Berlin mit der Kirche St. Judas Thaddäus (1959) auf einen Altmeister der Moderne (Bäumerplan 1-5, 12101 Berlin-Tempelhof-Schöneberg geöffnet 9.30 bis 10.30, 12 bis 13 und 17 bis 19 Uhr, Kirchenführungen 16 und 18 Uhr, Orgelführung 17.30 Uhr, dazwischen liturgische, musikalische und kulinarische Angebote). Oder … (kb, 1.9.17)

Bremen-Lehe, Andreaskirche (Bild: mapio)

Berlin, Bierpinsel (Bild: Sotheby's)

Bierpinsel steht zum Verkauf

In Berlin gibt es Neuigkeiten zur Pop-Art-Stadtmarke: Der „Bierpinsel“ steht nun offiziell zum Verkauf. Der markante Betonbau, der eigentlich eine Gastronomie beherbergen könnte und sollte, steht bereits seit 2002/03 leer. Nun hat sich die Eigentümerin Tita Laternser offiziell dazu durchgerungen, das Turmrestaurant auf den Immobilienmarkt zu werfen. Zumindest stilgerecht, denn verantwortlich für die Abwicklung ist das renommierte Auktionshaus Sotheby’s. Gerade erst Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass Berlin den Bierpinsel (1976, Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte) mitsamt dem direkt darunterliegenden U-Bahnhof Schloßstraße (späte 1960er Jahre, Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte) auf die Denkmalliste geschafft hat.

Die aktuelle Sotheby’s-Anzeige hält die markanten Punkte fest: „Iconic Landmark Property, Requires redevelopment, Listed under monumental protection“. 2010 erst war der Betonturm im Rahmen eines „Kunstprojekts“ von seiner ursprünglich roten Bemalung in eine weiß-bunte Version verwandelt worden. Weitere Knackpunkte der langjährigen Debatte um die Zukunft des Kulturdenkmals waren ein Wasserschaden, der Brandschutz und die vertraglich festgelegte gastronomische Nutzung. Die Noch-Eigentümerin ließ durch ihren Pressensprecher gegenüber der Berliner Morgenpost erklären, dass es bereits erste Kaufinteressenten gebe. „Parallel zu den Verkaufsabsichten laufen aber unsere eigenen Pläne weiter“ – die Zitterpartie geht also wohl nur in eine nächste Runde. (db, 29.8.17)

Berlin, Bierpinsel (Bild: Sotheby’s)

Wenzel Hablik, Freitragende Kuppel, 1919, Aquarell, Farbstift, Bleistift, 64,9 x 50 cm © Wenzel-Hablik-Stiftung,Itzehoe

Wenzel Habliks Utopien

Architektur, Grafik, Kunsthandwerk – Wenzel Hablik (1881-1934) betätigte sich in jedem dieser Metiers, ohne sich auf eines festzulegen. Der Universalkünstler hatte sich dem Gesamtkunstwerk verschrieben und entwarf in seinen Werken utopisch anmutende Raum- und Bildwelten, die heute als Inkunabeln des deutschen Expressionismus gelten. Der Berliner Martin-Gropius-Bau widmet Wenzel Hablik ab dem 1. September eine eigene Sonderausstellung. Sie ist bis zum 14. Januar 2018 zu sehen.

Konstitutiv für Habliks Arbeiten war seine umfangreiche Kristall- und Naturaliensammlung: Auf der Kristallform fußen zahlreiche seiner utopischen Architekturentwürfe. Nach einem Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie in Prag wurde er 1919 von Walter Gropius zur Teilnahme an der „Ausstellung für unbekannte Architekten“ in Berlin ermutigt und stand in den folgenden Jahren mit zahlreichen bedeutenden Künstlern und Architekten der Weimarer Republik im Austausch. Als Lebensmittelpunkt wählte Hablik jedoch nicht das pulsierende Berlin der 1920er, sondern das norddeutsche Itzehoe. In seiner Villa setzte er hier seine holistischen Raumvisionen prototypisch um. Die farbige Gestaltung des Esszimmers von 1923 hat sich unter der später aufgeklebten Tapete erhalten und wurde vor einigen Jahren freigelegt. Eine Rekonstruktion ist als Prunkstück in der Ausstellung zu sehen. (jr, 26.8.17)

Wenzel Hablik: Freitragende Kuppel mit fünf Bergspitzen als Basis (Bild: © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe)

Gratis: Neues zur Ostmoderne

Im November 2014 traf sich der Arbeitskreis „Kunst in der DDR“ in Berlin zur Jahrestagung. Unter dem Tagungstitel „Blick zurück nach vorn – Architektur und Stadtplanung in der DDR“ liegen die Ergebnisse der Konferenz nun in Buchform vor. Das Beste daran: Alles ist online kostenfrei zugänglich. Die hier zusammengefassten sieben Beiträgen behandeln eine Kernfrage des damaligen Bauschaffens: Wie ging der Anspruch des radikal Neuen mit dem Alten um? Musste der Aufbau der DDR begleitet werden vom Wiederaufbau, vom Um- und Neubau, von der Rekonstruktion, vielleicht sogar vom Abriss der Bauwerke, die von einer „überwundenen Geschichtsepoche“ zeugten? Diese sog. Erbediskussion spielte nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in Architektur und Städtebau eine entscheidende Rolle.

Die Autoren Hans-Georg Lippert, Kathrin Siebert, Oliver Sukrow, Andreas Kriege-Steffen, Christian Klusemann, Edda Campen, Oliver Werner und werfen einen Blick auf dieses verwickelte Stück Architekturgeschichte, das über die Jahrzehnte deutlichen „Interpretationsschwankungen“ unterlag. Wechselten sich doch damals Pragmatismus, Experimente, strikte Lenkungsmechanismen, nationale Traditionen, technisch-wissenschaftlich begründete Modernprojekte, Altbausanierungen und Rekonstruktionen (selbst von Sakralbauten) ab. (kb, 25.8.17)

Hofer, Sigrid/Butter, Andreas (Hg.), Blick zurück nach vorn. Architektur und Stadtplanung in der DDR (Schriftenreihe des Arbeitskreises Kunst in der DDR 3), Marburg 2017, ISBN: 978-3-8185-0531-8 (Onlinepublikation).

Bild: Buchcover (Fotomotiv: © 1986 Klaus Bädicker)

Berlin, Haus des Rundfunks (Bild: Daniel Stark, CC BY SA 2.0)

Tipps zum TofD: 25 Jahre Denkmaltag in Berlin

Am 9. und 10. September 2017 steht in Berlin zum 25. Mal der „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) auf dem Programm – mit mehr als 330 Veranstaltungsorten. Passend zum diesjährigen Schwerpunktthema „Macht und Pracht“ beteiligen sich Schlösser und Rathäuser ebenso wie ehemalige Gefängnisse und Arbeitslager. Unter den (nachkriegs-)modernen Zielen seien nur einige herausgegriffen: Das 1929 von Hans Poelzig gestaltete Haus des Rundfunks (Masurenallee 10/14) kann am Samstag und Sonntag je um 10 und 12 Uhr mit einer Führung erkundet werden (Treffpunkt: Haupteingang, Lichthof, max. 25 Personen, Anmeldung erforderlich bis 8. September).

Wer über einen eigenen Drahtesel verfügt, kann sich auf die „Fahrradtour zu Berliner Gas-Straßenlaternen“ durch den Kiez südlich des Schlosses Charlottenburg bewegen. Am Samstag trifft man sich um 20 Uhr am U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz (Ausgang Schloßstraße) zur einstündigen Rundfahrt. Oder Sie werfen einen Blick in die letzte Heimat eines stilprägenden Architekten, in die „Atelierwohnung Hans Scharoun“ (Heilmannring 66A, 13627 Berlin). Hier sind am Samstag und am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr Wohnungsbesichtigungen möglich (Treffpunkt: 6. OG, Zugang zum 7. OG nach Einweisung). Insgesamt sind die TofD-Veranstaltungen weitgehend kostenfrei, für Führungen wird häufig um rechtzeitige Anmeldung gebeten. Die Programmhefte liegen kostenfrei im Landesdenkmalamt Berlin aus (Klosterstraße 47, Berlin-Mitte, Mo – Fr 7 – 19 Uhr), das Gesamtprogramm ist online einsehbar. (kb, 22.8.17)

Berlin, Haus des Rundfunks (Bild: Daniel Stark, CC BY SA 2.0)

Berlin, U-Bahnhof Tierpark (Bild: Phaeton1, CC BY SA 3.0)

Berlin: neue U-Bahnhöfe unter Schutz

Auch wenn die Witterung nicht den Eindruck macht, in Berlin öffnet die Denkmalpflege gerade einen Adventskalender der besonderen Art: Stück für Stück, Türchen für Türchen werden U-Bahnstationen unter den besonderen Schutz des Staates gestellt. Heute Nachmittag vermeldet die „Berliner Zeitung“: „Neun DDR-Bahnhöfe kommen unter Denkmalschutz“. Gemeint sind die Stationen der U 5 zwischen Tierpark und Hönow. Diesem Teil der „einzigen zu DDR-Zeiten gebauten U-Bahnstrecke“ komme u. a. ein besonderer verkehrsgeschichtlicher Wert zu, zitiert die BZ den Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert.

Besagte U-Bahnhöfe wurden (ausgenommen der später erneuerte Halt „Kienberg/Neue Grottkauer Straße“) vom Entwurfs- und Vermessungsbetrieb der Deutschen Reichsbahn (EVDR) gestaltet. In Berlin wurden vor Kurzem bereits West-Berliner Bahnhöfe der Postmoderne unter Denkmalschutz gestellt. Im Verbund fügt sich damit langsam auch im Untergrund ein baugeschichtliches Bild der ehemals geteilten Stadt, wie es Initiativen wie „Kerberos“ in Berlin seit Monaten einfordern. Im September will eine Internationale ICOMOS-Tagung – thematisch passend – einen Blick auf das „stilistische Wettrüsten“ zu Zeiten der Internationalen Bauausstellung werfen, die in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiliäum feiert. Wir freuen uns also schon auf künftige Meldungen mit Titeln wie: „Berlin stellt weitere U-Bahnstationen unter Schutz“. (kb, 6.8.17)

Berlin, U-Bahnhof „Tierpark“ (Bild: Phaeton1, CC BY SA 3.0)

Berlin, Maria Regina Martyrum (Bild: Rabanus Flavus, PD)

Ein Abriss, ein Jubiläum und viel Stille

Wenn dieser Tage wieder der Abriss einer modernen Klosteranlage Schlagzeilen macht (Düsseldorf, Franziskanerkirche/St. Antonius, 1955, Heinz Thoma), dann ist ein – wenn auch zehnjähriges – Kloster-Jubiläum umso mehr zu feiern: Vom 5. bis zum 6. August begeht die evangelische Communität Don Camillo den freudigen Anlass mit Ausstellung, Führungen, Konzerten und Turmbesteigungen. Über das ganze Jahr bietet die Segenskirche (1908, August Dinklage/Ernst Paulus/Olaf Lilloe) in Berliner-Prenzlauer Berg als „Stadtkloster“ ebenso Spirituelles für Passanten wie Gästezimmer für Ruhebedürftige.

Auch ein klarer Betonbau dient in der Hauptstadt als Klosterkirche: Der Karmel hat seinen Sitz seit 1984 an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum (1963, Hans Schädel/Herbert Jünemann/Friedrich Ebert). In direkter Nachbarschaft zur Gedenkstätte Plötzensee, einer ehemaligen NS-Haftanstalt, verstehen sich die Schwestern auch als Hüterinnen der Erinnerung. In Berlin reicht die Palette – der Tagesspiegel spricht 2014 von 400 Nonnen und 125 Mönchen (Buddhisten mitgerechnet) – vom (für Berliner Verhältnisse alteingesessenen) Dominikanerkloster St. Paulus (Engelbert Seibertz, 1893) in Moabit bis hin zu den abgeschiedenen Steyler Anbetungsschwestern in St. Gabriel/Mariae Verkündigung (1937, Martin Braunstorfinger) in Westend. (kb, 3.8.17)

Titelbild: Berlin-Plötzensee, Maria Regina Martyrum (Bild: Rabanus Flavus, CC BY SA 4.0)

Moderne neu denken

Eine Verfolgungsjagd, ein Spion in Kofferraum und eine Geliebte auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs – aus den Zeiten des Kalten Krieges ist uns die ein oder andere unsterbliche kulturelle Chiffre geblieben. In Architektur und Städtebau wurde ebenso mit ideologisch aufgeladenen Stereotypen gekämpft. Der Westen propagierte den klaren Funktionalismus, der Osten – zumindest für einige Jahre – den Rückgriff auf traditionelle Formen. Vor 60 Jahren, zur „Internationalen Bauausstellung Interbau Berlin 1957“ war die geteilte Stadt Schauplatz diesen stilistischen Wettrüstens. Der als Stalinallee begonnenen Karl-Marx-Allee im Osten Berlins wurden die westlich geprägten Interbau-Projekte entgegengestellt. Mit dem Weiterbau der Karl-Marx-Allee bis 1964 entwickelte der Osten dann nochmals eine neue Auffassung von Moderne.

Dieses einmalige Gegenüber von so viel bewegter Architektur- und Städtebaugeschichte veranlasste das Land Berlin, 2013 einen Antrag auf Aufnahme in die Vorschlagliste für das UNESCO-Weltkulturerbe zu stellen. Vom 10. bis zum 12. September 2017 laden die Akademie der Künste Berlin, die dortige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und das Landesdenkmalamt sowie ICOMOS Deutschland nun zur Internationalen Konferenz nach Berlin – eine Veranstaltung zum 60. Interbau-Jubiläum und im Rahmen ist das European Cultural Heritage Year (ECHY) 2018. Unter dem Titel „Rethinking Modernity | Moderne neu denken“ soll das Berliner Beispiel um internationale Vergleiche erweitert werden. (kb, 2.8.17)

Titelbild: Plakatmotiv, Fotos: Wolfgang Bittner/Wolfgang Reuss, Landesdenkmalamt