Berlin

Berlin, Wohnpyramide Schöneberg (Bild: Gunnar Klack CC BY-SA 4.0)

Berlins wuchtige 1970er unter Schutz

Still und leise wurden im März drei Berliner Wohnanlagen der 1970er unter Denkmalschutz gestellt: die „Schöneberger Terrassen“, 1976-79 nach Plänen von Waldemar Poreike (1927-2014) errichtet, die 1972 fertiggestellte „Pyramide“ an der Kleiststraße von Fridtjof Schliephacke (1930-1991) und der Sozialpalast (1974-1977, heute „Pallasseum“), für den Jürgen Sawade (1937-2015) verantwortlich zeichnete. Allen gemein ist, dass sie im Stadtteil Schöneberg stehen und dass sie so bekannt wie umstritten sind. Insbesondere die Plattenbauten der Schöneberger Terrassen stehen wegen Ästhetik und Asbestbelastung in Dauerdiskussion. Pallasseum und Pyramide hatten ebenfalls (sozial) schwierige Zeiten, sind als Wohnorte mittlerweile jedoch wieder beliebt.

Auch die Unterschutzstellung der wuchtigen Wohnanlagen steht nun in der Kritik: Die Entscheidung des Landesdenkmalamts sei nicht in Abstimmung mit dem Bezirksamt geschehen, bemängeln sowohl die SPD-Fraktion Tempelhof-Schöneberg als auch der stellvertretende Ortsbürgermeister Jörn Oltmann (B90/Grüne) die Entscheidung des Kultursenators Klaus Lederer (Linke). Die SPD sieht in den Bauten „bedeutende Zeugnisse ihrer Zeit“, kritisiert aber das Verfahren „von oben herab“. Die CDU hält Pyramide, Pallasseum und Terrassen „nicht gerade (für den) Ausdruck städtebaulicher Schönheit“ und will den Senator nach den Gründen für seine Entscheidung fragen. Müssen wir wirklich erläutern, dass „Schönheit“ kein Denkmal-Kriterium ist, oder empfehlen wir den Fragestellern einfach den Blick ins Denkmalschutzgesetz? (db, 17.7.17)

Berlin, „Pyramide“ in der Kleiststraße (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Berlin, Steglitzer Kreisel, Umbauplanungen (Bild: Fuchshuber Architekten Leipzig/CG-Gruppe)

Berlin: schöne neue Welt am Steglitzer Kreisel

Es wird alles besser. Und schöner. Soweit zumindest die CG-Gruppe, der in diesen Tagen der „Steglitzer Kreisel“ übergeben wurde. Der Bau des 34-geschossigen Hochhauses wurde 1968 nach Entwürfen der Architektin und Bauunternehmerin Sigrid Kressmann-Zschach (1929-90) begonnen. Die Kosten trugen teils der Berliner Senat, teils die Wohnungsbaugesellschaft AVALON. Durch die Insolvenz der Letzteren kam es 1974 zum Baustopp, die Stadt aber hatte gebürgt und nach einigen juristischen Verwicklungen konnte der Bau schließlich 1980 fertiggestellt werden. Zunächst zog das Bezirksamt Berlin-Steglitz-Zehlendorf ein. Doch als man in den 1990er Jahren Asbest feststellte, folgten Gutachten und 2007 schließlich Räumung und Leerstand.

Nach einem internationalen Bieterverfahren wurde das Ensemble an die CG-Gruppe verkauft, die zuvor schon den Sockel des Hochhauskomplexes erworben hatte. Inzwischen hatte man das ehemalige Bürohochhaus für 18,5 Millionen einer Asbestsanierung unterzogen. Anfang Juli erläuterten die Investoren nun auch ihre Planungen (Fuchshuber Architekten Leipzig) für die Sanierung, die bis 2021 abgeschlossen werden soll: In Sockel und Turm sollen insgesamt rund 350 Wohneinheiten entstehen. Einige werden vermietet, die meisten jedoch verkauft. Es ist die Rede von rund 5.000 bis rund 10.000 Euro Quadratmeterpreis (je höher, desto teurer). (kb, 10.7.17)

Berlin, Steglitzer Kreisel, Umbauplanungen (Bild: Fuchshuber Architekten Leipzig/CG-Gruppe)

Berlin, St. Hedwig, 2005 (Bild: Arnold Paul, CC BY SA 2.5)

Berlin: Neue Hoffnung für St. Hedwig?

Seit 1927 Basilica minor, seit 1930 Bischofskirche – St. Hedwig ist DIE katholische Kirche der alten/neuen Hauptstadt. In Berlin wurde sie 1773 als erster katholischer Kirchenneubau nach der Reformation eingeweiht. Und im 20. Jahrhundert bemühten sich gleich mehrere Architektengrößen um St. Hedwig: bis 1932 Clemens Holzmeister, bis 1963 Hans Schwippert, bis 1978 Hans Schädel und Hermann Jünemann. Prägend blieb der Wiederaufbau durch Schwippert, der außen alles beim Alten beließ. Fast, denn über der Betonschalenkuppel verzichtete er auf die klassizistische Laterne. Der Innenraum wurde radikal neu gedacht: ein Kapellenkranz und ein programmatisch offener Zugang zur Unterkirche.

2013 wurde ein Wettbewerb zur „Modernisierung“ der Bischofskirche ausgelobt und 2014 das Büro Sichau & Walter Architekten GmbH und Leo Zogmayer ausgewählt. Nach ihrem Entwurf bliebe die eigenständige Deutung der Nachkriegszeit, Schwipperts Idee einer „Doppelkirche“, nicht erhalten. Bundesweit regten sich Proteste, die vor allem kultur- und liturgiegeschichtlich für die Nachkriegsgestaltung eintraten. Neues Futter erhielt die Kontroverse nun durch eine Veranstaltung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die sich damit zugleich deutlich gegen den angedachten Umbau aussprach. Wie Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung am 4. Juli berichtete, rangen u. a. Landeskonservator Jörg Haspel und die Trierer Kunsthistorikerin Sabine Schulte unter der Moderation von Christian Freigang (FU Berlin) um Argumente für den Wert der Nachkriegsgestaltung. Zuletzt habe der Bistums-Pressesprecher Stefan Förner ein kleines Fenster für eine neue Diskussion aufgestoßen: Der Umbau sei funktional erforderlich, nicht aber kirchenrechtlich zwingend. Damit komme der Denkmalpflege, so Nikolaus Bernau, „nun eine ganz neue, viel stärkere Stellung in der Debatte“ zu. Wir dürfen gespannt sein. (kb, 6.7.17)

Berlin, St. Hedwig (Bild: Arnold Paul, CC BY SA 2.5)

Berlin, Volksbank (Bild: Jochen Teufel, CC BY-SA 3.0)

Volksbank Berlin: Der Abriss läuft

Es erschreckt noch immer, dass auch Gebäude mittlerweile zu Verbrauchsartikeln erklärt worden sind. Und wir sprechen nicht von einem Behelfspavillon für irgendeine Gartenschau, sondern von einem repräsentativen und aufwendig konstruierten Bürogebäude der Postmoderne, das zudem auch noch an einem städtebaulich markanten Ort steht: Seit einigen Wochen läuft der Abriss des erst 1985 fertiggestellten Volksbank-Hauses am Berliner Olof-Palme-Platz. Errichtet wurde es nach Plänen von Pysall, Stahrenberg und Partner für die Grundkreditbank, die später in der Volksbank aufging. Nachdem das Geldinstitut die Immobilie Ende 2014 an ein Konsortium aus drei Unternehmen verkauft hatte, erwarb sie im August 2016 der milliardenschwere Finanzier Barings „für einen von ihr beratenen institutionellen Investor„.

Das PoMo-Gebäude müsse nun weichen, da es in seiner Aufteilung sehr speziell und nur für den bisherigen Nutzer maßgeschneidert sei – so Armand Grüntuch von Grüntuch Ernst Architekten. Nach Entwürfen seines Büros soll an seiner Stelle ein 60 Meter hoher Turm entstehen, der den „Altbau“ mit dem hinreißend geschmacksunsicheren Entree ersetzt. Bereits seit einigen Jahren war diskutiert worden, ob das Volksbank-Haus aufgestockt werden könne; Planungen wurden aber aufgrund des großen Aufwands verworfen. Und so fällt ein weiteres, markantes Stück West-Berlin der späten Vorwendejahre. (db, 30.6.17)

Berlin, Volksbank (Bild: Jochen Teufel, CC BY SA 3.0)

Der Bildhauer Hans Uhlmann (Foto: Fritsch Eschen, vor 1964, Bild: Galerie Haas, Berlin, CC BY SA 4.0)

Der unbekannte Fritz Eschen

Fritz Eschen (1900-1964) begann 1928 als freiberuflicher Bildjournalist zu arbeiten. Aus einem liberal-jüdischen Elternhaus stammend, kam er in Berlin mühelos in Kontakt zu Künstler- und Politiker-Kreisen. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er 1933 aus dem Reichsverband der Deutschen Presse ausgeschlossen, konnte aber mit Unterstützung u. a. von Associated Press zunächst weiterarbeiten. Doch schon 1936 war er darauf angewiesen, als Dozent für Fotografie an einer jüdischen Bildungsstätte zu arbeiten. Seine Heirat mit Lipsy Thumm, eine „privilegierten Mischehe“, schützte ihn nicht vor Zwangsarbeit. Nach 1945 nahm er die Arbeit unmittelbar wieder auf.

Um offene Fragen zum Werk von Fritz Eschen zu klären, lobt die Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur das – seit 2014 zu je wechselnden Themen der Fotografiegeschichte vergebene – Thomas-Friedrich-Stipendium aus. Das Stipendium vom 1. Januar bis 31. Dezember 2018 umfasst 8.000 Euro und einen Sachkostenbudget von bis zu 2.500 Euro. Am Ende ist ein wissenschaftlicher Aufsatz von ca. 30 Seiten zu verfassen, für den als Honorar 4.500 Euro gezahlt werden. Erwünscht sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Kunstgeschichte oder eine vergleichbare Qualifikation. Vollständige schriftliche Bewerbungsunterlagen mit Schriftenverzeichnis und einer Textprobe im Original werden bis zum 31. August 2017 erbeten an: Berlinische Galerie, Personalservice, Stichwort: Thomas Friedrich-Stipendium, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin. (kb, 20.6.14)

Hans Uhlmann (Foto: Fritsch Eschen, vor 1964, Bild: Galerie Haas, Berlin, CC BY SA 4.0)