Berlin

Berlin, Mauerdreieck Liesenstraße/Gartenstraße, 1980 (Bild: Alexander Buschorn, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Berlin: Vergessener Mauerabschnitt entdeckt

Die Berliner Mauer wurde „nie“ beabsichtigt, gebaut, besprüht, durchlöchert und zuletzt – in Scheiben geschnitten – auf neureiche russische Vorgärten verteilt. Was in Berlin blieb, wurde als Zeitzeugnis umso wertvoller. Das dortige Landesdenkmalamt hat nun einen vergessenen Mauerabschnitt wiederentdeckt und gesichert. Am S-Bahnhof Schönholz wurde während der deutsch-deutschen Teilung eine alte Ziegelmauer als Teil der „Berliner Mauer“ verwendet. Zuvor trennte sie Parzellen an der Pankower Buddestraße vom benachbarten Bahnhof ab und sollte (ergänzt, erhöht und mit Sperrelementen versehen) Fluchtversuche verhindern. Damit liegt der 80 Meter lange Mauerabschnitt keine 200 Meter vom Fluchttunnel am Pankower Friedhof, durch den (bis zu seiner Entdeckung) rund 100 DDR-Bürger in den Westen gelangten.

Das Mauerstück dokumentiert, wie in der ersten Zeit des Mauerbaus vorhandene Strukturen für die schnelle Absperrung genutzt wurden. Auch an der Bernauer Straße dienten anfangs die Reste von Mietshäusern der Grenzbefestigung. Diese Bauphase ist sonst an keiner Stelle mehr in Berlin derartig authentisch überliefert. Deshalb wurde nun die Unterschutzstellung dieses besonderen Mauerabschnitts eingeleitet. Dr. Klaus Leder, Senator für Kultur und Europa, erklärte, die Regierungskoalition habe „sich vorgenommen, erhaltene Mauerreste verstärkt zu schützen.“ (kb, 6.2.18)

Eines der 1980 unübersehbaren Mauerabschnitte an der Liesen-/Gartenstraße (Bild: Alexander Buschorn, GFDL oder CC BY SA 3.0) – Bilder vom wiederentdeckten Mauerabschnitt in Pakow gibt es hier

Dessau, Meisterhäuser (Bild: Dirk Schmidt, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Der große Bauhaus-Call

Für die 16. Docomomo-Deutschland-Tagung „100 Jahre Bauhaus: Was interessiert uns heute die Moderne?“, die am 22. Februar 2019 (!) in der Berliner Akademie der Künste stattfinden soll, werden noch Themen gesucht. Bis zum 31. März 2018 können sich Akteure aus Wissenschaft, Lehre und Praxis ein, die eingebunden sind in Prozesse der Erhaltung, Konservierung, Renovierung oder Transformierung von Gebäuden, Stätten und Nachbarschaften des Modern Movement melden bei: docomomo@bauhaus-dessau.de. Die Eingänge sollen Bezug auf: Register (Gebäude, Typologien, Architekten/Planer), Urbanism+Landscape (Gebäudeensembles, Außenräume, Policies), Education+Theory (Programme, Konzepte, Ansätze), Technology (Komponenten, Materialien, Techniken) oder Interior Design (Innenräume, Ausbauten, Atmosphären).

Die Unterlagen müssen enthalten: 1. Titel (max. 65 Zeichen) und Abstract (max. 300 Wörter); Keywords (max. 5 Wörter); 2. Themenauswahl (Urbanism+Landscape, Education+Theory, Technology oder Interior Design); 3. Autoreninformation (Name, Universität/Firma/Organisation, Land); 4. Biographie (max. 100 Wörter) – und E-Mailadresse und Telefonnummer. Abstracts sollen ein Themengebiet definieren und die Argumente zusammenfassen, die später in einem längeren Beitrag dargestellt werden. Die Beiträge sollen auf einer gut dokumentierten originären Forschungs-/Projektarbeit beruhen und vorzugsweise analytisch interpretierend sein. Die Inhalte sollen vorher weder veröffentlicht oder öffentlich präsentiert worden sein. Es ist nur eine Einreichung je Autor/Koautor zulässig. Es wird erwartet, dass jede/r Sprecher/in die Konferenz sowie Reise und Unterkunft aus eigenen oder institutionellen Mitteln finanziert. (kb, 18.1.18)

Dessau, Meisterhäuser (Bild: Dirk Schmidt, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Sigrid Neubert, Hans Maurer, Erdfunkstelle bei Raisting, 1970 (© Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

Erdfunkstelle und Olympiaparkhaus

Schulgängern der 1970er Jahre dürfte dieses Bild tief vertraut sein: Die riesige Parabolantenne scheint das bayerische Barockkirchlein schier zu erdrücken. Moderne gegen Tradition, Wissenschaft gegen Religion – so waren gern bediente Deutungsschemata für diese Fotografie von Sigrid Neubert aus dem Jahr 1970. Heute mag sich der einstige Blick zu einem nostalgischen gewandelt haben. Der Modernist wie der Brutalist freut sich an der inzwischen denkmalgeschützten „Erdfunkstelle“ und fragt sich, ob sie noch steht (ja).

Sigrid Neubert (* 1927) gilt als eine der bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands. Rund 30 Jahre arbeitete sie für bedeutende Architekturbüros und entwickelte dabei ihren kontrastreichen, die Strukturen der Bauten klar herausarbeitenden Stil. Hier sind z. B. das Olympiaparkhaus von Gerd Wiegand, das BMW-Ensemble von Karl Schwanzer oder die Hauptverwaltung der Hypo-Bank von Bea und Walter Betz zu nennen. Seit den 1970er Jahren schuf Neubert ebenso Naturbilder, denen sie sich ab 1990 ausschließlich widmete. Das Museum für Fotografie (Jebensstraße 2, 10623 Berlin) zeigt ihr Werk, eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin, vom 9. Februar bis zum 3. Juni 2018 unter dem Titel „Sigrid Neubert – Fotografien. Architektur und Natur“. Die Eröffnung wird am 8. Februar 2018 um 19 Uhr begangen. (kb, 8.1.18)

Sigrid Neubert, Hans Maurer, Erdfunkstelle bei Raisting, 1970 (© Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

"Rammstein" bei einem Auftritt in Wacken (Bild: Jonas Rogowski, CC BY SA 3.0, 2013)

Rammstein erhält Denkmalpreis

In diesem Jahr geht der Berliner Denkmalpreis (Ferdinand-von-Quast-Medaille) gleich an mehrere Kulturzeugen der Moderne. Bereits seit 1987 wird diese Auszeichnung verliehen durch das für Denkmalpflege zuständige Senatsmitglied auf Vorschlag des Landesdenkmalamts. Der undotierte Preis würdigt Menschen und Institutionen, die sich in besonderer Weise um Denkmale der Stadt verdient gemacht haben. Unter den insgesamt drei Preisträgern finden sich zunächst Barbara und Dr. Hans-Dieter Jaeschke für die Sanierung und Umnutzung des Stadtbades Prenzlauer Berg nach langem Leerstand. An zweiter Stelle wird der Bürgerverein Hansaviertel e. V. ausgezeichnet für sein langjähriges Engagement zugunsten des Hansaviertels als Kernstück der Interbau 1957.

Nicht zuletzt steht die Rockband Rammstein auf der Liste der Prämierten für die Sanierung und Umnutzung einer Industriehalle auf dem ehem. Bergmann-Borsig-Gelände in Pankow (Stefan Mehnert, Rammstein-Manager und Projektleiter, wird die Auszeichnung entgegennehmen). Senator Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa, gratulierte den drei Preisträgern, die „alle drei Einzigartiges für die Berliner Denkmalpflege vollbracht haben.“ Er verleiht die Ferdinand-von-Quast-Medaille am 8. Januar 2018, 18 Uhr, im Berliner Rathaus ( Rathausstraße 15, 10178 Berlin, Wappensaal (1. OG)) verliehen. (kb, 6.1.17)

„Rammstein“ bei einem Auftritt in Wacken (Bild: Jonas Rogowski, CC BY SA 3.0, 2013)

Berlin-Wilmersdorf, Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße (Bild: Axel Mauruszat, gemeinfrei)

Die Schlange ist unter Schutz!

Unter den Berlinern läuft sie – mal mehr, mal weniger liebevoll – schlicht unter „Schlange“. Und eben jene ist jetzt unter Schutz kommen, genauer gesagt unter Denkmalschutz. In der Planungsphase nannte man das ehrgeizige Bauprojekt „Wohnpark Wilmersdorf“, später „Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße“. Im Auftrag der dewego entstand der soziale Wohnungsbau zwischen 1973 und 1980 nach Entwürfen der Architekten Georg Heinrichs (mit Wolf Bertelsmann), Gerhard und Klaus Krebs Bauten, die dazugehörige Außenanlage bis 1981 nach Entwürfen von Paul-Heinz Gischow und Walter Rossow.

Für das eng gewordene Westberlin ermöglichte man damit auf über 500 Meter Länge über 1.000 neue Wohnungen, zudem noch einmal knapp 700 Wohnungen als „Randbebauung“ sowie Gemeinschaftsräume und Grünflächen. Schon zur Bauzeit war das Projekt nicht unumstritten, doch 2002 wurde die Anlage mit dem Renault Traffic Design Award als „fortschrittliche Verkehrsarchitektur“ in der Kategorie „Historischer Award“ rehabilitiert. 2015 bereits hatten der Denkmalbeirat der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf und der bezirkliche Stadtentwicklungsausschuss eine Unterschutzstellung angeregt. Nun, zwei Jahre später, wurde die „Schlange“ in die Denkmalliste eingetragen. Für Dr. Klaus Lederer, Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa, „stellt die Wohnanlage einen Höhepunkt der Berliner Architektur der 1970er Jahre dar und weist in ihrem Anspruch und Qualitäten weit über die Grenzen der Stadt hinaus.“ (kb/db, 9.12.17)

Berlin-Wilmersdorf, Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße (Bild: Axel Mauruszat, gemeinfrei)