Schlagwort: Bern

Chemnitz, Betonbauarbeiten zur "Großen Stadthalle", 1970 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-J0724-0019-001, CC BY SA 3.0, Foto: Wolfgang Thieme)

Zweckbau oder Sozialutopie?

Während das industrialisierte Bauen bereits ab den 1920er Jahren vielerorts energisch vorangetrieben wurde, können die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg länderübergreifend als Hochzeit des Systembaus gelten. Nicht mehr nur vorfabrizierte Teile fanden jetzt Verwendung im oft staatlich gesteuerten Wiederaufbau – die Idee, gleich ganze Systeme zur Anwendung zu bringen, fand nun zu ihrer Umsetzung. Zugleich ist die Moderne auf das Spannungsmoment zu befragen, das sich aus serieller Ästhetik auf der einen sowie den zu bewahrenden Individualitätsansprüchen der Bewohner wie Architekten auf der anderen Seite ergibt. Für die Tagung „In Serie. Architekturmoderne zwischen Zweckbau und Sozialutopie“, die als Teil der Forschungen von ICOMOS Suisse „System in Serie“ vom 8. bis 9. November 2018 stattfinden soll, werden daher noch Themenvorschläge gesucht.

Möglich sind Fragestellungen wie: Welche Gesellschaftsentwürfe dokumentieren sich in nachkriegsmodernen Bausystemen? Wie verhalten sich die gesteigerten Individualitätsansprüche der Nutzer und die vom modularen Raster gesetzten Grenzen des Systembaus zueinander? Welche Indikatoren können für die denkmalpflegerische Einordnung des Systembaus herangezogen werden? Abstracts von nicht mehr als 350 Wörtern zzgl. Quellenangaben sowie evtl. Nachfragen können bis zum 15. April 2018 eingereicht werden unter: Dr. Sarah M. Schlachetzki, sarah.schlachetzki@ikg.unibe.ch, +41 31 631 52 59; Dr. Tino Schlinzig, tino.schlinzig@tu-dresden.de, +49 351 463 37 37 1. (kb, 13.2.18)

Chemnitz, Betonbauarbeiten zur „Großen Stadthalle“, 1970 (Bild: Bundesarchiv 183-J0724-0019-001, CC BY SA 3.0, Foto: Wolfgang Thieme)

Kunsthallen

Bern, Kunsthalle (Bild: Krol:k, CC BY SA 3.0)
Seit 1918 Ort der zeitgenössischen Kunst: die Kunsthalle Bern (Bild: Krol:k, CC BY SA 3.0)

Im Juli 1968, zum 50. Geburtstag der Kunsthalle Bern, hüllten Christo and Jeanne-Claude das Gebäude in 2.430 Quadratmeter weiße Polyethylen-Folie. Damit war dieses Stück Architektur das erste in Europa, das die Ehre hatte, von Christo verpackt zu werden. Weitere künstlerische Interventionen folgten, die sich ausdrücklich auf die Architektur des Ausstellungshauses bezogen. In dieser Tradition versteht sich auch die Tagung „KUNSTHALLEN. Architectures for the Continuous Contemporary in Europe in the US“, die am 2. September 2016 in der Universität Bern stattfindet.

Anlass der Konferenz ist das 2018 bevorstehende 100-jährige Jubiläum der Kunsthalle Bern. Die Veranstaltung soll internationale Gäste aus verschiedenen Fachbereichen und Institutionen zusammenführen, um über die historische Entwicklung, die politischen Implikationen und die soziale Stellung der Kunsthalle zu diskutieren. Organisiert wird die Veranstaltung vom Institut für Kunstgeschichte Bern in Kooperation mit dem Institut für Kunstgeschichte Basel. Eine Anmeldung ist  nicht notwendig, eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben. (kb, 20.8.16)

Sites of Memory of Socialism

Schukos monumentaler Entwurf für den Palast (Bild: PD)
Lenin grüßt von ganz oben: Schukos Entwurf für den „Palast der Sowjets“ in Moskau (Bild: PD)

25 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die Geschichte von Sozialismus und Kommunismus in der europäischen Erinnerungskultur nach wie vor umstritten. In einigen Ländern des ehemaligen „Ostblocks“ wird diese Vergangenheit als Abgrenzungsfolie für nationale Identitätsentwürfe genutzt. Andernorts sind Tendenzen nostalgischer Erinnerung an das Leben vor 1989 bzw. 1991 zu beobachten. In manchen Staaten West- und Mitteleuropas scheint man schließlich ganz zu vergessen, wie die eigene Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert von sozialistisch-kommunistischen Bewegungen geprägt wurde. Von einer gemeinsamen Erinnerungskultur an die Geschichte von Sozialismus und Kommunismus ist Europa heute noch weit entfernt.

Daher widmet sich die internationale Konferenz „Sites of Memory of Socialism and Communism in Europe“ in Münchenwiler bei Bern (Schloss Münchenwiler, Kühergasse 7, 1797 Münchenwiler), veranstaltet vom Historischen Institut der Universität Bern vom 3. bis 6. September 2015 den europäischen Erinnerungskulturen an Sozialismus und Kommunismus vom späten 19. bis ins frühe 21. Jahrhundert. Im Mittelpunkt stehen „Orte der Erinnerung“: ebenso „authentische“ geografische bzw. topographische wie künstlich geschaffene Orte des Erinnerns und Gedenkens, Geschichts-Museen oder metaphorische „Orte“ im symbolischen Raum. Wie wurde zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit dem symbolischen Erbe umgegangen? Welche Bedeutung wurde oder wird den diesen „Orten der Erinnerung“ zugeschrieben? Das Tagungsprogramm ist online einsehbar. (kb, 13.8.15)

60 Jahre „Wunder von Bern“

Die berühmte Spieluhr des Wankdorfer Stadions wurde restauriert (Bild: Sandstein)
Nur die Spieluhr des Wankdorf-Stadions überlebte (Bild: Sandstein)

Ignorieren wir – nur für ein paar Zeilen – den aktuellen Anlass. Denn, was ist schon Brasilien gegen Bern. Gegen das „Wunder von Bern“, das in diesem Jahr genau 60 Jahre zurückliegt. Der fußballerische Sieg hat es bis zum Film und Musical gebracht: ein hart erkämpftes 3:2 gegen Ungarn, das den Optimismus der deutschen Nachkriegszeit entzündete. Der architektonische Ort des Spiels hingegen ist heute – fast – verloren.

Die Stadt Bern schnürt eigene Tourismus-Pauschalen zum großen Anlass – mit der echt authentischen Begegnung mit Zeitzeugen. Im Hotel Belvédère von Spiez wurde eine kleine Ausstellung zum Jubiläum eröffnet. Nur das „historische“ Wankdorf-Stadion mit seinem markanten Uhrenturm wurde 2001 niedergelegt. Die neue Sportstätte, das Stade de Suisse, bewirbt den neuen alten Ort nun als glamourösen Veranstaltungsraum – als den authentischen Ort des „Wunders von Bern“. (kgb, 30.6.14)