Bonn-Center

Bonn-Center wird gesprengt

Bonn-Center (Bild: Eckhard Henkel, CC-BY-SA 3.0)
Das Bonn-Center zu besseren Tagen (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0)

Katastrophentouristen aufgepasst: Wer 2013 die Sprengung des Frankfurter AfE-Turms verfolgt hat, sollte am 19. März einen Ausflug nach Bonn planen! In der ehemaligen Bundeshauptstadt geht es dem Bonn-Center an den Kragen. Der 60 Meter hohe Gebäudekomplex aus den späten 1960ern soll um 11 Uhr in sich zusammenfallen. Es wird mit rund 10 000 Schaulustigen gerechnet, die die Sprengung aus sicherer Distanz beobachten wollen. Mit dem Bonn-Center fällt das fünftgrößte Bauwerk der Stadt und ein Stück Bonner Republik.

Der Bau wurde 1968/69 nahe des damaligen Regierungsviertels errichtet und sollte der kleinstädtischen Kapitale zu einem urbanen Charakter verhelfen. Er bot unter anderem einem Hotel, zahlreichen Geschäften, Restaurants, Büros und kulturellen Einrichtungen Platz, darunter das Pantheon. Wichtigste Kunden waren Politiker aus dem nahen Bundesviertel. Mit dem weithin sichtbaren, rotierenden Mercedes-Stern auf dem Dach wurde das Bonn-Center schnell zur Landmarke und zum Symbol des Wirtschaftswunders. Zuletzt stand jedoch ein Großteil des Gebäudes leer. Nach der Sprengung soll an gleicher Stelle ein neues Bonn-Center entstehen, das sich voraussichtlich aus drei flachen Baukörpern und einem Turm zusammensetzen wird. Die Bauarbeiten beginnen Anfang 2018. (jr, 14.3.17)

Bonn-Center: Der Letzte löscht das Licht

Das Bonn-Center überragte seine Nachbarschaft, sogar das Kanzleramt (rechts) (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-F057438-0010, CC-BY-SA 3.0, Foto Detlef Gräfingholt)
Das Bonn-Center überragte sogar das Kanzleramt (rechts) (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild F057438-0010, CC-BY-SA 3.0, Foto: Detlef Gräfingholt)

Ein baulicher Zeuge der Bonner Republik könnte bald Geschichte sein. Das Bonn-Center, 1968/69 im alten Regierungsviertel errichtet und noch immer das vierthöchste Bauwerk der Stadt, steht vor dem Aus. Seit Jahren hat der riesige Gewerbekomplex mit Leerstand zu kämpfen, zur Zeit sind 14 der insgesamt 18 Etagen ungenutzt. Im Herbst 2014 erwarb eine Kölner Immobilienfirma das Bonn-Center. Sollte sich kein Mieter finden, der an einer Sanierung des Bauwerks interessiert ist, plant das Unternehmen nach Informationen des Bonner Generalanzeigers, das marode gewordene Hochhaus abzureißen und an seiner Stelle einen Neubau zu errichten.

Zu seiner Eröffnung stand das Gebäude dagegen für das neue Selbstbewusstsein der jungen Hauptstadt. Es sollte das abends nahezu ausgestorbene Regierungsviertel mit Veranstaltungen beleben und der beschaulichen Stadt eine urbane Note geben. Auf dem Dach kündete ein rotierender Mercedesstern vom wirtschaftlichen Aufschwung, in einem hauseigenen Hotel stiegen Besucher von internationalem Rang ab. Das Emblem des Sindelfinger Autobauers dreht sich bis heute, doch mit der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin sank der Stern des Bonn-Centers rapide. Die letzten Mieter müssen das Gebäude Ende des Jahres verlassen, für einen Erhalt spricht nur sehr wenig. (jr, 25.4.15)