Bonn

Bonn, Stadthaus (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-Nr. F079068-0022, 1988)

Bonn: Umzugsjubiläum

Nein, es geht hier nicht um den Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin, der der Stadt am Rhein bis heute nachhängt. Dieser jährt sich erst 2019 zum 20. Mal. Dieser Tage gilt es dagegen, ein erfreulicheres Jubiläum zu begehen: Vor 40 Jahren zog die Bonner Stadtverwaltung in das brandneue Stadthaus. Das Verwaltungshochhaus im Zentrum Bonns stellte seinerzeit ein kommunales Gegengewicht zu den hochmodernen Bauten im Bundesviertel dar.

Das Stadthaus wurde in den 1970er Jahren nach Plänen des Büros Heinle, Wischer und Partner errichtet. Die Stadtverwaltung benötigte auf Grund mehrerer Eingemeindungen dringend mehr Raum, das historische Rathaus platzte aus allen Nähten. 1978 zogen die städtischen Beamten schließlich in das 72 Meter hohe  Bauwerk, das mit seiner gläsernen Vorhangfassade, dem integriertem Parkhaus und einer eigenen U-Bahn-Station ganz den Planungsdirektiven der Zeit entsprach. Wenn auch sein architektonischer Wert unter vielen Bonnern bis heute umstritten ist, stellt der Bau zweifellos einen Meilenstein zum städtischen Selbstbewusstsein der Stadt dar. Und das hat auch über den Wegzug der Regierung hinaus Bestand. (jr, 19.4.18)

Bonn, Stadthaus (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-Nr. F079068-0022, 1988)

Bekommt Gesellschaft: die Bonner Beethovenhalle (Foto: Hans Weingartz)

Beethovenhalle erneut in Gefahr?

In Bonn bereitet man sich seit einigen Jahren auf den 250. Geburtstag des wohl berühmtesten Sohns der Stadt vor: 2020 soll Ludwig van Beethoven ein ganzes Jahr lang gefeiert werden, womit auch die Bedeutung der ehemaligen Hauptstadt als Kulturstandort unterstrichen werden soll. Nachdem die Pläne für ein neues Festspielhaus 2015 endgültig scheiterten, rückte die Beethovenhalle als Haupt-Veranstaltungsort in den Fokus. Der von Siegfried Wolske entworfene Bau wurde 1959 eingeweiht und wird derzeit denkmalgerecht saniert. Da sich die Arbeiten aber im Fortgang als teurer erweisen und mehr Zeit in Anspruch nehmen werden, wurde ein Baustopp und sogar der Abriss des denkmalgeschützten Baus vorgeschlagen. Diese Position vertreten insbesondere die früheren Festspielhausbefürworter.

Kürzlich hatte die Stadt bekanntgegeben, die Halle nicht mehr in ihre Jubiläumsplanungen einzubeziehen, da sich abzeichne, dass die Sanierungsarbeiten nicht bis 2020 abgeschlossen sein werden. Man werde ein anspruchsvolles Programm an anderen Spielstätten verwirklichen können. Die Opposition im Bonner Stadtrat schlug daraufhin vor, die Arbeiten sofort zu stoppen und einen Abriss zu prüfen. Das wäre fatal: Bonn würde damit nicht nur ein bedeutendes denkmalgeschütztes Wahrzeichen der Nachkriegsmoderne verlieren. Im Stadtrat grassieren darüber hinaus Überlegungen, die Beethovenhalle durch einen Neubau zu ersetzen, der auch für die Oper Raum bietet. Das wäre wohl das Todesurteil für das sanierungsbedürftige Opernhaus von 1965, dessen Abriss ebenfalls diskutiert wird. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Versuch, Musik und darstellende Kunst gegen nachkriegsmoderne Baukultur auszuspielen, erfolglos bleibt. Die Zeichen stehen aktuell gut: In der Sondersitzung des Rats am 5. März stimmte die Koalition für die Fortführung der Sanierung. Ob die unterlegene Opposition nun mit anderen Kräften gemeinsame Sache machen und womöglich einen Bürgerentscheid anstreben wird, ist offen. (jr, 10.3.18)

Bonn, Beethovenhalle (Foto: Hans Weingartz, CC BY-SA 3.0)

Bonn, "Bundesbüdchen" 2006 (Bild: Hans Weingartz, CC BY-SA 2.0)

Comeback fürs Bundesbüdchen

Von 1957 bis 2006 stand ein nach Plänen des Architekten Ernst Meier errichtete Kiosk in der einstigen Bundeshauptstadt Bonn. Aber nicht irgendwo, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft des Deutschen Bundestags. Und folgerichtig haben sich dort Politiker vieler Generationen haben sich dort mit Überlebensnotwendigem wie Bonbons, Bockwurst oder Bild-Zeitung und versorgt. Das sogenannte „Bundesbüdchen“ war inoffizieller Politiktreffpunkt und steht aufgrund seiner charakteristischen Form und der „parlamentarischen Vergangenheit“ unter Denkmalschutz. Doch der alte Bundestag ist schon lange abgerissen, und auch das Kioskgebäude wurde vor nunmehr zwölf Jahren samt Fundament abgebaut, um dem „World Conference Center Bonn“ Platz zu machen. Seither wartet es auf einem Bauhof auf die Wiederaufstellung.

Die Bezirksregierung hat dem Förderverein Historischer Verkaufspavillon nun eine Förderung über 135.000 Euro für den Wiederaufbau des „Bundesbüdchen“ bewilligt. Wann genau das Büdchen wieder stehen werde, sei noch nicht sicher, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung am Montag. Sein neuer Standort solle sich an der Heussallee, ganz in der Nähe des ursprünglichen Standorts am heutigen Platz der vereinten Nationen befinden. (db, 6.3.18)

Bonn, „Bundesbüdchen“ 2006 (Bild: Hans Weingartz, CC BY-SA 2.0)

Berlin, Pavillon Fehrbelliner Platz, Blick durch die Passage neben dem Hauptabgang ins Freie (Bild: Verena Pfeiffer-Kloss, 2014)

Moderne Kunsttexte

Die Online-Zeitschrift „Kunstexte“ kann in der Sektion „Architektur Stadt Raum“ aktuell gleich mit zwei lesenswerten Beiträgen zur Architekturmoderne aufwarten: Frank Schmitz schreibt über „Die Angst vor dem Nationaltheater“. Am Beispiel des 1965 eröffneten, heute als Opernhaus genutzten Stadttheaters in Bonn wird besonders deutlich, wie widersprüchlich die Anforderungen an diesen Repräsentationsbau der damals provisorischen Hauptstadt waren – und wie die Aufgabe, mit dem Bühnenbau keinen Anlass zur Kritik zu geben, architektonisch erfolgreich gelöst wurde.

In einem zweiten Beitrag widmen sich Ralf Liptau und Verena Pfeiffer-Kloss dem Thema „Von Stecknadeln und Fäden. U-Bahnhöfe der Nachkriegsmoderne unter Wien und Berlin“. Das unterirdische Verkehrsnetz der beiden Metropolen wurde zwischen den späten 1960er Jahren und den 1980er Jahren umfänglich erweitert. An der direkten Gegenüberstellung dieser so unterschiedlichen Gestaltungen zeigen sich ganz unterschiedliche Auffassungen davon, was ein U-Bahnhof zu sein hat. In einem Ausblick werden die Bedeutung dieser Baugattung für die Architekturgeschichtsschreibung der Nachkriegsmoderne entfaltet und erste typologische Merkmale hierfür vorgeschlagen. (kb, 24.2.18)

Berlin, Pavillon Fehrbelliner Platz, Blick durch die Passage neben dem Hauptabgang ins Freie (Bild: Verena Pfeiffer-Kloss, 2014)

Bonn, Flyer zur Bundesgartenschau 1979 (Bild: via wikimedia commons)

Jetzt ist es amtlich: Rheinaue unter Schutz

Am Donnerstag herrschte bei der Anhörung unverhoffte Einigkeit: Die Bezirksregierung Köln stellt die Rheinaue unter Denkmalschutz, die Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan stimmt zu. Zuvor hatte die städtische Verwaltung zwiespältig auf die mögliche Unterschutzstellung reagiert. Einige fürchteten gar, hier einen beliebten Ort zur Naherholung und für Großveranstaltungen zu verlieren. Immerhin geht es um satte 160 Hektar nachkriegsmodernes Kulturerbe in bester Uferlage.

Die Rheinaue wurde zur Bundesgartenschau (BUGA) 1979 hergerichtet. Zuvor waren am Rand der Fläche das Regierungsviertel und eine US-Siedlung entstanden. Aus der verbliebenen, noch landwirtschaftlich genutzten Grünfläche schufen Gottfried Hansjakob und Heinrich Raderschall mit Ernst van Dorp und Klaus Schmidt für einen dreistelligen Millionenbetrag einen hügeligen Landschaftspark mit Kleinarchitekturen. Eine Fähre brachte die BUGA-Besucher über den Rhein. „Um auch zukünftigen Generationen diesen Park in seiner Einzigartigkeit erlebbar zu machen, werden wir diesen Park als Baudenkmal schützen“, begründete Regierungspräsidentin Gisela Walsken den neuen Status gegenüber dem Bonner Generalanzeiger. Der Park soll der Öffentlichkeit aber auch weiterhin für Sport und Freizeit zur Verfügung stehen. (kb, 16.12.17)

Bonn, Flyer zur Bundesgartenschau 1979 (Bild: via wikimedia commons)