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Altes Hertiegebäude Neustadt (Bild: PD)

Neustart in Neustadt

Der Brutalismus ist ja derzeit in aller Munde: nicht nur, dass das DAM in Frankfurt den Betonmonstern eine eigene Sonderausstellung widmet. Diverse Medien rufen seit der Eröffnung zur Revision des Baustils auf, in Hipsterkreisen ist er längst Kult. Nun hat auch Neustadt an der Weinstraße sein Herz für Brutalismus (wieder)entdeckt. Kürzlich wurde bekannt, dass das ehemalige Hertiegebäude in der Innenstadt erhalten bleibt und 2019 erneut seine Pforten öffnen soll – zuletzt residierte dort Karstadt, seit 2009 stand der Bau leer und war akut abrissbedroht.

Die Immobilie steht beispielhaft für den Einzug des Brutalismus in die deutschen Innenstädte der Nachkriegszeit. Der stattliche Betonkoloss reckt sein Parkdeck am Neustädter Kartoffelmarkt in die Höhe, vis-à-vis mit der Stiftskirche, dem historischen Wahrzeichen der Stadt. Wie vielen Kollegen in anderen Städten, etwa dem Betonbau des historischen Museum am Frankfurter Römer, drohte auch dem Hertiegebäude in den 2000ern der Abriss. Diese Pläne sind nun vom Tisch: ein Investor plant die Revitalisierung des Betonklotzes, künftig sollen auf den drei Verkaufsetagen verschiedene Einzelhändler Platz finden. Die Architektur soll dabei modifiziert und nach Informationen des Focus durch einen Aluminiumschleier mit den umliegenden Fachwerkbauten versöhnt werden. (jr, 24.11.17)

Altes Hertiegebäude Neustadt (Bild: PD)

Schöner Shoppen in Bad Münstereifel?

Bad Münstereifel: Heino Kramm vor seinem Fanshop (© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons))
Bad Münstereifel: Heino Kramm vor seinem damaligen Fanshop (Foto: © Raimond Spekking/CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons))

Sie kennen Bad Münstereifel nur über den sonnenbrillentragenden Schlageristen, der hier ein Café betrieb? In dem Kurstädtchen wurde jetzt das erste innerstädtische Outlet-Shopping Center eröffnet: Bad Münstereifel wagt damit ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Experiment. Auf den ersten Blick hat sich baulich nicht viel verändert in dem schmucken Städtchen, das für Altbauten, Kuranlagen und – natürlich – Heinos früheren Cafébetrieb bekannt ist. Die Läden, die zum Outlet-Center gehören, erhielten eine einheitliche Gestaltung mit Logo.

Doch soll die Gleichheit nicht in den Vordergrund treten – sie bleibt im Hintergrund, wo zentral über das Angebot entschieden wird. Dabei galt es als lange als gute moderne Stadtplanung, die Nutzungen zu trennen. Und das Einkaufen autofreundlich auf die „grüne Wiese“ zu schicken. In Bad Münstereifel soll nun eine gewachsene Stadt mit einer neuen Funktion gefüllt und zusammengebunden werden. Zukunftsweisendes Modell, eine künftige wirtschaftliche Blüte, verzweifelter letzter Versuch? Das wiedereröffnete HEINO-Café zumindest liegt, wie es sich gehört, schon in der Innenstadt – probieren Sie doch einmal den Whiskey-Gugelhupf „Karamba, Karacho“ … (mb, 19.8.14)