Cityhof

"Hamburger Bauheft: Cityhof" (Bild: Schaff Verlag)

Neuauflage Cityhof

Demnächst dürfte diese Publikation – leider – historischen Seltenheitswert haben: Pünktlich zur Buchmesse erscheint eine lesenswerte Neuauflage zum City-Hof der Reihe der Hamburger Bauhefte im Schaff-Verlag. In der illustren, von Jörg Schilling herausgegebenen Reihe wurden schon prägende Bauten der hanseatischen Moderne behandelt – von den Esso-Häusern bis zum Brahms-Kontor. Im neuaufgelegten Cityhof-Heft widmet sich die Architekturhistorikerin Sylvia Necker der ersten Hochhausgruppe in Hamburgs Innenstadt: Bis 1957 wurde das Ensemble nach Entwürfen des Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957) fertiggestellt.

Klophaus verband vier Hochhausscheiben durch Zwischenbauten. Die Fassaden wurden ursprünglich mit weißen Keramikplatten aus ihrer Umgebung herausgehoben, die man erst in den in den 1970er Jahren durch einen grauen Eternitbehang überdeckte. Nach einer bewegten Diskussion in den letzten Jahren scheint das Schicksal des denkmalgeschützten Cityhofs nunmehr besiegelt: Der Abriss ist beschlossen, der Neubau geplant. Doch im heimischen Bücherschrank können Sie mit dem Bauheft eine reich bebilderte Dokumentation dieses prägenden Stücks Architektur bewahren. Der Schaff-Verlag verspricht für die Neuauflage: 8 Seiten mehr Inhalt, eine kurze Zusammenfassung der Entwicklung der letzen beiden Jahre und aktualisiertes Bildmaterial. (kb, 9.10.17)

Nur die Kultursenatorin fehlte?

Der Hamburger Cityhof in den 1950er Jahren
Heiß diskutiert: der Hamburger Cityhof (R. Klophaus, 1957) (historische Abbildung, wohl ausgehende 1950er Jahre)

Ja, es geht wieder um den Hamburger Cityhof. Und ja, es lohnt einige neue Zeilen: Denn, wie heute das Hamburger Abendblatt meldet, habe sich Barbara Kisseler (parteilos), die Kultursenatorin der Hansestadt, zum drohenden Abriss des nachkriegsmodernen Hochhausensembles geäußert. Schon in der letzten Woche sorgte ihr Fehlen bei der entscheidenden Senatssitzung, die den Verkauf des Cityhofs an einen abrissgestimmten Investor bestätigte, für Spekulationen. Jetzt wird die Kultursenatorin nach „Abendblatt-Informationen“ zitiert, sie wollte „nicht die Prügel für etwas einstecken, was andere zu verantworten haben“. Gemeint seien Finanzsenator Peter Tschentscher und Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (beide SPD), gegen die sich Kisseler mit ihrer erhaltungsfreundlichen Position nicht habe durchsetzen können.

Der Streit um die Hochhausgruppe wurde (nicht nur) am vergangenen Donnerstag höchst emotional geführt: Die SPD-Vertreter sahen den Abriss als Chance, grüne Senatsmitglieder wiegelten ab (der Abriss sei damit noch nicht beschlossen) und alle übrigen Redner bewegten sich zwischen Regierungsschelte allgemein und Wertschätzung für das nachkriegsmoderne Baudenkmal im Besonderen. Vorschlag zur Güte: Liebes Hamburg, lass die vier verkannten Schönheiten stehen, mach sie denkmalverträglich wieder schick – und wir können uns hier wieder auf Katzenvideos und Plattenbaubastelsätze konzentrieren. Deal? (kb, 5.4.16)

Beschlossen: Verkauf des Cityhofs

Hamburg, Cityhof (Bild: Dirtsc, CC BY SA 3.0)
Bald ein historischer Anblick? Die Cityhof-Häuser am Hamburger Hauptbahnhof (Bild: Dirtsc, CC BY SA 3.0)

Heute beriet der Hamburger Senat abschließend zu den denkmalgeschützten Cityhof-Häusern (1956, R. Klophaus): Regierung (SPD/Grüne) und Opposition (CDU, Linke, FDP, AfP) wechselten sich darin ab, das bisherige Verfahren (mit Verkauf an das Bauunternehmen Aug. Prien) und den drohenden Abriss zu verteidigen oder zu brandmarken. Die einen sahen im Abriss des „Schandflecks“ eine städtebauliche Chance. Nach Markus Schreiber (SPD) sei das Arbeiten in den 1950er-Jahre-Häusern unzumutbar: „Ja, das kann weg.“ Heike Sundmann (Linke) konterte: „Nicht die Gebäude sind ein Schandfleck, sondern das Verhalten des Senats.“

Die Hoffnungen der Abrissgegner ruhten auf einer breiten Unterstützung bis hin zu ICOMOS, dem UNESCO-Welterbestatus des nahen Kontorhaus-Viertels und dem Gegenentwurf von Volkwin Marg (gmp Architekten). Noch am Vorabend äußerte der ehemalige Leiter des Denkmalschutzamts Frank Pieter Hesse im Hamburger Abendblatt, dass mit dem Cityhof „ein bedeutendes Kapitel der baulichen Nachkriegsgeschichte“ ausgelöscht zu werden drohe. Zuletzt fiel die Senatsabstimmung zugunsten des Verkaufs aus. Nun ist der Investor verpflichtet, für die Neubebauung einen beschränkten internationalen Wettbewerb auszurichten. Eine behördliche Abrissgenehmigung liegt (noch) nicht vor, wie die Vertreter der Grünen betonten: Der heutige Beschluss sei (noch) kein Abrissbeschluss. (kb, 31.3.16)

„Parlamentstheater“

Der Hamburger Cityhof in den 1950er Jahren
Der Hamburger Cityhof in den 1950er Jahren (Foto: Initiative City-Hof)

„Das Parlamentstheater um den City-Hof“, so titelte „Die Welt“ schon am 9. Februar zur aktuellen Debatte um den geplanten Abriss des Hamburger Hochhausensembles, das der Architekt Rudolf Klophaus 1956 gestaltete. Denn schon in der kommenden Woche geht die Diskussion in eine weitere öffentliche Runde: Am 1. März 2016 findet um 17.00 Uhr im Haus der Patriotischen Gesellschaft (Trostbrücke 6, 20457 Hamburg) eine öffentliche Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Gegenstand ist das umstrittene Gebotsverfahren „Quartier am Klosterwall“, das auch über das Schicksal des Cityhofs entschieden zu haben scheint.

Doch vor der möglichen Einleitung des Veräußerungsverfahrens am 31. März sollen sich die zuständigen Ausschüsse mit dem Vorgang befassen. So werden am 1. März Sachverständige angehört: Prof. Dr. Ing. h. c. Volkwin Marg, gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg; Dr. Jürgen Tietz, Berlin; Frank Pieter Hesse, Hamburg; Prof. Berthold Burckhardt, Braunschweig sowie Prof. Dr. Hermann Hipp, Hamburg. Auf diese Sitzung soll am 23. März eine Senatsanhörung zum Thema folgen. Wer sich überzeugen möchte, ob diese Sitzungen mehr der Schau als dem Thema dienen, kann sich als Zuschauer selbst von der Hamburger Diskussionskultur überzeugen. (kb, 28.2.16)

In ersten Pressereaktionen auf die Anhörung vom 1. März scheint sich Widerstand gegen den geplanten Verkauf des Cityhof-Ensembles abzuzeichnen. So habe, berichtet der NDR, der Hamburger Architekt Volkwin Marg dem Senat vorgeworfen: Das Denkmalschutzgesetz ermögliche den für den Cityhof vorgesehenen Weg  nur im Fall von Unwirtschaftlichkeit – was Marg mit seinem Sanierungskonzept als widerlegt betrachtet. Berthold Burckhardt vom Internationalen Denkmalrat ICOMOS sehe „mit dem geplanten Abriss eines Denkmals in der Pufferzone“ des jüngst von der UNESCO geadelten Kontorhausviertels den jungen Welterbestatus gefährdet. Dem habe der Kunsthistoriker Hermann Hipp von der Universität Hamburg widersprochen: Die Cityhof-Häuser seien überschätzt, „langweilig und schlecht gedacht“. Doch während Hipp sich, angesichts der aus seiner Sicht mangelnden Qualität der Neubauentwürfe, für ein neues Bieterverfahren stark machte, zeigte sich Günter Wilkens vom Architektenbüro APB zufrieden mit den vorliegenden Neubauplanungen. Sollte die Hamburger Bürgerschaft am 31. März 2016 endgültig dem Verkauf (und damit indirekt dem Abriss) zustimmen, sei, so der NDR, mit dem Abriss des Ensembles nicht vor 2018 zu rechnen. (kb, 2.3.16)

Abschied vom Cityhof

Hamburg, Cityhof, Initiative-Stützpunkt (Bild: Initiative Cityhof Hamburg)
Stützpunkt der Widerständler: der Hamburger Cityhof soll abgerissen werden (Bild: Initiative Cityhof Hamburg)

Die Initiative City-Hof und der City-Hof e. V. laden am 30. Januar, ab 14 Uhr ein zum „Abschied vom Hof“ in den Hamburger City-Hof (Klosterwall 6 (Block C), Laden in der Passage). Hintergrund ist das Engagement der Initiativen für den Erhalt der abrissbedrohten Hochhausgruppe beim Hauptbahnhof, die der Architekt Rudolf Klophaus 1956 gestaltete. Nun muss der Stützpunkt der Engagierten, das Ladengeschäft in der Passage des Cityhofs geräumt werden. Deshalb, so die Einladenden, „feiern wir vor unserem Rausschmiss noch ein letztes Fest in unserem Laden“.

Geboten wird wie gewohnt ein buntes Programm: Live-Siebdruck (mitgebrachte T-Shirts können mit dem Cityhof bedruckt werden), Soli-Artikel-Stand (von A wie Ansichtskarte über B wie Button oder Beutel bis S wie Siebdruckplakat), Ansichtskarten-Aktion (Schreiben Sie eine Ansichtskarte mit City-Hof-Motiv an einen Politiker nach Wahl) oder die LECA-Platten-Soli-Auktion um 18.00 Uhr (Bruchstücke der bauzeitlichen Fassade des City-Hofes, die sich unter den grauen Eternit-Platten verbirgt). Für das leibliche Wohl sorgt der City-Hof e. V. (kb, 24.1.16)

Tea Time für den Cityhof

Hamburg, Cityhof (Bild: Alchemist-hp, CC BY SA 3.0)
Trübe Aussichten für das denkmalgeschützte Hochhaus-Ensemble am Hauptbahnhof: Der Hamburger Cityhof kämpft weiter um seinen Erhalt (Bild: Alchemist-hp, CC BY SA 3.0)

Die Lage ist verzwickt: Immer noch und immer wieder engagiert sich die Hamburger „Initiative City-Hof“ für das bedrohte Hochhausensemble am Hauptbahnhof, (1956, R. Klophaus). Anfang September meldet der NDR, dass im Bieterverfahren um den Cityhof nur noch zwei Investoren übrig seien, die beide neu bauen wollten. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts vom 3. November soll inzwischen der Investor feststehen: Aug. Prien – und der hat, natürlich, Abrisspläne.

Ein dritter Mitbewerber war ausgeschieden, da er – so die offizielle Begründung – die Bedingungen der Ausschreibung nicht habe halten können. Genau dieses Konzept hätte, so die Kämpfer für den Cityhof, belegt: Eine Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles ist „sehr wohl möglich und vor allem sinnvoll“. Im Rahmen der Reihe „Tea Time Lectures“ an der HafenCity Universität Hamburg, werden Prof. Dr. Ing. h.c. Volkwin Marg (gmp) und Dr. Steffen Pekrul (P3) am 18. November um 18.30 Uhr (HCU Hörsaal2000, 1. OG, Überseeallee 16, 20457 Hamburg) ihr abgelehntes Konzept für den City-Hof vorstellen. Um eine Anmeldung bis zum 9. November unter alumni@hcu-hamburg.de wird gebeten. (kb, 6.11.15)

Cityhof: Abriss scheint sicher

Hamburg, Cityhof (Bild: Dirtsc, CC BY SA 3.0)
Das bedrohte Hochhausensemble in Hauptbahnhofnähe: die Hamburger Cityhof-Häuser (Bild: Dirtsc, CC BY SA 3.0)

Schlechte Nachrichten aus Hamburg: Gerade hatten wir noch die Veranstaltungen zum Tag des offenen Denkmals angekündigt, unter denen der Hamburger Cityhof rege vertreten ist. Mehr als rege engagiert sich die Hamburger „Initiative City-Hof“ für das bedrohte Hochhausensemble am Hauptbahnhof. Auch das Deutsche Nationalkomitee hat sich für die Nachkriegsbauten stark gemacht, die der Architekt Rudolf Klophaus 1956 gestaltete. Klophaus wurde vor dem Krieg u. a. durch Bauten im Kontorhausviertel (heute UNESCO-Weltkulturerbe) bekannt.

Doch nun sieht es schlecht aus: Heute Nachmittag meldet der NDR, dass im Bieterverfahren, das über die Zukunft des Hochhausensembles entscheiden soll, nur noch zwei Investoren übrig sind. Und beide wollen neu bauen, sprich die bestehenden Bauten abreißen. Ein dritter Mitbewerber sei ausgeschieden, da er die Bedingungen der Ausschreibung nicht habe halten können. Sobald der Gewinner unter den verbliebenen beiden fest steht, solle dann mit einem konkreten Architektenwettbewerb für die Neubebauung weitergeht. Liebe Leute, das kann es doch jetzt nicht gewesen sein? (kb, 2.9.15)

Denkmalpflegerkirche Hamburg

Hamburg, ehemalige Kapernaum-Kirche, heutige Al-Nour-Moschee, 2016 (Bild: K. Berkemann)
Die Experten im Gespräch mit der muslimischen Gemeinde, die sich in der ehemaligen evangelischen Hamburger Kapernaumkirche (O. Kindt, 1961) aktuell einen Moscheeraum einrichtet (Bild: K. Berkemann)

„Wissen Sie, das ist doch hier die Denkmalpflegerkirche“, so ein Gesprächspartner beim gepflegten Glas Wein und Matjestartar am Rande einer Tagung. Augenzwinkernd meinte er damit die eingeschworene Gemeinschaft, die sich in Hamburg an diesem Wochenende zum Symposion „Denkmalpflege für die Stadt der Zukunft“ , veranstaltet von der „Patriotischen Gesellschaft von 1765“, zusammengefunden hatte. Architekten, Kunsthistoriker, Vertreter von Institutionen und Initiativen loteten in Vorträgen, Workshops und Diskussionen aus, wie das baukulturelle Erbe – in Hamburg, aber auch darüber hinaus – in die nächsten Jahrzehnte gebracht werden könne. Denn die jüngsten Erfahrungen gaben nicht unbedingt Anlass zur Hoffnung, wurde doch bundesweit über Streitfälle aus der „Freien und Abrissstadt“ Hamburg berichtet – allen voran der Politkrimi um das Hochhausensemble Cityhof. Nun regt sich Widerstand, der grundsätzlich um die Eigenständigkeit der Denkmalpflege fürchtet. Wie könne sie deutlich ihre Stimme erheben, wenn nur noch Politik und Wirtschaft (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge) den Ton angeben …

 

Der fremde Blick

Der erste Tag des Symposions bot  grundlegende Fachreferate – Andreas Kellner, Leiter des Denkmalschutzamts Hamburg, und Prof. Dr. Adrian von Buttlar, TU Berlin – zum Thema. In Impulsvorträgen wurden die Schwerpunkte der Workshops bzw. Exkursionen des folgenden Vormittags vorgestellt: der Hamburger Kunsthistoriker Dr. Jörg Schilling und der Hamburger Denkmalpfleger Christoph Schwarzkopf über das „unbequeme Denkmal“ am Beispiel von Bismarck-Denkmal und Flakbunker auf dem Heiligengeistfeld; der Stuttgarter Architekt Dr. Jan Lubitz über das „störende Denkmal“ am Beispiel von Cityhof, Unilever/Emporio, Neue Burg und Allianz-Hochhaus; Michael Ziel von der Gängeviertel Genossenschaft 2010 eG über das „soziale Denkmal“ am Beispiel von Gängeviertel, Esso-Häusern und Reichardtblock sowie Prof. Dr. Sigrid Brandt von ICOMOS über das „fremde Denkmal“ am Beispiel der Hamburger Moscheen.

Alle Workshops des zweiten Veranstaltungstags suchten den „anderen“ Blick auf schützenswerte Bauten, was bei der Exkursion zum „fremden Denkmal“ besonders greifbar wurde. Die islamische Gemeinde erläuterte gastfreundlich ihre Pläne für die ehemalige Kapernaumkirche (Otto Kindt , 1961). Der mit Klinker und Glasbetonwabensteinen ausgefachte Betonskelettbau auf fast ovalem Grundriss mit dem markanten Faltdach und dem schlanken freistehenden Glockenturm hatte schon in den 1960er Jahren ein wenig an eine Moschee erinnert. Als die evangelische Gemeinde ihre Kirche 2004 aufgab und an einen Investor veräußerte, sollte der Raum eigentlich in einen Kindergarten umgewandelt werden. Doch dieses Projekt scheiterte und der Bau wurde übers Internet zum Verkauf angeboten, wo die muslimische Gemeinde drängend nach einem würdigen Raum für ihre wachsende Gemeinde suchte. Nun wird aus der denkmalgeschützten Kapernaumkirche wieder ein Gotteshaus, in diesem Fall die Al-Nour-Moschee – mit einem neuen Vorbau, einer quergerichteten Empore, weiß gefassten und im Trockenbau gedämmten Innenwänden.

 

Unverhoffte Funde

Eine andere Workshopgruppe, die sich dem „störenden Denkmal“ verschrieben hatte, stieß bei ihrem ungewöhnlichen Stadtrundgang auf einen Schatz: eine Kapelle inmitten abrissgeweihter Hochhäuser. Neben das Allianz-Haus (B. Hermkes, 1971) im glas- und metallglänzenden internationalen Stil hatte das Architektenpaar Ingeborg und Friedrich Spengelin 1970 als herbe Waschbetonschönheit das Verwaltungsgebäude der damals noch selbständigen Hamburger Landeskirche gesetzt. Im Erdgeschoss birgt der aufgegebene, danach vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft genutzte Bau eine Kapelle. Die Wände in kargem Naturstein, die Decke in gestocktem Beton, zeigt der Andachtsraum bis heute nicht nur vorerst zurückgebliebene Stücke wie Altar, Taufe, Wandkreuz, Ambo und Türknauf. Da sind auch viele durchdachte Details wie die grobe Kordel des Hand-Glockenzugs oder der sich – ähnlich zur Versöhnungskirche (1967, H. Striffler) in der KZ-Gedenkstätte Dachau – aus der Erde hinauf zum Mahnmal St. Nikolai grabende zweite Zugang.

Nicht nur dem ehemaligen Haus der Kirche, gleich dem ganzen hochhausbestandenen Eckgrundstück geht es bald an den Kragen. Der Kirchenkreis plant ein neues Verwaltungsgebäude, anstelle des Allianz-Hauses soll ein Büro-Ensemble nach Plänen des britischen Büros Caruso St. John entstehen. Denn nicht weniger als ein „neues Quartier“ ist geplant, das sich zwischen Rathaus und Alt-Nikolai vorgeblich an der historischen Parzellierung orientiert. Auf Kosten einer ganzen Schicht nachkriegsmodernen Erbes mit künstlerisch wie städtebaulich bemerkenswerten Einzelbauten. Wie wäre es, nur ein Gedanke, inmitten der sich auftürmenden Neubauten eine Zeitkapsel zu bewahren? Die Kapelle, die – in ein neues Gebäude eingebunden – auch räumlich die Brücke schlägt zur Gedenkstätte, die an die Kriegszerstörungen erinnert? Welche anderen, vielleicht zunächst unorthodoxen Wege – wie eine Moschee in einer ehemaligen Kirche – können künftig gegangen werden, um einen Teil der (modernen) Baukultur zu bewahren?

 

„Phase Null“

Zuletzt wurde, den Abschlussvortrag von Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur aufgreifend, fast synodal um eine Quintessenz gerungen. Große Einigkeit herrschte darüber, dass „die Belange und Interessen der Denkmalpflege […] in die Öffentlichkeit besser vermittelt“ werden müssen. Hierfür bräuchten die Denkmalämter eine ideell wie personell „eigenständigere Position“. Bei baulichen Vorhaben gelte es, alle Betroffenen „rechtzeitig und umfassend“ zu informieren. Im besten Fall sei die „Phase Null“, die ein Projekt vorbereitet und kommunikativ begleitet, gesetzlich festzuschreiben. Eine solche „definierte Beteiligungskultur“ bedeute für Hamburg, neben der Stärkung des dortigen Denkmalrats, ganz konkret: „Gebt den Cityhof, den Stintfang, die Schilleroper, den Reichardtblock und die Josephterrassen als stadtgeschichtlich bedeutsame Monumente Hamburgs nicht preis! Die Aufstockung des Flakbunkers auf dem Heiliggeistfeld ist zu verhindern!“ Es liegt ein Hauch von Denkmalpflege-Reformation in der Luft … (db/kb, 26.6.16)

 

Literatur

Necker, Sylvia, Cityhof (Hamburger Bauheft 9), Hamburg 2015

Berkemann, Karin (Bearb.), „Baukunst von morgen!“ Hamburgs Kirchen der Nachkriegszeit, Ausstellungskatalog , Denkmalschutzamt Hamburg und Freie Akademie der Künste Hamburg, 6. September – 7. Oktober 2007, Freie Akademie der Künste Hamburg, hg. von der Kulturbehörde/Denkmalschutzamt Hamburg, München/Hamburg 2007

Soeffner, Hans-Georg u. a., Dächer der Hoffnung. Kirchenbau in Hamburg zwischen 1950 und 1970, Hamburg 1995

Weiß jemand mehr zu Geschichte und Ausstattung der Kapelle im ehemaligen Haus der Kirche in Hamburg? Wir freuen uns über jeden Hinweis (k.berkemann@moderne-regional.de)!

Offener Brief zum Cityhof Hamburg

Der Hamburger Cityhof in den 1950er Jahren
Einst blendend weiß: der Cityhof beim Hamburger Hauptbahnhof in den 1950er Jahren

Es ist unser erster – Offener Brief. Aber bei diesem Anlass mussten wir einfach: Am 11. November 2015 haben ICOMOS Deutsches Nationalkomitee Bund Heimat und Umwelt in Deutschland den folgenden Offenen Brief an Olaf Scholz, Erster Bürger der Freien und Hansestadt Hamburg, gesendet, dem wir uns hiermit gerne und mit großer Überzeugung anschließen. (db, kb, jr, 11.11.15)

 

Sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister,

mit großer Sorge haben wir die unerwartete Nachricht aus der Freien und Hansestadt erhalten, dass nunmehr die Finanzbehörde dem Senat vorschlagen will, die Bürgerschaft darüber entscheiden zu lassen, dass das Grundstück einem Bewerber anhand gegeben wird, der den Abbruch des Baudenkmals und eine Neubebauung des Grundstücks projektiert. Wir halten diese jüngste Entwicklung um die Zukunft dieser landeseigenen Denkmalimmobilie nicht nur aus konservatorischer Sicht für kontraproduktiv, sondern auch im Verfahren und im Ergebnis dem Ansehen der jungen Welterbestadt Hamburg für abträglich. Wir möchten Sie und den Hamburger Senat dringend bitten, diese Vorentscheidung der Hamburger Finanzbehörde grundsätzlich zu überdenken und eine offene wie öffentliche Diskussion um die Zukunft des Baudenkmals zu ermöglichen.

Vor dem Hintergrund der fachlich verschiedentlich bestätigten Denkmaleigenschaft des Bauwerks und seiner prominenten Lage in der Pufferzone des im Juni 2015 als Welterbe eingetragenen Kontorhausviertels steht die nunmehr publik gewordene Abrissabsicht im eklatanten Widerspruch zu der Vorbildrolle der Freien und Hansestadt Hamburg als Denkmaleigentümer und zu der Selbstverpflichtung, im Welterbekontext behutsam mit der Erhaltung und Entwicklung des kulturellen Erbes umzugehen. Mit der offensichtlich beabsichtigten oder wenigstens akzeptierten Eliminierung eines über Hamburg hinaus bedeutenden Großstadtdenkmals der Nachkriegs- und Wiederaufbauzeit würde die Finanzbehörde einreißen, was die Kulturbehörde kürzlich mit ihrem erfolgreichen Welterbantrag für die Speicherstadt und das Kontorhausviertel aufgebaut hat. Der Freien und Hansestadt droht ein erheblicher Glaubwürdigkeitsverlust in das Bekenntnis zu Denkmalschutz und Denkmalpflege.

Hamburg, Cityhof (Bild: Hagen Stier)
Heute grau verkleidet: der Hamburger Cityhof (Bild: Hagen Stier)

Auch passen die geplante Vernichtung einer innerstädtischen Großanlage, zu deren Errichtung ein erheblicher Energieaufwand erforderlich war, und ein ebenfalls Energie verschlingender Ersatzbau kaum mehr in die heutige Zeit mit ihrer Forderung nach einer bestandsorientierten und ressourcenschonenden Stadtentwicklung. Die diskutierte Schaffung innerstädtischen Wohnraums und dessen Verknüpfung mit anderen urbanen Funktionen ließe sich auch bei Verzicht auf eine Neubaulösung erzielen, ebenso eine kreative ästhetische Aufwertung des denkmalgeschützten Bauwerks und der Außenräume. Dies haben jüngst auch viele Entwürfe aus dem Kreis der Hochschulen (Rudolf-Lodders-Preis 2015 und Accademia di architettura Mendrisio/Universita della Svizzera italiana – Prof. Martin Boesch) nachgewiesen. Hier könnte Hamburg ein zeitgemäßes Zeichen für ein modernes städtebauliches und stadtökonomisches Denken setzen, statt auf die Abrisskarte zu setzen.

Schließlich steht das von den zuständigen Hamburger Behörden gewählte Bewertungs- und Auswahlverfahren in der Kritik der Öffentlichkeit und der Fachwelt aus Architektur und Denkmalpflege. Mit der Verabschiedung eines Transparenzgesetzes hat sich Hamburg an die Spitze der Körperschaften gesetzt, die Bürgerinnen und Bürgern Einblick in das Verwaltungshandeln ermöglichen und Chancen kompetenter Mitwirkung eröffnen wollen. Auf keinen Fall darf der Eindruck entstehen, dass Verwaltung und Politik „in eigener Sache“ die hoch gehaltenen Regularien eines transparenten Bieterverfahrens verletzen könnten. Ein Neustart des Verfahrens um das Grundstück am Klosterwall bietet die Möglichkeit, eine bereits in die öffentliche Kritik geratene Verfahrens-und Denkmalkultur zu rehabilitieren. Die Unterzeichner dieses Offenen Briefs appellieren an Sie persönlich und an den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg, dem Neuanfang des beschädigten Verfahrens und der Erhaltung und Revitalisierung des City-Hofes eine Chance zu geben.

 

Mit freundlichen Grüßen

ICOMOS Deutsches Nationalkomitee

Bund Heimat und Umwelt in Deutschland

moderneREGIONAL – Online-Magazin zu Kulturlandschaften der Nachkriegsmoderne