DAM

"Frauen Bauen" (Bild: Antaeus Verlag)

Frau Architekt für Kinder

Im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt beleuchtet die Ausstellung „Frau Architekt“ seit einigen Tagen das Werk ausgewählter Architektinnen. Wenngleich viele Namen den  Besuchern unbekannt sein dürften, versammelt die Schau eine Vielzahl qualitätvoller Bauten. Neben dem umfassenden Katalog erscheint begleitend zur Ausstellung das Buch „Frauen Bauen“, das besonders Kindern Leben und Werk bedeutender Architektinnen näher bringen soll.

Der reich bebilderte Band stellt 12 Architektinnen sowie ihr jeweils bekanntestes Bauwerk vor.  Neben Zaha Hadid und dem Wissenschaftszentrum phaeneo in Wolfsburg, Gae Aulenti und dem Musée d‘ Orsay sowie Margarete Schütte-Lihotzky und ihrer Frankfurter Küche kommen auch so exotische Architektinnnen wie Galina Balaschowa zu ihrem Recht – die russische Baumeisterin zeichnete für die Innengestaltung sowjetischer Raumschiffe verantwortlich. Neben Fotografien erfüllen liebevolle Illustrationen die Architektenporträts mit Leben. So steht etwa ein gezeichnetes Alter Ego von Schütte-Lihotzky in ihrer Frankfurter Küche und verkündet stolz per Sprechblase die Größe des Raumwunders: „Nur 6,6 Quadratmeter!“ (jr, 8.10.17)

Winkelmann, Arne / Kahane, Kitty, Frauen Bauen. Kinder entdecken Architektinnen, antaeus Verlag, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-9810809-9-5 .

Die Kunst der Zeichnung

R.Rettig: Atlantik-Kino, Berlin (Copyright: DAM Frankfurt)
Inspiration für Erich Mendelsohns Universum-Kino? Das Atlantik-Kino von R. Rettig (1930), leider nie ausgeführt … (Copyright: DAM Frankfurt)

Irgendwie war ja jeder dabei, als Christo den Reichstag verhüllte. Das Happening liegt nun auch schon zwanzig Jahre zurück und hat es ins Museum geschafft: Der verhüllte Wallot-Bau ist in der Ausstellung „Berliner Projekte. Architekturzeichnungen 1920-1990“ auf einer bettuchgroßen, 1977 im Büro des Künstlers entstandenen Collage abgebildet. Generell ist der Reichstag eines der zentralen Objekte der Schau, die noch bis zum 25. Juni in der Tchoban Foundation (Museum für Architekturzeichnung, Christinenstraße 18a, Berlin) zu sehen ist: Ebenso hängen hier Studien von Gottfried Böhm und Zeichnungen von Helmut Jacoby für Lord Norman Foster zum Gebäude.

Doch nicht nur die Ära der Wiedervereinigung ist präsent. 33 kunstvolle Entwürfe, von Hans Poelzigs Großem Schauspielhaus (1918-20) über O.M. Ungers prä-postmoderne Entwürfe fürs Kulturforum (1965) bis zu Alvaro Siza Vieiras Wohnhausskizzen für die IBA 1987 sind zu sehen. Alle diese Entwürfe dessen, was geworden ist und hätte werden können, stammen aus dem Deutschen Architekturmuseum Frankfurt (DAM). Die Architektenzeichnung sei ein aussterbendes Genre und „genauso ins Digitale abgewandert wie die ganze Phase der Ausführungsplanung“, bedauert der ehemalige DAM-Vize Wolfgang Voigt im Katalog. Im der Berliner Ausstellung wird dieser Kunstform noch einmal würdevoll gehuldigt. (db, 13.3.17)

Moderne-Nachlese der Buchmesse

Nach der Messe ist ja bekanntlich vor der Messe. Und jetzt, da die Dichte an Lesepromis sich in Rhein-Main wieder langsam lichtet, bleibt Zeit für einen Blick auf den Ertrag für bibliophile Modernisten. Zum achten Mal haben die Frankfurter Buchmesse und das Deutsche Architekturmuseum (DAM) 2016 den Internationalen DAM Architectural Book Award vergeben. 88 Architektur- und Kunstbuchverlage weltweit hatten ihre Kandidaten ins Rennen geschickt.

Eine Fachjury aus externen Experten sowie Vertretern des DAM hatte dann aus den insgesamt 214 Einsendungen – nach Kriterien wie Gestaltung, inhaltliche Konzeption, Material- und Verarbeitungsqualität, Grad an Innovation und Aktualität – die zehn besten Architekturbücher des Jahres ausgewählt: vom Katalog zu „African Modernism“ (Park Books) bis zu den tiefen Einblicke in die „urbane Selbstregulierung“ von Dachaufbauten von „Nadogradnje“ (M Books). Zehn weitere Einsendungen wurden für die „Shortlist“ des DAM Architectural Book Awards 2016 ausgewählt: darunter „Up Up: Stories of Johannesburg’s Highrises“ (Hantje Cantz) oder eben jener „Stadtbilderklärer Gera-Lusan“ (Verlag: Mitteldeutscher Verlag, Autor/Gestaltung/Fotografie: Christoph Liepach) – eben jenes Gera-Lusan, das wir auch in unserem aktuellen Foto-Spezial vorstellen. Daher gratulieren wir hier und natürlich allen anderen Gewinnern herzlich (und notieren die Titel schon einmal für die private Jahresendfestwunschliste)! (kb, 11.11.16)

Rettet den Brutalismus

Dem Rathaus im niederländischen Terneuzen (1973) geht´s noch gut. Doch der Brutalismus ist bedroht (Bild: Friedrich Tellberg, CC BY-SA 2.0)
Dem Rathaus im niederländischen Terneuzen (1973) geht’s noch gut. Doch der Brutalismus ist bedroht (Bild: Friedrich Tellberg, CC BY-SA 2.0)

Die rohen Beton-Oberflächen des Brutalismus wurden schon zu seinen Hochzeiten gerne als Inbegriff der Rücksichtslosigkeit und der Verdrängung gesehen. Dieser Stil war „böse“. Und bis heute hat sich an der klischeebehafteten Sichtweise wenig geändert. Nun aber mit dem Unterschied, dass die betreffenden Gebäude über 40 Jahre alt und oft sanierungsbedürftig sind. Abriss oder Umgestaltung der „Klötze“ sind leichter vermittelbar.

Das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt (DAM), die Wüstenrot Stiftung und das Digital-Magazin uncube schreiten nun dem Brutalismus weltweit zu Hilfe: Gemeinsam betreiben sie nun die Initiative #SOSBrutalism, deren Ausgangspunkt ein englischsprachiges Online-Archiv bildet, das jetzt schon über 700 Bauten fasst. Sie werden dokumentiert und nach ihrem derzeitigen Status katalogisiert: bedroht, abgerissen oder gerettet. Zudem können sich Freunde und Fürsprecher des Brutalismus hier verständigen. Der Austausch über verschiedene soziale Medien ist das zentrale Element der Initiative – auf dass das Bewusstsein für die Qualitäten dieser Architektur (neu) geweckt wird. Mithilfe ist bei #SOSBrutalism gefragt: Wer noch bisher unentdeckte Meisterwerke kennt und Bilder oder weitergehende Informationen hat, kann sich per Mail melden. Für die Zukunft geplant sind unter anderem eine Ausstellung im DAM sowie ein umfangreicher Katalog. (db, 12.11.15)

DAM: Bauen für Flüchtlinge

UMNUTZUNG: Frankfurt am Main-Gutleutviertel, ehemalige Gutleutkirche (1908/58, Entwidmung 2012), heute Nutzung als Flüchtlingsunterkunft in kirchlicher Trägerschaft
Eines von vielen Beispielen: Die Frankfurter Gutleutkirche (1908/58, Entwidmung 2012) dient heute als Flüchtlingsunterkunft in kirchlicher Trägerschaft

Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main sucht für ein Ausstellungsprojekt zur architektonischen und städtebaulichen Bewältigung der aktuellen Flüchtlingslage nach konkret in Deutschland geplanten Vorhaben und bereits realisierten Projekten. Dies können Neubauten, Umbauten, Einbauten oder temporäre Maßnahmen wie Zelte etc. sein. Aufgefordert zur Teilnahme sind Architekten, Kommunen, Unternehmen oder auch die Bewohner mit ihren Erfahrungen.

Unter dem Thema „Bauen für Flüchtlinge und Migranten“ werden Interessenten gebeten anzugeben: Auftraggeber, Standort, Datum der geplanten Fertigstellung, Angaben zur Zahl der Bewohner und der Moduleinheiten, ggf. zur geplanten Existenzdauer des Projekts (bei temporären Maßnahmen), „Welche Fragen werden durch das Projekt beantwortet, welche vielleicht nicht?“ und „Was konnte der architektonische Entwurf und/oder die städtebauliche Einbindung zur Beantwortung dieser Fragen beitragen?“. Auch Erfahrungsberichte aus Projekten sind willkommen, die schließlich doch nicht realisiert wurden oder sich nicht in der gewünschten Weise entwickelt haben. Beiträge sind per E-Mail mit Anhängen bis zu 10 MB willkommen bis zum 18. November 2015 unter: oliver.elser@stadt-frankfurt.de. Unter dieser Adresse werden auch gerne Rückfragen beantwortet. (kb, 30.10.15)