DAM

Wohnen für alle (Bild: DAM)

Neues Frankfurt 2018

Der soziale Wohnungsbau war eines der Hauptanliegen des Bauprojekts „Das Neue Frankfurt“. In den 1920er Jahren entstanden in der Stadt am Main unter der Ägide ihres Stadtbaurats Ernst May um die 15 000 Wohneinheiten. Flankiert wurde die Bautätigkeit von einer umfassenden Kampagne zu kultureller und ästhetischer Neugestaltung, die europaweite Resonanz erregte. Diesem Vorbild folgt der jüngst ausgelobte Preis „Wohnen für alle – Neues Franfurt 2018“.

Anders als sein Idol aus den 1920er soll das Neue Frankfurt 2018 weniger Ideengeber, sondern Rezipient und Realisator sein. Die Initiatoren, d.i. das Dezernat für Planen und Wohnen der Stadt Frankfurt am Main, das Deutsche Architekturmuseum und die Wohnbaugesellschaft ABG, rufen Architekturbüros aus ganz Europa auf, realisierte Beispiele des bezahlbaren Wohnungsbaus aus den letzten vier Jahren einzureichen. Alle Projekte werden in einer Ausstellung und einem Katalog dokumentiert, eine internationale Jury prämiert bis zu 10 Preisträger. Der besondere Reiz: In einer zweiten Phase haben die prämierten Preisträger die Chance, ein bauliches Konzept für bezahlbaren Wohnungsbau im Frankfurter  Frankfurter Hilgenfeld-Areal vorzulegen. Aus diesen Beiträgen wählt die Jury bis zu drei Arbeiten aus, die anschließend 1:1 realisiert werden. Projekte können noch bis zum 16.2.2018 eingereicht werden. (jr, 24.1.18)

"Frauen Bauen" (Bild: Antaeus Verlag)

Frau Architekt für Kinder

Im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt beleuchtet die Ausstellung „Frau Architekt“ seit einigen Tagen das Werk ausgewählter Architektinnen. Wenngleich viele Namen den  Besuchern unbekannt sein dürften, versammelt die Schau eine Vielzahl qualitätvoller Bauten. Neben dem umfassenden Katalog erscheint begleitend zur Ausstellung das Buch „Frauen Bauen“, das besonders Kindern Leben und Werk bedeutender Architektinnen näher bringen soll.

Der reich bebilderte Band stellt 12 Architektinnen sowie ihr jeweils bekanntestes Bauwerk vor.  Neben Zaha Hadid und dem Wissenschaftszentrum phaeneo in Wolfsburg, Gae Aulenti und dem Musée d‘ Orsay sowie Margarete Schütte-Lihotzky und ihrer Frankfurter Küche kommen auch so exotische Architektinnnen wie Galina Balaschowa zu ihrem Recht – die russische Baumeisterin zeichnete für die Innengestaltung sowjetischer Raumschiffe verantwortlich. Neben Fotografien erfüllen liebevolle Illustrationen die Architektenporträts mit Leben. So steht etwa ein gezeichnetes Alter Ego von Schütte-Lihotzky in ihrer Frankfurter Küche und verkündet stolz per Sprechblase die Größe des Raumwunders: „Nur 6,6 Quadratmeter!“ (jr, 8.10.17)

Winkelmann, Arne / Kahane, Kitty, Frauen Bauen. Kinder entdecken Architektinnen, antaeus Verlag, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-9810809-9-5 .

Die Kunst der Zeichnung

R.Rettig: Atlantik-Kino, Berlin (Copyright: DAM Frankfurt)
Inspiration für Erich Mendelsohns Universum-Kino? Das Atlantik-Kino von R. Rettig (1930), leider nie ausgeführt … (Copyright: DAM Frankfurt)

Irgendwie war ja jeder dabei, als Christo den Reichstag verhüllte. Das Happening liegt nun auch schon zwanzig Jahre zurück und hat es ins Museum geschafft: Der verhüllte Wallot-Bau ist in der Ausstellung „Berliner Projekte. Architekturzeichnungen 1920-1990“ auf einer bettuchgroßen, 1977 im Büro des Künstlers entstandenen Collage abgebildet. Generell ist der Reichstag eines der zentralen Objekte der Schau, die noch bis zum 25. Juni in der Tchoban Foundation (Museum für Architekturzeichnung, Christinenstraße 18a, Berlin) zu sehen ist: Ebenso hängen hier Studien von Gottfried Böhm und Zeichnungen von Helmut Jacoby für Lord Norman Foster zum Gebäude.

Doch nicht nur die Ära der Wiedervereinigung ist präsent. 33 kunstvolle Entwürfe, von Hans Poelzigs Großem Schauspielhaus (1918-20) über O.M. Ungers prä-postmoderne Entwürfe fürs Kulturforum (1965) bis zu Alvaro Siza Vieiras Wohnhausskizzen für die IBA 1987 sind zu sehen. Alle diese Entwürfe dessen, was geworden ist und hätte werden können, stammen aus dem Deutschen Architekturmuseum Frankfurt (DAM). Die Architektenzeichnung sei ein aussterbendes Genre und „genauso ins Digitale abgewandert wie die ganze Phase der Ausführungsplanung“, bedauert der ehemalige DAM-Vize Wolfgang Voigt im Katalog. Im der Berliner Ausstellung wird dieser Kunstform noch einmal würdevoll gehuldigt. (db, 13.3.17)

Moderne-Nachlese der Buchmesse

Nach der Messe ist ja bekanntlich vor der Messe. Und jetzt, da die Dichte an Lesepromis sich in Rhein-Main wieder langsam lichtet, bleibt Zeit für einen Blick auf den Ertrag für bibliophile Modernisten. Zum achten Mal haben die Frankfurter Buchmesse und das Deutsche Architekturmuseum (DAM) 2016 den Internationalen DAM Architectural Book Award vergeben. 88 Architektur- und Kunstbuchverlage weltweit hatten ihre Kandidaten ins Rennen geschickt.

Eine Fachjury aus externen Experten sowie Vertretern des DAM hatte dann aus den insgesamt 214 Einsendungen – nach Kriterien wie Gestaltung, inhaltliche Konzeption, Material- und Verarbeitungsqualität, Grad an Innovation und Aktualität – die zehn besten Architekturbücher des Jahres ausgewählt: vom Katalog zu „African Modernism“ (Park Books) bis zu den tiefen Einblicke in die „urbane Selbstregulierung“ von Dachaufbauten von „Nadogradnje“ (M Books). Zehn weitere Einsendungen wurden für die „Shortlist“ des DAM Architectural Book Awards 2016 ausgewählt: darunter „Up Up: Stories of Johannesburg’s Highrises“ (Hantje Cantz) oder eben jener „Stadtbilderklärer Gera-Lusan“ (Verlag: Mitteldeutscher Verlag, Autor/Gestaltung/Fotografie: Christoph Liepach) – eben jenes Gera-Lusan, das wir auch in unserem aktuellen Foto-Spezial vorstellen. Daher gratulieren wir hier und natürlich allen anderen Gewinnern herzlich (und notieren die Titel schon einmal für die private Jahresendfestwunschliste)! (kb, 11.11.16)

Rettet den Brutalismus

Dem Rathaus im niederländischen Terneuzen (1973) geht´s noch gut. Doch der Brutalismus ist bedroht (Bild: Friedrich Tellberg, CC BY-SA 2.0)
Dem Rathaus im niederländischen Terneuzen (1973) geht’s noch gut. Doch der Brutalismus ist bedroht (Bild: Friedrich Tellberg, CC BY-SA 2.0)

Die rohen Beton-Oberflächen des Brutalismus wurden schon zu seinen Hochzeiten gerne als Inbegriff der Rücksichtslosigkeit und der Verdrängung gesehen. Dieser Stil war „böse“. Und bis heute hat sich an der klischeebehafteten Sichtweise wenig geändert. Nun aber mit dem Unterschied, dass die betreffenden Gebäude über 40 Jahre alt und oft sanierungsbedürftig sind. Abriss oder Umgestaltung der „Klötze“ sind leichter vermittelbar.

Das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt (DAM), die Wüstenrot Stiftung und das Digital-Magazin uncube schreiten nun dem Brutalismus weltweit zu Hilfe: Gemeinsam betreiben sie nun die Initiative #SOSBrutalism, deren Ausgangspunkt ein englischsprachiges Online-Archiv bildet, das jetzt schon über 700 Bauten fasst. Sie werden dokumentiert und nach ihrem derzeitigen Status katalogisiert: bedroht, abgerissen oder gerettet. Zudem können sich Freunde und Fürsprecher des Brutalismus hier verständigen. Der Austausch über verschiedene soziale Medien ist das zentrale Element der Initiative – auf dass das Bewusstsein für die Qualitäten dieser Architektur (neu) geweckt wird. Mithilfe ist bei #SOSBrutalism gefragt: Wer noch bisher unentdeckte Meisterwerke kennt und Bilder oder weitergehende Informationen hat, kann sich per Mail melden. Für die Zukunft geplant sind unter anderem eine Ausstellung im DAM sowie ein umfangreicher Katalog. (db, 12.11.15)