Design

Hoptimist (Bild: hoptimist.com)

Nicht lustig: Der Hoptimist wird 50

Er ist gelb, rund und von jener ansteckenden Fröhlichkeit, die ihn rasch unverzichtbar macht(e). Vor 50 Jahren brachte der dänische Designer Hans Gustav Ehrenreich den Hoptimisten auf den Markt. Bereits in den 1950er Jahren machte sich Ehrenreich mit seiner Werkstatt für „Holzkunst“ einen Namen. Ende der 1960er erweiterte er seine Produktpalette um Birdie, Bimble, Bumble (den klassischen Hoptimisten) und Frosch Kvak. Ob Mobile oder Standfuigur, sie verbanden schlichte Grundformen mit Federelementen, die das Ganze beweglich machten und auf Wunsch hüpfen ließen.

2009 wurde der Klassiker neu aufgelegt und findet sich  nun in einer Reihe mit skandinavischen Designklassikern von der Lampe bis zum Holzaffen. Heute gibt es den Hoptimisten weiter als gelben Traditionalisten, aber auch in diversen Varianten: von hölzern über goldglänzend bis zum Rentier-Weihnachtsmodell. Unser Favorit bleibt die postgelbe Hüpfkugel. (kb, 10.2.18)

Hoptimist (Bild: hoptimist.com)

Labor des modernen Designs: Werkstatt im Bauhaus Dessau, 1926 (Bild: Bauhaus-Universität Weimar, Archiv der Moderne, Fotograf unbekannt)

„Mit der realen Welt auseinandersetzen“

„Ich würde es für einen Fehler ansehen, wenn sich das Bauhaus nicht mit der realen Welt auseinandersetzt“, schrieb Walter Gropius 1921. Sein Ziel war es, dass Studium und praktische Ausbildung die Studierenden optimal auf die Anforderungen eines späteren Arbeitslebens vorbereiten. Dazu gehörte nicht zuletzt die Zusammenarbeit der Bauhaus-Werkstätten mit der Industrie. Gropius führte daher am Bauhaus den transdisziplinären Unterricht und die sowohl praktische als auch künstlerische Ausbildung in eigenen Werkstätten ein. Sie wurden zu „Produktivbetrieben“ erweitert, in denen auch Aufträge ausgeführt, Einzelstücke und Kleinserien hergestellt und später Prototypen für die Industrie entwickelt wurden.

Dieser Zusammenarbeit folgt die Tagung „Die Industriekooperationen des Bauhauses – zwischen Innovationswille und Imagewerbung“, Auftaktveranstaltung des Forschungs-, Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekts „map 2019 Bauhaus Netzwerk Krefeld“, vom 16. bis zum 17. November 2018 in Krefeld. Arbeitsthese ist, dass die Firmen diese Kooperation aus Innovationswille und Imagewerbung betrieben, die entweder den Namen „Bauhaus“ instrumentalisieren oder ihn bewusst unkenntlich machen konnte. Gesucht werden noch Beiträge aus den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Kunst- oder Kommunikationswissenschaften, Rechts- oder Betriebswissenschaften zu  Produktionsschwerpunkten wie Weberei/Textil, Keramik, Glas, Möbel oder Metall. Exposés (max. 3.000 Zeichen), Kurzvita und ggf. Publikationsliste sind erbeten per Mail an: info@projektmik.com. (kb, 28.1.18)

Labor des modernen Designs: Werkstatt im Bauhaus Dessau, 1926 (Bild: Bauhaus-Universität Weimar, Archiv der Moderne, Fotograf unbekannt)

Tasche trifft U-Bahn (Bild: kurzzug.de)

Rettet die U-Bahn(-Bezüge)!

Es dürfte schwer zu leugnen sein: Das hier ist ein Ding für Bart- und Mützenträger. Aber irgendwie auch schön. Über die Bedrohung nachkriegsmoderner U-Bahnstationen müssen wir hier – leider – immer wieder berichten. Nicht immer kann man konkret was tun. Aber hier, hier kann man aktive Erhaltungsarbeit leisten. Die Münchener U-Bahn wurde für die Olympischen Spiele 1972 ins Leben gerufen. Doch viele der über 40-jährigen Wagen werden aktuell samt ihrer Bezüge ausrangiert. Damit wenigstens ein Teil dieser geschichtsdurchzogenen Materialien nicht verloren gehen, haben sich Jörg Schleburg und Wolfgang Bischoff 2013 zu ihrem Projekt „kurzzug“ zusammengetan, das 2016 mit einem erfolgreichen Crowdfunding in die Umsetzung ging.

Ihr Stoff sind die original gebrauchten Sitzbezüge der Münchner U-Bahnen, und dieser Stoff ist endlich. Noch dazu ist jeder Bezug einzigartig, je nach dem, wer ihn wie und wofür weichgesessen hat. Damit versteht kurzzug jedes seiner Produkte als Unikat, und limitiert seine Taschen und Beutel entsprechend. Im Angebot sind Wochenender, Stadttaschen, Geldbeutel und Schlüsselzüge. Die Preise entsprechen durchaus dem Selbstbewusstsein der Hersteller, Einzelstücke feil zu bieten. Wer hier passen muss, dem bleibt der Erwerb einer Münchener ÖPNV-Tageskarte und die Rundfahrt auf der Suche nach verbliebenen Originalbezügen – aber bitte nur in Form einer Fotosafari. (kb, 19.1.18)

Tasche trifft U-Bahn (Bild: kurzzug.de)

Sitzmöbel von Egon bis Eiermann

Bevor er mit eleganten Konzernzentralen für Neckermann und Co. berühmt wurde, war der Architekt Egon Eiermann (1904–1970) bereits Ende der 1940er Jahre im Industrie- und Wohnungsbau unterwegs. Die Folgestationen sind ikonisch: der Brüsseler Weltausstellungspavillon mit Sep Ruf, der Wiederaufbau der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und der Bonner Lange Eugen. Aber auch im nachkriegsmodernen Möbeldesign hinterließ Eiermann unübersehbare Spuren. Ohne den Klappstuhl SE 18, den Stahlrohrstuhl SE 68 oder den Korbsessel E 10 hätte so manchem Firmenfoyer, Forschungsinstitut und so Gutbetuchtenwohnzimmer der international wirkende Glanzpunkt gefehlt.

Dafür erprobte und bog Eiermann, in enger Kooperation mit Möbelherstellern, Holz- und Stahlrohrgestelle, Formholzsitze, Gurt- oder Korbbespannungen, Korbsessel und -sofas und vereinzelt sogar Kunststoffschalen. Zu den ersten Studenten seiner Karlsruher Lehrtätigkeit zählte der junge Oswald Mathias Ungers, weshalb sich auch das Kölner Ungers-Archiv für Architekturwissenschaft (UAA) des Themas besonders angenommen hat. Die Ausstellung „Der Stuhl des Architekten. Sitzmöbel von Egon Eiermann“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) am Karlsruher Institut für Technologie. Die Präsentation ist noch bis zum 9. Februar in Köln (UAA, Belvederestraße 60, 50933 Köln) zu sehen. (kb, 16.1.18)

Egon Eiermann, Korbsessel E 10 (Copyright: Foto Horst Horstheinz Neuendorff)

Kissen mit brutalistischen Motiven (Bild: redbubble.com)

Kuschelbrutalismus

Aktuell üben die Medien ja fleißig das „(Beton-)Monsterstreicheln“ (marlowes, C. Holl). Zu Recht, finden wir. Nur, wer seine Finger in der Öffentlichkeit versonnen über den grauen Kunststein gleiten lässt, wird immer noch schräg angesehen. (Baumumarmer haben es da traditionell leichter.) Wenn Sie Ihrem Hobby aber weiter frönen wollen, haben wir eine sichere Alternative: Verlegen Sie das Brutalismuskuscheln doch in die eigenen vier Wände. Über das Online-Portal „redbubble.com“ können Sie sich dafür die passenden Kissen mit brutalistischen Motiven nach Hause bestellen.

Es handelt sich, so der Anbieter, um „beidseitig bedruckte Kissen für ein noch schöneres Zimmer“. Die Textilien werden als „Print on Demand“ auf einem 100%-Polyester-Bezug mit Innenkissen (optional) gedruckt. Der versteckte Reißverschluss soll das Ganze noch angenehmer und pflegeleichter gestalten. Der Anbieter „Brumhaus“ hat verschiedene stilisierte Motive der englischen Moderne im Portfolio. Unser Kissen-Lieblingsmotiv: Trellick Tower. Erhältlich in quadratischer Grundform mit einer Kantenlänge von 40 bis zu 90 cm, je nach Größe geeignet von Bett bis zu Boden. (kb, 21.11.17)

Kissen mit brutalistischen Motiven (Bild: redbubble.com)