Schlagwort: Design

Rührgerät RG 28 (Bild: Der Streckenvogel, CC BY SA 3.0, 2009)

Alles nach Plan?

Es geht um Klassiker wie das Rührgerät RG 28, die Erika-Schreibmaschine oder die motorgetriebenen Zweiräder von Simson. In seiner aktuellen Wechselausstellung „Alles nach Plan?“ zeigt das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig noch bis zum 14. Oktober mit Produkten auch das Design aus der DDR. 1971 rief Erich Honecker auf dem VIII. Parteitag zur Maxime aus: „Mehr und bessere Waren, die dem Bürger gefallen und seine Bedürfnisse befriedigen, (…) das betrachten wir als wichtige Staatsangelegenheit“.

Die Formgestalter standen damit im Spannungsfeld zwischen eigenen Vorstellungen, politischen Rahmensetzungen und Herstellungsbedingungen in den ausführenden Betrieben, wo Farben und Werkstoffe auch mal pragmatisch angepasst werden mussten. Vor diesem Hintergrund entfaltet die Ausstellung das Design in der DDR von seinen Anfängen her: von der Aufbruchsstimmung in den 1950er Jahren über die Gründung des Amts für industrielle Formgestaltung in den 1970er Jahren bis hin zur Mangelkrise in den 1980er Jahren. (kb, 5.5.18)

Rührgerät RG 28 (Bild: Der Streckenvogel, CC BY SA 3.0, 2009)

Bild Stadtverwaltung Gera, Steffen Weiß

Petticoat und Nierentisch in Gera

Die Stadt Gera ist dem Freund klassisch-moderner Kunst in erster Linie wegen ihres berühmten Sohnes Otto Dix bekannt. Doch auch für Fans der Nachkriegsmoderne lohnt sich derzeit ein Ausflug nach Thüringen: Das Museum für Angewandte Kunst Gera widmet dem Alltagsdesign der 50er unter dem Namen „Tütenlampe, Petticoat und Nierentisch“ eine eigene Sonderausstellung.

Zu sehen sind Möbel, Kleidung und Alltagsgegenstände der ersten beiden Nachkriegsjahrzehnte. Dabei stoßen Produkte der westdeutschen Wirtschaftswunderjahren auf die Formgestaltung der DDR, die bis zur berüchtigten Formalismusdebatte gerne an die Tradition von Werkbund und Bauhaus ansknüpfte. In beiden Staaten avancierte Design bald zum Massenprodukt, die Gestalter blieben hinter der Bekanntheit ihrer Entwürfe zurück. Die Ausstellung versammelt unter anderem Arbeiten von so prominenten Designern wie Mart Stam, Horst Michel, Tea Ernst, Erna Hitzberger und Raymond Loewy. Sie ist bis zum 3. Juni zu sehen. (jr, 1.5.18)

Bild: Stadtverwaltung/Steffen Weiß

Ein Blick in die Ausstellung "Architektenmöbel" im Neuen Museum Nürnberg (Foto: Anna Seibel, Bild: Neues Museum Nürnberg)

Gesessen wird immer

Auch in stürmischen Zeiten gibt es einige wenige Branchen, die krisensicher scheinen: Friseur (Haar wachsen immer), Chocolatier (muss man nicht begründen) – und Möbel. Das Sitzen, Liegen, Arbeiten, Wohnen zählt zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Da ist es nur konsequent, dass die Baumeister mit dem Haus auch gleich die Einrichtung entwerfen. Denn hier greifen Architektur und Design ineinander und im besten Fall entstehen kleine Kunstwerke. Mit der Präsentation „Architektenmöbel. Möbelmanifeste“ stellt das Neue Museum Nürnberg (Staatliches Museum für Kunst und Design) nun Möbel-Entwürfe von verschiedenen architektonischen Strömungen und Gruppierungen vor.

So zeigen die Stuhlkonstruktionen von Egon Eiermann (1904-70) auch die funktionale Seite der deutschen Nachkriegsmoderne. Im Material der Möbel von Frank Gehry (* 1929) offenbart sich sein dekonstruktivistischer Ansatz. Oder in den Flächenrastern der Objekte von Superstudio (ab 1966 in Florenz) wird dessen in die Unendlichkeit fortgeführte Utopie abgebildet. Damit machen diese sehenswerten Zeugnisse der Designentwicklung auch ein Stück moderner Architekturgeschichte greifbar. (kb, 26.4.18)

Blick in die Ausstellung „Architektenmöbel“ (Bild: Neues Museum Nürnberg, Foto: Anna Seibel)

Ulm, Hochschule für Gestaltung (Foto: Hans G. Conrad/René Spitz, GFDL oder CC BY SA 3.0, OTRS ticekt #2011121610004379)

Zeigeordnungen

In gerade einmal fünfzehn Jahren avancierte die Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG) zum wegweisenden Orte für modernes Design. Hier entstanden ikonische Entwürfe für die Audiogeräte von Braun, für die Lufthansa oder die Hamburger Hochbahn. Doch es ging in Ulm nicht allein um die Gestaltung von Produkten, sondern auch um die öffentliche Inszenierung von Gestaltung – z. B. durch Ausstellungen. So erreichte die HfG die Menschen vor Ort ebenso wie in der näheren Umgebung wie München und Stuttgart und darüber hinaus bis nach Mailand, Amsterdam und zuletzt in Montréal.

Für die Tagung „Gestaltung ausstellen. Zeigeordnungen 1950-1970“, die in Ulm vom 29. bis 31. Oktober 2018 stattfinden soll, werden noch Themen gesucht. Es geht den Veranstaltern um den Zusammenhang von Design- und Ausstellungsgeschichte der Nachkriegszeit. Möglich sind Vorschläge zu den folgenden Schwerpunkten: 1. Politik und Ökonomie, 2. Pädagogik, 3. Ästhetik und Medialität. Ulm soll hierbei als ein – wenn auch exponiertes – Beispiel von vielen angenommen werden. Erbeten sind Vorschläge für einen 30-minütigen Vortrag als Exposé von max. 2.000 Zeichen mit einer biobibliographischen Notiz und Kontaktdaten bis spätestens zum 15. Mai 2018 an: hfg-archiv@ulm.de. Rückfragen sind möglich bei: Dr. Martin Mäntele, 0731/161-4372, M.Maentele@ulm.de. (kb, 17.4.18)

Ulm, Hochschule für Gestaltung, 1955, Max Bill (Foto: Hans G. Conrad/René Spitz, GFDL oder CC BY SA 3.0, OTRS ticket #2011121610004379)

Sofa aus dem „Damenzimmer“ von Haus Lemke, Entwurf: Lily Reich, 1932, Ausführung: Berliner Schreinerei und Polsterei, 1933 (Foto: René Müller, Stuttgart)

MIES sitzen

Ein Sofa für das Damenzimmer, welch ein altertümliche Beschreibung für dieses moderne Sitzmöbel. Im Kunstgewerbemuseum am Berliner Kulturforum (Matthäikirchplatz, 10785 Berlin) dreht sich vom 13. April bis zum 30. November 2018 alles um Ludwig Mies van der Rohe und das Sitzen. Unter dem Titel „Von Haus zu Haus – Möbel, Mobilien und Möglichkeiten“ zeigt man hier als Sonderpräsentation die 1932 von Mies van der Rohe entworfenen Sitz- und Liegemöbel des Berliner Landhauses Lemke. Am Entwurfsprozess waren Friedrich Hirz und seiner langjährigen Mitarbeiterin Lilly Reich beteiligt.

Bedingt durch die geschichtlichen Ereignisse in der Nachkriegszeit – das Ehepaar Lemke wohnte nur bis 1945 dort – wurden Haus und Möbel schließlich voneinander getrennt. Nun werden die Möbel aus dem Nachlass Martha Lemkes in der Designsammlung des Kunstgewerbemuseums besonders in Szene gesetzt. Dafür wurden sie mit einer eigens entstandenen Serie des Berliner Fotokünstlers Michael Wesely (*1963) aufgenommen. Für „Doubleday. Mies van der Rohe Haus (1933-2018)“ hat Wesely historische Schwarzweiß-Fotografien der Innenausstattung des Hauses Lemke mit aktuellen Aufnahmen des Gebäudes zu einem Bild verschmolzen. Die Eröffnung wird am 12. April um 18 Uhr gefeiert. (kb, 11.4.18)

Sofa aus dem „Damenzimmer“ von Haus Lemke, Entwurf: Lily Reich, 1932, Ausführung: Berliner Schreinerei und Polsterei, 1933 (Foto: René Müller, Stuttgart)