Deutsches Architekturmuseum

Send us a postcard

Das DAM (Deutsches Architekturmuseum) wünscht sich Post von Ihnen. Mit dem Aufruf „Send us a postcard from your brutiful holidays“ bittet die Aktion „SOSBrutalism“, eine Initiative mit dem Magazin uncube, um Postkarten mit bruatlistischen Motiven an die folgende Adresse: Deutsches Architekturmuseum / SOS-Team Elser / Hedderichstr 108 / 60596 Frankfurt / GERMANY. Motive dürften Sie – zwischen Mallorca-Bettenburg und bildungsbürgerlichem Kirchenbesuch – sicher zu Hauf finden. Und ein paar jahrzehntealte Postkarten, die solche Schönheiten noch stolz als Neuheiten präsentierten.

Damit können Sie sich auch die Wartezeit auf die anstehende Frankfurter Brutalismus-Ausstellung versüßen (wir werden noch ausführlicher berichten), die für den wiederentdeckten Baustil der Jahre zwischen 1953 und 1979 eine Lanze brechen will. Vorlaufend sammelt die Projektseite www.SOSBrutalism.org mittlerweile weltweit mehr als 1.000 Bauten dieser Gattung. Zu den regionalen Schwerpunkten zählen Israel, Japan, Südamerika, selbstverständlich Großbritannien, die USA, aber auch viele westdeutsche Kirchenbauten. Die Präsentation „SOS BRUTALISMUS – Rettet die Betonmonster!“ , ein Projekt mit der Wüstenrot Stiftung, wird vom 7. Oktober bis zum 25. Februar 2018 in Frankfurt zu sehen sein, die Eröffnung wird am 6. Oktober 2017 um 19.00 Uhr gefeiert. (kb, 10.8.17)

Neuer Wohnen

Dresden, Freiberger Straße mit Citroen DS (Bild: Deutsche Fotothek, CC BY SA 3.0, 1962. Richard Peter)
Zwischen Effizienz und Eleganz: der europäische Wohnungsbau, hier ein Beispiel aus Dresden (Bild: Deutsche Fotothek, CC BY SA 3.0, 1962. Richard Peter)

Zwischen 1945 und 1970 entstanden die meisten europäischen Wohnungen. Die Gründe liegen im Wiederaufbau nach den Kriegszerstörungen und in den folgenden Wirtschaftswunderjahren. In diesen Jahren mussten der Staat oder staatlich geförderte Institutionen einer wachsenden Wohnungsnot entgegentreten und wollten zugleich ihre jeweiligen (wohn-)politischen Ideale verwirklichen. Die Tagung „Die Erneuerung des Wohnens“ – veranstaltet vom Deutschen Architekturmuseum (DAM), dem Fachgebiet Entwerfen und Wohnungsbau der TU Darmstadt sowie der Wüstenrot Stiftung – thematisiert daher vom 24. bis zum 15. November 2016 im Frankfurter DAM den geförderten europäischen Geschosswohnungsbau.

Im Mittelpunkt der Tagung steht daher die Frage, wie eine grundlegende Erneuerung des Wohnens und deren architektonische Umsetzung gelingen konnte. In einer begleitenden Ausstellung werden erstmals die Resultate des Forschungsseminars „Wohnen in Europa“ von Studierenden der Architektur der TU Darmstadt vorgestellt. Gezeigt werden rund siebzig architektonisch herausragende und international wenig bekannte Geschosswohnbauten aus Brüssel, Zagreb, Köln, Oslo, Porto, Lyon und Athen. Im Vergleich der Projekte wird der Balanceakt zwischen internationalen Idealen und partikularistischen Bestrebungen einzelner Städte und Architektengruppen sichtbar. Der Besuch der Tagung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt ist kostenfrei, die Ausstellung ist dort noch bis zum 5. Dezember zu sehen. (kb, 19.11.16)

„Es ist noch nicht zu spät“

Mattersburg, Kulturzentrum (Bild: Johann Gallis, 2015)
Das Deutsche Architekturmuseum setzt sich für den Erhalt ein: das Kulturzentrum Mattersburg (Bild: Johann Gallis, 2015)

„Das Kulturzentrum Mattersburg gilt als Hauptwerk des Architekten Herwig Udo Graf“, so würdigt Oliver Elser, Kurator am Deutschen Architekturmuseum Frankfurt, die 1976 eingeweihte betonplastische Anlage, die ursprünglich eine Sporthalle, eine Zentralhauptschule und ein Kulturzentrum mit Foyer, Restaurant, Volkshochschule, Seminarräumen, Literaturhaus, Verwaltungsräumen, Zentrum für politische Bildung (mit Übernachtungsgelegenheiten), Jugendclub, Freibühne und Sauna mit Liegebecken umfasste.

Doch, und damit kommt Elser zum Anlass seiner Stellungnahme vom 20. Juni 2016: „Der Betonbrutalismus ist vielerorts in Gefahr. Daher sollten die verbliebenen Beispiele besonders gepflegt werden.“ Denn für das Kulturzentrum Mattersburg sah es 2016 überraschend nach Abriss aus. Der Bau sei nicht energieeffizient, ein Neubau wirtschaftlicher. Es regte sich Widerstand, die Kommune lenkte scheinbar ein und schrieb einen Architektenwettbewerb aus. Den gewann das Büro HOLODECK architects, das nur 20% des Bestands erhalten und den Veranstaltungssaal zu Büro- und Seminarräumen umgestalten will. Für Elser keinen Ausweg: „Lediglich den Mehrzwecksaal zu erhalten erscheint jedoch zu wenig. Es ist, als würde man eine Kirche abreißen und ließe anstandshalber den Kirchturm stehen. Das Verbleibende wird musealisiert, ein Torso ohne Gliedmaßen.“ Und verbleibt mit einem hoffnungsmachenden „Es ist noch nicht zu spät.“ (kb, 11.7.16)

Architektur in Krieg und Frieden

Das Auditorium im DAM mit den Stühlen nach Entwurf von Oswald Mathias Ungers (Bild: Warbug, dontworry, CC-BY-SA 3.0)
Das Auditorium im DAM mit den Stühlen nach Entwurf von Oswald Mathias Ungers (Bild: Warbug, dontworry, CC-BY-SA 3.0)

Nach fast zwanzig Jahren verabschiedet sich Wolfgang Voigt vom Deutschen Architekturmuseum. Seit 1997 war er als stellvertretender Direktor des DAM tätig und an zahlreichen wegweisenden Ausstellungen des Hauses beteiligt. Zur Verabschiedung veranstaltet das Museum am 15. Januar 2016 ein Symposium mit dem Namen „Architektur in Krieg und Frieden“. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Neben einem Vortrag von Wolfgang Voigt selbst stehen  verschiedene Themenbeiträge auf dem Programm. Ita Heinze-Greenberg spricht zu Erich Mendelsohns Europavision 1931-1934, Wolfgang Pehnt beleuchtet unter dem Titel“Die Haltung der Zurückhaltung“ die Außenansicht auf deutsche Nachkriegsarchitektur. Hartmut Frank geht „Orthodoxie und Häresie in der modernen Architekturgeschichte“ nach, Jean Louis Cohen von der New York University beleuchtet in seinem Vortrag „Architektur in Uniform“ Planungen und Bauten, die im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg entstanden. (jr, 22.12.15)

HIMMELSTÜRMEND

Die Bankenhochhäuser sind prägend für das moderne Frankfurt (Bild:  DAM,© Klaus Helbig)
Die Bankenhochhäuser sind prägend für das moderne Frankfurt (Bild: DAM,© Klaus Helbig)

Die Wolkenkratzer und Bankentürme sind heute ein elementarer Bestandteil der urbanen Identität der Stadt Frankfurt am Main. In keiner anderen deutschen Stadt finden sich mehr solcher Bauwerke, die Rangliste der 10 höchsten Gebäude Deutschlands kann die Mainmetropole im Alleingang füllen. Eine Ausstellung  nimmt nun unter dem Titel „HIMMELSTÜRMEND. Hochhausstadt Frankfurt“ die Dynamik der architektonischen Entwicklung am Main nach 1945 in den Blick. Sie ist bis zum 19. April 2015 im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zu sehen.

Die Entstehung von Frankfurts Hochhausidentität ist historisch im engen Zeitraum der letzten 60 Jahre anzusiedeln. Die Ausstellung lässt nicht nur die Stilrichtungen Nachkriegs- und Postmoderne in Gestalt exemplarisch vorgestellter Bauwerke aufeinandertreffen. Sie zeichnet auch städtebauliche Entwicklungen, Debatten und Kontroversen nach. Dazu gehören der Wiederaufbau des kriegszerstörten Frankfurt ebenso wie der „Häuserkampf“ im studentenbewegten Stadtteil Westend oder der Neubau der Europäischen Zentralbank. Mit letztgenanntem Projekt sowie der bundesweit beachteten Sprengung des AfE-Turms schlägt die Ausstellung den Bogen in die Gegenwart. Begleitend ist die Publikation „Hochhausstadt Frankfurt. Bauten und Visionen seit 1945“ erschienen. (jr, 22.11.14)