Dresden

Stets zu Diensten

Dresden-Johannstadt, Dienstleistungszentrum (Bild: ostmodern.org)
Dresden-Johannstadt, Dienstleistungszentrum (Bild: ostmodern.org)

Die Plattenbauten in der Dredener Johannstadt werden teils saniert, teils abgeräumt. Dabei fallen auch diverse Infrastruktur-Gebäude weg. Das Wohnungsunternehmen Vonovia (einstmals Gagfah) will in nächster Zeit das ehemalige „Dienstleistungszentrum“ verkaufen, das einst Geschäften wie Frisör, Schlüsseldienst und einer Reparaturwerkstatt Platz bot – der neue Eigentümer wird den Bau dann voraussichtlich abräumen lassen.

Zuvor hat man aber gestattet, dass ein besonderer Gebäudeteil durch engagierte Ostmoderne-Freunde gerettet werden konnte: Der neonbeleuchtete Schriftzug „Dienstleistungen“ wurde Mitte Februar fachgerecht demontiert. Die Teams von ostmodern.org, INDUSTRIE.KULTUR.OST, Werkstatt Baukultur Dresden und able dresden haben ihre Kräfte vereint, um die Neonreklamen vor Vandalismus und dem drohenden Ende im Schrottcontainer zu retten. Die Beteiligten möchten den Schriftzug gerne irgendwann wieder öffentlich präsentieren – Fernziel wäre eine Ausstellung zur DDR-Architektur. Im Moment wäre allerdingst erst einmal mit einem geschützten Lagerraum geholfen. Wer einen vorübergehenden Platz für den Schriftzug hat, der kann sich gerne bei den Beteiligten melden … (db, 4.3.17)

Dresden: Pinguin-Café kämpft weiter

Dresden, Pinguin-Café (Bild: Facebook-Seite "Pinguin-Café Dresden")
Nun ist es offiziell: Das Pinguin-Café trägt keinen Denkmalschutz (Bild: Facebook-Seite „Pinguin-Café Dresden“)

In Dresden regte sich 2016 massiver Widerstand gegen den geplanten Abriss des Pinguin-Cafés im Zoo. Wenn es schon von seinem angestammten Platz verschwinden müsse, sollte es doch wenigstens die Chance auf ein Comeback erhalten. Auf Initiative des Netzwerks Ostmoderne kam der Plan auf, den Systembau in seine Einzelteile zu zerlegen, einzulagern und mit einem Investor andernorts aufzubauen. Die sächsischen Denkmalpfleger hatten den Initiativen zum Erhalt des Baus 2016 noch Recht gegeben, nach einer Ortsbegehung sprachen sie ihm jetzt aber, so die Informationen der Dresdner Neuesten Nachrichten, endgültig seinen Denkmalwert ab.

Ursprünglich 1969 von Erich Lippmann in Berlin errichtet, wurde das Café erst 1973 nach Dresden versetzt, hinzu kam ein Pinguin-Wandfries von Gerhard Papstein. Nun haben die Frankionen der Grünen und der Linken im Stadtrat einen Antrag eingereicht, der einen Umzug des Pavillons noch möglich machen soll. Matthias Hahndorf von ostmodern.org zeigt sich optimistisch: „Inzwischen wurde aber hoffentlich eine Stadtratsmehrheit erreicht, die Ende Januar für den geordneten Rückbau und Einlagerung auf Stadtkosten votiert. Das wäre dann die erhoffte Rettung in letzter Minute. […] Dann braucht es ’nur‘ noch einen Finanzier für die Wiedererrichtung an anderer Stelle… (jr, 17.1.16)

Dresden: Der Teppichfreund muss gehn

Dresden, Teppichfreund (Bild: youtube)
Der Abriss läuft bereits: der Dresden „Teppichfreund“ in der Grunauer Straße (Bild: youtube)

An der Grunauer Straße in Dresden entstehen neue Wohnungen – soweit zumindest die Positiv-Kommunikation. Nur muss das, was an der Stelle der künftigen Wohnungen steht, leider gerade weichen: Seit 2012 steht hier in der Pirnaischen Vorstadt ein Geschäftspavillon aus DDR-Zeiten leer.

Der 1960er-Jahre-Bau mit den markanten Stahlbügeln beherbergte einst das „Howa-Möbelhaus“, später das „HO-Sportkaufhaus“ und zuletzt den „Teppichfreund“, bevor es als leerstehendes Ostmoderne-Schätzchen in diesem Sommer noch einmal als Werbeträger für das örtliche Theater zu Ehren kam. Bis zuletzt hatten sich Engagierte wie das Netwerk Ostmodern für den Erhalt des Pavillons eingesetzt. Doch ab 2018 werden statt großzügiger Teppichverkäufe in der Grunauer Straße „Microlofts“ das Stadtbild bestimmen. Der Abriss des „Teppichfreunds“ läuft bereits. (kb, 27.10.16)

Karl-Heinz Adler: „systeme / systems“

Impression aus dem Ausstellungsaufbau zu "Karl-Heinz Adler. systeme / systems" (Bild: Galerie eigen + art, Berlin)
Bau-Kunst von Karl-Heinz Adler in Serie: Impression aus dem Aufbau der Berliner Ausstellung „systeme / systems“ (Bild: Galerie eigen + art, Berlin)

Oft, leider schon viel zu oft, haben wir an dieser Stelle über ein Werk des Künstlers Karl-Heinz Adler berichten müssen: die seriell-reliefierte Wandgestaltung am Verwaltungsgebäude auf dem Dresdener Robotron-Gelände, das aktuell weiter „gerupft“ wird und seiner künstlerischen Ausgestaltung beraubt wird. Der 1927 in Remtengrün im Vogtland geborene Adler lernte und studierte im und nach dem Krieg in Plauen, Berlin und Dresden. In seinen Collagen, Zeichnungen, Gemälden und (bau)plastischen Arbeiten, in seinen „Schichtungen“ und „Seriellen Lineaturen“ suchte er als konstruktiv gestaltender Künstler die Ordnung hinter den Dingen.

Ab 1960 wurde Adler aktiv in der  einflussreichen Produktionsgenossenschaft bildender Künstler „Kunst am Bau“ Dresden. Besondere Wirkung entfaltete er, als er 1968 mit Friedrich Kracht ein vielfach eingesetztes Betonformsteinsystem entwickelte. Nun wird Adlers Werk in Berlin mit der Ausstellung „systeme / systems“ einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Die Vernissage findet am 13. Oktober 2016 von 17 bis 21 Uhr in der Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin (Auguststraße 26, 10117 Berlin) statt. Im Anschluss wird die Präsentation bis zum 19. November 2016 zu sehen sein. (kb, 12.10.16)

DDR-Museum zieht in die große Stadt

Dresden Hochhaus Albertplatz (Bild: Rene Mettke, CC-BY-SA 4.0)
Das Dresdener Hochhaus am Albertplatz wird bald die Sammlung aufnehmen (Bild: Rene Mettke, CC BY SA 4.0)

Bis vor kurzem stand das Radebeuler DDR-Museum „Zeitreise“ noch vor einer ungewissen Zukunft. Dramatisch sinkende Besucherzahlen und hohe Mietkosten hatten das private Museum, das in einer Vielzahl von Exponaten Einblick in den DDR-Alltag gibt, in die Insolvenz getrieben. Nun hat sich mit Peter Simmel ein Investor gefunden, der die Sammlung erhalten will und gleichzeitig eine umfassende Neukonzeption des Museums plant. Das beinhaltet einen Umzug der gesamten Sammlung in die sächsische Landeshauptstadt.

Der angestammte Sitz in Radebeul wird dagegen in Kürze aufgegeben. Künftig können Besucher die umfangreiche Sammlung im klassisch-modernen Hochhaus am Albertsplatz in Dresden besichtigen. Seit 2015 beherbergt der Gebäudekomplex ein von Simmel betriebenes Einkaufszentrum. Nostalgiker können das Museum noch bis Ende November am alten Standort in Radebeul besuchen, dann heißt es hier Koffer packen. Wer mit Brot und Salz nach Dresden reisen möchte, muss aber auch nicht lange warten: Bereits im Januar 2017 soll das DDR-Museum am neuen Standort die Pforten öffnen. (jr, 28.9.16)

Denkmalpflege-Debatten: 1, 2 oder 3?

"1,, 2 oder 3" mit Michael Schanze (Bild: Screenshot, youtube.de)
Bewährte Methode: Michael Schanze fragte Halbwüchsige „1, 2 oder 3“? (Bild: Screenshot, youtube.de)

Denkmalpflege hat drei Alternativen: 1) Abriss, 2) Sanierung, 3) Nichteinmischung. Diese Wahl zumindest lässt die Potsdamer SPD bei der Mitgliederbefragung zum Mercurehotel. Das 1969 als Interhotel errichtete Hochhaus stört für einige den Blick aufs rekonstruierte Stadtschloss – und wird politisch diskutiert. Die Stadt könne 1) den Bau erwerben und abreißen. Sie biete 2) dem Hotelbetreiber eine Ersatzfläche zum schmucken Neubau bzw. dieser mache einen Sanierungsvorschlag, „der das Aussehen deutlich verbessert“. Oder 3) man halte sich raus. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat schon die 1) gewählt.

Dresdener Politiker scheinen den Umgang mit der Ostmoderne gar auf zwei Optionen einzudampfen: Die Platte kommt unter Schutz (oder eben nicht). Für Tilo Wirtz (Linke) gilt es (unter Beifall der Grünen), „Plattenbauten im Originalzustand als Einzeldenkmal exemplarisch unter Schutz zu stellen.“ Kritiker wie Holger Zastrow (FDP) wittern den Revanchismus: „Linke und Grüne wollen die DDR konservieren.“ Jenseits des Kanals, in London sieht man es weniger preußisch und will einfach viele schöne Bilder sammeln. Die Tageszeitung Guardian ruft daher, anlässlich einer aktuellen Publikation über den Architekturfotografen Julius Shulman (1910-2009), dazu auf: „Modernist American architecture: share your photos and stories“. Dafür bietet die Guardian-Homepage einen entsprechenden Button und sogar eine App. Wählen Sie doch selbst! (kb, 7.9.15)

TofD: 3 x Ostmoderne

Berlin, Tierpark, Betonformsteine von Friedrich Kracht (Bild: Genossenschaft Kunst am Bau, Macmaus2, gemeinfrei)
Berlin, Tierpark, Betonformsteine von Friedrich Kracht (Bild: Genossenschaft Kunst am Bau, Macmaus2, gemeinfrei)

Ostmoderne muss man am Tag des offenen Denkmals suchen, aber drei lohnende Programmpunkte haben wir aufgestöbert: Zunächst nach Dresden, wo das Atelierhaus Edmund Moeller (Gostritzer Straße 10) 1929 entstand und 1958 zum Sitz der Produktionsgenossenschaft der bildenden Künste, Kunst am Bau, wurde. Zu sehen gibt es neben Originalplastiken Moellers auch Zeugen der DDR-Kunst. Am 11. September ist das Haus von 13 bis 18 Uhr geöffnet, um 14 Uhr findet eine Führung statt, am 15. Oktober ein Vortrag mit Workshop zu „Betonformsteinen“ (Kontakt: Janina Kracht, Freie Akademie Dresden, 0351/3400488, post@freie-akademie-dresden.de).

Das „Traditionsschiff MS Dresden“, Bestandteil des Rostocker Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums, wurde 1956 als fünftes Schiff der DDR-10.000-t-Frachtschiffserie in der Warnowwerft auf Kiel gelegt und fuhr bis 1970 nach Fernost und Mittelamerika. Die Öffnungszeiten am 11. September sind 10 bis 18 Uhr, Führungen sind auf Anfrage möglich (Kontakt: Ronald Piechulek, ronald.piechulek@iga2003.de). In Eisenhüttenstadt steht am 11. September das Friedrich-Wolf-Theater (Lindenallee 23) von 11 bis 16 Uhr offen. Der Mauerwerksbau wurde 1953 bis 1955 nach Entwürfen von H. Enders und H. Klein errichtet. Führungen erfolgen 11, 12, 13 und 14 Uhr, zudem gibt es eine Filmvorführung Planstadt Eisenhüttenstadt sowie Musik- und Tanzauftritte (Kontakt: Regina Richter-Piehl, Friedrich-Wolf-Theater, 03364/771613, regina.richter-piehl@eisenhuettenstadt.de; Frank-Uwe Gerlach, 03364/566276, frank-uwe.gerlach@eisenhuettenstadt.de).(db, 28.8.16)

Mehr? Dann auf nach Greifswald zur Führung durch die Altstadtplatte!