Ernst May

Seff Weidl, Skulptur "Einigkeit" in der Gartenstadt Vahr, Bremen, 1959 (Bild: Hamburgisches Architekturarchiv)

Ernst May und die Skulptur

Der Architekten Ernst May fühlte sich ein Leben lang eng mit der Bildhauerei verbunden. Nach eigener Aussage wäre er selbst gerne bildender Künstler geworden, entschied sich dann jedoch für das Bauen. Während der Zeit des Neuen Frankfurt tauschte sich May stets mit zeitgenössischen Bildhauern aus, darunter Richard Scheibe und Josef Hartwig. In den 1950er Jahren folgten Bernhard Heiliger und Seff Weidl. Weidls monumentale Bronzeskulpturen etwa gehörten unauflöslich zu den städtebaulichen Ensembles, die Ernst May für die Neue Heimat realisierte.

Diesem fruchtbaren Zusammenspiel widmet sich vom 15. Oktober 2017 bis zum 1. April 2018 eine – vom Berliner Architekten Florian Seidel kuratierte – Ausstellung im Frankfurter ernst-may-haus. Thema ist die Wechselwirkungen zwischen Ernst Mays Architektur und der Bildhauerei, angefangen bei seinem Frühwerk, seinen Arbeiten in Frankfurt am Main, bis hin zu seinen Arbeiten der Nachkriegszeit. Die Vernissage wird am 14. Oktober 2017 um 18 Uhr im ernst-may-haus (Im Burgfeld 136, 60439 Frankfurt) gefeiert. (db, 8.10.17)

Seff Weidl, Skulptur „Einigkeit“ in der Gartenstadt Vahr, Bremen, 1959
(Bild: Hamburgisches Architekturarchiv)

Frankfurt, Bruchfeldstraße (Bild: Christos Vittoratos,CC BY-SA 3.0)

Architektur und Exil

Viele nationalsozialistisch verfolgte Baumeister mussten Deutschland nach 1933 verlassen. Eine Doppelausstellung in Hamburg beleuchtet an zwei parallelen Orten am Beispiel von fünf Architekten die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe der Emigration, die Aufnahme und den Erfolg der Exilanten in ihren Gastländern, die Entwicklung ihres architektonischen Werkes, Kontinuität oder Brüche vor und nach dem Exil. Unter ihnen sind Robert Friedmann, Oskar Gerson, Karl Schneider, Gustav Oelsner und Ernst May – der in den 1920ern nicht nur das „Neue Frankfurt“ prägte, sondern nach dem Krieg auch am Ausstellungsort sowie in Lübeck und Bremen neue Siedlungen schuf. Darunter die Neue Vahr (1956-61), die nicht erst durch einen gewissen „Herrn Lehmann“ bekannt wurde…

Auch die anderen Architekten sind mit der Stadt Hamburg biografisch verbunden: Oskar Gerson wirkte unter anderem am Sprinkenhof mit, Karl Schneider schuf den Wohnblock am Habichtsplatz in Barmbek, Gustav Oelsner verantwortete diverse Wohnsiedlungen und öffentliche Gebäude. Anlässlich der Tage des Exils werden ab dem 15.6. in der Galerie im Georgshof und in der Galerie Renate Kammer Werk und Wirken der Exilanten präsentiert. An diesem Tag bieten auch beide Häuser Eröffnungsveranstaltungen; insgesamt ist die Doppelschau bis zum 15.7. zu sehen. (db, 14.6.17)

Ernst May: „Zickzackhausen“ Frankfurt/M. (Bild: Christos Vittoratos)

 

Spätkoloniale Moderne

Spätkoloniale Moderne (Bild: Birkhäuser Verlag)

Le Corbusier, Ernst May und Frank Lloyd Wright – sie alle verbindet der Weltruhm in der klassischen Moderne. Ihre Bauprojekte in Europa und Nordamerika begeisterten Zeitgenossen wie Spätgeborene. Für die jüngst erschienene Monographie von Regina Göckede ist dies jedoch eher zweitrangig. Sie nimmt stattdessen die oft kaum bekannte Tätigkeit der Architekten in den ehemaligen Kolonien Europas in den Blick.

So plante die französische Regierung in den 1930er Jahren, Algier zu einer modernen Metropole nach europäischen Maßgaben zu transformieren, einer „Hauptstadt des französischen Afrikas“. Le Corbusier befasste sich hierfür fast zehn Jahre mit städtebaulichen Entwürfen. Auch Ernst May, seit 1934 Emigrant in Ostafrika, suchte die koloniale Idealstadt. Mitte der 1940er Jahre plante er für die britische Kolonialverwaltung eine Erweiterung für Ugandas Hauptstadt Kampala. Frank Lloyd Wright schließlich entdeckte Bagdad als Schaffensfeld. Der Band stellt die Arbeit dreier Modernisten in Afrika bzw. dem Nahen Osten vor. Dabei dekonstruiert er jedoch den Mythos einer per se moralisch integren Moderne. Neben Bauten und Planungen werden auch die Entstehungsbedingungen beleuchtet, die Verflechtungen mit den imperialen Bestrebungen der europäischen Kolonialmächte offenbaren. Lesenswert! (jr, 8.1.17)

Göckede, Regina, Spätkoloniale Moderne. Le Corbusier, Ernst May, Frank Lloyd Wright. The Architects Collaborative und die Globalisierung der Architekturmoderne, Birkhäuser Verlag, Basel 2016, ISBN 978-3-03821-123-5.

Das neue Wiesbaden

schelmengraben-bild-das-neue-wiesbaden-archiv-der-emg
Mays Planung für die Siedlung Schelmengraben (Bild: Archiv-der-ernst-may-gesellschaft)

Den Namen Ernst May verbindet man in erster Linie mit dem Neuen Frankfurt. Unter diesem Label drückte der Architekt seiner Vaterstadt Frankfurt am Main in den 1920ern einen klassisch-modernen Stempel auf. Weniger bekannt sind Mays Planungen der Nachkriegszeit. Als ewiger Visionär blieb er der modernistischen Rhetorik treu und entwickelte in den 1960er Jahren Konzepte unter anderem Konzepte für ein „Neues Mainz“ und ein „Neues Wiesbaden“. Letzterem widmet sich die Ausstellung „Vom Bauhaus zum Schelmengraben“ im Wiesbadener Rathausfoyer (Schloßplatz 6, 65183 Wiesbaden).

Die Schau beleuchtet die Wohn- und Planungsvorstellungen Mays, die teilweise bis heute Aktualität beanspruchen können. Als Paradigma für den May’schen Siedlungsbau fokussiert die Ausstellung die Siedlung Schelmengraben, die in den 1960er Jahren nach Entwürfen des Architekten und Städtebauers entstand. Interviews mit den Bewohnern zeigen die aktuelle Rezeption der Planung. Interessenten sollten den Besuch der Ausstellung bald planen: Sie ist gerade einmal für 11 Tage, vom 11. bis zum 22. November 2016 nämlich, zu sehen. (jr, 6.11.16)

Akteure des Neuen Frankfurt

Akteure des Neuen Frankfurt (Bild: Societätsverlag)
Akteure des Neuen Frankfurt (Bild: Societätsverlag)

Das Neue Frankfurt begeisterte in den 1920ern Architekten, Designer, Grafiker, Fotografen und andere Kulturschaffende. In kurzer Zeit avancierte die Stadt zum Mekka der Moderne, mit dem man heute prominente Namen wie Ernst May, Margarete Schütte-Lihotzky, Ferdinand Kramer, Martin Elsaesser, Mart Stam, oder Ilse Bing verbindet. Viele ihrer Zeitgenossen sind dagegen trotz großer Bedeutung für das avantgardistische Projekt nicht in Erinnerung geblieben. Das jüngst erschienene Nachschlagewerk „Akteure des Neuen Frankfurt“ ändert dies und stellt prominente und weniger bekannte neue Frankfurter in vier einleitenden Essays und 150 kurzen Biographien vor.

Neben den Architekten und Städtebauern beleuchtet der Band auch die Frankfurter Kulturlandschaft und die Administration, die das Projekt politisch überhaupt erst möglich machte. So leisteten etwa der liberale Oberbürgermeister Ludwig Landmann oder der Stadtkämmerer Bruno Asch einen entscheidenden Beitrag zur Main-Moderne. Die diversen Biographien berücksichtigen nicht nur die Rolle der Akteure während des Neuen Frankfurt, sondern auch deren Herkunft und weiteren Lebensweg nach dem Ende des Projekts. Die historische Bauforschung ist mit diesem Band um ein Standardwerk reicher geworden. (jr. 27.5.16)

Brockhoff, Evelyn (Hg.): Akteure des Neuen Frankfurt. Biografien aus Architektur, Politik und Kultur, Societätsverlag, Frankfurt am Main 2016, 232 Seiten, ISBN 978-3-95542-160-1.

60 Jahre Neu-Altona

Neu-Altona (Bild: Arthur Dähn, Friedrich HEwicker, CC-BY-SA 3.0)
Utopie der Nachkriegsmoderne: Neu-Altona (Bild: Arthur Dähn, Friedrich Hewicker, CC BY SA 3.0)

Es war das eines der größten Bauprojekte der jungen Bundesrepublik: Im April 1956 wurde in Hamburg der Grundstein für Neu-Altona gelegt. Hier sollte eine Idealstadt der Nachkriegsmoderne entstehen, die 40.000 Menschen Platz bieten konnte. Das historische, eng anmutende Viertel sollte einer aufgelockerten Bebauung mit breiten Straßen, Wohnhochhäusern und Grünanlagen weichen. Altona war im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden, für die Planung sollten nun auch die erhaltenen Wohnhäuser und historischen Bauten Altonas abgerissen werden. Dies sorgte nicht nur auf Grund der akuten Wohnungsnot für Proteste. Realisiert wurden letztlich nur Teile der Planung, Neu-Altona blieb Fragment. Verwirklicht wurde jedoch die Fußgängerzone in der Neuen Großen Bergstraße, die als die erste ihrer Art in der Bundesrepublik gilt.

Für Neu-Altona verantwortlich zeichnete ein Architekt, der schon in der Weimarer Republik mit seinen radikalen städtebaulichen Ansätzen von sich Reden gemacht hatte: Ernst May. Als Frankfurter Stadtbaurat hatte er das Prinzip der Trabantenstadt im großen Stil umgesetzt, in der Sowjetunion beteiligte er sich in den 1930ern an der Suche nach der sozialistischen Idealstadt. Nach dem Krieg arbeitete er in leitender Position für die Wohnbaugesellschaft „Neue Heimat“, erregte mit Projekten wie Neu-Altona erneut Aufsehen. (jr, 7.4.16)

Eine Revolution des Großstädters

In Tansania griff May auf sein aus Frankfurt bekanntes Formenreperoire zurück (Bild: Julius Reinsberg)
In Tansania griff May auf sein Frankfurter Formenreperoire zurück (Bild: Julius Reinsberg)

Ernst May verbindet man in erster Linie mit seinen Frankfurter Bauten. In nur fünf Jahren schuf der Architekt und Städtebauer in den 1920ern mit dem Projekt „Das Neue Frankfurt“ rund 15.000 Wohnungen, avantgardistische öffentliche Bauwerke und eine zeitgemäße soziale Infrastruktur: die „Revolution des Großstädters“, wie er es selbst nannte. Doch das Neue Frankfurt machte nur einen kleinen Teil des Œuvres Ernst Mays aus.

Dieses breite Spektrum nimmt der Dokumentarfilm „ERNST MAY. Eine Revolution des Großstädters. Architekt und Stadtplaner auf drei Kontinenten“ von Otto Schweitzer – in Zusammenarbeit mit der ernst-may-gesellschaft, unterstützt vom Kuratorium Kulturelles Frankfurt und von der Hessischen Filmförderung – vergleichend in den Blick. In den 1930er Jahren brachte May seine „Revolution“ in die Sowjetunion, wo er moderne Arbeiterstädte aus dem Boden stampfte. Anschließend wirkte er 20 Jahre als Privatarchitekt in Ostafrika, wo er nicht nur avantgardistische Villen für wohlhabende europäische Siedler baute, sondern auch die Stadt Kampala erweiterte. Vom Frankfurter Stadtteil Ginnheim bis zur Industriestadt Magnitogorsk am Ural, von Arusha am Kilimanjaro bis zum sibirischen Novokuzneck, überall fand das Fimlteam bauliche Spuren Mays. Am 22. Juli 2015 wird die Dokumentation im Kino des Deutschen Filmmuseums erstmals gezeigt. (jr, 8.7.15)

FÜR KURZENTSCHLOSSENE: HEUTE, 18. AUGUST um 19:30 Uhr Filmvorführung in den FRANKFURTER NAXOSHALLEN

Grafik zu Zeiten des Neuen Bauens

Auch die Grafik war ein Bestandteil des Neuen Frankfurt (Bild: ernst-may-gesellschaft)
Auch die Grafik war ein Bestandteil des Neuen Frankfurt (Bild: ernst-may-gesellschaft)

Das Wohnbauprogramm „Das Neue Frankfurt“ setzte in den 1920er Jahren nicht nur für die Architektur Maßstäbe. Stadtbaurat Ernst May plante nicht weniger, als in seiner Vaterstadt eine „ästhetisch einheitliche Großstadtkultur“ zu schaffen. Die avantgardistische Architektur, die Frankfurt Weltruhm einbrachte, sollte durch Korrespondenten auf dem Gebiet des Designs, der Grafik und der Typografie ergänzt werden. Eine Sonderausstellung im ernst-may-haus zeigt vor diesem Hintergrund bis zum 28. Juni 2015 unter dem Titel „KLAR UND BUNT! die grafik des neuen frankfurt“ Arbeiten von Walter Dexel, Robert Michel, Willi Baumeister und anderen Grafikern, die in den 1920er Jahren in Frankfurt tätig waren.

Bei den Frankfurtern stieß die moderne Ästhetik nicht nur auf Gegenliebe. So sorgte etwa das neue Stadtwappen für Entrüstung. Der Designer Hans Leistikow hatte den Frankfurter Adler im Stile der neuen Sachlichkeit interpretiert. Manch konservativer Bürger fand, dass der Grafiker das stolze Wappentier damit geradezu gerupft habe – ein Sakrileg! Und trotzdem: Schnell wurde die klare Ästhetik auch als Vorbild verstanden. Flugblätter, Werbetafeln oder Annoncen zeugen von der eifrigen Adaption und Weiterentwicklung der neuen Designsprache in der jungen Mainmetropole. (jr, 2.5.15)

Vom Skizzenbuch zur Leica

Die Ausstellung nimmt Mays Schaffen als Zeichner und Fotograf in den Blick (Bild: ernst-may-gesellschaft)
Die Ausstellung zeigt Mays Schaffen als Zeichner und Fotograf (Bild: ernst-may-gesellschaft)

Das Leben des Architekten und Städtebauers Ernst May war äußerst bewegt. In den 1920er Jahren plante er als Stadtbaurat das „Neue Frankfurt“, 1930 bis 1934 projektierte er in der UdSSR sozialistische Idealstädte. Die nächsten 20 Jahre baute und plante er in Afrika nahe des Äquators, um 1954 schließlich im Auftrag der Neuen Heimat den deutschen Wiederaufbau mitzugestalten. Die ernst-may-gesellschaft wirft nun mit der Ausstellung „Vom Skizzenbuch zur Leica – Ernst May als Zeichner und Fotograf“ einen neuen Blick auf dieses bewegte Leben. Im Fokus stehen die private Zeichnungen und vor allem Fotografien aus dem Nachlass der Architekten.

Der technikaffine May verfolgte die Entwicklung der Fotografie mit großem Interesse und gehörte zu den ersten Käufern der legendären Kleinbildkamera der Firma Leica. In der Folge machte er reichlich von der Möglichkeit Gebrauch, seinen ganz eigenen Blick auf Zelluloid zu bannen. Die Ausstellung wird am 29. November 2014 im ernst-may-haus in Frankfurt eröffnet und ist  bis zum 29. März 2015 zu sehen. Begleitend erscheint ein Faksimile-Druck eines Skizzenbuches Mays aus den Kriegsjahren 1914 – 15. (jr,  23.11.2014)

Neuer Blick aufs Neue Frankfurt

Matthias Matzak: das neue frankfurt (Bild: Wasmuth Verlag)
Matthias Matzak: das neue frankfurt (Bild: Wasmuth Verlag)

Pünktlich zur Buchmesse erscheint in Kürze ein Bildband des Fotografen Matthias Matzak, der die klassisch modernen Siedlungen und Bauwerke des Neuen Frankfurt beleuchtet. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf der Architektur, sondern auch auf ihrer Aneignung durch die Bewohner. Die Fotografien werden ergänzt durch Aufsätze zeitgenössischer Größen wie Ernst May, Martin Elsaesser, Ferdinand Kramer oder Mart Stam sowie aktuelle wissenschaftliche Fachbeiträge von Claudia Quiring, DW Dreysse und anderen.

Der Begriff „Neues Frankfurt“ umfasst die Bauten und Planungen, die in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre in Frankfurt unter der Leitung von Ernst May und Martin Elsaesser entstanden. Ihr architektonisches Erbe setzt sich aus mehreren Siedlungen sowie vielen Einzelbauten zusammen – eines der bekanntesten ist die Frankfurter Großmarkthalle. Matthias Matzak widmet sich seit Jahren dem Porträt dieses Erbes. Das Deutsche Architekturmuseum würdigt seine Arbeit vom 6. Dezember 2014 bis zum 18. Januar 2015 mit der Ausstellung „Licht, Luft und Sonne: Das Neue Frankfurt fotografiert von Matthias Matzak“. (jr, 6.10.14)

Matzak, Matthias, das neue frankfurt. fotografische sammlung von matthias matzak, Wasmuth Verlag, Tübingen 2014, 368 Seiten, ca. 230 Farbabbildungen, 24 x 30 cm, ISBN 978 3 8030 0779 7.