Erster Weltkrieg

Reichsministerium für Wiederaufbau (Bild: Lang Verlag)

Weimars Wiederaufbauministerium

Der Erste Weltkrieg endete für das Deutsche Reich zwar mit einer Niederlage, nicht aber mit einer Zerstörung, die mit der des Jahres 1945 vergleichbar wäre. Die meisten Fronten waren außerhalb des Reichsgebietes verlaufen und Luftangriffe die Ausnahme gewesen. Dennoch sah sich die Weimarer Republik nach 1918 mit verschiedensten Herausforderungen des Wiederaufbaus konfrontiert, die der junge Staat mit der Gründung eines eigenen Ministeriums beantwortete. Eine jüngst erschienene Studie widmet sich der Geschichte dieser Behörde.

Das Reichsministerium für Wiederaufbau befasste sich mit der „Abwicklung des Ersten Weltkriegs“, so der nüchterne Untertitel des Buchs. Tatsächlich vereinte die Behörde dabei verschiedene politische Aufgabenfelder. Zu ihren Aufgaben zählten die Leistung der Reparationen entsprechend dem Versailler Vertrag, die Entschädigung von Geflüchteten und nach dem Krieg Vertriebenen sowie der Wiederaufbau einer Handelsflotte. Sie bestand von 1919 bis 1924 und wurde zeitweise vom späteren Außenminister Walther Rathenau geführt, einer der politischen Schlüsselfiguren der frühen Weimarer Republik. Die Untersuchung nähert sich der Historie des Ministeriums mit den Methoden der Verwaltungsgeschichte an und wertet erstmals den umfangreichen Aktenbestand der Behörde aus, der sich im Bundesarchiv erhalten hat. (jr, 31.5.17)

Hainbuch, Dirk, Das Reichsministerium für Wiederaufbau 1919 bis 1924. Die Abwicklung des Ersten Weltkrieges: Reparationen, Kriegsschäden-Beseitigung, Opferentschädigung und der Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte, Peter Lang Verlag, Frankfurt a.M. 2016, ISBN:9783631698495.

Foto: Detail des Buchcovers (Peter Lang Verlag)

Architektur in Krieg und Frieden

Das Auditorium im DAM mit den Stühlen nach Entwurf von Oswald Mathias Ungers (Bild: Warbug, dontworry, CC-BY-SA 3.0)
Das Auditorium im DAM mit den Stühlen nach Entwurf von Oswald Mathias Ungers (Bild: Warbug, dontworry, CC-BY-SA 3.0)

Nach fast zwanzig Jahren verabschiedet sich Wolfgang Voigt vom Deutschen Architekturmuseum. Seit 1997 war er als stellvertretender Direktor des DAM tätig und an zahlreichen wegweisenden Ausstellungen des Hauses beteiligt. Zur Verabschiedung veranstaltet das Museum am 15. Januar 2016 ein Symposium mit dem Namen „Architektur in Krieg und Frieden“. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Neben einem Vortrag von Wolfgang Voigt selbst stehen  verschiedene Themenbeiträge auf dem Programm. Ita Heinze-Greenberg spricht zu Erich Mendelsohns Europavision 1931-1934, Wolfgang Pehnt beleuchtet unter dem Titel“Die Haltung der Zurückhaltung“ die Außenansicht auf deutsche Nachkriegsarchitektur. Hartmut Frank geht „Orthodoxie und Häresie in der modernen Architekturgeschichte“ nach, Jean Louis Cohen von der New York University beleuchtet in seinem Vortrag „Architektur in Uniform“ Planungen und Bauten, die im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg entstanden. (jr, 22.12.15)

Die Kunsthistoriker und der Weltkrieg

Gasangriff im Ersten Weltkrieg an der Ostfront (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-F0313-0208-007)
Auch Kunsthistoriker meldeten sich (anfangs) begeistert freiwillig an die Front (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-F0313-0208-007)

1917 folgerte Wilhelm von Bode (1845-1929), Generaldirektor der Königlich Preußischen Museen: „Inter Arma Silent Musae“. Eine gleichnamige Vorlesungsreihe widmet sich vom 29. April bis zum 15. Juli 2015 mittwochs zwischen 18 und 20 Uhr am Berliner Institut für Kunst- und Bildgeschichte (Hauptgebäude der HU, Unter den Linden 6, ikb-sekretariat@culture.hu-berlin.de) dem Ersten Weltkrieg. Denn auch die meisten Kunsthistoriker standen dem Kriegsausbruch wohlgesonnen gegenüber. Doch zerteilten die Fronten auch Forschungszusammenhänge, wuchsen die Begehrlichkeiten zur „Vervollständigung“ der Sammlungsbestände.

Auf dem Programm stehen: 29. April, G. Sievernich (Berlin), „1918“; 13. Mai, N. Doll (Berlin), „Zwischen Kunstschutz und Forschung“; 20. Mai, B. Störtkuhl (Oldenburg), „Entdeckungen und Vereinnahmungen einer ‚terra incognita“; 27. Mai, S. Trinks (Berlin), „Adolph Goldschmidt und die europäische Kunstgeschichte; 3. Juni, P. Winter (Berlin), „Direktoren der Königlichen Museen zu Berlin während des Krieges“; 10. Juni, M. Diers (Berlin/Hamburg), „Warburg, der Weltkrieg und die Wende in der Wissenschaft“; 17. Juni, P. Schneider (Berlin), „Fritz Saxl in den Jahren zwischen 1914 und 1920“; 24. Juni, I. Scheuermann (Dortmund), „Paul Clemen und die deutsche Denkmalpflege im Ersten Weltkrieg; 1. Juli, T. Rudert (Dresden), „Der Dresdner Galeriedirektor Hans Posse“; 8. Juli, A. Dorgerloh (Berlin), „Reims und Die Kathedrale des 20. Jahrhunderts“; 15. Juli, H. Bredekamp (Berlin), „Die Beschießung der Kathedrale von Reims“. (kb, 26.4.15)

Der Erste Weltkrieg als Zäsur?

Hamburg-Ohlsdorf, Krematorium (Fritz Schumacher, 1932) (Bild: Wmeinhart)
Hamburg-Ohlsdorf, Krematorium (F. Schumacher, 1932) (Bild: Wmeinhart)

Der Krieg habe ihn eine „neue Sprache“ gelehrt, so der Hamburger Baudirektor Fritz Schumacher (1869-1947). Die Rede ist vom Ersten Weltkrieg: Er zerstörte ganze Städte, aber prägte – glaubt man Schumacher, zugleich das auf ihn folgende Bauen. Wie haben Städtebauer, Architekten, Gartenarchitekten und Freiraumplaner den Krieg erlebt? Wie haben sie danach ihre Arbeit getan? Diesen Fragen geht vom 16. auf den 17. Oktober in Kassel die Tagung „Der Erste Weltkrieg als Zäsur? Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Architektur, Stadt- und Freiraumplanung“ nach.

In Kassel widmen sich die Vorträge der ganzen Bandbreite des Planens und Bauens: von der Stadt über das Gebäude bis zum öffentlichen Raum. Veranstaltet wird die Konferenz vom Fachgebiet Freiraumplanung der Universität Kassel (Gießhaus/Mönchebergstraße 5) in Zusammenarbeit mit dem Center for Metropolitan Studies der TU Berlin und dem DFG-geförderten International Graduate Program „Die Welt in der Stadt: Metropolitanität und Globalisierung vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart“. Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei, eine Anmeldung jedoch erforderlich bis 10. September 2014 unter: ckremer@uni-kassel.de. (kgb, 21.8.14)

1914: die Welt in Farbe

Le Moulin Rouge, 1914 (Bild: Musée Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine, Foto: Stephane Passet)
Le Moulin Rouge, 1914 (Bild: Musée Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine, Foto: Stephane Passet)

Als die Pariser „Moulin Rouge“ auf Fotografien immer nur schwarz-weiß erschien, sammelte der französische Bankier Albert Kahn (1860-1940) bereits Farbaufnahmen. Um 1914 trug er aus der ganzen Welt Farbfotografien zusammen, um seine „Les Archives de la planète“ zu gründen. Die internationalen Aufnahmen sollten das Fremde verständlich werden lassen, während die großen europäischen Nationen zum Ersten Weltkrieg rüsteten.

In Gedenken an den Kriegsausbruch zeigt der Berliner Martin-Gropius-Bau bis zum 2. November 2014 die Ausstellung „Die Welt um 1914. Farbfotografie vor dem Großen Krieg“. Präsentiert werden fast schon vergessene Aufnahmen aus einer Sammlung von insgesamt 70.000 Motiven. Veranstaltet wird die Ausstellung durch die Berliner Festspiele mit dem LVR-LandesMuseums Bonn. Begleitend ist im Hantje Cantz Verlag der Katalog „1914 – Welt in Farbe. Farbfotografie vor dem Krieg“ erschienen, der auch Bezüge zu Farbaufnahmen von Sergej Michailowitsch Prokudin-Gorskii und Adolf Miethe aufzeigt. (kb, 1.8.14)

Architecture under Attack

Gasangriff im Ersten Weltkrieg an der Ostfront (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-F0313-0208-007)
Gasangriff deutscher Truppen an der Ostfront des Ersten Weltkriegs (Bild: Bundesarchiv)

Schon im Ersten Weltkrieg wurden – über die verheerenden menschlichen Verluste hinaus – ganze Kulturlandschaften mit ihren Bauten zerstört. Zu diesem Thema fragt das Architecture, Space and Society Network, Birkbeck am 30. Mai 2014 in London mit der Tagung „Architecture Under Attack: Destruction and Renewal in and after World War I“: Wie wurde die Bedrohung erlebt, wie reagierte man auf die Zerschlagung des gewohnten Stadtraums und wie wurde Erinnerung künstlerisch inszeniert?

Die Zerstörungen des Ersten Weltkriegs markierten nicht nur einen tiefen gesellschaftlichen Einschnitt, sie wurden zudem kaum 30 bis 40 Jahre später durch den Zweiten Weltkrieg erneuert und bei weitem übertroffen. Ausgewählte Referenten widmen sich den Auswirkungen von Belagerung, Zerstörung und Wiederaufbau zum Ende des Ersten Weltkriegs und darüber hinaus. Beispielsweise führt Volker Welter von der University of California aus, wie die moderne Architektur (auch) in den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs wurzelt. Roger Bowdler vom English Heritage skizziert die Wege des Gedenkens im englischen Raum. Die Tagungsteilnahme ist kostenfrei, Anmeldungen sind noch online möglich.