Film

Jane Jacobs 1963 (Bild: PD)

Kinosommer für Architektophile

Wem das aktuelle Mainstreamkino zu langweilig ist, der findet in Wien eine gute Alternative: Am Mittwoch, dem 9. August beginnt im hiesigen Architekturzentrum der Architektur.Film.Sommer 2017. Es ist bereits die fünfte Auflage des Filmfestivals, das als Open-Air-Veranstaltung im Hof des Architekturzentrums stattfindet. Einen Monat lang kommen Architekturfreunde hier jeden Mittwoch auf Ihre Kosten. Los geht’s jeweils um 20.30 Uhr.

Dieses Jahr steht die Veranstaltungsreihe unter dem martialischen Motto „Kampf um die Stadt“. Den Auftakt bildet ein Kinoabend, der am 9. August unter dem Titel „Die Zukunft von gestern“ den Planungsparadigmen der Nachkriegsmoderne nachgeht. Auf dem Programm steht unter anderem der kürzlich vollendete Dokumentarfilm „Citizen Jane: Battle for the City“, der die Auseinandersetzung der Architekturkritikerin Jane Jacobs mit der New Yorker Baupolitik beleuchtet. Der nächste Kinoabend mit dem Titel „Die Arbeiter*innen verlassen die Stadt“ widmet sich am 16. August dem Verschwinden der klassischen Arbeiterklasse aus den Städten, eine Woche später fragt der Themenabend „Rast-los“ nach dem Leben mobiler Großstädter. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet der Kinoabend am 30. August, der dem Thema „Leerstand in der wachsenden Stadt“ gilt. Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung nach drinnen verlegt, dies sei aber nur der Form halber erwähnt. (jr, 9.8.17)

Jane Jacobs 1963 (Bild: PD)

What happened when we built UTOPIA?

"Your new Home in Basildon" (Buchcover)
„Your new Home in Basildon“ – mit dieser Handreichung wurden künftige Bewohner auf ihr neues Heim in Basildon vorbereitet

Alle wollen nur Ihr Geld? Dieses Projekt möchte Ihre Begeisterung – und Ihr Geld. Das Dokumentarfilmprojekt „New Town Utopia“ sammelt per Crowdfunding online die nötigen Gelder, um weitermachen zu können. Es geht um die Utopien der britischen „New Town“-Bewegung, die Nachkriegs-Neubaugebiete am konkreten Beispiel von Basildon (Essex). Nach vier Jahren „serious hard work“ wollen die Filmemacher nun ihre Ergebnisse in einen Film zusammenbinden.

Ihr Ziel ist es, britische Sozialgeschichte an der Frage zu verdeutlichen: Haben die Menschen den Ort oder hat der Ort die Menschen „gemacht“? Basildon ist als größte Siedlung in der ersten „Welle“ der „New Towns“ besonders aussagekräftig. So können ihre einstmals so progressiven städteplanerischen Konzepte, öffentliche Kunst und Architektur heute darüber Auskunft geben, was aus der einstigen Utopie geworden ist. Das Team hinter dem Projekt „New Town Utopia“ umfasst den selbst in Essex aufgewachsenen Producer-Director Christopher Ian Smith und als Executive Producer Margaret Matheson. Neben finanziellen Beiträgen finanziellen Beiträgen können ideelle Unterstützer n ihrem Umfeld über das Projekt berichten, den Link (#newtownutopia) verbreiten und sich weiter über das Projekt in den Social Media informieren. (kb, 31.8.16)

Things to Come

"Im Staub der Sterne", DDR 1976, Regie: Gottfried Kolditz (Bild: Copyright: DEFA-Stiftung/Heinz Pufahl)
„Im Staub der Sterne“, DDR, 1976, Regie: Gottfried Kolditz (Bild: Copyright: DEFA-Stiftung/Heinz Pufahl)

Wie werden wir in Zukunft leben? Während man sie dieser Frage in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik anhand von Statistiken und Prognosen annäherte, boomt im Kino und im Fernsehen seit den 1960er Jahren das Science-Fiction-Genre: Der Bogen reicht von den „Klassikern“ wie „Raumpatrouille“, „Im Staub der der Sterne“ oder „Star Trek“ bis hin zu aktuellen Produktionen  wie „District 9“ (2009), „Interstellar“ (2014) oder „Extant“ (2014–15).

Das Thema Raumfahrt ist nicht zuletzt wegen der geplanten Mars-Expedition heute ebenso aktuell wie 1969, dem Jahr der ersten Mondlandung. Dabei sagen Science-Fiction-Filme immer auch etwas über die Zeit aus, in der sie entstehen. Die Ausstellung „Things to Come. Science · Fiction · Film“ ist noch bis zum 23. April 2017 in der Deutschen Kinemathek in Berlin zu sehen. Begleitend ist im Kerber-Verlag ein Katalog erschienen. Im Rahmen des reichhaltigen Begleitprogramms wird am 17. September von 18 bis 2 Uhr im Bundesplatz-Kino (Bundesplatz 14, 10715 Berlin) „50 Jahre RAUMPATROUILLE: Lange Nacht mit allen sieben Episoden sowie Überraschungen“ präsentiert. Auf dem Programm stehen – neben einem Begrüßungssekt – eine Galyxo-Vorführung mit den Tänzerinnen Roswitha Völz, Julia Hellmers und Gwenaëlle Ludwig. Als Gäste werden Wolfgang Völz (Leutnant Mario de Monti) und Friedrich G. Beckhaus (Leutnant Atan Shubashi) erwartet. (kb, 27.8.16)

Preview: Dokufilm zum Ihme-Zentrum

1971 wurde in Hannovers Stadtteil Linden der Grundstein für ein monumentales Bauvorhaben gelegt: das Ihme-Zentrum. Als „Stadt in Stadt“ sollte es Wohn- und Büroräume sowie in Shoppingcenter verbinden. Damit geriet das Projekt schon mitten in seiner Fertigstellung in die Umbrüche des Jahres 1975. Mit einem Mal galten Hochhäuser, urbane Zusammenballungen und Beton sowieso als kritisch. Mit den Jahren wurde das Ihme-Zentrum für viele zum Inbegriff eines sozialen Brennpunkts. Zuletzt wechselte die Anlage mehrfach und nicht immer ganz freiwillig den Besitzer. Die Frage nach einer möglichen Unterschutzstellung wurde 2015 endgültig negativ beschieden.

Im April diesen Jahres nun hat sich ein Verein gegründet, der „eine nachhaltige und kreative Transformation“ begünstigen und „den Austausch zwischen den Bewohnern, dem Großeigentümer Intown sowie der Stadt und der Stadtgesellschaft“ verbessern will. In diesem Umfeld entsteht gerade, unterstützt von der Nordmedia, der Dokumentarfilm „Das Ihme-Zentrum – Traum, Ruine, Zukunft“ (Constantin Alexander, Hendrik Millauer) über die Geschichte und die mögliche nachhaltige Verwandlung des Großwohnkomplexes im Herzen von Hannover. Constantin Alexander zog zur Vorbereitung 2014 ins Ihme-Zentrum, sprach mit Planern und Bewohnern. Die Veröffentlichung des ganzen Films ist für Spätsommer 2016 geplant – den Trailer gibt es schon jetzt zu sehen. (kb, 1.8.16)

Last Exit Alexanderplatz

"Last Exit Berlin Alexanderplatz" (Bild: Hans Christian Post)
Der Architektur-Dokumentarfilm „Last Exit Alexanderplatz“ ist ab dem 20. Mai im Handel erhältlich (Bild: Hans Christian Post)

Wer den Alexanderplatz im Herzen Berlins besucht, tut sich mitunter etwas schwer, ihn wirklich zu verorten. So viele Baustile – allen voran die Ostmoderne – hinterließen hier ihre Ideen davon, was der Platz können soll oder darf oder muss. Zu viele? Seit mehr als 20 Jahren wird über die Nach-Wende-Bebauung gestritten. 1993 entschieden die Politiker, trotz Protesten und schwankender Finanzlage, über das ambitionierteste Städtebauvorhaben der Berliner Nachwende-Jahre: Umringt von 13 Türmen, jeweils 150 Meter hoch, sollte das ehemalige Zentrum Ost zur neuen Stadt-Krone der wiedervereinigten Stadt werden. Sollte.

Diesem offenen Projekt geht der dänische Regisseur Hans Christian Post mit seinem Architektur-Dokumentarfilm „Last Exit Alexanderplatz“ auf den Grund. Zu Wort kommen unter anderem die Architekten Hans Kollhoff, Daniel Libeskind oder Michael Kny sowie die die Stadtplaner Hans Timmann und Voker Hassemer. Der Film war und ist 2016 bei internationalen Festivals zu sehen. Ab 20. Mai 2016 wird der Film im Vertrieb von MOUNA über AL!VE in GSA (Deutschland, Schweiz, Österreich) online und im Buchhandel erhältlich sein. (kb, 18.5.16)

Post, Hans Christian, „Last Exit Alexanderplatz“, Dänemark/Deutschland 2015, DVD, ca. 100 Minuten, OmU (Deutsch/Englisch).