Frankfurt am Main

Frankfurt am Main, Paulskirche (Bild: Dontworry, CC BY SA 3.0)

Paulskirche: Sanierung steht an

Als man die Paulskirche 1948 in moderner Formensprache wiederaufbaute, wollte die Stadt ein „nationales Zeichen“ setzen: Frankfurt warb damals (vergeblich) um den Regierungssitz der jungen Bundesrepublik. Der Ort war eigentlich perfekt gewählt, gilt die Paulskirche doch als „Wiege der Demokratie“. In dem klassizistischen Bau, 1833 an der Stelle der mittelalterlichen Barfüßerkirche errichtet, hatte sich 1848/49 mit der Nationalversammlung Deutschlands „erste frei gewählte Volksvertretung“ getroffen.

Der Wiederaufbau der Kriegsruine lag in den Händen eines renommierten Architektenteams: Rudolf Schwarz, Eugen Blanck, Gottlob Schaupp und Johannes Krahn. Damit erhielt die Paulskirche ihr neues flaches Kuppeldach, eine horizontale Unterteilung und die ikonische klare Innenraumgestaltung. Bis 1991 unter der Leitung von Maria Schwarz behutsam renoviert, kamen eine Glasgestaltung von Jochem Poensgen und ein Wandgemälde von Johannes Grützke hinzu. Aktuell melden die Baufachleute Bedenken an: Statik (1997 hatte sich eine Glocke gelöst), Brandschutz, Belüftung und Tontechnik bedürften drängend einer Sicherung bzw. Erneuerung. Gutachter prüfen nun den Handlungsbedarf. Zu diesem Zweck wurde die Paulskirche Anfang August vorübergehend geschlossen. In solchen Momenten merkt die Mainmetropole, was ihr an dieser Kirche, die heute vorwiegend als Gedenk-, Ausstellungs- und Versammlungsstätte dient, fehlen würde. Für die für 2020 avisierte Sanierung steht ein zweistelliger Millionenbetrag im Raum. (kb, 18.8.17)

Frankfurt am Main, Paulskirche (Bild: Loop oh, CC BY SA 3.0)

Send us a postcard

Das DAM (Deutsches Architekturmuseum) wünscht sich Post von Ihnen. Mit dem Aufruf „Send us a postcard from your brutiful holidays“ bittet die Aktion „SOSBrutalism“, eine Initiative mit dem Magazin uncube, um Postkarten mit bruatlistischen Motiven an die folgende Adresse: Deutsches Architekturmuseum / SOS-Team Elser / Hedderichstr 108 / 60596 Frankfurt / GERMANY. Motive dürften Sie – zwischen Mallorca-Bettenburg und bildungsbürgerlichem Kirchenbesuch – sicher zu Hauf finden. Und ein paar jahrzehntealte Postkarten, die solche Schönheiten noch stolz als Neuheiten präsentierten.

Damit können Sie sich auch die Wartezeit auf die anstehende Frankfurter Brutalismus-Ausstellung versüßen (wir werden noch ausführlicher berichten), die für den wiederentdeckten Baustil der Jahre zwischen 1953 und 1979 eine Lanze brechen will. Vorlaufend sammelt die Projektseite www.SOSBrutalism.org mittlerweile weltweit mehr als 1.000 Bauten dieser Gattung. Zu den regionalen Schwerpunkten zählen Israel, Japan, Südamerika, selbstverständlich Großbritannien, die USA, aber auch viele westdeutsche Kirchenbauten. Die Präsentation „SOS BRUTALISMUS – Rettet die Betonmonster!“ , ein Projekt mit der Wüstenrot Stiftung, wird vom 7. Oktober bis zum 25. Februar 2018 in Frankfurt zu sehen sein, die Eröffnung wird am 6. Oktober 2017 um 19.00 Uhr gefeiert. (kb, 10.8.17)

STAEDELxTRINKHALLE (Bild: Städel, Frankfurt am Main)

#STAEDELxTRINKHALLE

Elsaesser-Kirche frisch renoviert

Frankfurt am Main, Gustav-Adolf-Kirche (Bild: D. Bartetzko)
Noch ist das „Denkmal-Schild“ nicht ausgepackt in der Frankfurter Gustav-Adolf-Kirche (Bild: D. Bartetzko)

Die Kirchenzeitung „Evangelisches Frankfurt“ titelte treffend: „Alles wieder wie früher“. Früher meint das Jahr 1928, als die Gustav-Adolf-Kirche im Frankfurter Stadtteil Niederursel eingeweiht wurde. Eigentlich hätte es nur eine Erweiterung der mittelalterlichen Georgskapelle werden sollen, doch Stadtbaudirektor Martin Elsaesser attestierte in seinem Gutachten die Baufälligkeit des alten Turms – und wurde passenderweise gleich mit dem Neubau beauftragt.

Mit mutiger Geste setzte Elsaesser einen klaren Zentralbau im Stil des Neuen Bauens mitten unter die Fachwerkhäuser. Dieses Bild blieb bis heute nahezu unverändert erhalten, doch hatten die 1950er und 1970er Jahre zu einer eigenen Deutung des Innenraums gefunden: Das Fensterband erhielt von der Künstlerin Marianne Scherer-Neufarth eine abstrakt-farbige Bleiglasgestaltung, die Wände wurden vorwiegend in Weiß gehalten. Nach langen fachlichen Beratungen hat der Evangelische Regionalverband nun mit dreysse.architekten zurückgefunden zur ursprünglichen farbenfrohen Innenraumfassung. Dafür wanderte die Glasgestaltung der Nachkriegszeit ins Magazin. Das Ergebnis konnte man bei der Wieder-Einweihung am 5. März 2017 in Frankfurt-Niederursel bestaunen. (db, 3./5.3.17)

Frankfurt am Main, Gustav-Adolf-Kirche (Bild: D. Bartetzko)
Frankfurt am Main, Gustav-Adolf-Kirche, der frisch renovierten Innenraum (Bild: D. Bartetzko)

ausführliches Porträt zur Baugeschichte und mehr Bilder der frisch renovierten Kirche auf der „Straße der Moderne“

Albert Speer Jr. zieht sich (fast) zurück

Albert Speer Jr. 2010 (Bild: Eva K., GFDL 1.2)
Der Architekt und Städteplaner Albert Speer Jr. (Bild: Eva K., GFDL 1.2)

Ruhestand wäre das falsche Wort, doch es ist amtlich: Zum Jahreswechsel hat der Architekt und Städteplaner Albert Speer Jr., gemeinsam mit Gerhard Brand, die Geschäftsführung seines 170 Mitarbeiter umfassenden Büros „A S + P“ niedergelegt. Es geht um den Frankfurter Architekten und Städteplaner. Geboren wurde er in Berlin am 29. Juli 1934 als Sohn des Architekten und NS-Reichsministers für Bewaffnung und Munition Albert Speer Sr. (1905-81). Zunächst entschied er sich für eine Schreinerlehre, bevor er in München Architektur studierte. Mit dem Jahr 1964 gewann er den ersten Preis für den Ludwigshafener Stadtteil Pfingstweide und gründete sein eigenes Architekturbüro.

In der Folge spezialisierte sich Speer auf den Städtebau: die Diplomatenstadt in Riad (1980), den Leitplan für die Frankfurter Innenstadt (1985), die Expo 2000 und gleich mehrere neue Städte in China. Rund 25 Jahre lehrte er als Professor für Stadt- und Regionalplanung in Kaiserslautern. Speer wurde u. a. mit dem Großen Preis des DAI und der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Sein Büro A S + P wird nun vom Raum- und Umweltplaner Joachim Schares geleitet. Doch Speer bleibt Anteilseigner und will künftig als „Impuls- und Ideengeber“ zur Verfügung stehen. (db, 8.2.17)