Georg Meistermann

Bottrop, Hl. Kreuz (Bild: Edgar El, CC BY SA 3.0, 2012)

Bottrop: Meistermann-Fassade wird saniert

Gute Karten für Bottrop: Aus dem Denkmalschutzprogramm des Bundes steht eine 80.000-Euro-Förderung für die Sanierung der Fassade mit der berühmten Meistermann-Spirale bereit. Die Architekten- und Künstlerliste der 1957 geweihte Heilig-Kreuz-Kirche liest sich wie ein Who-is-Who des katholischen Kirchenbaus: Georg Meistermann (Glasmaler), Rudolf Schwarz (Architekt) und Ewald Mataré (Bildhauer). Nach dem Schwarz’schen Idealtypus des „Heiligen Wurfs“ entstand auf parabelförmigem Grundriss eine liturgische wie architektonische Inkunabel. Seit 1988 steht das Gesamtkunstwerk bereits unter Denkmalschutz.

Seit 2008 ist die Kirche ohne liturgische Nutzung, aber – eine entscheidende Nuance im katholischen Kirchenrecht – nicht profaniert. Geöffnet wird der Raum als „Kulturkirche“ für Ausstellungen und musikalische Veranstaltungen. Die nunmehr angelaufene Fassaden-Sanierung umfasst die Erneuerung der Schutzverglasung, deren Dichtungsmittel der 1980er Jahre schadhaft geworden war. Anschließend werden kleinere Glasschäden mit Original-Opaque-Gläsern repariert, die damals für das Fenster in der Glashütte Waldsassen produziert worden waren. Zudem muss man Ziegel in der Fassadenverkleidung austauschen. Bis Weihnachten soll dieser erste Bauabschnitt abgeschlossen sein, insgesamt wird die Dauer der Sanierung der Heilig-Kreuz-Kirche auf rund zehn Jahre zu Kosten von rund 1,5 Millionen Euro geschätzt. (kb, 15.11.17)

Bottrop, Hl. Kreuz (Bild: Edgar El, CC BY SA 3.0)

Köln, Café im Funkhaus (Bild: funkhaus-koeln.de)

Happy Birthday, funky Funkhaus!

von Ute Reuschenberg

Wer heute im stylischen Funkhaus-Café am Kölner Wallrafplatz an seinem Aperol Spritz nippt, ahnt meist nicht, dass er dies im ersten großen Kulturbau der Stadt nach dem Krieg tut. Als Bundespräsident Theodor Heuss das Funkhaus des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) vor 65 Jahren am 21. Juni 1952 feierlich eröffnete, sorgte es als modernstes Rundfunkgebäude Europas für Schlagzeilen. Dabei glich Köln damals immer noch einem Trümmerhaufen. Bereits im April 1948 war mit dem Bau begonnen worden – noch vor der Währungsreform und trotz der Bausperre der britischen Besatzer. Dies zeigt die große Bedeutung, die dem Rundfunk nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reichs“ im Dienste von Re-Education und Demokratisierung zukam.

 

Ein Ort der Begegnung

Dabei fing alles ganz klein an: Das alte provisorische Funkhaus der Westdeutschen Rundfunk AG (WERAG) in der Dagobertstraße sollte eine nahegelegene Dependance erhalten. Die Wahl fiel auf ein Ruinengrundstück am Wallrafplatz. Schnell hatten die Beteiligten aber erkannt, dass größer gedacht werden musste. Ein richtiges Funkhaus mit ausreichend Platz musste her. Das Grundstück schien perfekt, doch seine Lage im Herzen der Domstadt rief Rudolf Schwarz als Leiter des Kölner Wiederaufbaus auf den Plan. Es war vor allem der seit 1947 amtierende Kölner Intendant Hanns Hartmann, der sich Schwarz‘ Vorstellungen einer stillen Zone um den Dom entgegenstellte und das Funkhaus-Projekt am Ende durchsetzte. Denn nach seinen Vorstellungen sollte ein solches Haus nicht nur dem Sendebetrieb dienen, sondern – im Kontrast zum Nationalsozialismus – auch dem kulturellen Austausch und der Begegnung mit dem Publikum. Bereits am 19. Oktober 1951 konnte der dringend benötigte große Sendesaal als erster Konzertsaal Kölns eröffnet werden.

 

Eine Ruine prägt den Neubau

Architekt P. F. Schneider, Behrens-Schüler und einst Mitarbeiter, später Partner des Essener Architekten Edmund Körner, hatte beim ehrgeizigen Funkhausbau viele Hürden zu nehmen. Zum einen waren die öffentlichen und internen Funktionen so zu verbinden, dass ein störungsfreier Sendebetrieb möglich wurde. Zum anderen war die auf dem Grundstück gelegene ausgebrannte Ruine des Hotels Monopol-Metropol in den Neubau zu integrieren, um Kosten und Material zu sparen. So kam es, dass die Hotel-Ruine zum Ausgangspunkt der Gestaltung wurde: Sie gab nicht nur Geschosshöhe und die Lage des Haupteingangs zum Platz, sondern auch die großzügig geöffnete Sockelzone im Erdgeschoss vor. Bis heute bewahrt die Funkhaus-Gastronomie die Erinnerung an das einst im gründerzeitlichen Vorgängerbau befindliche Künstlercafé Monopol.

 

Eine Hommage an Peter Behrens

Äußeres Leitmotiv war die durch unterschiedliche Fenstergruppierungen rhythmisierte, horizontale Entwicklung des Baublocks, die bewusst Rücksicht nahm auf die städtebauliche Situation. In der zu über 90 Prozent zerstörten Innenstadt war vor allem die – durch die Trümmerwüste damals noch gegebene – direkte Nachbarschaft zum Dom ausschlaggebend. Proportion und Maßstäblichkeit sollten dem Gebäudekomplex bewusst Wucht und Massivität nehmen. Eine durchgehende Travertinverblendung schließt den dreiteiligen Baublock zur Einheit zusammen. Die enggestellten, bänderartig gereihten Attika-Fenster des vierten Obergeschosses lassen die Ordnungsprinzipien der Klassik aufscheinen. In der Tat ist das Funkhaus trotz aller Sachlichkeit von den Idealen der bald vorherrschenden Bauhausmoderne weit entfernt. Schneider fühlte sich weniger dem „form follows function“-Prinzip verpflichtet als einer harmonischen proportionalen Gestaltung im Sinne von Peter Behrens. Auch in Köln nahm man z. B. lieber konstruktive Mängel in Kauf, als vom Primat der Form gegenüber dem Zweck abzuweichen.

 

Viel Gies und ein Meistermann

Ist der Außenbau vergleichsweise sachlich aufgefasst, so dominieren innen die organischen oder asymmetrischen Linienführungen, wie sie für die 1950er Jahre typisch waren. Nach skandinavischem Vorbild wurden vor allem in den beiden Sendesälen und ihren dazugehörigen Foyers warme Hölzer verarbeitet: gestäbte oder glatt verblendete Birnbaum-, Birke- oder Rotbuche-Wände oder Garderobentische. Das Büro Schneider entwarf dazu fast die gesamte Ausstattung – von der Tütenlampe bis zur Türklinke. Ein regelrechter Erfolgsschlager wurden die „Spaghetti-Stühle“ für die Dachterrassen des Funkhauses, die bald einen Siegeszug durch die Gärten und Parks antraten.

Die kulturelle Bedeutung des Funkhauses wurde durch die Einbindung der Künste unterstrichen: So wirkte Ludwig Gies, mit dem schon Behrens und Körner arbeiteten, u. a. im großen Sendesaal mit: Seine kunstvoll geschnitzten Abschlusskanten der gestaffelten Wandvorlagen tragen noch heute entscheidend zur Raumwirkung bei. Den innovativsten Beitrag aber lieferte Georg Meistermann: Seine leuchtende Farbverglasung des Haupttreppenhauses in der abstrakten Formensprache des aufkommenden Informel machte den Künstler über Nacht bekannt. Während dieses Werk leider nicht öffentlich zugänglich ist, können sich heute alle Cafégäste an den Wandmalereien Anton Wolffs in der ehemaligen Teestube erfreuen. Ob mit Latte Macchiato oder Aperol: Hier lässt sich tatsächlich auch nach 65 Jahren noch der Genius Loci erspüren. Prosit, Funkhaus! (1.6.17)

Titelmotiv: Köln, Café im Funkhaus (Bild: funkhaus-koeln.de)

 

Literatur

Franz Berger, Das Funkhaus in Köln und seine Gestaltung, Stuttgart o. J. [1954].

Alexander Keller, Das Kölner Funkhaus 1945-1960 – Probleme und Kontroversen. Zur politischen Geschichte eines Massenmediums, Münster u. a. 2002.

Ute Reuschenberg, Das Funkhaus des NWDR als programmatische Architektur des „Gesamtkünstlerischen“. Zum Nachwirken von Peter Behrens in der frühen Nachkriegsmoderne Kölns, in: Tino Mager/Bianka Trötschel-Daniels (Hg), BetonSalon. Neue Positionen zur Architektur der späten Moderne, Berlin 2017, S. 69-83.

 

Zur gastronomischen Nacharbeit

Funkhaus – Café / Bar / Restaurant, Wallrafplatz 5, 50667 Köln