Gropius

Konrad Wachsmann/Walter Gropius, General-Panel-System, 1942/43 (© VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: George H. Davis)

Bauhaus Lab 2018: The Universal Connector

„Im Winter 1941 haben Walter Gropius und ich in Lincoln Mass. beschlossen, in möglichst umfassender Weise ein System der Baukonstruktion im Sinne industrieller Forderungen zu entwickeln, das später unter dem Namen General Panel System bekannt wurde.“ Dabei ging es Konrad Wachsmann um ein universelles Bausystem aus Standardverbindungen und Standardprofilen. Es wurde 1944 in den USA patentiert und wurde zum Teil einer neuen Raumarchitektur großer Spannweite. Wachsmann träumte von einem neuen, die Schwerkraft überwindender Raum, befreit von der Masse und Monumentalität konventioneller Baukunst. Standardisierung sollte so zu größtmöglicher Flexibilität führen.

Das diesjährige Bauhaus-Lab – das inzwischen traditionsreiche, dreimonatige, Internationales Forschungsprogramm – wird sich 2018 dieser hochaktuellen Vision widmen unter dem Titel: „The Universal Connector: Building Systems after the Bauhaus“. Die Teilnehmer untersuchen die hierin gebündelten Elemente und Diskurse. Die gemeinsam erarbeitete Ausstellung im Bauhaus in Dessau bietet dann Anknüpfungspunkte für das Zusammenbauen gegenwärtiger Behausungen. Bewerben können sich bis zum 15. März 2018 (das Bauhaus Lab findet vom 7. Mai bis zum 9. August 2018 in den USA und Deutschland statt) internationale Berufseinsteiger und Postgraduierte aus Architektur und Design sowie junge Kuratoren und Designforscher. Abschließend werden die Ergebnisse in einer gemeinsamen Ausstellung am Bauhaus in Dessau präsentiert. (kb, 11.2.18)

Konrad Wachsmann/Walter Gropius, General-Panel-System, 1942/43 (© VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: George H. Davis)

Gropius to Go

"Gropius to Go" - Screenshot der neuen App des Landesdenkmalamts Berlin
„Gropius to Go“ – Screenshot der neuen App

„Walter Gropius ist der Architekt des 20. Jahrhunderts, der mehr als jeder andere moderne Baukünstler auf der Welterbeliste vertreten ist und als einer der Wegbereiter der Moderne für das UNESCO-Welterbe gelten darf.“ So fasst der Berliner Landeskonservator Jörg Haspel die Motivation für die neueste Errungenschaft der Berliner Denkmalpflege zusammen: Die kostenlose App „Gropius to Go“, geeignet für Android- und iOS-Geräte, wurde als digitaler Gropius-Stadtführer vom Landesdenkmalamt Berlin in Kooperation mit visitBerlin und freundlicher Unterstützung des Bauhaus-Archivs/Museum für Gestaltung entwickelt.

Der digitale Helfer führt ein in Biografie und Werk von Walter Gropius, bietet einen Überblick der Bauten und Projekte von Walter Gropius in Berlin und informiert darüber mit Fotografien und Kurzbeschreibungen. Für die Nutzer werden Touren zu Großprojekten und UNESCO-Welterbesiedlungen der Moderne von Walter Gropius in Berlin vorgeschlagen und interaktives Kartenmaterial zu allen Bau- und Bildwerken von Walter Gropius in Berlin bereitgehalten. Anlass zur Entwicklung der App gab die Triennale der Moderne. 2016 stand die Veranstaltung im Zeichen des 90-jährigen Jubiläums des Bauhaus-Gebäudes in Dessau von Walter Gropius. Der Berliner Themenschwerpunkt lautete: „Walter Gropius und das Erbe der Moderne“. Die App kann bei Google Play und für IOS im App-Store heruntergeladen werden. (kb, 2.11.16)

Obdachlos zum Jubiläum?

Das historische Bauhausgebäude in Dessau (Bild: Mewes)
Das historische Bauhausgebäude in Dessau (Bild: Mewes)

Im Jahr 2019 wird das Bauhaus 100. Bis zu diesem Jubiläum soll in Dessau ein neues Bauhausmuseum entstehen, um den Geburtstag im gebührenden Rahmen begehen zu können. Dieser Zeitplan scheint jedoch ebenso in Gefahr zu sein wie der Museumsneubau an sich: Nach Informationen von DeutschlandradioKultur ist die zugesagte Teilfinanzierung seitens des Bundes nicht sicher. Statt der in Aussicht gestellten 12,5 Millionen sind bisher offenbar gerade einmal 500 000 Euro für das Projekt eingeplant.

Mit dem prestigeträchtigen Neubau befasste sich jüngst auch ein Ausschuss des Magdeburger Landtages. Wenngleich das Land Sachsen-Anhalt zu seiner Finanzierungszusage steht, gibt es doch heftige Auseinandersetzungen um die Höhe der Baukosten und den Standort des neuen Museums. Während sich die Mitarbeiter des Bauhauses für einen Platz in unmittelbarer Nähe der Meisterhäuser aussprechen, wünscht sich Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) einen Neubau in der Dessauer Innenstadt. Pessimisten befürchten nun, das Jubiläum im Zelt feiern zu müssen… (jr, 22.10.2014)

Die Mitte der Berliner Gropiusstadt

J. H. Brinkkötter, Eine (halb-)runde Sache (Bild: J. H. Brinkkötter)
Jan Brinkkötter untersucht die Planungsgeschichte der Berliner Gropiusstadt (Bild: J. Brinkkötter)

Spätestens seit dem Skandal-Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wird die Berliner Gropiusstadt ihr Schmuddel-Image nicht mehr los. Doch sehen Architekturbegeisterte längst mehr als einen „sozialen Brennpunkt“, entwarf doch kein Geringerer als Walter Gropius (1883-1969) die modellhafte Neubausiedlung. Mit seinem Büro „The Architects Collaborative“ entwickelte der Bauhaus-Künstler das innovative Konzept, das bis 1975 in stark veränderter Form im Berliner Stadtteil Neukölln umgesetzt wurde.

In seinem Buch „Eine (halb-)runde Sache? Zum Denkmalwert der städtebaulichen Mitte von Gropius und The Architects Collaborative in der Berliner Gropiusstadt“ untersucht der Architekturhistoriker Jan Hendrik Brinkkötter die Planungsgeschichte der Gropiusstadt. Er konzentriert sich auf zwei prägende Bauten: das halbrunde Gropiushaus und das Hochhaus der Baugenossenschaft Ideal. Über vielfältiges Plan- und Abbildungsmaterial hinaus bietet das Taschenbuch eine Chronik und Informationen zu den beteiligten Personen. (kgb, 19.6.14)

Jan Hendrik Brinkkötter, Eine (halb-)runde Sache? Zum Denkmalwert der städtebaulichen Mitte von Gropius und The Architects Collaborative in der Berliner Gropiusstadt, 2014, Taschenbuch, 150 Seiten, ISBN 978-3000439704.