Hamburg

Hamburg, Rathausmarkt, 2010 (Bild: easy4444, CC BY SA 3.0)

Hamburg: Was wird aus den Glasarkaden?

Dass es in Hamburg ständig regnet, ist üble süddeutsche Propaganda. Aber für die Tage, in denen erhöhte Luftfeuchtigkeit aus Hanseaten Schutzsuchende macht, für eben diese Tage sind die Pavillons auf dem Rathausmarkt von unschätzbarem Wert. Die Wartezeit bis zum nächsten Regenloch kann man sich hier gleich mit einem Fisch- oder Franzbrötchen vertreiben. Von 1980 bis 1982 hatte das Planungsbüro Nickels, Ohrt und Partner die postmodern geschwungenen Glasarkaden an den Platzrand gesetzt, darunter wurden Kioske angesiedelt. Mit ihren filigranen, grün gestrichenen Metallkonstruktionen schlagen die Pavillons einen versöhnlichen Bogen zu den allgegenwärtigen Kupferdächern.

Doch marode seien sie, heißt es, dieser Tage ist gar von Einsturzgefahr die Rede. Bei den Fraktionen des Senats ist schon seit Längerem der Gestaltungswille erwacht: Eine Tourist-Information könne man im Bestand unterbringen. Und die Bushaltestellen neu ordnen. Oder gleich alles ganz neu machen. Dabei dürfte die Kulturbehörde ein Wörtchen mitreden, denn die Pavillonbauten stehen unter Denkmalschutz. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt begründete Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde: „Die Glasarkaden […] gehören in Hamburgs Innenstadt zu den ersten Beispielen der postmodernen Stadtarchitektur.“ Darin seien sie vergleichbar mit dem Hanse-Viertel oder den Überdachungen auf dem östlichen Hauptbahnhofsvorplatz. (kb, 27.6.17)

Hamburg, Glasarkaden am Rathausmarkt (Bild: easy4444, CC BY SA 3.0)

Hannover-Stöcken, Corvinuskirche, Entwurf eines Gemeindezentrums, Roderich Schröder, 1956 (Bild: Roderich Schröder (Archiv Roderich Schröder), FAL)

2 x zum Abriss freigeben

Es geht seit sechs Jahren hin und her in Hannover-Stöcken: 2011 hatte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) die Corvinuskirche (Roderich Schröder, 1962) unter Schutz gestellt. 2012 wurde der Bau entwidmet und ein Abriss erwogen. Das Verwaltungsgericht Hannover kam zum Schluss: Das NLD hätte nicht allein die Corvinuskirche, sondern zuvor alle niedersächsischen Nachkriegskirchen bewerten müssen. 2014 bekräftigte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hingegen den Denkmalstatus der Corvinuskirche. 2016 stellten Landeskirche und -denkmalpflege gemeinsam Pläne vor, Gemeinderäume in die Kirche einzubauen. Mitte Juni 2017 meldete die Landeskirche, das Ministeriums für Wissenschaft und Kunst habe den Abriss freigegeben, da ein Erhalt unzumutbar sei. Die Gemeinde denkt laut über ein neues Zentrum nach.

Ähnliches wurde dieser Tage in Hamburg-Langenfelde bekannt. Die 1961 eingeweihte evangelische Kirche „Zum Guten Hirten“ (Horst Sandtmann/Friedhelm Grundmann) ist, wie das Hamburger Abendblatt meldete, nach dem Beschluss des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichts kein Denkmal. 2006 wurde der Bau auf die Denkmalliste gesetzt, ab 2011 dauerten die juristischen Auseinandersetzungen an. Der Rest scheint bekannt: Die Gemeinde erwägt den Abriss für den Neubau eines „Multifunktionsgebäudes“. Der Kulturbehörde stünde noch der Gang zum Leipziger Bundesverwaltungsgericht frei – vielleicht folgt ja zumindest in Langenfelde auf das „hin“ noch ein abrissverhinderndes „her“. (kb, 22.6.17)

Hannover-Stöcken, Corvinuskirche, Entwurf eines Gemeindezentrums, Roderich Schröder, 1956 (Bild: Roderich Schröder (Archiv Roderich Schröder), FAL)

Hamburg-Jenfeld, Der Gute Hirte, 2011 (Bild: Ajepbah, CC BY SA 3.0)

„Nicht förderfähig“

Wer in der Schulzeit einen der unheilverheißenden „Blauen Briefe“ erhielt, kann sich vielleicht in die Situation einiger Pastorinnen und Pastoren in und um Hamburg in diesem Sommer hineinversetzen. Nachdem die Kirchenkreise Hamburg Ost und Hamburg West/Südholstein mehrere Monate ihren Baubestand gesichtet haben, sind 44 Kirchen durch das Raster der Förderfähigkeit gefallen. Konkret bedeutet diese Nachricht für die Gemeinden, dass der jeweilige Kirchenkreis den besagten Predigtstätten kein Geld mehr für den Bauunterhalt zuteilen wird. Propst Hans-Jürgen Buhl erklärte das Prozedere gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Wir als Kirchenkreis schließen keine Kirche. Dies kann nur die betreffende Gemeinde als Gesellschaft öffentlich-rechtlichen Rechts.“

Zu den 44 benannten Kirchenräumen zählen vorwiegend Bauten des 20. Jahrhunderts: von der Heilandskirche (1928, Emil Heynen, Ausstattung u. a. Richard Kuöhl) in Uhlenhorst über St. Michael (1955, Gerhard Langmaack, Ausstattung u. a. Claus Wallner) in Bergedorf bis zur Auferstehungskirche (1968, Friedhelm Grundmann) in Braak. Einige Gemeinden kämpfen öffentlich für eine „Umkategorisierung“, andere hoffen, die notwendigen Baumittel aus eigener Kraft auftreiben zu können. Die Gemeinde „Der Gute Hirte“ in Hamburg-Jenfeld erklärt dieser Tage auf ihrer Homepage: „Wir schließen noch lange nicht. Erst wenn es zu vielen einerlei oder egal ist.“ (kb, 9.6.17)

Hamburg-Jenfeld, Der Gute Hirte (1971, Horst Sandtmann/Friedhelm Grundmann) (Bild: Ajepbah, CC BY SA 3.0)

Hamburg, Postpyramide (Bild: Postpyramide)

Hamburg: Instawalk zur Postpyramide

Schon länger steht fest, dass es der als Postpyramide bekannt gewordenen Oberpostdirektion in Hamburgs City Nord 2017 an den Kragen geht. 2016 kaufte ein Investoren-Joint-Venture das Gebäude und plant an seiner Stelle nun einen neuen Wohn- und Büroturm. Das umgebende Viertel wird damit von der ursprünglichen Konzeption als reine Bürostadt weggeführt. Die City Nord entstand seit den 1960er Jahren als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach Büroflächen in der Hansestadt. Oberbaudirektor Werner Hebebrand hatte sich von Projekten in den USA inspirieren lassen, wo solche „Commercial Parks“ keine Seltenheit waren. In den Folgejahren entstanden auf dem Areal repräsentative Firmensitze, darunter architektonische Highlights wie die von Arne Jacobsen entworfene HEW-Zentrale (heute Vatenfall). Auch die Postpyramide galt damals als Vorzeigeprojekt.

Wenn der Bau selbst schon nicht mehr zu retten sein wird, soll er am 15. Mai doch zumindest noch einmal im Bild festgehalten werden. Bei einem Instawalk (gemeinsam Fotos machen, auf die Plattform Instagram hochladen) trifft man sich am 15. Mai 2017 um 13 Uhr am Ausgang der U 1 (Sengelmannstraße). Der Fotorundgang soll auch an der Vatenfall-Zentrale vorbeiführen. Also auf nach Hamburg, Handy gezückt und zumindest virtuell dem Bagger ein Schnippchen schlagen! (kb, 13.5.17)

Titelmotiv: Hamburg, Postpyramide (Bild: instagram, via Anika Meier)

Hamburg, Elbphilharmonie, 2017 (Bild: Matthias Süßen, CC BY SA 4.0)

Von der Speicherstadt zur Elbphilharmonie

Was Hamburg Berlin voraus hat? Mal abgesehen von Meerblick, Fischbrötchen und Humor? Hier ist man mit einer Dauerbaustelle tatsächlich fertig geworden. Im letzten Jahr konnte die Elbphilharmonie als Bekrönung eines historischen Speicherbaus eingeweiht werden. Wer von dieser modernen Seite der Hansestadt noch mehr sehen und lesen will, hat jetzt Gelegenheit dazu. In diesen Tage erscheint bei Dölling und Galitz die aktualisierte und erweiterte Neuauflage des Buchs „Von der Speicherstadt bis zur Elbphilharmonie. Hundert Jahre Stadtgeschichte Hamburg“.

Seit der ersten Auflage von 2009 hat sich an der Elbe baulich viel verändert, dem der Architekturhistoriker Gert Kähler mit seiner Neuauflage Rechnung tragen will. Dabei spannt er einen weiten Bogen vom Jahr 1909, als der Architekt Fritz Schumacher den Städtebau der Hansestadt modernisierte, bis in das Baugeschehen der jüngsten Jahre. Die Elbphilharmonie, zugleich Covermotiv der Publikation, erhält nun ein komplettes Kapitel. Ebenso umreißt der Band die neuesten Entwicklungen beim Wohnungsbau und die Problematik der Privatisierung des öffentlichen Raums. (kb, 2.5.17)

Kähler, Gert, Von der Speicherstadt bis zur Elbphilharmonie. Hundert Jahre Stadtgeschichte Hamburg (Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs 24), 248 Seiten, Dölling und Galitz, Hamburg 2017, Neuauflage, 160 Farbabbildungen, ISBN 978-3-937904-87-0.