Hamburg

"Florian Afflerbach. Der Zeichner" (Bild: Buchcover, Schaff Verlag)

Florian Afflerbach. Der Zeichner

In den Pressebildern des Hamburger Schaff Verlags läuft das Cover-Foto der jüngsten Neuerscheinung unter dem Dateinamen „Flobuch“. An dieser liebevoll-vertrauten Abkürzung lässt sich ablesen, dass es sich um ein Herzensprojekt handelt. Der Zeichner, Architekt, Architekturvermittler und Mitgründer des Schaff-Verlags Florian Afflerbach verstarb im Mai 2016 bei einem Verkehrsunfall. Mit dem Buch „Florian Afflerbach. Der Zeichner“ wird nun die ganze Bandbreite seiner besonderen Begabung sichtbar gemacht.

Präsentiert werden über 300 Afflerbach-Freihandzeichnungen: vom Le Corbusier-Haus bis zum NSU Ro 80, von Bleistift bis Aquarell, von Siegen bis São Paolo. Texte seiner Wegbegleiter vervollständigen den Kunstdruck-Band. Florian Afflerbach hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Zeichenkunst, vor allem im Architekturstudium, wiederzubeleben – weil „gerade die spontane und intuitive Freihandzeichnung es vermag, die Gedanken des Entwerfers authentisch auf ein Blatt Papier zu übertragen.“ Er prägte den Satz und das Motto des Buchs: „Man sieht nur mit dem Bleistift gut.“ (kb, 23.14.18)

„Florian Afflerbach. Der Zeichner“ (Bild: Buchcover, Schaff Verlag)

Florian Afflerbach. Der Zeichner, Schaff Verlag, Hamburg 2018,  Hardcover, 304 Seiten, ISBN 978-3-944405-36-0.

Köhlbrandbrücke: Zukunft unklar

Sie gehört zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen Hamburgs: Seit 44 Jahren überspannt die Köhlbrandbrücke den gleichnamigen Elbseitenarm und verbindet den östlichen und den westlichen Hafenteil. Markant sind vor allem ihre beiden Pylonen, die die Fahrbahn an 88 Stahlseilen tragen. Doch auch die vollständig  freiliegenden Rampen lassen das Bauwerk so riesig wie vermeintlich schwerelos wirken. Geplant hatten es der Ingenieur Paul Boué (1920-2016) und der Architekt und Hebebrand-Schüler Egon Jux (1927-2008). Am 20. September 1974 weihte der damalige Bundespräsident Walter Scheel das riesige Bauwerk ein, die dreitägigen Feierlichkeiten lockten 600.000 Besucher an.

Doch die Tage des technisch-ästhetischen Wunderwerks sind seit 2012 gezählt, als OB Olaf Scholz den geplanten Neubau verkündete. Nun kommt eine neue Variante ins Spiel: Die Köhlbrandbrücke könnte durch einen Tunnel mit zwei Röhren ersetzt werden. Dies lässt die  Hafenbehörde HPA ebenso wie den Brücken-Neubau prüfen und will die Ergebnisse einer Konzeptstudie im Herbst bekannt geben. Die Lebenszeit der Bauwerks sei 2030 überschritten, teilte der technische Geschäftsführer der HPA, Matthias Grabe, am 10. April der Presse mit. Zudem ist die Durchfahrtshöhe von 53 Metern mittlerweile zu niedrig (!). Eine neue Brücke müsste 20 Meter höher werden, damit größere Schiffe den Weg zum Containerterminal Altenwerder passieren könnten – somit wird die Tunnelidee für die Betreiber umso interessanter (db, 12.4.18)

Hamburg, Köhlbrandbrücke (Bild: Ajepbah, CC BY-SA 3.0)

Hamburg, Audi Max (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 3.0, 2017)

Hermkes. Schön.

Fragt man die wahren Connaisseure nach Bernhard Hermkes, entweicht vielen von ihnen ein schlichtes überzeugtes „schön“. Wer es ausführlicher in Wort und Bild möchte, dem sei der gerade bei Dölling und Galitz erschienende Band „Bernhard Hermkes. Die Konstruktion der Form“ empfohlen. Der Architekt und Wissenschaftler Giacomo Calandra di Roccolino beschreibt in der reich bebilderten Monographie die Entwicklung des Architekten, der in Hamburg zu einem wichtigen Protagonisten der Nachkriegsmoderne wurde.

Beginnend mit Kindheit, Studium und seiner Zeit im „Neuen Frankfurt “ der 1920er Jahre unter Ernst May, entfaltet das Buch das reiche Werk von Hermkes. Auch im Dritten Reich versuchte er, seine architektonischen Überzeugungen im Industriebau zu bewahren. Schließlich vereinigte er in Hamburg die Einflüsse der Moderne der 1920er Jahre, Skandinaviens und des Internationalen Stils zu einer unverwechselbaren Handschrift. Hier prägte er Ikonen wie die Großmarkthalle am Oberhafen, die elegante Kennedybrücke, den geschwungenen Audimax der Universität, die kühnen Grindelhochhäuser und die skandinavisch anmutende Siedlung Klein Flottbek. Das Buch wird am 25. April 2018 um 12.30 Uhr im Foyer des Hamburger Audimax (Von-Melle-Park 4) vorgestellt. (kb, 9.4.18)

Frank, Hartmut/Schwarz, Ullrich (Hg.), Giacomo Calandra di Roccolino, Bernhard Hermkes. Die Konstruktion der Form, Dölling und Galitz, München 2018, 400 Seiten, 500 Abbildungen, Halbleinenband, 23 x 28 cm, ISBN 978-3-86218-095-0.

Hamburg, Audi Max (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 3.0, 2017)

Hamburg, Deutschlandhaus (Bild: Wolfgang Meinhart, CC BY SA 3.0)

Eine „kleine“ Hoffnung für das Deutschlandhaus?

Es wäre ein Lichtblick für Hamburgs gebeutelte Baukultur: Seit dem letzten Jahr verdichten sich die Nachrichten, dass das 1928/29 nach Plänen von Block und Hochfeld errichtete Deutschlandhaus am Gänsemarkt dem Abriss geweiht ist. Die ABG-Holdinggruppe, die das Gebäude 2014 kaufte, kündigte an, „es in wenigen Jahren durch einen attraktiven Neubau zu ersetzen“. Auf dem Filetgrundstück könnte ein Gebäudekomplex mit 39.000 Qua­dratmetern Bruttogeschossfläche entstehen – für Wohnungen, Büros und den Einzelhandel. Das Deutschlandhaus erfuhr durch Heinz Schudnagies Ende der 1970er eine vielfach kritisierte Überformung, die letzte große Sanierung fand 2006 statt.

Dieser Baubestand käme, so ist jüngst in Modellbahnerkreisen zu hören, dem wachsenden Hamburger Miniatur Wunderland zu pass. Bei jährlich über einer Millionen Besucher, davon rund ein Viertel ausländische Gäste, benötigt man drängend neue Fläche für die detailgetreue Modellbahnlandschaft. Es stehen zwei Konzepte für das Deutschlandhaus im Raum. Zum einen scheinen die technikbegeisterten Betreiber von einem Transfer ausgewählter Modellfahrzeuge via Drohne zwischen Gänsemarkt und Hafencity zu träumen. Zum anderen wird eine Translozierung des gesamten Gebäudes in die Nachbarschaft des bestehenden Miniatur Wunderlands erwogen. Ob sich einer dieser futuristischen Pläne umsetzen lässt, steht noch in den Sternen, doch könnte das Deutschlandhaus von beiden publikumsträchtigen Varianten mehr als profitieren. (db, 1.4.18)

Hamburg, Deutschlandhaus (Bild: Wolfgang Meinhart, CC BY SA 3.0)

Hamburg, Hanseviertel (Bild: gmp Architekten)

Hanseviertel unter Denkmalschutz

Jetzt ist es offiziell: Das Hamburger Hanseviertel, 1981 eine der ersten bundesdeutschen „Wohlfühl-Einkaufszonen“, wurde – wie City-Hof e. V. meldet – zur Jahreswende in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen. Das Star-Büro Gerkan, Marg und Partner zeichnet verantwortlich für den postmodernen Klinkerbau. Bauherrin war die Allianz, für die Volkwin Marg eine lichtdurchflutete Komfortzone entwarf, die sich von den massigen Beton-Einkaufszentren der 1960er Jahre absetzen sollte. Das Konzept ging auf, in den ersten Jahren flanierten täglich bis zu 20.000 Konsumwillige durch das Hanseviertel. Noch immer wird es gut frequentiert, doch die goldene Ära ist vorbei. Es heißt, die Allianz wolle an die ECE-Group verkaufen, die bereits vor geraumer Zeit die Verwaltung des 45.000-Quadratmeter-Komplexes übernommen hat.

Damit stand das Hanseviertel zum Jahresende in der Abrissdikussion zugunsten einer profitableren Ausnutzung des Filetgrundstücks. Spätestens mit der frischen Unterschutzstellung wird es spannend: Damit wäre ein Abriss strenggenommen nur möglich, wäre der Erhalt wirtschaftlich unzumutbar. Sollte die ECE jedoch kaufen, könnte es pikant für die Denkmal- und Kulturbehörden werden: Die Stiftung des ECE-Vorsitzenden Alexander Otto spendete just 15 Millionen Euro für die Sanierung der Kunsthalle. Welcher Stellenwert kommt dem Denkmalstatus zu, wenn einer der bedeutendsten Kulturstifter der Stadt ein Gebäude kaufen und abreißen will? (db, 15.1.18)

Hamburg, Hanseviertel, 1983 (Bild: gmp Architekten)