Hannover

Turin, Kino-Museum (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0)

Die langen 1960er Jahre

Zwischen den späten 1950er und den frühen 1970er Jahren standen die Zeichen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur auf Veränderung. In der gesamten Bundesrepublik, auch in Niedersachsen und Bremen lassen sich Schlagworte nennen wie Mauerbau und Neue Ostpolitik, Wirtschaftswunder und Bildungsexpansion. Für die Tagung „Die ‚langen‘ 1960er Jahre in Niedersachsen und Bremen“, die am 4. November 2017 in Hannover geplant ist, sucht der „Arbeitskreis für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ daher noch Themenvorschläge für 20-minütige Vorträge.

Mögliche Schwerpunkte können sein: neue soziale Bewegungen, Proteste und Politisierungen; neue Lebens- und Konsumwelten; Veränderungen in Migration und Städtebau; die Bildungsexpansion im Schul- und Hochschulbereich; der Ausbau von Sozialstaatlichkeit; der Generationswechsel in den politischen Eliten. Neben Historikern sind ausdrücklich auch historisch arbeitende (Nachwuchs-)Forscher aus benachbarten Disziplinen wie z. B. den Kulturwissenschaften eingeladen. Bewerbungen (eine inhaltliche Skizze (1 Seite), ein kurzer Überblick zur sich bewerbenden Person (ebenfalls 1 Seite)) können bis zum 15. August 2017 eingereicht werden unter: Oliver Schael (Schriftführer des Arbeitskreises), oliver.schael@gmx.de. Für nähere Auskünfte stehen die Sprecher des Arbeitskreises, Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann (Schmiechen-A@web.de) sowie Prof. Dr. Jochen Oltmer (joltmer@uni-onsnabrueck.de), zur Verfügung. (kb, 17.7.17)

Turin, Kino-Museum (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0)

Hannover-Linden, Ihme-Zentrum im Bau, 1973 (Bild: Manfred Kohrs/Rolf Kohrs, CC BY SA 3.0)

Genossenschaft fürs Ihme-Zentrum

1971 wurde in Hannovers Stadtteil Linden der Grundstein für ein monumentales Bauvorhaben gelegt: das Ihme-Zentrum. Als „Stadt in Stadt“ sollte es Wohn- und Büroräume sowie in Shoppingcenter verbinden. Damit geriet das Projekt schon mitten in seiner Fertigstellung in die Umbrüche des Jahres 1975. Mit einem Mal galten Hochhäuser, urbane Zusammenballungen und Beton sowieso als kritisch. Mit den Jahren wurde das Ihme-Zentrum für viele zum Inbegriff eines sozialen Brennpunkts. Zuletzt wechselte die Anlage mehrfach und nicht immer ganz freiwillig den Besitzer. Die Frage nach einer möglichen Unterschutzstellung wurde 2015 endgültig negativ beschieden.

Im letzten Jahres gründete sich ein Verein , um „eine nachhaltige und kreative Transformation“ zu begünstigen und „den Austausch zwischen den Bewohnern, dem Großeigentümer Intown sowie der Stadt und der Stadtgesellschaft“ zu verbessern. Parallel weckte die Film-Doku „Traum Ruine Zukunft“ von Hendrik Millauer Aufmerksamkeit. Im Juni 2017 eröffnete der Verein das Nachbarschafts- und Kulturzentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E (ZWAI). Nun geht man vor Ort einen Schritt weiter: Um für „Künstler und Kreativschaffende“ langfristig Ateliers, Werkstätten und Labore entwickeln und betreiben zu können (immerhin reden wir von 100.000 leerstehenden Quadratmetern), will der Verein nach der Sommerpause eine Genossenschaft gründen. Es werden kreative Mitstreiter gesucht! (kb, 2.7.17)

Hannover-Linden, Ihme-Zentrum im Bau, 1973 (Bild: Manfred Kohrs/Rolf Kohrs, CC BY SA 3.0)

Hannover-Stöcken, Corvinuskirche, Entwurf eines Gemeindezentrums, Roderich Schröder, 1956 (Bild: Roderich Schröder (Archiv Roderich Schröder), FAL)

2 x zum Abriss freigeben

Es geht seit sechs Jahren hin und her in Hannover-Stöcken: 2011 hatte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) die Corvinuskirche (Roderich Schröder, 1962) unter Schutz gestellt. 2012 wurde der Bau entwidmet und ein Abriss erwogen. Das Verwaltungsgericht Hannover kam zum Schluss: Das NLD hätte nicht allein die Corvinuskirche, sondern zuvor alle niedersächsischen Nachkriegskirchen bewerten müssen. 2014 bekräftigte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hingegen den Denkmalstatus der Corvinuskirche. 2016 stellten Landeskirche und -denkmalpflege gemeinsam Pläne vor, Gemeinderäume in die Kirche einzubauen. Mitte Juni 2017 meldete die Landeskirche, das Ministeriums für Wissenschaft und Kunst habe den Abriss freigegeben, da ein Erhalt unzumutbar sei. Die Gemeinde denkt laut über ein neues Zentrum nach.

Ähnliches wurde dieser Tage in Hamburg-Langenfelde bekannt. Die 1961 eingeweihte evangelische Kirche „Zum Guten Hirten“ (Horst Sandtmann/Friedhelm Grundmann) ist, wie das Hamburger Abendblatt meldete, nach dem Beschluss des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichts kein Denkmal. 2006 wurde der Bau auf die Denkmalliste gesetzt, ab 2011 dauerten die juristischen Auseinandersetzungen an. Der Rest scheint bekannt: Die Gemeinde erwägt den Abriss für den Neubau eines „Multifunktionsgebäudes“. Der Kulturbehörde stünde noch der Gang zum Leipziger Bundesverwaltungsgericht frei – vielleicht folgt ja zumindest in Langenfelde auf das „hin“ noch ein abrissverhinderndes „her“. (kb, 22.6.17)

Hannover-Stöcken, Corvinuskirche, Entwurf eines Gemeindezentrums, Roderich Schröder, 1956 (Bild: Roderich Schröder (Archiv Roderich Schröder), FAL)

Konstanty Gutschow, Innenstadt Hannover, Einzelhandel, zukünftige Entwicklung (Quelle: Gutschow, Konstanty (Bearb.), Stadtmitte Hannover. Beiträge zur Aufbauplanung der Innenstadt, hg. von der Aufbaugemeinschaft Hannover e. V., Hannover 1949)

Wer ist Hannover?

Hannover liegt zentral zwischen Ruhrgebiet und Berlin, zwischen Hamburg und Frankfurt. Trotzdem wird der Stadt heute keine herausragende Rolle mehr zugeschrieben. Die Altstadt (das ehemalige Handwerker- und Handelszentrum) und die Calenberger Neustadt (das einstige höfische Viertel) bildeten – über eine Insel verbunden – seit 1663 die Basis der Residenzstadt. Damit war die Leineinsel das natürliche Zentrum der Gesamtstadt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts schufen die stadtplanerischen Entscheidungen eine bis heute prägende Zäsur zwischen Alt- und Neustadt.

Diese These soll auf der Veranstaltung „Am Rand der Mitte? Wer ist Hannover? Ein Stadtgespräch“ am 3. Mai 2017 um 18.00 Uhr in Hannover in der Neustädter Hof- und Stadtkirche ausgelotet werden. Unter der Leitung von Martina Trauschke präsentieren Prof. Dr. Joachim Ganzert und Dipl.-Ing. Gregor Janböcke, unter der Moderation von Ulrike Rose diskutieren Bernd Busemann (Landtagspräsident), Uwe Bodemann (Stadtbaurat) und Conrad von Meding (HAZ-Redakteur). Der Termin dient zugleich als Vorstellung des jüngst im Jovis-Verlag erschienenen Buch „Hannovers ‚ver-rückte‘ Mitte“. (kb, 1.5.17)

Ganzert, Joachim/Janböcke, Gregor (Hg.), Hannovers „ver-rückte“ Mitte. Prinzipielles und Konkretes zu Stadt-Bau-Kultur, Jovis-Verlag, 2017, Hardcover, 29,7 x 21 cm, 88 Seiten, ca. 75 Farb- und Schwarzweißabbildungen, ISBN 978-3-86859-426-3.

Titelmotiv: Konstanty Gutschow, Innenstadt Hannover, Einzelhandel, zukünftige Entwicklung (Quelle: Gutschow, Konstanty (Bearb.), Stadtmitte Hannover. Beiträge zur Aufbauplanung der Innenstadt, hg. von der Aufbaugemeinschaft Hannover e. V., Hannover 1949)

Spanischer Expo-Pavillon abgerissen

Hannover, Expo 2000, Pavillon Spanien 2011 (Axel Hindemith, CC BY-SA 3.0)
Hannover, Expo 2000, Pavillon Spanien 2011 (Axel Hindemith, CC BY SA 3.0)

Der spanische Pavillon ist Geschichte: Nachdem ein bewusst gelegtes Feuer (Brandstiftung) den Expo-Länderpavillon mit der markanten Korkfassade im September 2016 weitestgehend zerstört hat, wurde die Ruine jetzt abgerissen. Ein hannoverscher Investor hat das gut 5000 qm große Grundstück von einer französischen Erbengemeinschaft gekauft und ließ die Gebäudereste darauf entsorgen.

Nur 16 Jahre nach der Jahrtausend-Expo stehen viele ehemalige Weltausstellungsbauten im Umbruch. 2015 schon wurde der Polnische Pavillon, der sich zunächst als Raum für Überbleibsel der asiatischen Halle, als Restaurant und Kulturverein über die Runden rettete, nach einem Brand (s. o.) und einem mehrjährigen juristischen Hin und Her abgerissen. Hinzu kommen viele Leerstände, zugewucherte Gelände und immer wieder Brandstiftungen. Doch es gibt auch positive Beispiele: so den Wiederaufbau des Kirchenpavillons in Volkenroda, den Transport der Seilbahn in ein österreichisches Skigebiet, eine Umnutzung vor Ort durch die Hochschule Hannover. Der spanische Pavillon wurde von den Lehrer Abbruchspezialisten „A&S“ fachgerecht demontiert. Noch ist nicht bekannt, was der neue Eigentümer mit dem geräumten Grundstück machen will. (db, 1.2.17)