International Style

Dresden, Hochhaus Schokopack 1997 (Bild: S.J., gemeinfrei)

Neue Nutzung fürs Schokopack

Beachtliche 27 Jahre Leerstand haben ihm keine irreparablen Schäden zugefügt, und nun sieht es so aus, als ziehe tatsächlich wieder Leben ein ins „Schokopack“-Hochhaus. Der 1957-63 errichtete Bau gilt als Dresdens erstes Betonskelett-Hochhaus. Interessanterweise wurde das Wahrzeichen des einstigen „VEB Verpackungsmaschinenbau Dresden“ ab 1957 konsequent im International Style erbaut (Architekt: Johannes Junghans). Seit der Auflösung des Kombinats 1990 liegt die gesamte Anlage brach und verfällt, auch wenn das Hochhaus seit 2008 unter Denkmalschutz steht. Zuletzt wurde es regelmäßig mit rechts- wie linksradikalen Parolen beschriftet. Ein Investor wollte ab 2011 in dem Bau Altenwohnungen und Arztpraxen einrichten, wegen der Nähe zum Industriegebiet willigte die Stadt letztlich nicht ein.

Nun wechselte die Immobilie ein weiteres Mal den Besitzer: Die Bielefelder Intelligence AG erwarb das ramponierte Hochhaus und ließ bereits die Außenanlagen bereinigen. Das expandierende IT-Unternehmen will im DDR-Denkmal ein Dienstleistungszentrum einrichten, hinzu kommen Kantine, Fitnessstudio und ein Park. Man hofft, hier bis zu 550 Büro-Arbeitsplätze zu schaffen; das Investitionsvolumen beträgt 20 Millionen Euro. Die Sanierung wird durch den bisherigen Investor betreut und soll im Herbst 2018 abgeschlossen sein. (db, 20.4.17)

VEB Schokopack Dresden (Bild: S. J., gemeinfrei, Detail)

Das MoMA steht in Bielefeld

MoMa New York (Bild: Bild hibino)
Das MoMA in Bielefeld: Das glauben Sie nicht? Waren Sie etwa schon mal dort? (Bild: Bild hibino, CC BY SA 3.0)

Zwischen dem New Yorker Museum of Modern Art und dem Dessauer Bauhaus bestanden viele Verbindungen. Mit der Ausstellung und Begleitpublikation „The International Style“ stellte das Museum 1932 einen Gestaltungskanon auf, der für die Klassische Moderne konstitutiv sein sollte. Er orientierte sich besonders an der „weißen“ Moderne Walter Gropius‘ und seiner Dessauer Kollegen – und ignorierte andere Modernisten, die nicht in dieses Raster passten. Dies begründete später den Erfolg des ehemaligen Bauhausdirektors in der US-amerikanischen Emigration. Die Ausstellung „Partners in Design. Bauhaus-Pioniere in Amerika“ in der Kunsthalle Bielefeld beleuchtet mit Alfred H. Barr Jr. und Philip Johnson zwei Gründungsväter des MoMA.

1929 öffnete das Museum in New York seine Pforten. Barr fungierte als erster Direktor der Institution, Johnson leitete die Abteilung für Architektur. Die Bielefelder Ausstellung fokussiert die kuratorischen Ansätze der beiden amerikanischen Bauhausverehrer und zeigt Exponate, die durch die historischen Ausstellungen des MoMAs heute als Designklassiker gelten. Die Bielefelder Kunsthalle weist eine besondere Verbindung zu Johnson auf: Dieser zeichnete als Architekt für den Bau verantwortlich, der 2018 seinen 50. Geburtstag feiert. Die Ausstellung ist bis zum 23. Juli 2017 zu sehen. (jr, 29.3.17)

Das Concordia-Haus verschwindet

Frankfurt/Main, Concordia-Haus Februar 2016 (Bild: D. Bartetzko)
Nicht originell, aber original: das Frankfurter Concordia-Haus aus den 1960ern (Bild: D. Bartetzko)

Der Brutalismus ist in aller Munde, doch im Schatten seines Revivals verschwinden die Zeugen der zurückhaltenden, internationalen Moderne. Nicht jedes Mal stellen diese Abbrüche allzu große Verluste dar. Ein schales Gefühl bleibt jedoch vor allem dann, wenn es sich um gänzlich unveränderte Gebäude der 1960er oder 1970er Jahre handelt – die allen postmodernen Veränderungsdrang überstanden und bis jetzt auch der Dämmwut nicht zum Opfer fielen. In Frankfurt wird demnächst das in den 1960ern eröffnete Concordia-Haus mit seiner Alu-Glas-Fassade abgerissen. Derzeit ist der Bau noch nicht einmal komplett geräumt, doch schon in den nächsten Monaten sollen die Bagger an der Mainzer Landstraße anrollen.

Es handelt sich beim ehemaligen Versicherungssitz sicher um kein Meisterwerk, doch immerhin um einen wohl proportionierten Vertreter des International Style. Und sein originaler Zustand ist im veränderungsstarken Frankfurt eine Rarität. Ein – wenn auch schmaler – Trost ist, dass der Nachfolgerbau von kundiger Hand verantwortet wird. Das entstehende Appartementhaus mit 105 Mikrowohnungen (das den klangvollen Namen „Mona Lisa“ erhält) wird vom Frankfurter Büro Stefan Forster geplant. Dessen an der Klassischen Moderne orientierten Backsteinbauten ragen derzeit aus dem Frankfurter Investoreneinerlei weit heraus. (db, 17.2.17)