Josef Wiedemann

Heidelberg, HeidelbergCement-Firmensitz in der Berliner Straße, 2013 (Bild: Rudolf Stricker, via wikimedia.commons)

HeidelbergCement baut neuen Firmensitz

Das Produkt und die damit verbundene Firma hat sich seit 1873/74 einen, wenn auch wechselnden Namen gemacht: Aus dem Portland-Cement-Werk Heidelberg wurde die internationale Marke HeidelbergCement. 1963 ließ sich das gerade zu neuem Wachstum ansetzende Unternehmen am Stadtrand vom Münchener Architekten Josef Wiedemann (1910-2001) einen neuen repräsentativen Firmensitz errichteten. Leicht von der Straße zurückgesetzt, bot der fünfgeschossige Büroriegel viel Raum für das ein oder andere kundenwirksame Betonexperiment – vom künstlerisch eingefassten Betonglas bis zum Pavillon mit Betonfaltdach.

Gut 50 Jahre später plant HeidelbergCement auf diesem Gelände einen Neubau – unter Niederlegung der bisherigen Bauten, darunter der Büroriegel und der Pavillon. Gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung erklärte die Stadtverwaltung: „Der Pavillon auf dem Anwesen Berliner Straße 6 wurde Ende 2009 durch das Landesamt für Denkmalpflege als nur ‚erhaltenswert‘, nicht aber als denkmalwertig eingestuft“. Demnach galt für beide Bauten kein Denkmalschutz, wenn man in dieser Formulierung auch dem Pavillon eine (sprachliche) Wertschätzung angedeihen ließ. Büroriegel und Pavillon wurden vor wenigen Wochen niedergelegt, für die gefällten Bäume ist eine Ersatzpflanzung vorgesehen. Dass der neue Firmensitz vom Büro Albert Speer Junior gestaltet wird, lässt zumindest gestalterisch hoffen. (kb, 20.4.17)

Heidelberg, Firmensitz von HeidelbergCement in der Berliner Straße, vor dem Abriss (Bild: Rudolf Stricker, wikmedia-commons, 2013)

Josef Wiedemann in München

Das Buch "Die Wirkung der Dinge" zeigt drei Bauten des Architekten Josef Wiedemann (Bild: Wasmuth-Verlag)
Die Wirkung der Dinge“ zeigt drei Bauten von Josef Wiedemann (Bild: Wasmuth-Verlag)

Im Jahr 1955 wurde der gebürtige Münchner Josef Wiedemann (1910-2001) Professor für Entwerfen, Denkmalpflege und Sakralbau an der damaligen Technischen Hochschule München (später Technische Universität), wo er bis 1976 lehrte. Als Architekt verwirklichte er seit Beginn der 1950er Jahre bereits etliche Neu- und Wiederaufbauten in der bayerischen Landeshauptstadt. Unter ihnen die Verwaltungsbauten der Allianz (1951-54), die Bayerische Landesbausparkasse (1954-56) und der Erweiterungsbau der Dresdner Bank am Promenadeplatz (1960-62).

Diesen drei Gebäuden widmet sich das Buch „Josef Wiedemann. Die Wirkung der Dinge“, das die Architektin Reem Almannai in Zusammenarbeit mit Professor Florian Nagler, Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren an der TU München, umgesetzt hat. Jedes einzelne für sich betrachtet, insbesondere aber ihre schlüssige Abfolge, stellt den frühen Zenit dieses – später für seine sakralen Bauten bekannten, heute aber etwas in Vergessenheit geratenen – Baumeisters dar. (db, 30.1.15)

Almannai, Reem/Nagler, Florian (Bearb.), Josef Wiedemann. Die Wirkung der Dinge, Wasmuth-Verlag, Tübingen 2014, 128 Seiten, broschiert, ISBN 978-3803007865.