Kassel

Josph Beuys - mit Fahrrad auf den Stufen des Düsseldorfer Schlossturms (Archiv der Evangelische Kirche im Rheinland, Düsseldorf, 8SL 046 (Bildarchiv), 019_0073)

Mim Radl da

Im Frühjahr hatten sich zwei Hessen in Athen auf den Weg gemacht, um mit dem Fahrrad pünktlich bis zur Eröffnung der documenta 14 im heimischen Kassel zu sein. Hat geklappt. Und hat Spaß gemacht, sagen sie. Wer es etwas kürzer mag, kann die inzwischen eröffnete documenta auf eigene Faust mit dem Rad erkunden. Auf der Plattform „komoot.de“ findet sich ein Tourenvorschlag: Knapp drei Stunden in die Pedale treten und Sie können beim nächsten Sonntagsbrunch mitreden! Komfortabler geht es auf der Plattform „koelnarchitektur.de“ (hier bietet man regelmäßig auch Architektur-Fahrradtouren an) auf Anfrage: Neben „Archipedes“ führt man hier auch per „Architaxi“, „Archiboot“ oder „Archiheli“ zur modernen Baukunst der Rheinmetropole.

Wer sich als marodierender Einzelradler versuchen möchte, dem hilft das Netzwerk der Radwegekirchen. Die Initiative „Freizeit und Tourismus“ präsentiert sehenswerte Ziele, unter denen auch die Moderne nicht zu kurz kommt: von der Ewigkeitskirche (1965, Franz Lichtblau) im bayerischen Übersee bis zur Berliner Kapelle der Versöhnung (2000, Rudolf Reitermann/Peter Sassenroth ). Besonders charmant ist das verschwisterte Netzwerk in der Schweiz. Hier warten unter den „Velowegekirchen“ auch moderne Schönheiten wie die Kirche Sonnenfeld (1960, Max Schär/Rudolf Steiner) in Steffisburg. (kb, 30.6.17)

Josph Beuys mit Fahrrad auf den Stufen des Düsseldorfer Schlossturms (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf, 8SL 046 (Bildarchiv), 019_0073)

Große Pläne für Kassel

Große Pläne für Kassel (Bild: Schüren-Verlag)
Folckert Lüken-Isberner, der Autor von „Große Pläne für Kassel“, berichtete für mR schon über die Treppenstraße (Bild: Schüren-Verlag)

Die Stadtplanung Kassels verbindet man meist mit den schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und dem ambitionierten Wiederaufbau. Doch bereits lange vor den Bombardements existierten Pläne zur grundlegenden Umgestaltung der nordhessischen Großstadt. Der jüngst erschienene Band „Große Pläne für Kassel“ versammelt städtebauliche Utopien und Projekte für Kassel von der Zwischenkriegszeit bis zur Gründung der Bundesrepublik. Auf Grundlage wissenschaftlich bislang noch nicht ausgewerteter Quellen rekonstruiert er am Beispiel Kassel unterschiedliche Spielarten moderner Stadtplanung.

In den 1920er Jahren orientierte sich die Stadt an den Metropolenplanungen Europas. Die Städtebauer träumten von einem überregional bedeutsamen „Groß-Kassel“.  Während der NS-Herrschaft sollte Kassel dagegen zur mustergültigen Gauhauptstadt transformiert werden. Nach den ersten Bombardements entstanden bis 1949 verschiedene Konzepte für den Wiederaufbau. Fast allen Entwürfen gemein ist die Absicht des radikalen Neuaufbaus. Die historische Bebauung und der tradierte Stadtgrundriss fanden darin kaum Berücksichtigung. Die Begründungen für die Radikalität der Planungen variierten mit den politischen Rahmenbedingungen und reichten von der paneuropäischen, über die luftschutzgerechte bis zur modernen Stadt im technisch-funktionalen Sinne. (jr, 18.12.16)

Lüken-Isberner, Folckert, Große Pläne für Kassel. 1919 bis 1949. Projekte zu Stadtentwicklung und Städtebau, Schüren Verlag, Marburg 2016, 272 Seiten, 240 x 290 mm, ISBN 978-3-89472-297-5.

Frei Otto in Kassel

"Frei Otto in Kassel 1955/2015" (Bild: Fürstenberg, 1955, alle Rechte vorbehalten)
Noch lange vor seinen berühmten „hängenden Dächern“ im Münchener Olympiastadions hinterließ der kürzlich verstorbene Architekt in Kassel seine Spuren (Bild: Fürstenberg, 1955, alle Rechte vorbehalten)

Die Bundesgartenschau in Kassel war 1955 nicht nur die Geburtsstunde der Documenta, sondern brachte auch eine neuartige Architektur hervor. Mit seinen ersten „hängenden Dächern“ schrieb der Architekt Frei Otto hier Architekturgeschichte, lange bevor er mit dem Münchner Olympiastadion weltbekannt wurde.

Zum 60. Jubiläum der Bundesgartenschau erinnert das Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion der Universität Kassel mit einer kleinen Ausstellung „Frei Otto in Kassel 1955/2015“ (AOK-Haus, Friedrichsplatz 14, 34117 Kassel) an die drei Kasseler Pavillons des kurz vor seinem 90. Geburtstag verstorbenen Architekten. Bis zu Frei Ottos Tod gab es Planungen, eines der Dächer an Ort und Stelle wieder aufzu­bauen. Gezeigt wird das Modell, das zu diesem Zweck von Architekturstudenten der Universität Kassel gebaut wurde. DIe Ausstellung ist noch bis zum 28. November 2015 zu sehen, den Eröffnungsvortrag hält Dipl.-Ing. Christoph Palmen am 14. Oktober 2015 um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. (kb, 11.10.15)

Kassel-Wilhelmshöhe: Freibad bleibt

Kassel, Freibad Wilhelmshöhe (Bild: Gelehrter2000, CC BY SA 4.0)
Gerade 80 Jahre alt geworden: das Traditionsbad in Kassel-Wilhelmshöhe (Bild: Gelehrter2000, CC BY SA 4.0)

„In diesem Traditionsbad haben ganze Generationen den Sommer verbracht und schwimmen gelernt.“ Das Freibad Wilhelmshöhe, verkehrsgünstig am grünen Rand der Stadt Kassel gelegen, wirbt seiner 80-jährigen Vergangenheit. Natürlich gibt es da auch das „Schwimmerbecken mit integriertem Nichtschwimmerteil“ von stolzen 50 Metern Länge, ein Kinderbecken, Spielgeräte – und natürlich eine Pommesbude.

Noch vor kurzem drohte dem Freibad die Schließung, die Stadt Kassel muss sparen und sah keine Möglichkeiten, die anstehende Sanierung der Anlage zu finanzieren. Doch es regte sich Bürgerprotest. Schließlich sei das Freibad inzwischen historisch, mit der eigenen Jugend eng verbunden – und überhaupt müsse sich die Jugend heute auch wieder mehr bewegen. Mit Aktionen wie „Sponsorenschwimmen“, „Nochdsee-Lust“ zum Jubiläum und retroverdächtigem Jazz am Schwimmbecken will man auch Hippster anziehen. Mit Erfolg, 2015 kamen schon 50.000 Besucher und bis Saisonende sollen es 70.000 werden. Damit ließ sich auch die Politik überzeugen: einigte sich: Das Freibad soll 2016 saniert werden, der Förderverein finanziert die neue Rutsche. Ab Sommer 2017 gibt es dann wieder Pommes neben dem Becken. (kb, 27.8.15)

Vom Kino zum Bio-Supermarkt

Kassel, Kaskade-Kino, Deckenverkleidung (Bild: C. Vittoratos)
Deckenverkleidung im Kasseler Kaskade-Kino (Bild: C. Vittoratos)

Das vom Architekten Paul Bode (1903-78) entworfene, 1952 eröffnete Kino Kaskade am Kasseler Königsplatz wird demnächst mit neuer Nutzung wiedereröffnet. Prägend für den Filmpalast waren bei der Eröffnung neben der vergoldeten Decke insbesondere die Wasserspiele: Zu Beginn jeder Vorstellung setzten sie einen modernen Akzent und gaben dem Haus seinen Namen gaben.

Der vergleichbare Berliner Zoopalast konnte 2013 nach umfangreicher Instandsetzung wiedereröffnet werden und zeigt im großen Saal wieder die traditionsreichen Wasserspiele. Der denkmalgeschützte, seit 2000 nicht mehr genutzte Kasseler Kinosaal jedoch wird derzeit zum Einzelhandelsgeschäft umgebaut – ein herber Verlust für all jene, die historische Filmpaläste lieben. Erhalten werden sollen neben der Decke einzelne Kinosessel sowie die nicht mehr funktionsfähige Wasser- und Lichtspieltechnik, eine Wasserorgel nach Entwurf von Otto Prystawik. Man darf gespannt sein, wie diese historischen Elemente in dem voraussichtlich Bio-Supermarkt zur Geltung kommen, der im Dezember 2014 eröffnet werden soll. (tw, 21.10.14)