Schlagwort: Kirchbaumoderne

Demitz-Thumitz, Maris Frieden (Bild: Lydia, CC BY SA 3.0, 2011)

Wohnen mit Turm

Die Presse titelt frech, hier ginge es um „Sachsens größtes Einfamilienhaus“. Möglich. In jedem Fall handelt es sich um ein Wohnhaus mit viel Flair und Turm. Gemeint ist die katholische Kirche Maria Frieden in Demitz-Thumitz. Der 1954 geweihte Bau zeigt nach außen ganz traditionell Turm, Satteldach und Naturstein. 2011 wurde die Kirche geschlossen. In der Folge richtete man einen Teil des Schiffs für die neue Wohnnutzung her: mit einer Trennwand, einer Zwischendecke und einer Versetzung der Orgel.

Vor Ort träumte man einige Zeit von einer kulturellen Teilnutzung der Kirche. Doch als zeitgleich von staatlicher Seite das Erlebnismuseums „Alte Steinsäge“ aus der Taufe gehoben wurde, reduzierte sich die künftige Funktion von Maria Frieden auf reines Wohnen. Einige Räume wurden auch als Ferienwohnung angeboten. Nun ziehen die jetzigen Bewohner um – und suchen einen neuen Käufer für die ehemalige Kirche. Der Preis soll sich auf 259.000 Euro für das Gebäude und das 2.630 Quadratmeter große Grundstück belaufen. Die neuen Eigentümer könnten auch die Orgel übernehmen. (kb, 30.4.18)

Demitz-Thumitz, Maria Frieden (Bild: Lydia, CC BY SA 3.0, 2011)

Berlin-Mariendorf, Martin-Luther-Gedächtniskirche (Bild: Harald Rossa, CC BY SA 2.5, 2006)

Die Kirchen und die Kunst und die NS-Zeit

Als ob es die Protestanten nicht schon schwer genug hätten mit der Kunst an sich (bunt, könnte Spaß machen, geht gar nicht …). Wenn dann das Thema NS-Zeit dazu kommt, wird es noch einmal komplizierter. Höchste Zeit also, sich der Sache mit einer Tagung kritisch anzunähern, wie es die Evangelische Akademie Loccum vom 15. bis 17. Juni unter dem Titel „Kunst und protestantische Kirche während des Nationalsozialismus“ tun wird. Man will damit Suchstrategien, einschlägige Fragestellungen und Deutungshilfen für eine bundesweite Aufarbeitung kirchlicher Kunst während des Nationalsozialismus sammeln.

Wie lässt sich die Aufarbeitung von Kunstgut dieser Jahre in protestantischen Kirchen systematisch angehen? Unter welchen Bedingungen wurde Kunst damals produziert? Was kann man aus der Analyse „schwieriger Fälle“ für die Deutungsarbeit gewinnen? Welches sind die nächsten Schritte hin zu einer sachgerechten Aufarbeitung von Kunstgut im Raum der protestantischen Kirche während der NS-Zeit? Angesprochen werden die Verantwortungsträger von den Kunstreferaten über die Kirchenleitungen bis zu den Kirchenvorständen. Eingeladen sind ebenso Experten aus Kunst und Denkmalpflege und interessierte Bürger. Anmeldungen sind möglich bis zum 14. Juni unter: Evangelische Akademie Loccum, Münchehäger Straße 6, 31547 Rehburg-Loccum, 05766 81-0, www.loccum.de oder bei der Tagungsleitung: Stephan.Schaede@evlka.de. (kb, 20.4.18)

Berlin-Mariendorf, Martin-Luther-Gedächtniskirche, 1935, Triumphbogen u. a. mit NS-Motiven (teil-entfernt vermutlich während der NS-Zeit) (Bild: Harald Rossa, CC BY SA 2.5, 2006)

Kehlen, St. Verena (Bild: Andreas Praefcke, CC BY SA 3.0, 2011)

Es braucht ein ganzes Dorf

Kirchen und Kinder ähneln sich mindestens in einem Punkt: Es braucht das sprichwörtliche ganze Dorf, um ihnen eine gute Gegenwart und eine ebensolche Zukunft zu bereiten. Doch gerade im ländlichen Bereich fehlt es immer häufiger an Bevölkerung, Kirchenmitgliedern und nicht zuletzt Geld, um Kirchenbauten zu bewahren. Dieses immer drängender werdende Problem trifft auch im ländlichen Bereich die angestammten historischen Gottesdiensträume ebenso wie die Erweiterungen und Neubauten wachsender Dörfer und Stadtteile im 20. Jahrhundert. Darum hat die Wüstenrot Stiftung das Thema „Die Kirche in unserem Dorf“ zum Schwerpunkt ihres vierten Wettbewerbs in der Reihe „Land und Leute“ gemacht.

Gesucht werden noch bis zum 15. Juni 2018 Beispiele dafür, wie Kirchen, Klöster und andere Gebäude im kirchlichen Umfeld mit einer veränderten oder ergänzten Nutzung weiterhin als Begegnungsräume erhalten werden können. Willkommen sind alle Arten der Veränderungen an Kirchen von der Modernisierung, Erweiterung, Verkleinerung bis zur Umnutzung. Die Kirchengebäude sollten in kleinen Gemeinden und Städten oder – beispielsweise in Verbandgemeinden – in Ortsteilen mit bis zu 5.000 Einwohnern stehen. Ziel ist es, aus den Einsendungen zu diesem Wettbewerb eine aktuelle Übersicht zu erstellen und beispielhafte Angebote zu dokumentieren. (kb, 7.4.18)

Download der Ausschreibungsunterlagen

Kehlen, St. Verena (Bild: Andreas Praefcke, CC BY SA 3.0, 2011)

Holzkirchen, St. Josef (Bild: Copyright Erzbischöfliches Ordinariat München/Achim Bunz)

Aus alt mach neu

Es werden wieder Kirchen gebaut, die zwar nicht in ihrer Zahl, aber in ihrer Form an das 20. Jahrhundert anknüpfen. In Holzkirchen bei München etwa wurde St. Josef (1962, Franz Ruf) 2014 wegen Einsturzgefahr niedergelegt. Dem alten Turm stellte der Münchner Architekt Eberhard Wimmer ein neues Schiff zur Seite: eine Verbindung zweier kegelförmiger Holzkonstruktionen, die im Frühjahr 2018 eingeweiht wurde. Ähnliches konnte man vor 50 Jahren z. B. in Fellbach bei Stuttgart (Maria Regina, 1967, Klaus Franz) bewundern.

Andernorts sind Neubauten ein Zeichen des Schrumpfens: Aus zwei oder drei alten wird ein neuer Stützpunkt. In Kleinmachnow bei Berlin wurde die Auferstehungskirche (1930/55) frisch entwidmet. Stattdessen verstärkt man den kirchlichen Standort in der Ortsmitte baulich. Die Auferstehungskirche soll künftig vom Heimatverein museal bespielt werden. Auf der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig wird der Vatikan erstmals zehn internationale Architekten versammeln, um eine schwedische Waldkapelle (1920, Gunnar Asplund) in zeitgenössischer Formensprache nachzuempfinden. Doch auch solch neue Neubauten sind nicht vor Abriss gefeit: St. Johannes Baptist in Leopoldshöhe, 2002 nach Entwürfen von Dieter Georg Baumewerd errichtet, wurde gerade abgerissen – wegen Bauschäden. (kb, 1.4.18)

Holzkirchen, St. Josef, 2018 (Bild: © Erzbischöfliches Ordinariat München/Achim Bunz)

Die Architekten Böhm am Modell der Wallfahrtskirche von Neviges. Gottfried Böhm mit seinen Söhnen Stephan, Paul und Peter Böhm (Foto: Jan Klein)

„Die Böhms“ gehen

Denken Sie jetzt nichts Falsches – die zweite und dritte Generation der großen Kölner Kirchbau-Dynastie sind wohlauf. Nur mit ihrer virtuellen Anwesenheit in Stuttgart ist bald Schluss. Noch bis zum 15. April 2018 ist die Ausstellung „DIe Böhms“ noch in der dortigen architekturgalerie am weißenhof zu sehen. Die Präsentation widmet sich den Architekten Dominikus Böhm, seinem Sohn Gottfried Böhm und dessen Söhnen Stephan, Peter und Paul Böhm. Ausgewählte Beispiele – Handzeichnungen und Fotografien – veranschaulichen ebenso die Gemeinsamkeit in der Familientradition wie die Eigenständigkeit der einzelnen Persönlichkeiten und ihrer Architektur.

Die Bauten der Böhms wurden zu Beginn häufig in Beton, später in Stahl und Glas ausgeführt – alle wirken sie wie begehbare Skulpturen. In der Fachliteratur werden dafür gerne Begriffe wie Expressionismus oder Brutalismus bemüht. Wolfgang Pehnt spricht vom „Böhm-Touch“ geprägt. Stephan Böhm selbst sieht das Typische der drei Generationen darin, „dass sie alle etwas neben der allgemeinen Architekturrichtung (Mainstream) liefen. Und das war nicht gewollt oder gar erzwungen, es hatte sich einfach so ergeben.“ Die Finissage zur Ausstellung findet am 15. April um 16 Uhr in der architekturgalerie am weißenhof (Am Weißenhof 30, 70191 Stuttgart) statt. (kb, 26.3.18)

Die Architektendynastie – Gottfried Böhm mit seinen Söhnen Stephan, Paul und Peter Böh m- am Modell der Wallfahrtskirche von Neviges (Foto: Jan Klein)