Kirchenbau

Wupertal-Vohwinkel, Gemeinde Bekennender Christen, 2007 (Bild: Pitichinaccio, gemeinfrei)

Luftballons zum Abschied

Wuppertal hatte schon immer ein großes Herz für allerlei bunte christliche Gruppierungen. Die Palette ihrer Gottesdiensträume reicht von überaus kunstvoll bis zu überaus charmant. Es wundert bei der allgemeinen Finanz- und Kirchenkrise nicht, dass auch und gerade hier der Baubestand kräftig ausgelichtet wird: In diesen Monaten schließt die Kirche Bremkamp (1959), wurde der Kirchsaal Ackerstraße (1894) verkauft, sucht die Christuskirche (1973) einen neuen Eigentümer, wird der Gemeindesaal Hesselnberg (1963) für Wohnzwecke umfunktioniert, fielen die Michaelskirche (1968) und die Kirche an der Goerdelerstraße (1966).

Da sind natürlich ebenso bewährte Um-/Neunutzungen wie der Klavierhändler in der Trinitatiskirche (1878), Kultur in der Immanuels- (1869) und Wichlinghauser Kirche (1894), Diakonie in der Kreuzkirche (1850), das Fotostudio in der Matthäuskirche (1962) oder Events im Gemeindehaus Ostersbaum (1912). Jüngst verkauften die Hatzfelder Protestanten ihre kubische Kirche (1965, Friedrich Goedeking/Traugott Blasberg) und laden vom 23. bis zum 25. Mai 2017 zum Abschiedsfest. Schon 2014 hatte man den Sonntagsgottesdienst eingestellt, doch stand noch Jugendarbeit auf dem Programm. Zum Ende dieser Restnutzung gibt es Rudelsingen, Schrubberhockey und Luftballonsteigenlassen. Es dürfte für Wuppertal nicht der letzte Kirchenabschied sein. (kb, 15.5.17)

Titelmotiv: Wupertal-Vohwinkel, „Gemeinde Bekennender Christen“ im Jahr 2007, der Raum dient seit 2014 als Auto-Schausalon (Bild: Pitichinaccio, gemeinfrei)

Crowdfunding im Staatssozialismus

Heilige Jungfrau Maria der Koenigin von Polen Kirche, Widnica (Bild: ©Igor Snopek)
Die Heilige-Jungfrau-Maria-der-Königin-von-Polen-Kirche in Widnica (Bild: © Igor Snopek)

Nach 1945 erlebte der polnische Kirchenbau eine ungeahnte Blüte. Über 3000 sakrale Neubauten entstanden in der jungen Volksrepublik. Wenngleich die Regierung den religiösen Bauabsichten der Bürger skeptisch gegenüberstand, legitimierte sie meist die Grundsteinlegung. Der Bau selbst war jedoch von den vielfältigen Initiativen der Gemeinden und der Gläubigen bestimmt. Die Ausstellung „Architektur des VII. Tages“ beleuchtet den nachkriegsmoderne Kirchenbau in Polen und legt einen Schwerpunkt auf das oft entscheidende private und kirchengemeindliche Engagement.

Neben ihrer sakralen Funktion fungierten die polnischen Kirchen oft auch als Zentren der Zivilgesellschaft. In zahlreichen polnischen Gemeinden erfolgten daher im Laufe der Zeit Aus- und Umbauaktionen der neuen Sakralbauten. Die Initiative und Realisierung kam oftmals von den Bürgern selbst – Crowdfunding geht auch offline und sogar im Sozialismus! Die Modifikationen der Bauten spiegelten die Bedürfnisse der Gemeinden wider, stießen aber oftmals auf den Widerstand der Architekten, die ihre Arbeit verfälscht sahen. Die Ausstellung ist bis zum 28. Februar 2017 im Polnischen Institut Berlin zu sehen. (jr, 30.11.16)

Lukaskirche soll verkauft werden

Kelheim, Lukaskirche (Bild: Orgelputzer, CC BY SA 4.0)
Seit wenigen Wochen nicht mehr in liturgischer Nutzung: die Kelheimer Lukaskirche (Bild: Orgelputzer, CC BY SA 4.0)

Olaf A. Gulbransson galt um 1960 als Hoffnungsträger des evangelischen Kirchenbaus, obwohl nur wenige der Entwürfe des Architekten bereits umgesetzt waren. Sein wahres Können entfaltete sich vielfach erst postum, als zahlreiche Kirchen nach dem Unfalltod von Gulbransson im Jahr 1961 fertiggestellt wurden. Zu diesen Werken zählt auch der Rundbau der Lukaskirche im bayerischen Kelheim mit Altarfenstern des Glasmalers Hubert Distler.

Seit dem 2. Oktober 2016 ist die Lukaskirche nicht mehr in gottesdienstlicher Nutzung, sie wurde entwidmet. Zum Hintergrund erklärte die Gemeinde, vier Kirchen seien für 3.000 Protestanten nicht haltbar. Da man „von der Landeskirche die Aufgabe habe, dass sich die Kirchengemeinde von dem Gebäude trennen muss“, so zitiert die „Mittelbayerische“ Barbara Stein, Vertrauensfrau und Mitglied im Kirchenvorstand. Auch Umnutzungskonzepte wie eine Urnenkirche oder eine Tagungsstätte ließen sich nicht konkretisieren. Von Bauschäden ist nicht die Rede, vielmehr will man auf Basis eines Wertgutachtens um Investoren werben. Ein neuer Bebauungsplan soll auf dem die Kirche umgebenden Grundstück Wohnbauten ermöglichen. Engagierte Kelheimer setzen sich nun als „Freunde der Lukaskirche“ für den Erhalt ein. Denkmalschutz besteht aktuell nicht, aber Urheberrecht, das die Witwe Gulbransson Max Saxinger anvertraut hat. (kb, 20.11.16)

Langenfeld: Kirchenabriss bestätigt

Langenfeld, Johanneskirche in der Stettiner Straße (Bild: Ritter-pitter, GFDL, CC BY SA 3.0)
Im Original noch viel fotogener: die Langenfelder Johanneskirche in der Stettiner Straße – mehr Bilder gibt es hier (Bild: Ritter-pitter, GFDL, CC BY SA 3.0)

Das Presbyterium hat seine Entscheidung erneuert: Die evangelische Johanneskirche im rheinischen Langenfeld soll fallen. Der 1954 eingeweihte Bau entstand in der programmatischen Bescheidenheit der frühen Nachkriesgzeit: ein sattbelbedachter Putzbau mit Dachreiter, in dessen Kirchenraum viele Details wie Holzbinder, erhöhter Altarraum und darüberliegendes Rundfenster an Bartnings Not-/Diasporakirchenprogramm erinnern. 1967 wurde ein Betonglockenturm, 1985 ein Gemeindesaal ergänzt.

Noch Anfang August waren Langenfelder aus Protest gegen die Abrisspläne auf die Straße gegangen, eine Unterschriftenaktion brachte 2.000 Gegenstimmen. Im Juli kündigte die Denkmalpflege an, die Johanneskirche zu prüfen. Die Gemeinde sieht sich angesichts der schwindenden Mitglieder- und Finanzstärke im Zugzwang – es stünden für die Johanneskirche Sanierungskosten von 3 Millionen im Raum. Die Abrissgegner hingegen wollen keine funktionierende Anlaufstelle im städtischen Zentrum aufgeben. Kritik erregte vor allem die aktuelle Investorenausschreibung, die den Verlust aller gemeindlichen Bauten inkl. des Kirchturms zugunsten neuer Mehrfamilienhäuser vorsieht. Bislang waren viele davon ausgegangen, Kirchsaal/-turm (mehr oder minder verändert) zu halten. Nun ist die Rede von einem neuen 160-Quadratmeter-Multifunktiosraum – angemietet. Wer sich von der Johanneskirche verabschieden möchte, hat hierzu beim letzten Gottesdienst am 29. Januar 2017 Gelegenheit. (kb, 18.11.16)

Kirche weitergebaut VII

Dülmen, Maria Königin (Bild: Dietmar Rabich, CC BY SA 4.0)
Erst Kirche, jetzt Seniorenwohnanlage: Dülmen, Maria Königin (Bild: Dietmar Rabich, CC BY SA 4.0)

Wird über die Umnutzung oder Nutzungserweiterung von Kirchenbauten diskutiert, ist meist von den jüngeren unter ihnen die Rede: von Gottesdiensträume der Nachkriegsmoderne. Diesem Thema widmet sich in der Katholische Akademie Schwerte auch die Reihe „Kirche weitergebaut“, die am 21. November 2016 in ihren VII. Teil gehen wird. Ausgehend vom Teilaspekt „Die Aufgabe der Gebäude“ im „Zukunftsbild“ des Erzbistums Paderborn, das vom Projektleiter Monsignore Dr. Michael Bredeck vorgestellt wird, schließt Prof. Dr. Albert Gerhards (Liturgiewissenschaftliches Seminar, Universität Bonn) mit einem Vortrag zur Thematik des Sakralraums als „Hybridraum“ und „kritischem Raum“ an.

An zwei herausragenden zeitgenössischen Kirchbauprojekten werden beispielhaft neue architektonische Ansätze vorgestellt: Das Büro Soan Architekten aus Bochum verwirklichte mit dem Stadtteilzentrum Q1 in Bochum-Stahlhausen den Umbau der evangelischen Friedenskirche zu einer Begegnungsstätte für interkulturelle und interreligiöse Stadtteilarbeit. Im westfälischen Dülmen wurde die katholische Pfarrkirche Maria Königin aus den 1960er Jahren vom Architekturbüro Feja+Kemper aus Recklinghausen zu einem Sakralraum mit integrierten Seniorenwohnungen erweitert. Die Veranstaltung wird von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen als Fortbildung anerkannt, es wird eine Teilnahmegebühr erhoben. (kb, 15.11.16)