Schlagwort: Leipzig

Berlin, Deutsche Oper (Bild: Uli Borgert)

Bewegliche Architekturen

Wie verhalten sich Baukunst, Bewegung, städtischer Raum und der Raum für die darstellenden Künste zueinander? Dieser Frage stellt sich vom 18. bis 20. Januar in Leipzig die Tagung „Bewegliche Architekturen – Architektur und Bewegung“. Nachgezeichnet werden Veränderungen, die im alltäglichen Erleben eines Stadtgefüges, in Entwurfsprozessen und Arbeitsmethoden von Planern entstehen – und wie sie sich auch in der (Selbst-)Darstellung von Aufführungsorten wiederfinden. Für solche Spielstätten der Moderne ist Beweglichkeit zu einem zentralen Gradmesser geworden.

Die Tagung präsentiert aktuelle Theater-Neu- und Umbauprojekte und Entwürfe bzw. Planungen im Zusammenhang mit Entwicklungen seit den 1960er Jahren. Damit will man einen Diskurs über Räume für aktuelle Experimente in den Aufführungskünsten anstoßen. Hierfür kommen Experten aus Architektur, Denkmalpflege, Urbanistik, Design, Szenografie, Kuration, Theater, Tanz- und Kulturwissenschaften zusammen. Die Tagung ist eine Veranstaltung des DFG-Forschungsprojekts „Architektur und Raum für die Aufführungskünste – Entwicklungen seit den 1960er Jahren“ der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Ebenso wie das Thema ist die Tagung selbst dynamisch angelegt und findet an drei Orten in Leipzig statt. Das Projekt kooperiert hierzu mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst und der Residenz Schauspiel Leipzig. Die Teilnahme ist kostenfrei. (kb, 13.1.18)

Berlin, Deutsche Oper (Bild: Uli Borgert)

Alekos Hofstetter/Florian Göpert, Høyblokka, 2014

Harte normierte Welt?

In diesen Tagen setzen sich gleich zwei Ausstellung künstlerisch mit der modernen Baukunst auseinander: In Dallas an der University of Texas ist bis zum 24. September die Präsentation „a hard place“ zu sehen. Vertreten sind Künstler aus ganz Europa: Alekos Hofstetter, Florian Göpfert, Oisin Byrne, Laure Catugier, Cunningham Architects, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Dirk Krecker, Pádraic E. Moore, ScAle Architects, Christine Weber, Julia Zinnbauer und Matias Bechtold. Alekos Hofstetter (und Florian Göpfert) setzen sich seit 2012 im Werkzyklus „Tannhäuser Tor“ mit moderner Baukunst auseinander.

Christoph Liepach hingegen verfolgt die modernen Zeugen der Stadtentwicklung und ihre Veränderungsprozesse mit der Kamera. Mit seinem Werk ist er aktuell in der Ausstellung „Normierte Welt. Zwischen Anspruch und Aneignung von DDR-Architektur heute“ vertreten. Neben Liepach widmen sich hier ebenso die Fotografen Fabian Heublein und Louis Volkmann (kuratiert von Stefan Kausch „in Kollaboration“ mit den Fotografen) dem Thema „Zwischen Anspruch und Aneignung von DDR-Architektur heute“. Die Ausstellung steht im Rahmen von und mit freundlicher Unterstützung von OSTLichter Kulturfestival und Freiraum Festival 2017. Noch bis zum 17. September ist die Präsentation im Leipziger Pöge-Haus (Hedwigstraße 20) zu bestaunen. (kb, 31.8.17)

Bilder: Alekos Hofstetter/Florian Göpert, Høyblokka, 2014

Leipzig, Alte Propsteikirche (1982) (Bild: Rabanus Flavus, CC0)

Propsteikirche verkauft – und bald abgerissen?

Name und Preis sind zwar noch unbekannt, doch eines hat der Leipziger Propst Gregor Giele gegenüber „KNA/katholisch.de“ bestätigt: Die Alte (sprich nachkriegsmoderne) Propsteikirche in Leipzig ist verkauft. Der kubische Bau in der Emil-Fuchs-Straße entstand 1982 nach Plänen der DDR-Bauakademie. Zuvor war 1954 die „erste“ Propsteikirche (1847) in der Rudolphstraße nach Kriegsbeschädigungen gesprengt worden. Nach der Wiedervereinigung entschied sich die katholische Gemeinde für einen Neubau an der prominenten Kreuzung von Martin-Luther-Ring, Peterssteinweg und Nonnenmühlgasse. Ein vielbeachteter Architektenwettbewerb mündete in den 2015 geweihten Neubau durch das Leipziger Architekturbüro Schulz & Schulz.

Der nunmehr „alte“ Kirchenraum wurde 2015 sowohl profaniert als auch (als besonderes Zeugnis der DDR-Architektur) unter Denkmalschutz gestellt – und damit war ein Konflikt programmiert, wollte die Gemeinde doch das Grundstück veräußern (inklusive Abriss der bestehenden, als „baufällig“ bezeichneten Kirche). Inzwischen sollen die Arbeiten des Berliner Metallbildhauers Achim Kühn, der für Leipzig die liturgischen Orte und Portale gestaltete, eingelagert worden sein. Sie sollen künftig in einem Museum in Borna gezeigt werden. Und der Käufer des ostmodernen Kirchengebäudes habe, so „KNA/katholisch.de“, „bei Bauamt und Denkmalpflege erfolgreich prüfen lassen, dass ein Abriss (…) doch möglich wäre“. (kb, 21.8.17)

Leipzig, Alte Propsteikirche (Bild: Rabanus Flavus, CC0)

Leipzig, Sachsenplatz, 1980 (Bild: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, "Leipzig, Sachsenplatz -- 1980 -- 14", CC BY SA 4.0)

10 Jahre ohne: „Mein Leipzig lob‘ ich mir …“

Nach zehn Jahren Wartezeit soll es in diesem Herbst endlich soweit sein: Leipzig bekommt sein Wahrzeichen wieder! Das berühmte Goethe-Zitat, entnommen aus einem der Stadt nicht ganz so freundlich gesinnten Faust-Passus („Mein Leipzig lob‘ ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute“, gesprochen von einer dem geistlichen Getränk zugewandten Figur namens „Frosch“ im Auerbacher Keller), prangte seit 1967 über einem ostmodernen Wohnblock am Brühl. Gegenüber dem Hauptbahnhof wurden so, mit einem viersprachigen „Willkommen“, Gäste der Messestadt begrüßt.

2007 hatte man den Plattenbau abgerissen und an seine Stelle ein neues Einkaufszentrum gesetzt. Der denkmalgeschützte Schriftzug wurde zerlegt und ins Depot verbracht – mit ungewisser Zukunft. Jahrelang stritt man vor Gericht über die weitere Montage. Die Betreiber des angrenzenden Hotels hatten eine zu hohe „Lichtintensität“ gefürchtet, so dass die Eigentümer der „Brühl-Arkade“ (mit dem besagten Hotel) gegen den Wiederaufbau der Neonwerbung klagten. Erst vor wenigen Monaten einigten sie die neuen Besitzer mit der Stadt auf einen Kompromiss (die zum Hotel gewandte Seite wird um 22.00 Uhr ausgeschaltet). Nun muss die monumentale Lichtreklame noch restauriert werden, dann können sich die Gäste der Stadt mit einem – tourismusfähig umgedeuteten – Goethezitat gegrüßt fühlen. (kb, 19.8.17)

Leipzig, Sachsenplatz, 1980 (Bild: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, „Leipzig, Sachsenplatz — 1980 — 14″, CC BY SA 4.0)
Leipzig, Interpelz Blick aus der Katharinenstraße über die Ruinen zum Brühl, nach 1966 (Copyright: Klaus Liebich)

2 x Leipzig

In Leipzig setzte sich in den frühen 1960er Jahre der Traum von einer Stadtlandschaft mit großen Freiräumen durch. Typisiertes und industrielles Bauen waren die Instrumente dieser Stadterneuerung von innen. Die Ausstellung „Plan! Leipzig, Architektur Städtebau 1945-1976“ zeigt zum ersten Mal die wechselvolle Baugeschichte der Messestadt in den drei Jahrzehnten nach Kriegsende bis zur Grundsteinlegung des Wohngebietes Leipzig-Grünau im Sommer 1976. Die Vernissage wird am 16. Mai um 18 Uhr begangen. In Anschluss ist die Ausstellung „Plan! Leipzig Architektur und Städtebau 1945-1976“ bis zum 27. August zu sehen im Haus Böttchergäßchen (Böttchergäßchen 3, 04109 Leipzig).

Parallel bietet das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig (Böttchergäßchen 3, 04109 Leipzig) einen fotografischen Blick in die Stadtgeschichte: Klaus Liebich, von 1963 bis 1992 Dozent für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, widmete sich in den 1960er Jahren der Dokumentation der noch immer vom Krieg gezeichneten Stadt. Das Besondere an seinen Farbfotografien sind die bewusst gewählten Kontraste zwischen den auch nach fast 20 Jahren immer noch sichtbaren Spuren des Kriegs und dem langsam beginnenden Aufbau. Die Ausstellung „Kontraste. Leipziger Stadtansichten“ wird  noch bis zum 30. Juli 2017 gezeigt. (kb, 14.5.17)

Leipzig, Interpelz, Blick aus der Katharinenstraße über die Ruinen zum Brühl, nach 1966 (Copyright: Klaus Liebich)