Leipzig

Alekos Hofstetter/Florian Göpert, Høyblokka, 2014

Harte normierte Welt?

In diesen Tagen setzen sich gleich zwei Ausstellung künstlerisch mit der modernen Baukunst auseinander: In Dallas an der University of Texas ist bis zum 24. September die Präsentation „a hard place“ zu sehen. Vertreten sind Künstler aus ganz Europa: Alekos Hofstetter, Florian Göpfert, Oisin Byrne, Laure Catugier, Cunningham Architects, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Dirk Krecker, Pádraic E. Moore, ScAle Architects, Christine Weber, Julia Zinnbauer und Matias Bechtold. Alekos Hofstetter (und Florian Göpfert) setzen sich seit 2012 im Werkzyklus „Tannhäuser Tor“ mit moderner Baukunst auseinander.

Christoph Liepach hingegen verfolgt die modernen Zeugen der Stadtentwicklung und ihre Veränderungsprozesse mit der Kamera. Mit seinem Werk ist er aktuell in der Ausstellung „Normierte Welt. Zwischen Anspruch und Aneignung von DDR-Architektur heute“ vertreten. Neben Liepach widmen sich hier ebenso die Fotografen Fabian Heublein und Louis Volkmann (kuratiert von Stefan Kausch „in Kollaboration“ mit den Fotografen) dem Thema „Zwischen Anspruch und Aneignung von DDR-Architektur heute“. Die Ausstellung steht im Rahmen von und mit freundlicher Unterstützung von OSTLichter Kulturfestival und Freiraum Festival 2017. Noch bis zum 17. September ist die Präsentation im Leipziger Pöge-Haus (Hedwigstraße 20) zu bestaunen. (kb, 31.8.17)

Bilder: Alekos Hofstetter/Florian Göpert, Høyblokka, 2014

Leipzig, Alte Propsteikirche (1982) (Bild: Rabanus Flavus, CC0)

Propsteikirche verkauft – und bald abgerissen?

Name und Preis sind zwar noch unbekannt, doch eines hat der Leipziger Propst Gregor Giele gegenüber „KNA/katholisch.de“ bestätigt: Die Alte (sprich nachkriegsmoderne) Propsteikirche in Leipzig ist verkauft. Der kubische Bau in der Emil-Fuchs-Straße entstand 1982 nach Plänen der DDR-Bauakademie. Zuvor war 1954 die „erste“ Propsteikirche (1847) in der Rudolphstraße nach Kriegsbeschädigungen gesprengt worden. Nach der Wiedervereinigung entschied sich die katholische Gemeinde für einen Neubau an der prominenten Kreuzung von Martin-Luther-Ring, Peterssteinweg und Nonnenmühlgasse. Ein vielbeachteter Architektenwettbewerb mündete in den 2015 geweihten Neubau durch das Leipziger Architekturbüro Schulz & Schulz.

Der nunmehr „alte“ Kirchenraum wurde 2015 sowohl profaniert als auch (als besonderes Zeugnis der DDR-Architektur) unter Denkmalschutz gestellt – und damit war ein Konflikt programmiert, wollte die Gemeinde doch das Grundstück veräußern (inklusive Abriss der bestehenden, als „baufällig“ bezeichneten Kirche). Inzwischen sollen die Arbeiten des Berliner Metallbildhauers Achim Kühn, der für Leipzig die liturgischen Orte und Portale gestaltete, eingelagert worden sein. Sie sollen künftig in einem Museum in Borna gezeigt werden. Und der Käufer des ostmodernen Kirchengebäudes habe, so „KNA/katholisch.de“, „bei Bauamt und Denkmalpflege erfolgreich prüfen lassen, dass ein Abriss (…) doch möglich wäre“. (kb, 21.8.17)

Leipzig, Alte Propsteikirche (Bild: Rabanus Flavus, CC0)

Leipzig, Sachsenplatz, 1980 (Bild: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, "Leipzig, Sachsenplatz -- 1980 -- 14", CC BY SA 4.0)

10 Jahre ohne: „Mein Leipzig lob‘ ich mir …“

Nach zehn Jahren Wartezeit soll es in diesem Herbst endlich soweit sein: Leipzig bekommt sein Wahrzeichen wieder! Das berühmte Goethe-Zitat, entnommen aus einem der Stadt nicht ganz so freundlich gesinnten Faust-Passus („Mein Leipzig lob‘ ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute“, gesprochen von einer dem geistlichen Getränk zugewandten Figur namens „Frosch“ im Auerbacher Keller), prangte seit 1967 über einem ostmodernen Wohnblock am Brühl. Gegenüber dem Hauptbahnhof wurden so, mit einem viersprachigen „Willkommen“, Gäste der Messestadt begrüßt.

2007 hatte man den Plattenbau abgerissen und an seine Stelle ein neues Einkaufszentrum gesetzt. Der denkmalgeschützte Schriftzug wurde zerlegt und ins Depot verbracht – mit ungewisser Zukunft. Jahrelang stritt man vor Gericht über die weitere Montage. Die Betreiber des angrenzenden Hotels hatten eine zu hohe „Lichtintensität“ gefürchtet, so dass die Eigentümer der „Brühl-Arkade“ (mit dem besagten Hotel) gegen den Wiederaufbau der Neonwerbung klagten. Erst vor wenigen Monaten einigten sie die neuen Besitzer mit der Stadt auf einen Kompromiss (die zum Hotel gewandte Seite wird um 22.00 Uhr ausgeschaltet). Nun muss die monumentale Lichtreklame noch restauriert werden, dann können sich die Gäste der Stadt mit einem – tourismusfähig umgedeuteten – Goethezitat gegrüßt fühlen. (kb, 19.8.17)

Leipzig, Sachsenplatz, 1980 (Bild: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, „Leipzig, Sachsenplatz — 1980 — 14″, CC BY SA 4.0)
Leipzig, Interpelz Blick aus der Katharinenstraße über die Ruinen zum Brühl, nach 1966 (Copyright: Klaus Liebich)

2 x Leipzig

In Leipzig setzte sich in den frühen 1960er Jahre der Traum von einer Stadtlandschaft mit großen Freiräumen durch. Typisiertes und industrielles Bauen waren die Instrumente dieser Stadterneuerung von innen. Die Ausstellung „Plan! Leipzig, Architektur Städtebau 1945-1976“ zeigt zum ersten Mal die wechselvolle Baugeschichte der Messestadt in den drei Jahrzehnten nach Kriegsende bis zur Grundsteinlegung des Wohngebietes Leipzig-Grünau im Sommer 1976. Die Vernissage wird am 16. Mai um 18 Uhr begangen. In Anschluss ist die Ausstellung „Plan! Leipzig Architektur und Städtebau 1945-1976“ bis zum 27. August zu sehen im Haus Böttchergäßchen (Böttchergäßchen 3, 04109 Leipzig).

Parallel bietet das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig (Böttchergäßchen 3, 04109 Leipzig) einen fotografischen Blick in die Stadtgeschichte: Klaus Liebich, von 1963 bis 1992 Dozent für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, widmete sich in den 1960er Jahren der Dokumentation der noch immer vom Krieg gezeichneten Stadt. Das Besondere an seinen Farbfotografien sind die bewusst gewählten Kontraste zwischen den auch nach fast 20 Jahren immer noch sichtbaren Spuren des Kriegs und dem langsam beginnenden Aufbau. Die Ausstellung „Kontraste. Leipziger Stadtansichten“ wird  noch bis zum 30. Juli 2017 gezeigt. (kb, 14.5.17)

Leipzig, Interpelz, Blick aus der Katharinenstraße über die Ruinen zum Brühl, nach 1966 (Copyright: Klaus Liebich)

Marcel Breuer: Chaise longe 313 (1932) im Museum Boijmans van Breuningen (Bild: Sandra Fauconnier, CC BY SA 3.0)

Bauhaus in Sachsen

Was passiert, wenn „Bauhaus“ auf Alltag trifft. Die Veranstaltung „Bauhaus in Sachsen. Experimentelle Gestaltung gestern und heute“ will dieser und anderen Fragen am 15. Mai 2017 in Leipzig (Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, Karl-Tauchnitz-Straße 9-11) nachgehen. Das Kolloquium – ein Gemeinschaftsvorhaben der Sächsischen Akademie der Künste und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen – verspricht hierfür eine ausgewogene Mischung aus Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Mediencollage.

Die Veranstalter haben sich insgesamt drei Themenschwerpunkte vorgenommen. Unter dem Titel „Bauhaus in der Fabrik“ wird betrachtet, die Künste in die serielle Fertigung von Leuchten, Glas oder Möbeln hinein wirkten und wie sich deren Gestaltung dadurch veränderte. Das Schlagwort „Bauhaus im Museum“ will zeigen, wie die Ergebnisse des oft experimentellen Bauhaus-Bewegung heute in den Museen inszeniert und von den Besuchern wahrgenommen werden. Nicht zuletzt fragt der Themenschwerpunkt „Bauhaus in der Stadt“, wo Bauhaus heute zu finden ist, wie sich die Künstler heute mit den Experimentierräumen Architektur und Stadt auseinandersetzen. Zum Abschluss des Kolloquiums zeigt Lutz Dammbeck per Film eine Installation im Bauhaus Dessau aus der Mitte der 1980er Jahre. (kb, 28.4.17)

M. Breuer: Chaise longe 313, 1932, Museum Boijmans (Bild: Sandra Fauconnier, CC BY SA 3.0)

Erichs Lampenladen reloaded?

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Könnte bald wieder aktuell sein: Innenansicht des entkernten Palast der Republik (Bild: elya, CC-BY-SA 3.0)

In Leipzig bahnt sich das ostmoderne Comeback des Jahrzehnts an: der Palast der Republik soll wieder aufgebaut werden! Der Leipziger Architekt Daniel Theiler möchte den monumentalen Bau, der in Berlin dem neuen Stadtschloss weichen musste, in seiner Heimatstadt am Wilhelm-Leuschner-Platz neu aufbauen. Der Zeitplan ist ehrgeizig: bereits 2018 sollen die Bauarbeiten beginnen, 2019 der Palast seine Pforten öffnen – zeitgleich mit der Berliner Stadtschloss.

Leipzig ist das neue Berlin – was Hipster schon lange wissen, soll mit dieser Aktion untermauert werden. Vorbild für die Planung ist nicht der Zustand des Baus zu DDR-Zeiten, sondern das kurze Intermezzo von 2004 bis 2006. In dieser Zeit stand der entkernte Palast verschiedenen Kunst- und Ausstellungsprojekten zur Verfügung und entfachte bundesweit Begeisterung. Der Abriss konnte dennoch nicht verhindert werden, 2008 war der Palast der Republik Geschichte. Die Finanzierung des Leipziger Projekts ist noch offen, wer möchte, kann die Idee aber bereits durch den Kauf von Merchandising-Artikeln unterstützen. (jr, 12.3.17)

Schnatterinchen liest

"Schnatterinchens Puppenecke" (Motiv der Leipziger Ausstellung)
„Schnatterinchens Puppenecke“ (Motiv der Leipziger Ausstellung)

Am 1. Juni 1949 (Internationaler Kindertag) gegründet, wuchs der KinderbuchVerlag Berlin unter Leitung von Günther Schmidt schnell zum zentralen Organ dieses Genres heran. Durch die Zusammenarbeit mit namenhaften Illustratoren gewannen die Veröffentlichungen regelmäßig Preise als „Schönste Bücher der DDR“. Insgesamt prägte der Verlag 44 Editionsformen, vom Taschen- bis zum Maxibuch.

Eine der bekanntesten Reihen waren Illustrierte Geschichten in einem dünnen Hard-Cover-Buchformat von 27 x 18,5 Zentimeter. Die Leipziger Ausstellung „Schnatterinchens Puppenecke“ versteht sich als Streifzug durch die bis 1990 gedruckte Edition. Für durchschnittliche 5,40 M wurden die unterschiedlichsten Kinderwelten reich illustriert. Eine minimalistische Typografiegestaltung und wiederkehrenden Illustrationsstile verliehen den Büchern einen hohen Wiedererkennungswert. Vom 19. März bis zum 1. April 2017 ist die Präsentation im „N‘OSTALGIE-Museum“ Leipzig (Nikolaistraße 28) zu sehen. (kb, 23.2.17)

Begreifbare Baukunst

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Bei einigen Exponaten musste das Grassimuseum nicht lange suchen: Türklinke im Museumsbau von Hans Kollhoff (Bild: Grassimuseum Leipzig)

Im Leipziger Grassimuseum geben sich in den kommenden Monaten Karl Friedrich Schinkel, Walter Gropius, Jasper Morrison und andere bedeutende Baumeister die Klinke in der Hand. Gewürdigt werden sie jedoch nicht in Einzelausstellungen, vielmehr ein verbindendes Detail ihrer Arbeit vergleichend nebeneinander gestellt: der Türdrücker. Als haptischer Berührungspunkt zwischen Mensch und Bauwerk sahen und sehen sich Türdrücker und -griffe stets in der Verantwortung, Architektur im Kleinen zu repräsentieren.

Die Ausstellung „Begreifbare Baukunst. Die Bedeutung von Türgriffen in der Architektur“ versammelt 30 Stelen mit historischen und zeitgenössischen Türgriffen, die in Form, Material und Konzeption deutlich divergieren. Ihre Entstehungszeit reicht vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Die Schau fordert ihre Besucher ausdrücklich zum „Begreifen“ aus. So können sie etwa im Selbstversuch ergründen, ob die Handschmeichler den „Vier Gebote des Greifens“ folgen, welche der Designer Otl Aicher in den 1980ern in Form obligatorischer Must-Haves für Klinken aufstellte: Daumenbremse, Zeigenfingerkuhle, Ballenstütze und Greifvolumen. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Mai 2017 zu sehen. (jr, 26.11.16)

moderneREGIONAL auf der „denkmal“

Welche Geschichten beim mR-Fotowettbewerb "Generation Beton" zum Vorschein kamen (eine davon auch zu obigem Foto aus Hamburg), erfahren Sie im November bei uns (Foto: privat)
Welche Geschichten beim mR-Fotowettbewerb „Generation Beton“ zum Vorschein kamen (eine auch zu obigem Foto), erfahren Sie im November bei uns (Foto: privat)

Baukultur und Denkmalpflege erklären sich nicht immer von selbst, oft ist aktive Vermittlungsarbeit gefragt. Welche Möglichkeiten bieten hier die neuen Medien? Welche Formate sind bereits geübt und erfolgreich? Welche Zielgruppe erreicht man über welchen Kanal am besten und welche neue Methoden eignen sich? Und wie kommt das Ganze am Ende dem Denkmal zugute?

Diese Fragen sollen im Rahmen der Messe „denkmal 2016“ in Leipzig erörtert werden. Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland und das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz veranstaltet dazu einen Workshop: „Neue Wege – Neue Medien. Chancen digitaler Vermittlungswege für Baukultur und Denkmalpflege“ (Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber das Platzangebot wird begrenzt sein. Im Anschluss sind Imbiss und Austausch vorgesehen.) am 12. November 2016 von 11 bis 13 Uhr im CL Congress Center Leipzig. Präsentiert und diskutiert werden Praxisbeispiele, Perspektiven und Grenzen der digitalen Baukultur- und Denkmalvermittlung – darunter auch die Arbeit von moderneREGIONAL. Pünktlich zur „denkmal“ erscheint Anfang November bei uns online das Fotospezial „Generation Beton“: Nette Menschen suchten für uns ein Kindheitsfoto vor einem Bau der Moderne heraus – und lichteten sich dort heute noch einmal ab. (kb, 5.10.16)

Leipzig und die Industriekultur

A1-Plakat-TIK-2016Vom 11. bis 14. August 2016 finden in Leipzig die 4. Tage der Industriekultur statt. Ziel ist es auch in diesem Jahr, die traditionsreiche Messestadt von ihrer besonderen Seite zu zeigen. Dafür haben die Veranstalter verschiedene Themenrouten zusammengestellt. Hinter dem Motto „Offenes Werktor“ warten beispielsweise Besichtigungen, Führungen und Vorträge zu sonst verschlossenen Produktionsstätten – von der Edelstahlgießerei über das Kugel- und Rollenlagerwerk bis zum Kraftwerk.

Auch Themenmuseen – darunter das Stadt- und Waagenmuseum Oschatz oder das Museum für Druckkunst – zeigen ihre Schätze. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe wird im Deutsches Museum für Galvanotechnik zudem die „III. Internationale Plakatausstellung des plakat-sozial e. V.“ eröffnet. Die Tage der Industriekultur werden ehrenamtlich organisiert vom Industriekultur Leipzig e. V. (kb, 18.7.16)